Von 24/3 zu 24/7 Teil 38

"Klappentext"

Einbildung und Geständnis

 

Teil 38

 

Was meint er. Ich versteh nur Bahnhof. Wenn nur endlich dieses Jucken und Brennen aufhören würde. Ich drücke meinen Kopf noch fester gegen den Baumstamm. Er kann doch unmöglich glauben, dass ich das noch mal mache. Nein, niemals.

Meine Fesseln werden gelockert und zum ersten Mal, seit wer weiß wie lange, öffne ich wieder meine Augen.  Ich mag gar nicht nach unten sehen. Wer weiß schon, wie ich dort aussehe. Sicher alles feuerrot und blutig.

„Was ist denn mit dir“.

Er nimmt mir den Knebel aus dem Mund und sofort lege ich los. Ich hole wohl nicht mal Luft, weil mehr wie “Wie kannst du mir das antun“, bekomme ich nicht raus.

„Was ist denn mit dir“.

Ich hole erst mal tief Luft.

„Hier, trink doch erst mal, vielleicht geht es dir dann wieder besser“.

Ohne ein weiteres Wort greife ich nach der Flasche und nehme erst mal einen kräftigen Schluck.

„Geht es dir wieder besser“, möchte mein Herr wissen.

„Nein, alles tut weh und brennt einfach fürchterlich“, fauche ich ihn an.

„Ist das wirklich so“. 

Er wirkt jetzt richtig besorgt um mich. Zuerst tut er mir so was an und dann macht er einen auf Beschützer, na warte. Alles was ich mir für heute vorgenommen habe, schmeiße ich über Bord, dem werde ich jetzt was erzählen. 

„Na klar ist das so“.

Ich will eigentlich nur Luft holen, aber da unterbricht er mich schon wieder.

„War was mit der Fesselung nicht in Ordnung“.

„Fesselung, nein alles bestens mit den Fesseln, aber deine blöden Ameisen. Tausend Mal haben die mich gebissen. Das brennt wie die Hölle“.

Was soll das jetzt. Eigentlich hätte ich gedacht, dass er mich nun mal so richtig rund macht, stattdessen steht er einfach da und lacht. Auch Tamara lacht mit ihm. Hab ich irgendwas Lustiges gesagt. Lachen die mich aus, träum ich etwa. Warum lachen die über mich. Langsam aber sicher kocht in mir die Wut erst richtig hoch.

„Warum lacht ihr mich aus. Das war einfach nur gemein, was ihr da mit mir gemacht habt“.

„Schweig still, Sklavin“.

Offenbar hat er sich wieder gefasst. Sein Blick wirkt bedrohlich und schüchtert mich doch etwas ein. 

„Ich weiß gar nicht was du hast. Wenn dir das wirklich zu viel war, warum hast du dann dein Safewort nicht verwendet. Du wusstest, dass es außergewöhnlich ist, was ich mit dir vorhabe. Außerdem weiß ich gar nicht so recht, was du hast. Du hörst mir nicht zu. Schau dich doch erst mal an, bevor du hier die Furie raus lässt“.

Er schreit mich nicht direkt an, aber seine Worte klingen streng und unnachgiebig. Ich schaue also erst mal an mir herunter, obwohl ich den Anblick sicher kaum ertragen kann. 

Moment, was ist das denn. Am linken Fuß sind drei winzige rote Punkte, und am recht wahrscheinlich gerade mal zehn. Aber das Brennen. Weg, einfach verschwunden. Wie weg gezaubert. Was soll das.

„Na, siehst du es jetzt“.

„Was, was..“. Mehr bring ich nicht heraus. Bin vollkommen verwirrt.

„Kann es vielleicht sein, dass sich die Sklavin Andrea da mal wieder in was rein gesteigert hat, und sich das alles nur eingebildet hat“.

Ist das möglich. Verdammt, bei mir schon. Das wäre nicht das erste Mal, dass ich mir während einer Session Dinge einbilde, die gar nicht geschehen. Aber das ist doch in dieser Form vollkommen unmöglich. Aber meine Beine sind nicht betroffen. Nur an den Füssen sind diese wenigen winzigen Punkte.

Mit meinen Augen voller Fragen, schaue ich meinen Herrn nun an.

„Na, wie sieht’s aus“.

Was soll ich ihm nur sagen. Am besten ich sage es ihm, wie es für mich war.

„Herr, ich weiß nicht. Ich habe doch diese Ameisen gefühlt. Tausende, sie waren überall auf meinen Beinen. Ich, ich…“.

„Ich stand die ganze Zeit neben dir und da waren nicht mal fünfzig Stück. Ach was, wenn’s hoch kommt vielleicht dreißig. Das Ganze hat nicht so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe. Leider, aber da werde ich mir eben für den Fall der Fälle mal noch eine andere Strategie zurecht legen müssen. Das hast du dir alles nur eingebildet. Das finde ich höchst interessant. Hätte nie gedacht, dass so was möglich ist“.

Er hat wohl Recht. Obwohl ich zum zehnten Mal an meinen Beinen hinab sehe, ist nichts zu erkennen. Das Brennen und Jucken ist verschwunden. Selbst an den Füßen, wo ich ja eindeutig diese roten Punkte habe, juckt es nur noch ganz schwach. Da ist wohl eine Entschuldigung fällig. Wie konnte ich auch nur einen Monet annehmen, dass er mich einer solchen grausamen Folter aussetzen würde, oder doch. Wie wäre es wohl gewesen, wenn sein Plan funktioniert hätte.

„Herr, es tut mir leid, ich habe mir das wohl wirklich nur eingebildet“.

„Dass du dir das so toll vorstellen kannst, muss dir nicht Leidtun. Nein, im Gegenteil, das solltest du in Zukunft vielleicht sogar nutzen. Ich für meinen Teil finde das ganz großartig, dass du so eine Vorstellungskraft hast. Jetzt, da ich das weiß, werde ich bestimmt versuchen, das ab und zu auszunutzen. Was dir aber Leidtun sollte, ist, wie du mit deinem Herrn sprichst. Kaum hat man der Sklavin den Knebel entfernt, und anstatt dass sie sich anständig dafür bedankt, wird man von ihr beschimpft und angeschrien, wie eine auf Krawall gebürstete Furie. Das kann ich keines Falls dulden“.

Er hat Recht. Was habe ich da nur wieder angestellt. Wie konnte ich ihn nur so angehen und ihn kritisieren. So was steht mir nun mal nicht zu. Da ist mir wohl mal wieder eine Sicherung durchgebrannt. Wie kann ich das nur wieder ausbügeln. Nein, da gibt es nichts mehr zu glätten. Da hilft nur noch Demut zeigen, sich entschuldigen und um Strafe bitten.

„Es tut mir Leid, Herr. Ich war so aufgebraucht und habe vergessen, wie sich eine gute Sklavin zu benehmen hat. Ich habe es an Respekt gegenüber meinem Herrn und Meister mangeln lassen. Dafür habe ich eine Strafe verdient, Herr. Bitte bestrafen sie mich für mein ungebührliches Verhalten“.

„Da kannst du Gift darauf nehmen, dass das eine Strafe nach sich ziehen wird. Ich sollte dich für den restlichen Tag knebeln, damit du wieder lernst, deine Stimme im Zaum zu halten“.

„Ich werde jede Strafe akzeptieren die ihr für mich auswählt“.

„Gut, so soll es auch sein. Leider gefällt mir deine süße, unterwürfige Stimme viel zu gut, als dass ich den restlichen Tag darauf verzichten möchte. Trotzdem wird mir bestimmt noch etwas anderes in den Sinn kommen. Jetzt zieh dich aber erst mal wieder an. Nicht dass es sich die Ameisen doch noch anderes überlegen und über uns herfallen“.

„Ja Herr“, erst jetzt wird mir bewusst, dass ich ja noch immer nur wenige Meter neben dem Ameisenhaufen stehe.

Ich ziehe also alles wieder an und Tamara hilft mir dabei. Mein Herr packt derweil die Seile wieder ein.

„Du hast wirklich geglaubt, dass dein ganzer Körper voller Ameisen ist“, fragt mich Tamara, als sie mir mein Shirt reicht.

Ich nicke nur, weil mir das Ganze doch etwas peinlich ist.

„Du bist echt zu beneiden. Eine solche Vorstellungskraft möchte ich auch manchmal haben“.

Ich grinse sie nur an. Sagen möchte ich darüber lieber nichts. Ich weiß ja selbst nicht, was ich davon halten soll. Das Ganze hat mich doch ziemlich mitgenommen und verwirrt. Ich wäre froh, wenn wir jetzt wieder aufbrechen würden. 

Lange muss ich auch nicht mehr warten. Mein Herr hält mir noch mal das Wasser an meine Lippen und ich trinke begierig. Es ist einfach rührend, wie er sich um mich kümmert. Wie er voller Sorge um mich ist.

Er greift nach der Leine, welche er wieder an meinem Halsband eingehakt hat und zieht mich so aus dem Wald, zurück auf den Wanderweg. Noch immer scheinen wir die einzigen zu sein, die diesen Weg nutzen. Ich habe keine Ahnung wie spät es ist, aber die Sonne brennt heiß. Der Tag heute wird wieder warm, nein heiß wird er. Temperaturen von weit über dreißig Grad sind einfach nur noch heiß.

Tatsächlich ist mir schon so warm, dass sich erste Schweißperlen auf meiner Stirn bilden. Ich vermisse die Seile in meinem Schritt und die Kugeln in meiner Fot*e. Meine Erregung sinkt langsam, was ich aber doch nicht ganz so schlimm finde. So bekomme ich den Kopf langsam wieder frei, um über das nachzudenken, was bei der Aktion mit den Ameisen passiert ist.

Wie konnte ich mir so etwas einbilden. Wie geht sowas überhaupt. Kann ein menschliches Gehirn so manipuliert werden. Kann das Gehirn einer Sklavin solche Gefühle einfach aus dem Nichts heraus erzeugen.

Eine Ewigkeit versuche ich dahinter zu kommen, was wohl mit mir geschehen sein könnte, finde aber keine plausible Erklärung dafür. Vielleicht sollte ich mal einen Psychiater aufsuchen. Es kann ja sein, dass da oben bei mir manchmal etwas nicht mehr so tickt, wie es sollte. Meine Überlegungen bringen keine Ergebnisse. Das einzige was sie mir einbringen, ist manchmal ein Reißen an der Leine. Ich werde einfach langsamer, während meine Gedanken nach Antworten suchen.

Ich muss jetzt sogar etwas schmunzeln. Was würde so ein Gehirndoktor wohl sagen, wenn ich ihm von dem hier erzähle. Sicher würde er den Mund nicht mehr zu bekommen vor Staunen.

Autsch, schon wieder ein Ruck an der Leine.

„Was zum Teufel ist los mit dir, Andrea“.

Was will er jetzt von mir, hab ich was verpasst und warum einfach nur Andrea.

„Was ist los mit dir. Du wirkst völlig abwesend. Missfällt dir etwas, oder willst du mich nur provozieren. Willst du richtig hart ran genommen werden. Ist es das, oder was ist los“.

Ich weiß gar nicht so genau was er meint. Hab ich was falsch gemacht, einen Befehl überhört?

„Herr, ich war wohl nicht ganz bei der Sache. Was soll ich tun“.

„Du sollst nur an der Leine hinter mir herlaufen. Aber du fällst ständig zurück und träumst vor dich hin. Ich habe schon gemerkt, dass du nicht so ganz bei dem bist, was wir hier tun. Belastet dich etwas. Stoße ich mit irgendetwas an deine Grenzen, ohne es zu bemerken“.

Er macht sich wirklich Gedanken über mich, über sich, ja über uns beide und unsere Beziehung zueinander. Ich sollte ihm dafür einen riesen Schmatz verpassen, aber das von mir aus zu tun, verbietet sich ja von selbst.

„Es ist schon alles soweit in Ordnung, Herr. Es ist nur, ich, na ja, ich habe eben etwas nachgedacht und war wohl unaufmerksam. Es tut mir leid“.

„Was mag wohl so von Bedeutung sein, dass du dir dein süßes Köpfchen so darüber zermarterst“.

„Nichts weiter, Herr“, antworte ich schnell.

„Wie, nichts weiter, so kommt mir das aber überhaupt nicht vor. Dich beschäftigt etwas. Es muss dir wichtig sein, sonst würdest du nicht ständig so aus der Spur laufen. Ich kenn dich mittlerweile schon ein bisschen besser, als du vielleicht denkst. Daher fällt es mir nicht schwer zu wissen, dass du heute alles daran setzt, mir die beste Sklavin zu sein, die ich mir vorstellen könnte. Da passt es überhaupt nicht rein, dass ich ständig dein Tempo und Laufrichtung korrigieren muss. Außerdem braucht man dich nur kurz anschauen um zu sehen, dass du mit deinen Gedanken ganz weit weg bist. Sag mir was dich beschäftigt. Wenn du es nicht mir erzählen kannst, wem solltest du es sonst sagen können“.

Alle Punkt für ihn, eindeutig. Wenn ich es nicht ihm erzählen könnte, wer sollte da sonst in Frage kommen. Meine beste Freundin vielleicht, aber die ist gerade ja nicht hier.

„Herr, ich habe die ganze Zeit über das nachgedacht, was mit mir bei den Ameisen geschehen ist“.

Ich breite meine Gedanken vor ihm aus und er hört mir aufmerksam zu, ohne mich in meinem Redeschwall zu unterbrechen. Alles sage ich ihm. Sogar dass ich glaube, etwas verrückt zu sein. Er steht nur vor mir und hört sich das alles an. Als ich endlich fertig bin, muss ich erst mal tief durchatmen. Das war der reinste Seelenstriptease. Noch nie habe ich jemandem solche Einblicke in meine Gefühlswelt gegeben. Leider ist mir dabei auch raus gerutscht, dass ich mich in ihn verliebt habe, was ich ja eigentlich für mich behalten wollte.  

„Es wird Zeit für eine kleine Verschnaufpause“.

Was, das ist alles. Ich offenbare mich ihm voll und ganz, und ihn lässt das alles so eisig kalt. Eine Pause ist alles was ihm dazu einfällt.

Er holt eine Decke aus meinen Rucksack und breitet sie auf dem Boden neben dem Weg aus. 

„Komm, setz dich, Sklavin“.

Ich bin jetzt noch verwirrter als vorher. Wie ferngesteuert setze ich mich einfach auf die Decke. Er hält mir seinen Rucksack hin und meint, ich könne mir nehmen was immer ich wolle.

Hunger habe ich schon gar keinen, nur schon wieder etwas Durst. Ich krame nach der Wasserflasche, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Er verhält sich jetzt total komisch. Es war wohl doch ein Fehler ihm alles zu erzählen. Er sieht mich nicht mal mehr an. Das war es dann wohl. Aus, vorbei mit allem.

„Darf ich dich mal unter vier Augen sprechen“.

Was würde Tamara jetzt wohl mit Benjamin zu besprechen haben. Eigentlich ist mir das egal. Ich bin den Tränen nahe. Es sollte alles so schön werden, drei Tage, die ich nie vergessen kann, und bis vor kurzem waren sie das auch noch. Doch jetzt wäre es wohl besser, diese Tage komplett aus dem Gedächtnis zu löschen. Nein, nicht nur diese Tage, auch all die anderen Tage an denen ich mit ihm zusammen war, müssen sofort und für immer entfernt werden.

„Na klar, wenn du meinst“.

Während ich mir schon wieder neue Gedanken darüber mache, wie alles so den Bach runter gehen konnte, verschwinden die Beiden im Wald.

Ich schaue ihnen nach, aber Benjamin würdigt mich keines Blickes. Verdammt, alles habe ich falsch gemacht. Ich wische mir jetzt die Tränen aus den Augen.

„Du bist ein Idiot“, hallt die Stimme von Tamara durch den Wald. Ich habe mich fast erschrocken, so vorwurfsvoll und laut wurden diese Worte in die Welt hinaus geschrien. Tamara ist vielleicht die einzige, die mich gerade verstehen könnte.

Ich sehe die Beiden wie sie mit einander reden. Aber da nun nicht mehr geschrien wird, verstehe ich nichts. Selbst wenn, bin ich grade so mit meinem Selbstmitleid beschäftig, dass es einfach an mir vorüber ziehen würde. Wer weiß schon um was es bei den Beiden geht. Von hier aus könnte man an ein richtiges Streitgespräch glauben. Ob es da vielleicht um mich geht. Nein, das kann ich mir wiederum kaum vorstellen, aber was könnte Tamara sonst so aufregen. Woher sollte ich das eigentlich wissen. Ich kenn die Frau ja erst seit gestern.

Aber was ist jetzt mit mir. Offenbar habe ich mir vollkommen falsche Hoffnungen gemacht. Ich denke noch etwas über mich selbst nach, als Tamara plötzlich auf mich zu rennt. Sie packt sich ihre Tasche, mehr hat sie nicht dabei, und geht ohne anzuhalten an mir vorüber.

„Bis später, Andrea“.

Was sollte das jetzt. Ich bin so perplex, dass ich  nichts sagen kann. Ich schaue jetzt rüber zu meinem Herrn. Nein, er kann nicht länger mein Herr und Meister sein, dafür liebe ich ihn schon zu sehr. Wenn  er mich auch über alles lieben würde, dann, ja dann wäre das was anderes, aber so.

Nein, ich habe wirklich alles zerstört, als ich ihm offenbarte, dass ich ihn liebe. Er zeigt nicht eine Reaktion darauf, dass er das ebenfalls im Ansatz tun würde. Ich habe mir da wohl etwas eingebildet, oder gehofft, was nie eintreffen wird. Ich kann nicht länger seine Sklavin sein, das würde mich nur noch belasten.

 

 

 

 

 

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