Yella 3 - Auktion

Viel Geld war gerade in dem noblen Stadthaus geflossen. “Auf weiterhin gute Geschäfte!” Die beiden Männer waren sich soeben einig geworden und lehnten sich entspannt in ihren Sesseln zurück.
“Darf ich sie noch zu einem Drink einladen?”, fragte der teigig wirkende Hausherr  William Selkirk, ein echter Genussmensch. Er hatte sein Geld mit dem Handel von Baumwolle verdient und leistete sich immer dann außergewöhnlichen Luxus, wenn es um seine Person ging.
“Aber gern doch. Gegen einen guten Tropfen habe ich nichts einzuwenden.” Erfreut griff sein Handelspartner zu dem gut gereiften Whiskey, der von einer hübschen Sklavin serviert wurde. “Diese Güte ist bei uns, mitten im Nirgendwo, nicht zu bekommen.” Sich zuprostend nahmen beide einen Schluck.
“Das glaube ich gern. Wenn sie erlauben, lasse ich ihnen heute noch eine Flasche ins Hotel schicken”, fügte der Händler jovial hinzu. “Als kleine Erinnerung sozusagen, an ein gutes Geschäft.”
“Da sage ich nicht nein.” Marc Travis, schlug die langen Beine entspannt übereinander. Mit dem Verkauf der letzten Ernte steuerte er sicher einiges zum Reichtum seines Gegenübers bei, aber auch er konnte mit dem Erlös zufrieden sein. Immerhin würde er am nächsten Tag seine letzten Schulden tilgen. Damit gehörte die Plantage endgültig ihm allein, mit allem, was sich darauf befand. Schuldenfrei, einen phantastischen Whiskey in der Hand und von den Geschäftspartnern als gleichwertig akzeptiert. Er befand sich in einem geradezu euphorischen Gemütszustand.
“Und, zieht es sie schon wieder weiter?”, erkundigte sich sein Gastgeber neugierig.
“Nein, das hat keine Eile. Ich will mir noch ein paar Tage in der Stadt gönnen. Nur meine Leute habe ich schon etwas früher zurückgeschickt. Die konnten sich inzwischen zur Genüge austoben.”
“So so, und sie? Sie kommen nicht in Versuchung?”
“Das will ich nicht sagen. Nur, erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Da meine Verpflichtungen erfüllt sind, werde ich mir mit der kleinen Summe, die übrig ist, noch ein paar schöne Tage machen.”
“Madam Rosalie und ihre Damen werden es zu schätzen wissen.” Selkirk nickte gutmütig. “Ein gut aussehender Mann wie sie ist dort sicher gern gesehen.” Der Händler sog zufrieden an seiner unvermeidlichen Zigarre. Ein Duft oder Gestank, je nach Nase, der ihn wie ein Parfum umgab.
“Wie wär’s? Ich lade Sie für morgen Abend zu einer ganz besonderen, kleinen Veranstaltung ein.” Eine genüssliche Pause verstrich. “Kostet nichts, sorgt aber für jede Menge Spaß.” Sein Gegenüber sah neugierig auf. “Nichts, was wir hier an die große Glocke hängen, das möchte ich gleich dazu anmerken. Aber für ein paar ausgewählte Männer, mit der entsprechenden pekuniären Ausstattung”, er schmunzelte verschwörerisch und rieb die Finger aneinander in der internationalen Geste des Geldausgebens, “haben wir schon etwas zu bieten.”
“Sie wecken meine Neugier. Verraten sie mir Näheres?”, erkundigte sich Travis sofort.
“Oh nein, lassen sie sich überraschen. Sie werden nicht enttäuscht sein! Ich hole sie morgen gegen drei ab. Und nehmen sie etwas Geld mit.” Er schmunzelte vergnügt vor sich hin.
***
Der große Waschzuber war bis zum Rand mit eiskaltem Wasser gefüllt. Isabella richtete sich bibbernd und Wasser spuckend auf, nachdem Jasper sie unsanft in den Bottich befördert hatte, weil es ihrer Tante nicht schnell genug ging. Warmes Wasser für ein Bad wäre in der alten Waschküche der Plantage zwar durchaus möglich gewesen, fiel aber unter unnötigen Luxus, soweit es Sklaven betraf. Es war auch niemand da der sich beschweren konnte, außer Yella, denn am frühen morgen arbeiteten alle draußen auf den Feldern und das Hauspersonal putzte oder kochte. So war die unglückselige Sklavin mit ihren beiden Peinigern allein in dem kalten Raum.
Da ihre Verwandten sie so schnell wie möglich los werden wollten, entschieden sie sich für die nächste stattfindende Versteigerung. Eine Auktion nur in kleinem Rahmen außerhalb der großen Handelsmärkte. Und diese sollte ihre Nichte am heutigen Nachmittag für immer aus dem Haushalt entfernen. Wenn dabei noch ein hübsches Sümmchen heraus kam, um so besser und darüber hinaus würde sich das Aufsehen in Grenzen halten.
“Wasch dich! Und zwar gründlich!”, bellte die Alte und warf Yella ein Stück Seife zu, das prompt ihren zitternden Fingern entglitt. “Mach gefälligst, oder Jasper hilft nach!” Am liebsten hätte sie wütend aufbegehrt, aber die letzte Drohung genügte, sie in Schach zu halten.
Tante Mary stand feixend daneben und gab Anweisungen. Geschah ihr nur recht, diesem Miststück. Sich an ihren Albert heran zu machen. Wenn sie daran dachte, zitterte sie immer noch vor Wut und Empörung.
Der hätte nur zu gern zugesehen, ließ sich jedoch lieber nicht blicken. Er käme später noch in den Genuss, wenn er den Argusaugen seiner Frau endlich entkommen war. Die kleine Kammer bei Madam Rosalie … hm … es war schon alles abgesprochen.
Gründlich geschrubbt und die Haare trocken gerubbelt, zerrte die Tante ihr sich sträubendes Opfer in die angrenzende Küche. Hier lagen ein kakaobraun schillerndes Korsettkleid und ein kurzes weißes Leibchen bereit. Yella zog sich an und anschließend schnürte Jasper das Korsett so eng, dass ein Mann die Taille mit zwei Händen umspannen konnte.
“Da fehlt noch die Unterwäsche”, sagte Yella entsetzt. Die Tante lachte hämisch.
“Da, wo du hingehst, brauchst du keine Unterwäsche. Die Käufer sind nur an deinem kleinen Frätzchen interessiert.” Angeekelt rief sie nach einer der Haussklavinnen. “Außen hui, innen pfui.” Verdrossen vor sich hin murmelnd bedeutete sie der Sklavin die Haare von Yella herzurichten.”
Die Schwarze gab sich alle Mühe, deren Haarpracht zu bändigen. Mit einem kleinen, von einem Zopf umschlungenen Knoten auf dem Kopf, die vorderen Strähnen zu zwei Zöpfen geflochten und um die Ohren gelegt, entsprach die Frisur der neuesten Mode. Zum ersten Mal nach langer Zeit sah sich Yella wieder im Spiegel. Es war wie ein Blick in die Vergangenheit, ohne den verhassten Ring um den Hals, ihr früheres Selbst.
Tränen traten ihr in die Augen. Wenn sie doch die Zeit zurückdrehen könnte. Sie dachte an ihre glückliche Jugend, als sie hier in der großen Küche mit den Hausangestellten gespielt und so manches leckere Stück Kuchen stibitzt hatte.
Die Tante bemerkte den Gefühlsaufruhr ihrer Nichte und es war ihr ein besonderes Vergnügen, sie augenblicks mit den Handfesseln an ihren Sklavenstatus zu erinnern. Still lächelnd legte sie ihr die mit einer Kette verbunden Schellen an. Dann machte sie sich auf die Suche nach Albert, der Yella und einige andere Sklaven zur Versteigerung in die Stadt bringen sollte.
Die besondere Veranstaltung bei Madam Rosalie war ihr, wie den meisten Ehefrauen, unbekannt. So hoffte sie auf möglichst gottesfürchtige Besitzer für das widerspenstige Mädchen. Die würden hart durchgreifen und sie mit anstrengender Arbeit und genügend Strafen auf den rechten Weg führen.
Mary hatte den Raum kaum verlassen, da stürzte Gracie, die Köchin, herein. Weinend nahm sie Isabella in den Arm. „Es tut mir so leid, mein Kleines. Wenn ich doch nur irgendwie helfen könnte.“ Verzweifelt schüttelte sie den Kopf. „Es ist ja für uns alle nicht leicht. Aber dein Schicksal, das wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht.“
„Nein? Auch Tante Mary und Onkel Albert nicht?“ Fragte Yella unter Tränen lächelnd.
Gracie grinste zurück. „Das ist was anderes. Die hätte ich gerne an Stelle der alten Josie gesehen.“
Beide kannten die alte Frau, die irgendwann auf der Plantage gelandet war und dort ihr Gnadenbrot bekam. Der vorige Besitzer hatte sie im wahrsten Sinne des Wortes zu Schanden geschlagen. Reginal Bradstone, Yellas Vater kaufte sie damals aus Mitleid. Ein guter Kauf, wie sich kurz danach heraus stellte, denn die Alte war eine erfahrene Heilerin.
„Oh, du kannst aber gemein sein.“
Die zwei Frauen nahmen sich in den Arm. Sie würden sich nicht mehr wieder sehen, das war ihnen klar. Und auch ihr beider weiteres Schicksal stand in den Sternen.
Als Albert die Treppe herunter polterte, löste sich Gracie und verschwand so schnell wie sie gekommen war, zu aufgewühlt noch etwas zu sagen.
***
„Madam, wenn ich bitten darf.“ Einen Kratzfuß andeutend wies der Onkel auf die Tür. „Bin mal gespannt, wer sich an dir die Finger schmutzig macht.“ Er grinste hämisch bei dem Gedanken, dass er gleich mit ihr allein sein würde.
„Nun beweg dich schon, Isabella!“ Albert gebrauchte Yellas Taufnahmen immer dann, wenn ihr etwas unangenehmes bevor stand. Unter Peitschenknallen scheuchte er auch die anderen zum Verkauf stehenden Sklaven auf den abfahrbereiten Transportkarren.
‚Dieser blöde, machtbesessene Idiot. Wie er sich aufspielt, wenn er sich in der stärkeren Position glaub‘, dachte Yella und hätte ihm am liebsten eine rein gehauen. In ihr kämpften die Wut, über die grausamen Erlebnisse, und der ihr eigene praktische Realitätssinn, der ihr gebot, die Situation nicht unnötig zu verschlimmern.
Mit einem Ruck setzte sich das Gefährt in Bewegung und Yella wurde es flau im Magen. Heute Abend, da war sie sich sicher, würde sie wissen, was ihr bevor stand. Aber jetzt? Jetzt hatte sie einfach nur Angst vor dem Unbekannten. Und eine alles überwältigende Traurigkeit stieg in ihr auf. Ein letztes mal blickte sie auf ihr altes Zuhause zurück. Ihr standen die Tränen in den Augen. Sie konnte immer noch nicht so ganz glauben was ihr da widerfuhr. Und auch den Anderen um sie herum, schien es ähnlich zu gehen.
Man erwartete sie schon, als sie sich dem Verkaufsstand für die Sklaven näherten. Einem mit Seilen abgezirkelten Karree, in dem erbärmliche, von Lumpen nur notdürftig bedeckte Gestalten auf dem Boden saßen oder lagen und auf den Beginn des Marktes warteten. Als Yella hinter den Anderen den Karren verlassen wollte, hielt der Onkel sie zurück. Kommentarlos fuhr er mit ihr weiter bis zum örtlichen Hurenhaus, wo ihnen eine fensterlose Kammer zugewiesen wurde, in der sie bis zum Zeichen für den Auftritt bleiben sollten. Diese befand sich neben der Bühne und wurde durch einen Kerzenstummel auf einem Wandregal nur ungenügend erleuchtet. Das hatte den Vorteil, dass der verrottete Fußboden und die in Bodennähe angeschimmelten Wände nur zu riechen und nicht zu sehen waren.
Albert war schon früher aufgebrochen, um der Kontrolle seiner Frau zu entkommen und die so gewonnene Zeit mit seiner Nichte allein zu sein. Sie sah in dem kakaobraunen Kleid aber auch zu schön aus. Die Verletzlichkeit in ihrem von Angst und Verzweiflung gezeichneten Gesicht sorgte bei Albert für ein alles überwältigendes Gefühl von Allmacht. Er würde sie in den Staub treten, ihr den für sie bestimmten Platz in der Gesellschaft aufzeigen. Kriechen sollte sie vor ihm in den letzten Stunden, die sie noch in seinem Besitz war.
Kaum in der Kammer, stieß er Yella zu Boden.
“So, du kleine Dreckshure. Endlich sind wir allein. Keine Tante, nach der du rufen kannst.” In einer Mischung aus Wut und Häme zerrte er sie zu sich heran. “Leg die Hände auf den Boden.” Yella blickte verständnislos zu ihm auf. “Na wird’s bald?” Herrschte er sie an.
Dann stellte er sich mit beiden Füßen auf die schwere Kette, die ihre Handgelenke miteinander verband. Es war eine dieser typischen Sklavenketten, die noch genug Spielraum zum Arbeiten ließen. Die so kunstvoll zurecht gelegten Haare ignorierend zerrte er ihren Kopf nach oben. Mit der freien Hand verpasste er dem völlig verblüfften Mädchen mehrere Ohrfeigen. Schäbig grinsend sah er in das von seinen Schlägen gerötete Gesicht.
“Bevor sich unsere Wege trennen, gibt es noch einmal etwas Leckeres aus der Zuckerstange.” Er nestelte ungeduldig an seiner Hose. Wie ein Stehaufmännchen sprang ihr sein Schwanz entgegen. Angewidert wollte sie den Kopf abwenden, was er mit einem Zug an ihren Haaren zu verhindern wusste. “Dir werde ich es schon zeigen, du Hure. Mich vor meiner Frau anzuschwärzen.” Mit vor Lust verzerrtem Gesicht bewegte sich sein Unterleib auf Isabella zu. “Erst machst du mich heiß mit deinem Arschgewackel und dann rennst du greinend zu meiner Frau. Aber nicht mit mir, du kleines Miststück! Nicht mit mir!”
Die eine Hand immer noch in ihren Haaren, die andere um ihren Kiefer gelegt drückte er zu und zwang sie, den Mund zu öffnen. Sofort schob er seinen Penis tief in sie hinein. Yella würgte, schluckte und krampfte. Tränen traten ihr in die Augen, die sie wegzublinzeln suchte. Ekelgefühl kam wieder auf vor diesem widerlichen weich-harten Teil in ihrem Mund. Sie zerrte verzweifelt an der Handkette. Albert wich keinen Fuß breit und stand weiterhin fest auf leicht gespreizten Beinen. Er presste seinen Schoß gegen ihr Gesicht. Wie in der Vergrößerung durch einen Wassertropfen, konnte sie die Haare und Poren an seinem fahlen Bauch sehen. Sie spürte die grobe Struktur des Stoffes, sah einen gelblicher Fleck, irgendetwas Eingetrocknetes neben dem Hosenschlitz, das sich unaufhörlich auf sie zu- und wieder von ihr fortbewegte. Der ganze Mann roch ungewaschen und muffig. Und das Schwein konnte oder wollte nicht fertig werden. Yella versuchte innerlich abzuschalten, sich in eine entfernte Gedankenwelt zu flüchten. Aber immer wieder holte sie der Würgereiz zurück in die Gegenwart.
Es brauchte nicht viel Überlegung. Albert hatte längst ihren Kopf gepackt, sie zu seinem Genuss zu bewegen und Yella hatte nichts mehr zu verlieren. Voller Erbitterung über diese neuerliche Demütigung biss sie zu. In einem letzten irrsinnigen Versuch sich von diesem Schwein zu befreien. Sie wollte nichts abtrennen. Sie wollte sich nur endlich wehren, Abstand herstellen, zu dem, was ihr angetan worden war. Gleichzeitig ballte sie die Hände zu Fäusten, zog sie in einem kräftigen Ruck an und drückte den Widerling von sich weg.
Vollkommen überrascht brauchte es eine Weile bis der Schmerz zu Albert durchdrang. Wahnsinnig vor Pein brüllte er auf. Yella, erschrocken vor sich selbst, flüchtete aus dem Raum.
Eingeschüchtert stand sie auf der kleinen Bühne und wurde die Käufer gewahr, die schon ungeduldig auf den Beginn der Versteigerung warteten. Diese drehten sich neugierig der Geräuschquelle zu. Die Hände an die Wand hinter sich gepresst stand sie da, unfähig sich zu bewegen. Sie wartete auf die grauenhafte Strafe, die sicher gleich kommen würde. Aber egal, was sie jetzt mit ihr anstellen würden, das Schwein hatte es verdient.
Die Hände vor sein bestes Stück geschlagen, stolperte Albert mit halb herunter gerutschten Hosen hinter Yella her. Madam Rosalie, die den Tumult gehört hatte, stürzte vom Eingang her, in den Saal. Zuerst entdeckte sie nur das kreidebleiche Mädchen. Dann sah sie Albert, der, sein Gemächt schützend, stöhnte und jammerte. Er sah im wahrsten Sinne des Wortes derangiert aus. Rosalie, die sich ihr Teil denken konnte, blickte auf den kläglichen, halbnackten Mann. Wieder schien ihn eine Welle zu durchlaufen und er krümmte sich schmerzverzerrt. Sie brach in brüllendes Gelächter aus. Als Puffmutter waren ihr die Schicksale der verkauften Menschen egal. Als Frau konnte sie Isabella nur zu gut verstehen. Dieses Bild geknickter männlicher Eitelkeit war göttlich. Vor allem bei einem so erbärmlichen bigotten Wicht wie Albert. Sie kannte ihn lange genug. Er verdiente, was ihm geschah. Immer noch aus vollem Halse lachend griff sie ein, als Albert auf Yella losgehen wollte.
“Lass es, Bradstone! Du willst sie doch noch verkaufen! Selbst schuld, wenn du nicht Manns genug bist, die Kleine im Zaum zu halten.” Immer noch grinsend trat sie auf Yella zu. “Ich bin mal gespannt, wie er das seiner Frau erklären will”, kicherte sie. Mädel, wenn ich genug Geld hätte, würde ich dich glatt selbst kaufen.”
Yella empfand das als eher zweifelhaftes Kompliment. Ihr war immer noch speiübel. Dessen ungeachtet machte sich so etwas wie Genugtuung in ihr breit. Das Schwein würde sie zumindest in guter Erinnerung behalten. Sie lächelte, ein verzweifeltes Lächeln.
“Mach dich jetzt zurecht. Du bist gleich mit den Anderen dran”, sagte Madam und schickte Yella in den Bühnenaufbau zurück. Albert, der seine Hose inzwischen wieder an den ordnungsgemäßen Platz befördert hatte, ließ sich auf einen der Stühle im Saal fallen. Es wurde Zeit, dass er dieses Weib endlich loswurde.
Die Geldsäcke der Stadt warteten ungeduldig. Etwa zwei dutzend Männer waren bei Madam Rosalie unter Ausschluss der Öffentlichkeit versammelt. In dem mit kitschigen Seidentapeten und vergoldetem Zierrat überladenen Saal, der nach Zigarren und Alkohol roch, saßen sie an kleinen Tischen und suchten die Zeit bis zum Beginn der Auktion totzuschlagen. Angesichts der skandalträchtigen Prominenz eines der Verkaufsobjekte waren die Eingeladenen fast alle erschienen. Albert hoffte insgeheim darauf, diesem illusteren Kreis bald auch anzugehören.
So manche unflätige Zote wurde unter lautem Gelächter zum besten gegeben, um die Wartezeit zu überbrücken. Auch die drei Serviermädchen, die zu Madams Damen gehörten und die die Männer teilweise besser kannten als deren Frauen selbst, blieben von Anzüglichkeiten nicht verschont. Sie schleppten Bier und Whiskey in rauen Mengen. Die Sonne stand schon tief und schickte goldene Strahlen in den Raum. Die Ungeduld wuchs. Auch oder gerade bei denen, die nicht kaufen und sich das Ereignis nur nicht entgehen lassen wollten.
“Meine Herren! Wie schön, sie alle gesund und munter hier zu sehen.” Madam Rosalie war auf der kleinen Bühne erschienen. Etwas verlebt, aber immer noch stattlich, führte die Blondine, ihre Geschäfte mit eiserner Hand. “Darf ich sie nun bitten, die zum Verkauf stehende Ware in Augenschein zu nehmen. Nach der ausführlichen Vorstellung auf der Bühne, können sie wie immer die Sklaven hier vorn näher in Augenschein nehmen.” Damit deutete sie auf den frei geräumten Bereich vor der Bühne. “In etwa einer Stunde beginnen wir dann mit der Versteigerung.
Kommen wir nun zum aktuellen Angebot. Wie immer haben wir für jeden Geschmack etwas Passendes zu bieten. Ich möchte jedoch schon jetzt auf eine besondere Rarität hinweisen, die ich ihnen ganz zum Schluss zeigen werde.”
Unter allgemein zustimmendem Gemurmel wurden die ersten Sklaven und Sklavinnen in den Raum geführt. Es waren allesamt schön gewachsene junge Männer und Frauen von tiefschwarz bis schokoladenbraun. Die männlichen Sklaven waren eingeölt und trugen nur einen knappen Lendenschurz. Die Sklavinnen waren in durchscheinendes Nichts gehüllt, das mehr zeigte, als verbarg. Einige der Mädchen trugen brustfreie Korsetts, aber an den ‘wichtigen’ Stellen waren auch sie nackt. Sie wurden Einzeln vorgestellt, mussten sich  drehen und bücken, wie Madam es bestimmte, oder wie es aus dem Publikum zugerufen wurde. Nach dem Hinweis auf weitere Vorzüge schritten sie von der Bühne und stellten sich abwartend vor dem interessierten Publikum auf. Mit gemischten Gefühlen wartete Yella in der Bühnendekoration auf ihren Auftritt. Sie wollte das nicht. Oh, wie sehr sie das nicht wollte.
Ein kleiner Aufruhr erhob sich, als ein dunkel gelockter Mann eine der Bedienungen, die ihm offenbar Bier in den Schoß geschüttet hatte, heftig ohrfeigte und sie unter wütenden Beschimpfungen von sich stieß. Sie landete unsanft auf einem der gegenüber sitzenden Männer, der sie ihre Brüste umfassend nur zu gern auf fing. “Na wenn du mal für mich so nass würdest, Janet!”, rief jemand aus der Menge, woraufhin das Gejohle gar nicht mehr aufhören wollte.
“Ruhe meine Herren, Ruhe!”, mischte sich Madam in die Gröhlerei und verschaffte sich energisch Gehör. “Das Beste, wie versprochen zum Schluss. Eine, sagen wir mal, frisch gebackene Sklavin”, sie lachte über den eigenen Witz, “noch Jungfrau und gänzlich unerfahren.” Fast alle im Saal wussten, um wen es sich handelte. Zustimmende und ungeduldige Rufe nach der Südstaatenschönheit waren zu hören. “Wie sie wissen, sollte das Mädchen in wenigen Monaten den jungen Mister Freemont heiraten. Nun, zu unser aller Glück kam ihr wahrer Stand noch rechtzeitig ans Licht.” Es folgte eine kurze Pause, in der die Spannung ihren Höhepunkt zu erreichen schien. “Und hier ist sie, unsere Isabella.” Rosalie zerrte das sich sträubende Mädchen mit der zerzausten Mähne rücksichtslos auf die Bühne.
“Na hoffentlich hat die auch im Bett so viel Temperament!”, rief jemand in die Runde. Alles lachte.
Fassungslos sah Isabella, wie sich Menschen, die sie noch vor kurzem als ihre Nachbarn kannte, in eine feixende, sabbernde Menge verwandelten. Sie schienen sie mit ihren gierigen Blicken geradezu verschlingen zu wollen. Verstört schlug sie die Hände vors Gesicht. Glücklich über dieses unschuldige, verkaufsfördernde Verhalten der Kleinen trat Madam Rosalie hinter Yella. In einer dramatischen Geste riss sie ihr mit einem Ruck das weiße Hemdchen vom Leib. Die wohl geformten Brüste hüpften über dem Korsett hervor. Jedes Geräusch erstarb. Man hätte das Fallen einer Stecknadel hören können. In diesem Augenblick wurde deutlich, dass das unschuldige Nachbarsmädchen wirklich eine Sklavin war und zum Verkauf stand. Ein zweiter Ruck, und der Rock löste sich vom Korsett. Dann fiel er zu Boden. Die langen Beine wurden enthüllt und die Scham lag frei. Ein allgemeines nach Luft schnappen war zu hören.
“Nun meine Herren, habe ich zu viel versprochen?” Tosendes Gejohle antwortete. Yella fühlte sich zutiefst gedemütigt. Verzweifelt versuchte sie ihre Blöße zu bedecken. Die Knie zusammen gedrückt, eine Hand vor dem dunklen Dreieck zwischen ihren Beinen, den Oberkörper leicht gebeugt, um mit dem anderen Arm die Brüste zu bedecken, stand sie vor den gaffenden Männern.
Zum ersten Mal seit ihrem Auftritt nahm sie bewusst einzelne Personen wahr. Sie entdeckte Arthur, ihren ehemaligen Verlobten, zusammen mit seinem Vater an einem der hinteren Tische. Er war rot angelaufen. Als sich ihre Blicke trafen, senkte er schuldbewusst die Lider. Und doch entdeckte sie in dem kurzen Moment den Anflug von Verachtung in seinem Blick. Verachtung für sie und für das, was ihr hier vor allen Augen angetan wurde, als wäre es ihre Schuld.
Rosalie packte die Verwirrte kurzerhand an den Schultern und drehte sie, um den Männern auch die Rückansicht zu zeigen, was mit allgemeinem Gelächter quittiert wurde. Da sprang Arthur auf und stürzte hinaus, gefolgt von seinem Vater, der ihr noch einen verächtlichen Blick zu warf. Yella schämte sich in Grund und Boden. „Aus dieser Richtung ist keine Hilfe zu erwarten“, dachte sie traurig. Obwohl sie das schon längst wusste, hatte sie diesen kleinen Funken trügerischer Hoffnung noch aufrechterhalten.
Nach Isabellas Auftritt näherten sich die Käufer, um die Ware in Augenschein zu nehmen. Ungeduldig drängten sie sich vor. Die Kaufobjekte wurden hier- und dorthin gezogen, untersucht und gemustert. Auch Yella musste diese Prozedur über sich ergehen lassen. Allerdings stand der Onkel immer in ihrer Nähe, um aufzupassen, dass keiner die Ware beschädigte.
“Und du hast die Beine wirklich noch für keinen Kerl breit gemacht?”, fragte sie der Inhaber der Bank. “Bei deinem Alter sollte dir noch keiner an die Dinger hier gekommen sein?” Er schnippte geringschätzig nach ihren Brüsten.
“Bitte, Mr. Staedler, bitte nicht!” Yella weinte fast. “Wir kennen uns doch schon so lange. Warum tun sie das? Wie können sie nur so etwas von mir denken?”
“Ach, ihr Weiber seid doch alle gleich. Erst das ‘Blümchen-Rühr-Mich-Nicht-An’ spielen und dann gierig fordern und nie zufrieden zu stellen. Aber keine Angst, ich habe kein Interesse an dir. Du bist mir zu mager. Mir ist eine mollige Schwarze, die weiß, wo ihr Platz ist, wesentlich lieber. Soll sich ein Anderer mit dir herumschlagen.”
Yella drehte sich angeekelt weg und stolperte fast in Arthur, der doch wieder aufgetaucht war. “Es tut mir leid, Yella, aber ich kann dich nicht kaufen. Und Mutter hat es auch verboten. Sie sagt, es schickt sich nicht.”
“Du kannst mich doch danach auf der Stelle freilassen”, flehte Yella ihn an, “und du siehst mich auch nie wieder, versprochen.”
“Dafür fehlt mir nicht nur das Geld. Es tut mir leid. Aber nach diesem Auftritt könnte ich dich sowieso nicht zu uns nehmen.”
“Das brauchst du doch gar nicht. Ich will nur hier weg.”
“Nein, so habe ich das nicht gemeint. Ich kann es mir auch nicht leisten”, entschuldigte er sich lahm.
“Aber es ist doch nicht meine Schuld!”
Wütend und enttäuscht drehte sie sich weg. Ihre Gedanken rasten. Warum gerade sie? Warum kümmerten sich Onkel und Tante nicht um sie, sondern versuchten sie nur noch tiefer ins Unglück zu stürzen? Was hatte sie nur getan? So ein Schicksal würde sie ihrem ärgsten Feind nicht wünschen. Über all diesen Überlegungen, vergaß sie ganz, dass sie doch eigentlich splitterfasernackt zwischen diesen wildfremden Menschen stand.
“Mach es gut Isabella. Ich kann nichts für dich tun. Ich wollte nur auf Wiedersehen sagen. Ich wünsche dir Glück.”
“Behalt es für dich, du Waschlappen.”
Die zwei Männer, die sich gerade näherten, hörten diesen letzten Ausbruch und grinsten sich amüsiert an. “Sie ist vielleicht schüchtern, aber nicht auf den Mund gefallen”, kicherte der eine von Beiden und wandte sich Yella zu.
“Vor allem, wenn man bedenkt, was sie mit dem Schwanz ihres Onkels angestellt hat”, lachte der Andere. Wie ein Lauffeuer hatte die Geschichte die Runde gemacht und der Onkel musste sich etliche belustigte Spitzen gefallen lassen.
Der Mann, der die Bedienung so grob behandelt hatte, starrte auf Yella herab. Immer noch verlegen, schlug sie die Augen nieder. Unter halb geschlossenen Wimpern musterte sie ihn neugierig. Er war von einer hageren Zähigkeit, die Haut vom Wetter gegerbt. Das zusammen mit dem im Nacken gebundenen rabenschwarzen Haar gab ihm das wilde Aussehen eines Freibeuters. So dachte Yella zumindest, die ihn bei sich den schönen Brutalen nannte. Er selbst verzog keine Miene, als er sie mit seinen dunklen Augen musterte.
In seinem nur unwesentlich kleineren Begleiter meinte Yella den Kaufmann William Selkirk zu erkennen. Der Händler mit dem schütterem Haar und den faszinierend blauen Augen über tief hängenden Tränensäcken bot schon einen merkwürdigen Anblick. Lang und dünn in den Gliedmaßen, dafür aber mit einem dicken Bauch gesegnet, bewegte er sich seltsam gestelzt, fast wie ein Storch, fand Yella.
Er umrundete sie langsam. “Was für ein süßer, kleiner Vogel”, sagte er zu seinem Gefährten. Isabella grinste unwillkürlich, da sie an den Storch denken musste.
“Du scheinst gute Laune zu haben”, stellte er fest. “Bist ja hier auch die Hauptattraktion. Was meinst du, soll ich dich kaufen?” Er lächelte aufmunternd und patschte ihr auf den Hintern.
So ein widerlicher Schwachkopf. Der sollte sie doch in Ruhe lassen, wie all die anderen geilen Säcke auch. “Lassen sie das! Ich will nicht gekauft werden und schon gar nicht von Ihnen. Wie können sie es überhaupt wagen?”
Interessiert hörten die in der Nähe stehenden dem kleinen Schlagabtausch zu.
“Na na, wer wird denn gleich so giftig werden?” Lachte er und griff nach ihr. “Hab dich nicht so. Ich will doch nur wissen, wofür ich mein Geld investiere.”
“Mit Sicherheit nicht für mich, sonst krepieren sie noch am Schlag, alter Mann.”
“Das entscheidest nicht du”, ächzte Selkirk etwas angestrengt und schob ihr grinsend eine Hand zwischen die Beine, eine kleine Machtdemonstration.
Reflexartig zog Yella das Knie hoch. Er wich jedoch für sein Alter erstaunlich geschickt aus. Ehe sie es sich versah, gab er ihr eine heftige Ohrfeige. Albert grinste schadenfroh, warf sich dann aber doch dazwischen.
“Benimm dich vor den Kunden!”, zischte er wütend.
“Das erledige ich schon selbst”, erwiderte der Händler seelenruhig, drückte die sich Wehrende mit erstaunlicher Kraft nach unten und gab ihr mit der flachen Hand mehrere kräftige Schläge auf den nackten Hintern. “Kinder und aufmüpfige Sklaven muss man früh an die Kandare nehmen.”
Bemüht, den Mann und auch andere potentielle Kunden nicht zu verprellen, ließ Albert der sich Sträubenden umgehend eine kurze Fußkette anlegen und die Hände an die Oberschenkel binden. Zutiefst gedemütigt und mit schamrotem Gesicht ließ sie die Prozedur über sich ergehen. Das umstehende Publikum amüsierte sich königlich. Inzwischen langte der Händler nach der Reitgerte seines Begleiters.
“Hee, nicht die Ware kaputt machen”, insistierte Albert sofort.
“Ich kaufe die Kleine sowieso und spätestens dann bekommt sie die angemessene Strafe. Aber es geht auch anders.” Er legte einen Arm um Yella, so dass ihr Kopf an seiner Schulter lag. Dann drückte er ihr mit der freien Hand die Wangen zusammen, dass sich ihre Lippen öffneten, wartete kurze Zeit und … ließ einen dicken Tropfen Spucke fallen. Er legte ihr die Hand auf Mund und Nase und zwang sie zu schlucken. “Na? Ist doch nichts Schlimmes passiert, oder?” Unter dem beifälligem Gemurmel der Umstehenden ließ er schließlich von ihr ab und beschäftigte sich mit dem weiteren Angebot. Isabella schüttelte sich vor Ekel.
Der ‘schöne Brutale’ stand die ganze Zeit mit verschränkten Armen daneben und verfolgte die Vorgänge mit sichtlichem Vergnügen. Kurz vor Beginn der Versteigerung näherte er sich Yella und umrundete sie, ohne sie anzurühren. Die musste sich zwingen, sich nicht mit ihm zu drehen.
“Du wirst mir gehören, schönes Kind”, raunte er an ihrem Ohr. “Mir ganz allein. Und ich werde dich stöhnen und schreien hören. Du wirst dich vor mir winden und feiwillig um mehr betteln.”
“Da halte ich eher ein Schwätzchen mit dem Präsidenten”, gab Yella verunsichert zurück.
Unbeeindruckt fügte er leise lachend hinzu: “Ich werde dir weh tun und ich werde dich zeichnen, als mein Eigentum.” Yella lief eine Gänsehaut über den Rücken. Das war überhaupt nicht lustig. Sie wusste nicht, wen sie grässlicher fand, Selkirk oder den Brutalen.
Es gab aber noch genug andere Interessenten, die über die nötigen Mittel verfügten. Am meisten wunderte sie sich allerdings über den Apotheker, der nicht in diese Gesellschaft passte. Er war ein freundlicher, zurückhaltender Mensch mit einem kleinen Sprachfehler. Verlegen näherte er sich und setzte einige Male zum sprechen an.  
“Miss Isabella, es tut mir so leid, was hier passiert.” Er errötete bis unter die Haarwurzeln, als sein Blick unwillkürlich auf die bloßen Brüste fiel. “Albert Bradstone ist, entschuldige wenn ich das sage, ein Schwein. Es tut mir wirklich leid für dich.”
“Danke, Mister Kubinsky. Das ist das erste gütige Wort, das ich seid langem höre.” Bewegt sah Yella zu dem Mann hinüber, der ihr früher in seinem Laden immer ein Bonbon zugesteckt hatte.
“Aber was machen sie hier? Sie passen doch gar nicht hierher.”
“Ich will versuchen, dich zu kaufen.” Yella starrte ihn entsetzt an.
“Nein nein, Kind, nicht das, was du denkst. Hab keine Angst. Du weißt, ich bin alleinstehend und habe niemanden mehr. Wem also soll ich etwas vererben? Da kann ich mein Geld auch für etwas Nützliches verwenden. Ich wäre ja schon längst zu euch heraus gekommen und hätte ein Angebot gemacht. Aber Albert bedeutete mir schon früh, dass er kein Interesse hat. Ich hoffe nur, ich habe genug gespart, um dich auszulösen.”
Yella wusste nicht, was sie dazu sagen sollte. Wie eine heiße Flut fühlte sie es durch ihren Köper pulsieren. Tief bewegt beugte sie sich vor und gab dem Mann einen Kuss auf die Wange.
“Danke! Danke, dass sie es wenigstens versuchen wollen. Ich hatte schon alle Hoffnung auf Menschlichkeit aufgegeben.” Vor Erleichterung hätte sie am liebsten losgeheult.
“Meine Herren, meine Herren”, Madam Rosalie klatschte in die Hände, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen, “ich hoffe, sie haben sich entschieden und sind fündig geworden. In wenigen Augenblicken ist es soweit!”
Gemessenen Schrittes ging sie auf die Bühne und holte sich den ersten Sklaven zur Versteigerung. Die anwesenden Männer, die immer noch die Vor- und Nachteile der einzelnen Sklaven durchsprachen, nahmen langsam wieder ihre Plätze ein. Da öffnete sich die der Bühne gegenüberliegende Tür und ein Mann mit feuerroten Haaren trat ein. Es schien als verlöschten sämtliche Lichter im Raum.
“Jeremy! Jeremy Fletcher!” Mit ausgestreckten Armen eilte Madam verzückt auf ihn zu und warf sich ihm entgegen.
“Rosalie, du alte Puffmutter! Wie schön dich zu sehen.” Fröhlich fing er sie auf und wirbelte sie herum.
“Was führt dich denn den weiten Weg zu mir? An meinem Charme allein wird es wohl nicht liegen.”
“Nichts gegen deine Ausstrahlung, meine Liebe, aber ich hörte da von einer interessanten Versteigerung. Und da ich schon mal in der Nähe war ...”
“Du hast recht. Ich habe heute etwas Besonderes im Angebot. Da drüben, die Schwarzhaarige, etwas Zerzauste. Die, die sich so verschämt zur Seite dreht.”
“Hm, warum ist sie denn so streng gefesselt?”
“Bisschen aufmüpfig, die Kleine, das ist alles.”
“Die wäre vielleicht genau das Richtige für meine anspruchsvollere Kundschaft.”
“Dazu kann ich dir nichts sagen. Temperament hat sie jedenfalls”, kicherte Rosalie hinter vorgehaltener Hand. “Sie hat versucht einem der Käufer in die Eier zu treten und ihrem Onkel hat sie fast den Schwanz abgebissen.”
Jeremy Fletcher lachte schallend. “Danach sieht sie gar nicht aus. Kannst du mir ein paar Minuten mit ihr allein verschaffen?”
“Okay … kein Problem, aber tu nichts, was ich nicht auch tun würde. Viel Zeit kann ich dir ohnehin nicht geben. Die Versteigerung fängt gleich an.” Die Beiden gingen zu Yella hinüber. Rosalie schob sie in den kleinen Raum. Fletcher gleich hinterher und wimmelte Albert ab.
“Keine Angst, er will nur kurz mit ihr reden. Er macht nichts Schlimmes, nur ein weiterer Kunde mit gut gefülltem Geldsack.”
Isabella sah sich indessen einem muskulösen Kraftpaket gegenüber, das sie interessiert musterte.
“Nun, kleine Lady. Äh … von Lady kann man eigentlich nicht sprechen. Mach doch bitte mal den Mund auf, damit ich sehe, ob du noch alle Zähne hast.”
“Nicht schon wieder! Ich bin kein Pferd! Was soll der Mist!”, gab sie patzig zurück.
“Nun mach schon! Ich habe nicht ewig Zeit, oder muss ich dich erst zwingen?”
“Wagen sie es!” Yella zitterte vor Wut.
Der Mann drängte sie an die Wand, packte sie an der Kehle und drückte zu. Das würde er sich nicht bieten lassen. Interessiert lugte er in den panisch geöffneten Mund.
“Na ist doch alles Bestens. Ich weiß nicht, warum du dich so anstellst!” Und bevor sie sich erholt hatte, griff er mit beiden Händen nach ihren Nippeln, quetschte und drehte sie leicht. “Schönes, festes Fleisch”, stellte er fachmännisch fest und schnippte gegen ihre Brust. Als sie unwillkürlich nach unten sah, klemmte er sich ihren Kopf zwischen die Beine.
“Aufhören”, heulte Yella entsetzt. “Lassen sie das!” Verzweifelt versuchte sie sich aus der Beinklammer zu befreien und bemerkte nicht, dass sie ihm damit eher lustvolle Gefühle bescherte. Er lächelte zufrieden.
Temperamentvoll die Kleine, wie Rosalie gesagt hatte. Dann beugte er sich über seine zappelnde Gefangene, musterte den glatten unversehrten Rücken, soweit er nicht von dem Korsett verdeckt war und den Ansatz zum Po, wo er beide Backen auseinander zog, um auch hier nachzusehen, in welchem Zustand sich der Körper befand. Frisch, eng und unberührt, wie er mit Genugtuung feststellte.
“Gutes Material, dich kann ich brauchen. Meine sehr speziellen Freunde werden es zu schätzen wissen.” Er entließ Yella aus der Beinklammer.
“Du Arschloch! Altes Schwein! Drecksack!”, schleuderte Yella ihrem Peiniger vor Wut zitternd entgegen. All die ausgestandene Angst, die Erlebnisse der letzten Tage machten sich in einem einzigen hemmungslosen Wortschwall Luft.
“Na, na, na … dich muss man wohl erst noch erziehen”, freute sich Jeremy, griff nach einem Ohr, drehte es schmerzhaft und zwang sie so auf die Knie. Böse lächelte er hinab. “Und jetzt entschuldige dich und sag mir, dass du meine Sklavin sein möchtest.”
“Nie im Leben, Arschloch, eher friert die Hölle zu.”
“Da werden sich die armen Delinquenten aber freuen”, lachte der. “Also?” Mit der anderen Hand griff er sich eine Brustwarze und behandelte sie in derselben Weise wie das Ohr. Yella standen Tränen in den Augen, es tat höllisch weh.
“Bitte … hören sie auf.”
“Ich warte.”
“Bitte, ich … Entschuldigung.”
“Ja? … weiter ...”
“Aber das geht doch nicht, bitte …”
“Ich höre!”
“Ich … möchte … ihre … Sklavin sein.” Sie schluchzte und er ließ sofort los.
“Na also, geht doch.” Er zückte ein Taschentuch und tupfte ihr fast zärtlich die Tränen vom Gesicht. “Nachdem das geklärt wäre, können wir zurück zu Madams Versteigerung, findest du nicht?” Mit einer galanten Verbeugung ihr den Weg weisend öffnete er die Tür. “Nach ihnen, Mademoiselle.”
Die Versteigerung war bereits in vollem Gang und Sklave für Sklave wurde zu unspektakulären Preisen veräußert. Die Letzte in der Reihe war Isabella. Erwartungsvolle Unruhe machte sich breit, als sie die Bühne wieder betrat.
“Nun, auf die Gefahr mich zu wiederholen, hier haben wir ein ganz besonderes Exemplar zum Verkauf!” Madam Rosalie wies auf Isabella. “Zur Information: Es handelt sich hier um Isabella Bradstone. Tochter und Erbin Reginal Bradstones, deren wahrer Stand erst durch die Testamentseröffnung bekannt wurde. Sie ist die Tochter einer Sklavin und daher selbst unfrei. Der Besitzer möchte sie veräußern, weil es ihm unmöglich ist, in dieser Situation mit ihr unter einem Dach zu wohnen.” Albert nickte zustimmend. “Sie ist gut erzogen, belesen und gebildet. Und sie kann in allen Bereichen des Haushalts und darüber hinaus eingesetzt werden.” Madam Rosalie war vollkommen klar, dass sich keiner der anwesenden Käufer auch nur einen Deut für diese Fähigkeiten interessierte.
“Das Mindestgebot ist bekannt! Meine Herren, ich höre!”

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Inhalt/Idee

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Erotik/BDSM

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Rechtschreibung/Form

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Kommentar(e)

passen nicht recht zusammen. Ansonsten ist die Fortsetzung logisch und angemessen. Natürlich muss man den nächsten Teil lesen, weil es zu erfahren gilt, wer das Rennen macht.
Nur eines ist sicher, Albert der Gebissene wird die Herrschaft verlieren.
Gruß, Tony

Danke für die schnelle Bedienung :) So war die Erinnerung noch frisch genug, um anzuknüpfen. Und es hat sich gelohnt, gleich weiter zu lesen.
Was mich in der ersten Hälfte ein wenig stört ist deine Hast. Du hast es eilig, zu der Stelle zu kommen, die dir wichtig ist, und gehst durch das, was vorher kommt, ziemlich summarisch durch. Als Beispiel den Satz "Als die Sklaven abgeliefert waren". Schwupps, da sind sie. Wie? Was? fragt man sich da irgendwie verdutzt. Und dann komme ich über den erzwungenen Blowjob ins Grübeln: Er fixiert ihr die Hände am Boden, während sie bläst. Über all dem Rätseln geht das Entsetzen über die grausame Handlung ein wenig verloren. Das ist schade.
Aber dann reagiert sie endlich so, wie man es eigentlich schon lange erwartet hätte. Und lässt den ur-männlichen Alptraum wahr werden.... Und wieder wird die Dramatik der Situation durch einen Lacher aufgelockert und verliert von der Schärfe, die sie eigentlich verdient hättte. Die Stimmung ist irgendwie nicht richtig fühlbar. 
Kurz: Ich verstehe nicht ganz, ob du eine Tragikomödie oder ein Drama schreiben wolltest. Am Ende nimmt die Beklemmung zu. Eine grausame Handlung, eine ausweglose Lage. Eine Szenerie, wie aus einem klassischen Südstaaten-Roman.
Also eine gut geschriebene Geschichte. Ein klein wenig von ihrem Potential verschenkt sie meines Erachtens durch zuviel "tell" statt "show" und die manchmal zu grosse Hast.
Ich hoffe, ich muss nicht zu lange auf den nächsten Teil warten ;)

Antwort auf von Domabile

kann ich nicht erkennen. Natürlich wird das Geschehen beim Sklavenmarkt ziemlich handlungslogisch aneinander gereiht. Schließlich steht Yella im Mittelpunkt, nicht die übrige Ware. Eine in meinen Augen zu strenge Sicht auf eher Beiwerk. Anders verhält es sich mit dem Blowjob. Man kann schon ins Grübeln kommen, aber muss es nicht zwingend. Es ist ja nur eine Frage der Kettenlänge zwischen den Fesseln. Unbequem bleibt es trotzdem! Aber hatten es Sklaven der beschriebenen Zeit und Welt bequem?
Einig sind wir uns im Urteil "gute Geschichte". Ob das "Tell" zu dominant ist, weiß ich nicht. Als sehr augenscheinlich verspürte ich es erst nach deinem Kommentar und einem begründeten abermaligen Lesen unter bestimmten Gesichtspunkten.
Im "Widerspruch" zu dir sehe ich aber das Warten auf einen nächsten Teil nicht als "Mangel". Im Interesse von etwas mehr Sorgfalt wäre ich eher geneigt, mich noch ein bis zwei Tage länger zu gedulden. Was selbstredend der Sehnsucht nach Mehr im Wege steht.
Gruß, Tony

Antwort auf von Tony 2360

Diesen Teil 3 habe ich im Sinne von Domabile überarbeitet. Vielen Dank für die Kritik. Also bitte nicht wundern, wenn ihr die von ihm monierten Stellen nicht findet ;-)
Raale

Antwort auf von Raale

Beeindruckend. Und wirklich, jetzt fühlt man viel besser, wie Yella zwischen Wut und Verzweiflung hängt, wie ausgeliefert sie sich fühlt. Mit anderen Worten: Schilderung und gefühlte Emotion passen jetzt zusammen. Damit ist es keine Posse mehr, sondern ein Drama, wie es sich gehört...
Ich danke dir für diese weitere Verbesserung einer faszinierenden Geschichte. Und bin auch ein wenig gebauchpinselt 
So, aber jetzt keine Müdigkeit vorschützen, hopp an den 5. Teil .

In meiner Jugend gab es so eine Serie, Roots, über das Schicksal der Schwarzen in den Südstaaten. Aber so deutlich hat der Autor das nicht beschrieben. Was eigendlich Schade ist. Nun, ich fürchte der Eine hat leider zuwenig gespart und die Anderen sind zu erflogreich, dass sich das Schicksal schnell zum Guten wenden wird. Was natürlich der Autorin Gelegenheit gibt weiter zu bericheten. Darauf freue ich mich schon jetzt. Und wer weiß, vielleicht verirrt sich die Sklavin dann auch nach Tara, zu einer gewissen Scarlet, wer mag es künden?
Ich lasse auf jeden Fall mal 6 Dukaten da, wohl im Wissen, dass die Schöne für weit mehr den Besitzer wechseln wird.

immer wenn es spannend wird, muss man wieder auf den nächsten teil warten!
womit kann ich denn diesmal nerven, damit wieder schnell weiter schreibst???
 
hoffentlich macht der "schöne brutale" das rennen!*fg*

Antwort auf von dani1980

du wirst noch grausame Qualen leiden, bis alles klar ist. Und ich weiss noch nicht mal wie viele Folgen es noch werden. Aber die Hälfte von Nr. 4 ist fertig. Immerhin ;-)

Antwort auf von Raale

doch immer, das du eigentlich ne domse bist und dir meine qualen gefallen!
kann man sich da nicht einigen? du schreibst schnell weiter und ich biete dafür 50 mit der peitsche oder so an?

Antwort auf von dani1980

wenn ich nicht genau wüßte, dass es dir gefällt, wär es glatt ein Angebot ;-)

voller Ungeduld auf die Fortsetzung. Yella gefällt mir. :-)
well wishes
yuna