Von 24/3 zu 24/7 Teil 39

"Klappentext"

Eine Aussprache unter verliebten.

 

Teil 39

Jetzt kommt er zu mir rüber. Ich werde es ihm sagen müssen. Das ist wohl das Schwerste was jemals über meine Lippen kommen wird. So traurig war ich noch nie in meinem Leben. Verdammt, jetzt heul ich sogar schon wie ein kleines Mädchen.

Ich sitze noch immer auf der Decke und er setzt sich genau neben mich. Benjamin greift nach meiner Hand, aber ich will das nicht und ziehe sie ihm einfach weg. Jetzt oder nie, einen besseren Moment wird es wohl nie mehr geben.

„Es geht nicht. Ich kann nicht länger“.

Mehr sage ich nicht. Fragend schaut er mich an, und in seinen Augen erkenne ich ebenfalls Trauer und Verzweiflung. Er wirkt auf mich gerade völlig verunsichert. Nicht mehr so abgebrüht und souverän als sonst. Seine dominante Faszination, die mich immer angezogen hat wie ein Magnet, ist völlig verblasst. Ja, wie weggeblasen, einfach verschwunden.

„Bevor du jetzt weiter sprichst, Andrea, sollte ich dir vielleicht etwas erklären“.

„Wüsste nicht, was es noch groß zu sagen gibt. Ich habe dir erzählt, wie es um meine Gefühle steht, und du hast mich einfach im Regen stehen lassen. Nein, viel schlimmer. Du hast mir mehr als nur deutlich klar gemacht, dass du nicht mal im Ansatz ähnliche Gefühle für mich hegst. Das ändert aber nichts im grinsten an den Meinen. So kann ich einfach nicht mehr weitermachen“.

Während ich das sage, laufen mir unzählige Tränen über das Gesicht. Ich weiß nicht mal ob aus Trauer oder aus Wut auf ihn. 

„Nein, bitte Andrea. Du verstehst nicht. Ich liebe dich auch“.

„Ja, ja, verarschen kann ich mich auch alleine“.

Ich sollte einfach aufstehen und wegrennen, aber etwas lässt mich hier neben ihm sitzen.

„Ich habe eine seltsame Art an mir, Andrea. Jeder Frau, in die ich mich bisher verliebt habe, der habe ich früher oder später in irgendeiner Form immer sehr wehgetan. Warum oder wieso, das ist mir selbst ein Rätsel. Ich habe es mir irgendwann zur Angewohnheit gemacht, keine Frau mehr so nahe an mich ran zu lassen. Ich kann nur sagen, dass ich mich schon länger ebenfalls in dich verliebt habe. Meine komische Art hat das aber nicht zugelassen, dir das zu zeigen. Du hast ja selbst mitbekommen, was das bei mir bewirkt. Sagt mir jemand, dass er mich mag, oder wie bei dir, sogar liebt, schalte ich sofort auf abblocken um. Es tut mir wirklich leid. Ich hätte das nicht tun sollen. Kannst du mir verzeihen“.

Liebt er mich jetzt wirklich, oder will er nur seine dumme Pute an Sklavin nicht verlieren. Nein, seine Augen sind wässrig, das ist nicht gespielt, er liebt mich wirklich. Verdammt, was nun, nein oder doch, ja, doch nicht.

„Ich, ich….., ich weiß einfach nicht weiter“. Das ist nicht mal gelogen oder sonst was. Mein Kopf scheint sich im Kreis zu drehen, so schwindlig ist mir.

„Meine Schwester hat es ja heute früh schon gesehen, aber ich wollte nicht so recht daran glauben. Und als du mir es selbst gesagt hast, das legte den Schalter in mir wieder um. Zum Glück war sie da. Sie hat mir den Kopf wieder zurecht gerückt. Ich liebe dich wirklich, mehr als alles andere und weiß gar nicht mehr, wie ich ohne dich auf Dauer weiterleben sollte“.  

„Auf diese Weise hat mir noch nie jemand seine Liebe gestanden“.

„Du weisst doch, dass bei mir eben alles etwas anderes ist. Alles etwas komplizierter“.

Die Stimmung zwischen uns ist wieder ganz locker und wir starren uns nur noch in die Augen.

„Ich weiss nicht so recht, wie ich das jetzt ausdrücken soll, Andrea. In solchen Dingen bin ich alles andere als gut. Aber möchtest du meine feste Partnerin werden. Ob es für die Frau reicht, das werden wir ja sicher noch sehen“.

Ich lache ihn jetzt an.

„Du hast wirklich eine komische Art an dir“.

„Soll das deine Antwort sein. Bitte, ich möchte wirklich mit dir zusammen sein und das nicht nur so, sondern ganz fest. Für alle Probleme die sich daraus vielleicht ergeben, lässt sich sicher eine Lösung finden. Die Entfernung zwischen uns lässt sich schon irgendwie überbrücken. Liebe kennt doch angeblich keine Grenzen“.

Wow, solche Worte aus seinem Mund. Es ist ihm also wirklich ernst. Ja, mir auch, aber kann ich seinen Ansprüchen auch gerecht werden. Ich kann es nur hoffen.

„Ich, ja ich möchte es. Aber wie soll es jetzt weiter gehen mit uns“.

Er lächelt mich an.

„Mit uns. Ja, uns Beiden. Wie soll es schon weitergehen. Was erwartest du denn von deinem Freund“.

Auf eine solche Frage war ich wirklich nicht vorbreitet. Was erwarte ich wirklich. Darauf gibt es wohl unzählige Antworten und Möglichkeiten, aber was ist mir wichtig, oder am wichtigsten.

„Einen guten Herrn und Meister, der mich führt und lenkt. Der mir meine Grenzen aufzeigt und sie erweitert. Er sollte mich in meine Schranken weisen. Vielleicht nicht immer und die ganze Zeit über, aber so häufig und oft wie irgend möglich. Eine strenge Hand eben. Jemanden, der mich versteht. Der weiß was ich will“.

Wie zur Hölle soll ich mich nur verständlich machen.

„Meinst du, dass ich dieser Jemand sein könnte“.

„Ja“. Mehr braucht es nicht.

„Aber was ist, wenn ich dir auch weh tue. Du weisst, dass ich dabei nicht die körperlichen Schmerzen meine“.

„Ja, ich weiß. Aber habt ihr mir nicht vorhin schon wehgetan. Ist dir das bei einer Frau schon öfters als nur einmal passiert“.

„Nein. Du bist das liebevollste und verständnisvollste Wesen, welchem ich je begegnet bin“. 

Er macht mich ja fast verlegen.

„Und ihr seid der beste Herr, nein, nicht nur Herr. Der beste und liebste Mann, den ich je getroffen habe. Ich kenne niemanden, der mich so gut versteht wie du“.

Ein paar Sekunden schauen wir uns noch an. Dann nähren wir uns ganz langsam an. Unsere Lippen berühren sich und dieser Kuss lässt mich Sterne sehen. So viel Leidenschaft legen wir beide in ihn. 

Wäre es nach einer solchen Aussprache und Offenbarung nicht angebracht, das auch noch mit unserer körperlichen Vereinigung zu besiegeln. Warum eigentlich nicht. Ich mach den ersten Schritt und greife ihm zwischen seine Beine.

Das was ich dort zu greifen bekomme, sagt mir, dass er das wohl ganz ähnlich sieht wie ich. Sein kleiner Freund ist schon ganz hart und steif. Ich massiere ihn durch seine Hose. Meine Hand an seinem Penis ist wohl auch für ihn das Startzeichen. Sofort befinden sich seine Hände auf meinen Brüsten und massieren diese durch mein Shirt.

Erst jetzt lösen sich unsre Lippen, da wir beide ein leises Stöhnen von uns geben müssen.

„F*ck mich, nimm mich“, kommt es aus meinem Mund. Seine Augen sagen mir, dass er jetzt ebenfalls nichts anderes im Sinn hat.

„Ich möchte ja die beiden frisch Verliebten nicht stören, aber in etwa zwei oder drei Minuten kommt ein Pärchen mit einem Hund um die Kurve da vorne“.

Tamara, wo kommt die jetzt plötzlich wieder her. 

„So ein Misst“.

Er sagt es, ich denke es nur. Schnell richten wir unsre Kleidung wieder.

„Und, habt ihr euch jetzt endlich ausgesprochen“.

„Ja“, antworten wir beide.

„Wenn ich euch so sehe, dürfte das Ergebnis wohl eindeutig sein. Seit ihr jetzt fest zusammen, oder wie darf ich das hier verstehen“.

„Könnte man so sagen“, antworte ich ihr.

„Na dann gratuliere ich euch. Außerdem sollte ich euch wohl alles Gute für die Zukunft wünschen. Aber Hochzeitspläne habt ihr nicht gleich geschmiedet“.

„Nein, noch nicht“, gebe ich mit einem Grinsen von mir. Doch plötzlich frage ich mich, ob ich ihm überhaupt genügen könnte. Dass er seltsame Fantasien hat, das durfte ich heute selbst schon erleben. Die Sache mit den Ameisen ist wohl mehr als nur ein wenig ungewöhnlich. Kann ich seinen Weg überhaupt mitgehen. Kann ich aushalten, was er mir antut. Wie soll man sowas nur wissen oder erahnen.

„Du denkst aber gerade nicht wirklich über Hochzeitspläne nach, oder?“.

„Was, wer, ich. Nein, oder vielleicht doch, aber nicht so wie du denkst“.

Er hat wohl sofort gemerkt, dass es in meinem Kopf wieder schwer gearbeitet hat.

„Was ist es dann, das dich so abwesend wirken lässt“.

Raus mit der Wahrheit. Bis jetzt bin ich damit immer gut gefahren bei ihm.

„Im Grunde hab ich Angst“.

„Angst. Angst vor was, vor mir“.

„Nicht direkt, oder eben doch. Das ist alles furchtbar kompliziert. Ich habe Angst, ich könnte nicht gut genug sein. Nicht den Anforderungen genügen. Angst davor, zu versagen und alles zu zerstören“.

Ich könnte noch unzählige andere Gründe angeben, aber ich lass es gut sein. Er hat meine Hände ergriffen und drückt sie fest. Er hat verstanden was ich meine, das ist mir sofort bewusst.

„Du fürchtest dich also davor zu versagen. Mir nicht das geben zu können, was ich möchte. Ich bin darüber sehr erfreut“.

Jetzt ist es soweit. Jetzt spinnt er vollkommen. Ich habe Angst und er freut sich darüber. Mit großen Augen starre ich ihn nur an, kann nichts sagen. Der Kloß in meinem Hals ist wieder riesen groß.

„Seit ich weiß, dass ich mich in dich verliebt habe, Andrea, beschäftigen mich nur zwei Fragen. Die erste, ob du mich auch liebst, hat sich ja schon geklärt. Aber was ist mit der zweiten. Kann ich der Mann sein, den sie sich wünscht. Kann ich ihr geben, was sie möchte. Ich denke, uns plagen dieselben Fragen. Wie ist das denn bei dir, Tamara, du bist doch schon verheiratet“.

„Ach, das geht vorbei. Solche Fragen und Zweifel stellen sich uns Beiden schon lange nicht mehr. Wir wissen einfach, dass wir unzertrennbar zusammen gehören. Wir fühlen beinahe schon was der Andere denkt. Ich glaube, dass das bei euch nicht viel andres werden könnte. Wenn ihr nur mal miteinander reden würdet, so wie jetzt, dann könnte das eine wundervolle Beziehung werden, da bin ich mir sicher“.

„Meinst du wirklich, Schwester“.

„Wenn ich dir’s doch sage“.

Tamara ist sich wohl schon sicher, dass wir zusammen gehören. Aber dass sie bereits verheiratet ist, habe ich nun auch mal so nebenbei erfahren.

„Du scheinst dir ja sicher zu sein. Aber ich bin das ganz und gar nicht, und dein Bruder wohl auch nicht“, mische ich mich wieder in das Gespräch ein.

„Sicher kann man sich da wohl nie sein, und schon gar nicht bei meinem Bruder. Der ist in punkto Frauen schon immer etwas seltsam. Aber ich als Außenstehente merke doch, dass da eine besondere Magie zwischen euch herrscht. Wenn er bei dir war, oder du bei ihm, also wenn ihr so wie jetzt zusammen seid, ist er völlig anders. So glücklich ist er sonst nicht, das kannst du mir glauben. Auch wenn ich dich noch nicht sehr lange kenne, willst du mir doch nicht erzählen, dass du dich auch nur eine Sekunde lang in seiner Nähe wirklich unwohl fühlst. Natürlich fühlst du oberflächlich wegen den BDSM-Spielen ab und zu so, aber tief in dir drin, weist du, dass du bei ihm sicher und gut aufgehoben bist“.

Sie hat Recht. „Ja, das stimmt wohl“.

„Passt auf, ihr Beiden. Wenn euch so viele Zweifel plagen, dann seht doch die verbleibende Zeit, heute und morgen, als kleinen Test an. Dann werdet ihr schon sehen, dass ich Recht habe“.

Einen Test, die Idee gefällt mir irgendwie. Warum auch immer. 

„Du bist Feuer und Flamme für diesen Einfall. Das sehe ich dir sofort an“.

Offenbar verstehen wir uns auch ohne Test schon blind. Benjamin hat sofort erkannt, was in mir vorgeht.

„Ja, bin ich“.

„Dann machen wir das so“.

„Ja“.

„Guten Tag“.

Was, ach ja, das Pärchen ist nun auf gleicher Höhe wie wir. Das hätte ich ja beinahe vergessen.

„Steigen sie wie wir hinauf, oder sind sie auf dem Abstieg“.

„Wir gehen hinab ins Tal“, antwortet Benjamin den beiden Fremden.

„Wenn sie hinabsteigen, sollte ich ihnen sagen, dass nur ein paar hundert Meter weiter der Weg ziemlich morastig ist. Es gibt aber einen kleinen Grasweg, etwas abseits des Wanderweges, welcher völlig ohne Probleme passierbar ist“.

„Vielen Dank für die Info. Wir werden das beachten“.

„Bitte, gern geschehen. Einen schönen Tag noch“.

„Ja, ihnen auch, und viel Spaß“.

Schon setzten die Beiden ihren Weg fort und wir drei sind wieder unter uns.

„Sagt mal, ihr zwei, nun da ihr euch endlich ausgesprochen habt, was haltet ihr davon, wenn wir eben mal was essen und trinken. Ich meine, die Decke liegt ja schon mal da. Ihr habt doch was dabei, oder? Du hast ja gesagt, ich bräuchte nichts. Wenn ich aber in den Rucksack von Andrea schau, da ist zwar allerhand drin, aber nichts was einem Nahrungsmittel im Entferntesten ähnlich sieht“.

„Klar Tamara, das hab alles ich hier. Bitte bediene dich doch. Das reicht locker für uns drei was ich eingepackt habe“.

So, jetzt hab ich es quasi amtlich. So schwer der Ranzen auch sein mag den ich schon den ganzen Tag mit mir herum trage, zu essen oder gar etwas zu trinken ist nicht darin. Fragt sich nur, was er da alles eingepackt hat. 

„Möchtest du auch ein Brot“.

„Brot, ich, nein danke“. Appetit hab ich grade gar keinen. In meinem Bauch scheint alles noch zu fliegen.

„Na komm schon, Andrea, dann iss doch wenigstens einen Apfel“.

„Ich mag eigentlich jetzt nichts“.

„Muss ich jetzt wirklich den Meister raushängen lassen, oder lässt du dich auch so von mir überzeugen“.

Ja, er könnte mir wirklich befehlen etwas zu essen, und ich, wenn er das tut, würde ich es auch tun. Aber wahrscheinlich hat er auch so Recht. Ich sollte wirklich eine Kleinigkeit essen.

„Nein, das ist wohl nicht nötig. Einen Apfel oder so könnte ich wohl doch ganz gut vertragen“.

„Na also, hier bitte“.

Er reicht mir den Apfel und ich greife danach. Als sich unsere Finger berühren, könnte ich schwören, einen kurzen Stromschlag gespürt zu haben. Noch immer halten wir beide den Apfel in der Hand und schauen uns nur verliebt in die Augen.

Wie lange wir uns so anstarren, weiß ich nicht. Er ist es, der mir nun sagt, dass ich essen sollte und ich wende meinen Blick nun ab.

Als ich den roten Apfel verspeise, merke ich erst, dass ich wirklich Hunger hatte. 

„Herr, dürfte ich vielleicht jetzt doch noch ein Brot haben“.

„Aber klar. Du darfst dir auch etwas zu trinken nehmen“.

Das Brot mit Quark verschlinge ich förmlich und reichlich Wasser trinke ich auch noch.

„Ich denke, wir sollten nun wieder aufbrechen“.

Kaum hat Benjamin das gesagt, steht er auch schon auf. Ich tue es ihm gleich. Schnell hat er die Decke wieder in seinen Rucksack verstaut und unsere Wanderung geht weiter.

 

 

 

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