Sweet, little Miss Sophie - Teil 1

"Klappentext"

Sophies Leben ist an einem Wendepunkt angelangt. Gerade fertig mit ihrem Studium, verzweifelt auf Arbeitssuche und in jeglicher Hinsicht unerfahren. Was soll sie nur mit ihrem Leben anfangen? Nichts scheint zu funktionieren. Und dann ist da noch dieser Mann, der frisch in die Wohnung über ihr gezogen ist.

 

Der Regen prasselte rhythmisch gegen das Fensterglas, hinterließ feuchte Spuren. Der Dreck und Feinstaub der letzten Wochen und Monate sammelte sich in den Tropfen und wusch sich mit den feinen Spuren ab. Die dunkelgrauen Wolken hingen dicht und dunkel über dem Nachmittagshimmel, ergossen sich unnachgiebig über das Grau der engstehenden Häuserblöcke.

Verträumt blickte Sophie aus dem Fenster ihres kleinen Zwei-Zimmer-Apartments in eben einem jener Häuserblöcke. Eigentlich sollte sie ihre Aufmerksamkeit lieber wieder Wichtigerem, gar Notwendigem zuwenden. Dingen, wie der Bewerbung, die nunmehr seit Stunden unverändert vor ihr auf dem Laptopbildschirm flimmerte. Der Laptop war die einzige Lichtquelle im Raum, das Deckenlicht hatte sie noch nicht eingeschaltet. Das bläuliche Flackern des Monitors wirkte gespenstisch und lies Sophies eh schon blasse Haut fast gläsern aussehen. Nur ihren eisblauen Augen konnte das Licht nicht die Magie entziehen. Sie strahlten wie kleine Kristalle, in denen sich die Lichtstrahlen brachen und reflektierten. Ihre schmalen Lippen waren zu einem seligen Lächeln gekrümmt. Ihre Gedanken waren weit fort von der eigentlich so dringenden Arbeit. Ihr schmaler Kopf ruhte mit dem Kinn auf der Handfläche, ihre grazilen Finger tippelten im Takt der Tropfen auf ihrer leicht rosigen Wange.

Wie lange saß sie nun schon so hier? In Gedanken an all das, was sie haben könnte, wenn sie nur etwas mehr Geld hätte? In der Karibik sitzend, die Füße in den heißen, feinen Quarzsand vergraben, ein kühler Cocktail in der einen, ein spannender Krimi in der anderen Hand. Die Sonnenbrille auf der Nase, den Sonnenhut tief ins Gesicht gezogen. Ja, das war das Leben, dass sie sich wünschte.

Nicht dieses kühle, nasse, fade Grau des deutschen Winters, wo kein einziger Sonnenstrahl ihr Gesicht küsste.

Aber dass sie sich dieses Leben leisten konnte musste sie erst einmal wieder Arbeit finden. Dies sollte nun auch relativ schnell geschehen, da ihre eisernen Reserven sich langsam aber sicher dem Ende neigten. Wie viele Absagen hatte sie die letzten Monate schon bekommen? Reichten 20 überhaupt noch? Für die einen war sie zu jung, brachte zu wenig Berufserfahrung mit, hatte nicht das richtige Studium oder war schlicht vom falschen Geschlecht. Auch wenn es keiner zugab, eine Frau, Mitte 20 war ein zu großes Risiko. Was wenn sie nun doch unverhofft schwanger werden würde? Selbst ohne festen Lebenspartner oder nicht einmal den Wunsch hegte Mutter zu werden war sie einfach zu sehr Frau, um wirklich eine nennbare Chance zu haben.

Oft hatte sie sich selbst einreden müssen, dass sie, mit ihren Bestnoten, dem abgeschlossenen Studium, den Zusatzweiterbildungen und sonst noch vielen tollen Sachen, wirklich geeignet war für eine Stelle als Führungskraft. Denn, wenn sie selbst nicht mehr an sich glaubte, wer würde es denn dann tun?

Energisch klappte sie den Laptop zu. Es war ihr egal, ob sie die Arbeit der letzten Tage gespeichert hatte oder der Akku des Geräts den Geist aufgab. Sie musste raus aus der Enge dieser vier Wände. Dieser Bruchbude viel mehr.

Schnell warf sie sich einen dicken Schal um, zog ihren hellgrauen Mantel über und stolperte mit den Schlüsseln in der Hand Richtung Wohnungstür. Mit geübter Bewegung hatte sie ihre kniehohen Stiefel übergestreift und stöckelte nun durch die letzten Meter ihres Zuhauses.

Kaum hatte sie die Türe ins Schloss gezogen und abgesperrt wirbelte sie in gewohnter Manier herum und wollte voller Elan die Treppenstufen nach unten springen. Doch auf halben Weg in ihrer Drehung stieß sie mit einem festen, warmen Körper zusammen. Der Schlüssel, den sie nur locker gehalten hatte segelte in hohem Bogen einmal quer durch das Treppenhaus und fiel klirrend auf den Natursteinboden.

„Hoppla!“, stieß sie überrascht hervor und riss ihre Augen weit auf.

Sie musste sich erst einmal kurz sammeln und blickte dann etwas diffus in zwei haselnussbraune Augen, die sie wohl eben genauso erschrocken anschauten. Eben diese Augen gehörten zu einem männlichen Wesen, dass sie noch nie zuvor gesehen hatte. Er war aber durchaus das, was die meisten Vertreterinnen ihres Geschlechts als Sahneschnitte oder Augenweide bezeichnen würden.

Er war zwar kaum einen Kopf größer als sie, dafür hatte er breite, starke Schultern, muskulöse Arme und eine Aura, dass sie innerlich schon dahinschmelzen lies. Seine rabenschwarzen Haare schimmerten im Licht der schwachen Beleuchtung des Treppenhauses leicht silbern und markante Augenbrauen rahmten seine so ausdrucksstarken Augen perfekt ein. Er hatte männlich ausgeprägte Wangenknochen und seine Nase wirkte wie gemalen. Seine vollen Lippen zierte ein keckes Schmunzeln und ein kleiner silberner Ring blitzte an der linken Seite seiner Unterlippe frech auf.

Sie hatte gar nicht bemerkt, wie sie ihn so gründlich gemustert hatte.

„Vorsicht!“, hallte seine tiefe, seidene Stimme durch den Flur. In ihr lag eine gewisse Strenge, wie sie nur alteingesessene Lehrer haben, vor denen wirklich jeder Schüler Respekt hat.

Seine Worte ließen sie binnen Sekunden erröten und plötzlich fühlte sie sich wieder wie mit 15 Jahren, als ihre Mutter sie dabei ertappt hatte, als sie heimlich ihre neugewonnene Weiblichkeit erkundete und lustvoll jeden kleinen Reiz aufsog, um sich selbst damit befriedigen zu können.

„Ich… äh… Tut mir leid… ich wollte nur…“, stammelte sie nur.

Der unnachgiebige Blick des Anderen fesselte sie so stark, dass sie keinen sinnvollen Satz mehr formulieren konnte. Wie konnte dieser Fremde nur so einen massiven Einfluss auf sie haben? Sie kannte ihn doch erst seit ein paar Sekunden, Momente, die nun schon Ewigkeiten zu dauern schienen.

Tief durchatmen, sprach sie sich selber gut zu, atme tief durch und sammle deine Gedanken.

Erst jetzt merkte sie, dass ihre Hand die ganze Zeit schon auf seiner warmen Brust lag. Wie vom Blitz getroffen zog sie diese nun weg und schaute beschämt zur Seite. Ihr Gesicht hatte mittlerweile die Farbe einer erntereifen Kirschtomate erreicht.

„Entschuldigung. Ich wollte Sie nicht anrempeln. Ich habe nur nicht auf den Weg geachtet. Habe ich Sie verletzt?“, nuschelte sie nun halblaut in ihren dicken Schal, den Blick fest auf den Boden neben den jungen charmanten Herren gerichtet.

„Erst einmal“, setzte er mit seinem wunderbar festen Bariton an. „junge Dame, sieh mir doch in die Augen, wenn du mit mir sprichst. Ich denke, dass bist du mir zumindest schuldig, nachdem du mir schon so in die Arme gefallen bist.“ Die natürliche Selbstsicherheit, mit der er sie einfach duzte lies sie sich noch mehr schuldig fühlen.

Langsam hob sie ihren Blick und wieder traf sie der Zauber dieser Augen wie ein Faustschlag. Sein Blick fesselte sie. Sie fühlte sich, als würde er rein durch die Macht seines Blickes sie ausziehen und in ihr Innerstes Blicken können. Verstohlen bemerkte sie, dass sie diesen Zustand aber genoss. Ihr Unterleib schien förmlich um Aufmerksamkeit zu schreien, sagen zu wollen, dass diesem verboten gutaussehende Kerl gerne Zutritt gewährt werden würde.

„So ist es gut.“, lobte er sie mit einem schiefen Grinsen auf den Lippen. „Wenn du mir jetzt noch deinen Namen verraten würdest? Ich bin übrigens Manuel. So kannst du dich wenigstens dann richtig bei mir entschuldigen.“ „Ich heiße Sophie, Sophie Dervant. Ich wohne hier im Obergeschoss. Entschuldige, dass ich Sie, äh, dich, angerempelt habe.“ Irgendetwas an seiner ganzen Art und Weise zog sie unaufhörlich in seinen Bann. „Manuel.“, fügte sie noch schnell hinzu.

Wieder lag das schiefe Schmunzeln auf seinen Lippen, seine Augen blitzten spielerisch auf, als er sprach. „Das habe ich gemerkt. So stürmisch, wie du aus deiner Wohnung getanzt bist!“

Falls dies noch möglich war, so wurde sie nur noch mehr rot. Sie schämte sich nun wirklich für ihr unachtsames Verhalten und hätte am liebsten lauthals um Vergebung gefleht. So ein Verhalten kannte sie von sich selbst gar nicht. Sie war schon immer die selbstsichere, extrovertierte Führungspersönlichkeit gewesen. Hatte sie nie etwas gefallen lassen und sich zur Not auch mit Älteren und Größeren angelegt.

„Es tut mir wirklich leid.“, wiederholte sie nun nochmals. Irgendwie hatte sie den Drang ihm unbedingt immer antworten zu müssen. Es war ihr unangenehm, wenn er sie so fordernd anstarrte.

„Nun, Sophie, wohin wolltest du denn so eilig?“ Es lief ihr eiskalt den Rücken runter, als er ihren Namen aussprach. „Ich… äh“, sie räusperte sich kurz, atmete noch einmal tief durch und sprach mit festerer, wenn auch noch unsicherer Stimme weiter. „Ich wollte gerade ins Café gehen. Meinen Kopf frei kriegen. Meine Gedanken sortieren. Einen Cappuccino trinken. Vielleicht einen Blaubeermuffin essen.“ Sie merkte gar nicht, dass sie vor sich hinplapperte. „Gut!“, fiel er ihr abrupt ins Wort. „Ich begleite dich und dann kannst du dich gerne nochmal für dein unachtsames Verhalten revanchieren!“

Perplex blickte sie ihn an. Woher nahm er sich die Freiheit sie einfach so zu begleiten? Er hatte ja sie nicht einmal gefragt, ob sie wollte, dass er mitkam. Er hatte es einfach beschlossen. Ihr gefiel es nicht, dass er einfach für sie beide entschied und doch fand sie sich nun auf dem Weg zu ihrem Lieblingscafé an seiner Seite wieder und sie musste sich selbst eingestehen, auch wenn sie seine selbstsichere, ja gar fast arrogante Art, an sich nicht mochte, so fühlte sie sich bei ihm wohl und sicher. Er hatte schon den ganzen Weg über die Führung übernommen, obwohl er doch gar nicht wissen konnte, zu welchem Café sie denn eigentlich wollte.

Am Café angekommen hielt er ihr die Türe auf, lies sie zuerst eintreten und folgte ihr dann wie ein Schatten. Ihr war es schon wieder unangenehm, dass er sie wie eine Lady im alten England behandelte. Sie konnte doch schließlich noch selber eine Türe öffnen und orientierungslos war sie nun auch wieder nicht.

Wie selbstverständlich ging er auf den Tresen zu und bestellte für sie beide. Er bedeutete ihr, sie solle sich einen Platz suchen, er würde mit den bestellten Köstlichkeiten nachkommen. Sie tat, wie ihr geheißen, setzte sich auf die Bank ihres Lieblingsplatzes. Es war eine kleine Nische mit einem Zweiertisch, auf der einen Seite ein bequemer Ohrensessel, auf der Anderen eine weiche, dick gepolsterte Sitzbank. Beide waren mit einem flauschigen bordeauxroten Samt bezogen, welcher im gedämpften Licht der kleinen Stehlampen sanft schimmerte.

Sie konnte nicht anders, als ihn anzustarren, als er mit einem vollen Tablett zu ihr steuerte und sich ihr gegenübersetzte. Der rote Samt bildete so einen perfekten Kontrast zu seinen kohlrabenschwarzen Haaren, dass diese noch mehr Wirkung zeigten. Allgemein wirkte er fast schon vornehm, aristokratisch streng, so wie er da in diesem Sessel thronte. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sein äußeres Erscheinungsbild mit seiner Aura nicht so recht zusammenpassen wollte. Die Fingernägel waren schwarz verkrustet, die Unterarme, welche frech aus den hochgeschobenen Ärmeln seines Pullovers ragten, waren verschmiert und ein Tattoo prangte quer über einem jener. Ebenso wirkte das Piercing wie der genaue Gegensatz seiner Präsenz. Äußerlich wirkte er wirklich wie der letzte dahergelaufene Schreiner, Schlosser oder Klempner, doch innerlich fühlte sie sich, als würde sie mit dem Kaiser von einer längst vergangenen Epoche sprechen.

Er musste ihrem Blicken gefolgt sein. „Du hast mir ja keine Zeit gelassen mich zu waschen.“ Sein Blick forderte sie schon wieder spielerisch heraus, doch sie war absolut nicht in der Lage schlagfertig zu antworten. Sie fühlte sich wie die Magd, die dabei erwischt worden war, wie sie den König beim Anziehen bespannt hatte. „So, meine liebe Sophie“, setzte er erneut an. „Erzähle mir doch, was beschäftigt dich so sehr, dass du nicht einmal mehr auf deine Umwelt achten kannst.“ Jedes seiner Worte war eine pure Herausforderung. Er strotzte nur so vor Selbstbewusstsein und war sich seines Sieges über sie nur mehr als bewusst.

Sie seufzte innerlich auf. Sträube dich nicht, riet sie sich selbst, selbst wenn er dir nur einen Kaffee aus dem Rippen leiern will, so kannst du dich wenigstens nett mit ihm unterhalten.

So begann sie zu erzählen, dass sie seit nunmehr fünf Monaten auf Jobsuche war, nachdem sie ihr Studium mit Auszeichnung beendet hatte. Sie erzählte ihm, wie zahlreich und doch so nichtssagend die meisten Absagen gewesen waren. Auch erzählte sie ihm von den vereinzelt chauvinistischen, frauenverachtenden und fast schon an sexuelle Belästigung grenzenden Vorstellungsgesprächen und den dazu passenden Absagen danach. Einmal war sie nur zu einem Gespräch eingeladen worden, weil der Personalchef ihre Brüste in Echt bewundern wollte, da sie auf ihrem Foto ja so vielversprechend ausgesehen hatten. In Wirklichkeit, so fand dieser Personaler, waren sie, also Sophies Brüste, jedoch nicht der Rede wert. Sie erschauderte immer noch bei diesem Gedanken. Er hörte ihr die ganze Zeit über gewissenhaft zu, stellte hier und da Fragen zu einzelnen Details und nickte an den richtigen Stellen verstehend. „Das klingt so, als könntest du wirklich einen Erfolgsmoment benötigen.“, meinte er einfühlsam, als sie geendet hatte. Als Antwort nickte sie nur und brach ein kleines Stück des Muffins ab, welcher noch unberührt vor ihr gestanden hatte. „Iss.“, meinte er dazu bekräftigend. „Nur ein aufgetankter Wagen hat genügend Treibstoff um zu funktionieren.“ Sie fand diesen Vergleich etwas makaber, sagte jedoch nichts dazu.

„Trink deinen Cappuccino, er wird sonst kalt.“ In seiner Stimme schwang ein unterschwelliger Befehlston mit und auch wenn sie sich innerlich davor sträubte zu gehorchen, so setzte sie doch fast augenblicklich die Tasse an die Lippen und trank einen großen Schluck des heißen Getränks. Wieder lobte er sie: „Sehr gut.“ Sie konnte nicht anders, als wieder zu erröten, so fühlte es sich doch an, wenn man den Zuspruch bekam, den man so dringend suchte. „Was machst du eigentlich so?“, setzte sie an, endlich ein vernünftiges Gespräch zu beginnen. „Also um dein Leben zu finanzieren meine ich.“

Verlegen senkte sie ihre Lippen in den warmen Cappuccino und blickte ihn über den Rand der Tasse hinweg an. „Du interessierst dich also dafür was ich arbeite?“ In seinem Blick lag etwas, dass sie nicht deuten konnte. Ihr war, als hätten sich seine Augen ein Stück weit verdunkelt. „Bist du dir sicher, dass du nicht einfach wissen willst, was ich verdiene, wenn ich schon so verdreckt rumlaufe? Bist du dir sicher, dass du nicht einfach ausloten willst, ob ich eine gute Partie für dich wäre?“ Seine Augen bohrten sich förmlich in ihre. Er hatte sich zudem leicht vorgelehnt.

„Ich… Nein!“, fing sie das stottern an. „Also ja, ich will schon wissen, warum du so schmutzig bist.“ Sie verfing sich in ihren Worten und fühlte sich irgendwie ertappt, auch wenn ihr Fragen nun wirklich nichts mit dem Einkommen ihres Gegenübers zu tun gehabt hatte. „Auch wenn ich im Moment lebe ich eine verdammte Kirchenmaus, so ist mir doch dein Geld egal!“, presste sie hervor und versuchte sich irgendwie vor diesen strengen, durchdringenden Blicken zu retten. „Ich wollte doch nur nett sein und Smalltalk betreiben…“, flüsterte sie fast.

In seinen Augen lag immer noch die harte Strenge, doch um seinen Mund zeichnete sich bereits wieder der Anflug eines Lächelns ab. „Du musst besser darauf achten, was du sagst, Sophie“, wies er sie zurecht. „So mancher könnte es falsch verstehen und dich als geldgeile Schlampe abstempeln.“ Sie zuckte zusammen, als er sie so betitelte. Nein, sie war viel, aber gewiss keine Schlampe. Wenn sie ehrlich zu sich selber war, so war sie sogar noch Jungfrau. Zumindest was Sex mit Männern betraf. Ihre Unschuld beziehungsweise das kleine Häutchen, das diese repräsentierte hatte sie bereits vor Jahren verloren, aber wie sie sich eingestehen musste, an einen Dildo ihrer Schulfreundin. Es hatte sogar kurz geblutet und schmerzlich gezogen.

Als hätte er ihre Gedanken gelesen beruhigte er sie: „Keine Sorge, ich weiß, dass du keine Schlampe bist, Sophie. Du bist auch nicht geldgeil oder machtversessen. Du bist für die große, weite Welt einfach noch zu naiv.“ Er schmunzelte kurz in sich hinein. „Und ich wette, du bist sogar noch Jungfrau. Habe ich Recht?“

Sie riss schockiert die Augen weit auf. Wie konnte er nur so etwas fragen! Er hatte zwar Recht, ja, aber was gab ihm das Recht über so etwas Privates von ihr auch nur Vermutungen anzustellen. „Du brauchst gar nicht zu antworten, ich sehe es deinen Augen an. Ich habe Recht.“ Seine Augen blitzten wieder keck auf und seine Zähne zogen kurz den kleinen Schmuck an seiner Lippe nach innen. „Und meine kleine Sophie, es gefällt mir.“ Verlegen senkte sie den Blick auf ihre Finger. Was sollte sie darauf antworten? Es gefiel ihm, dass sie Jungfrau war. Sie gefiel ihm viel mehr. Sie fühlte sich, als wäre sie ein offenes Buch für ihn. Sie brauchte es ihm gar nicht zu sagen, er konnte sie einfach lesen.

Er stützte sich mittlerweile mit den Ellbogen auf dem niederen Tisch vor ihnen beiden ab, sein Blick fixierte sie immer noch. „Sag mir, Sophie, hast du überhaupt eine Ahnung, wie sehr mich deine unschuldige, unwissende Art anmacht?“ Sie errötete noch mehr über diese so schamlos offene Zurschaustellung seiner sexuellen Begierde.

„Du weißt nicht einmal, wie devot du eigentlich bist, habe ich Recht?“ Sie blickte weiterhin auf ihre Finger, knibbelte am Daumennagel und leckte sich verlegen die Lippen. „Antworte, wenn ich dir eine Frage stelle!“, brauste er leicht auf. Sophie zuckte leicht zusammen, hob den Kopf und blickte wieder in diese strengen Lehreraugen. „Devot?“, fragte sie schüchtern. „Was heißt das?“

Die ganze Härte und Strenge wich aus seinem Blick. Er lehnte sich zurück und schmunzelte in sich hinein. „Du hast wirklich keine Ahnung.“, meinte er mehr zu sich selber und lachte leise auf. „Der perfekte Rohling.“

Sie blickte ihn verwirrt an, den Kopf leicht schräg gelegt. „Manuel, was heißt devot?“

Er lächelte sie nur offen an. Seine ganze Mimik war weich und einladend, nur in seinen Augen lag etwas, dass sein sexuelles Verlangen, seine Lust offen zeigte. „Sag mir, Sophie“, setzte er an. „Zu welchen kleinen Fantasien machst du es dir selber? Was stellt sich dein hübscher, kleiner Kopf dabei vor, wenn deine Hände deine so verwerfliche Lust befriedigen?“

Er sprach laut genug, als dass die Personen am Nebentisch ihn hätten verstehen können. Ihr war das fürchterlich peinlich. Über so etwas sprach man doch nicht in der Öffentlichkeit. Und schon gar nicht mit einer so gut wie Fremden.

„Antworte mir!“, wies er sie wieder zurecht. Sie zuckte wie zuvor leicht zusammen und schämte sich, dass er sie wie ein kleines Kind behandelte.

„Ich…“, stammelte sie. Wie konnte sie ihm nur verständlich machen, dass sie darüber nun sicherlich nicht reden wollte? „Nun?“, forderte er sie zum Weitersprechen auf. „Ich stelle mir vor, wie mir ein Mann den Hintern versohlt. Mir sagt, was ich tun soll.“, begann sie flüsternd. Sie schämte sich dafür solche Gedanken zu haben, schließlich war sie doch eine starke, emanzipierte Frau. „Manchmal träume ich davon, wie er mich am Bett festbindet und alles mit mir macht, was er möchte.“

Sie blickte verlegen zur Seite. Wieder knibbelte sie an ihrem Nagel und biss sich verlegen auf die Lippe. Wie konnte er nur so etwas fragen? Und wieso antwortete sie ihm überhaupt?

„Sieh mich an, Sophie!“, forderte er sie erneut auf. Langsam hob sie ihren Blick und schaute ihn unsicher von unten herauf an. „Gut so, Sophie.“, lobte er jene mit weicher Stimme. „Was du dir vorstellst, meine Liebe, ist das Verhalten einer Sub, einer devoten Frau.“, fing er an zu erklären. „Und was du benötigst, das ist ein Dom, ein dominanter Mann. Jemand, der dich steuert, der dich führt, der dich erzieht.“ Seine Worte waren so sanft, als würde er ihr gerade sagen, dass hinter dem Vorhang am Fenster eine komplett neue Welt auf sie warten würde. „Und du, meine kleine Sophie, bist geradewegs in deinen neuen Dom gerannt.“

 

Average: 4.6 (7 votes)
CAPTCHA
Hiermit soll festgestellt werden, ob du ein Mensch bist oder nur ein Bot :-)

Inhalt/Idee

Average: 4.4 (7 votes)
CAPTCHA
Hiermit soll festgestellt werden, ob du ein Mensch bist oder nur ein Bot :-)

Erotik/BDSM

Average: 3.9 (7 votes)
CAPTCHA
Hiermit soll festgestellt werden, ob du ein Mensch bist oder nur ein Bot :-)

Rechtschreibung/Form

Average: 3.7 (7 votes)
CAPTCHA
Hiermit soll festgestellt werden, ob du ein Mensch bist oder nur ein Bot :-)