Rico – Teil 7: Wiedersehen mit Kalle

"Klappentext"

Der Morgen nach Ricos Fluchtversuch. Er begegnet Kalle wieder.

Als Rico das nächste mal aus seinem betäubten Schlaf gerissen wurde, war es gleißend hell. Laute Stimmen brüllten, und Rico war erst nach einigen Momenten wach genug um zu verstehen was sie sagten.

„Aufwachen! Schweinefütterung! Wer nicht wach ist bekommt nichts!“

Mehrstimmiges Lachen war die Reaktion darauf.

Rico richtete sich langsam auf. Diesmal ging es schon viel besser als gestern, und die aktuellen Schmerzen fühlten sich eher nach Steifheit von der Nacht auf der dünnen Matte an. Aber er war trotzdem lieber vorsichtig. Sein Blick fiel auf die Zelle gegenüber, wo die schwangere Frau von gestern auf ihrer Matte hockte und durchs Gitter auf den Boden des Ganges starrte. Rico schluckte und sah weg.

 

Fütterung, hatten sie gesagt. Wie auf Kommando knurrte Ricos Magen. Es war sehr ironisch, dass man ihn von seinen gefundenen Lebensmitteln weggefangen hatte, nur um ihn dann hier in einer Zelle zu füttern. Ob seine Geschwister die liegengelassenen Sachen gefunden hatten? Es war ja ganz nah an ihrem Unterschlupf passiert. Wie es ihnen wohl ging? Bestimmt machten sie sich Sorgen. Vielleicht hatte ihnen jemand erzählt, was passiert war. Dann würden sie sich erst recht Sorgen machen.

Rico spürte Tränen in sich aufsteigen und schluckte sie krampfhaft hinunter.

Nein! Er durfte jetzt nicht an seine Geschwister denken. Er musste sich darauf konzentrieren, einen Weg aus diesem beschissenen Sklavenlager zu finden!

 

Außerdem drückte seine Blase und sein Mund fühlte sich schrecklich trocken an. Zum ersten Mal sah sich Rico bewusst in seiner Zelle um. Eine Toilette fand er allerdings nicht. Stattdessen ein etwas abgesenktes Loch im Fliesenboden, mit grobem Gitter bedeckt. Die Kette um seinen Hals war gerade lang genug, dass er das Loch erreichen konnte. Rico verzog das Gesicht. Er hatte schon schlimmere Löcher als Toilette benutzt, aber Privatsphäre war ihm wichtig. Und dabei ausgerechnet von einer Frau beobachtet zu werden, die letzte Nacht vor seinen Augen vergewaltigt worden war.. - Er verdrängte den Gedanken mühsam. Immerhin starrte sie ja auf den Boden, nicht in seine Zelle. Und er musste wirklich dringend.

 

Rico versuchte, sich mit dem Rücken zur Zellentür vor das Loch zu knien, damit möglichst wenig von außen sichtbar war. Es dauerte eine ganze Weile, bis er es schaffte, loszulassen. Er achtete peinlich genau darauf, das Loch zu treffen und nichts zu verspritzen. Seine Zelle war schon eklig genug.

 

Erleichtert setzte er sich danach wieder auf seine Matte. Und keine Sekunde zu früh!

Die Geräusche am Ende des Flurs wurden wieder lauter. Rico hörte Blech klappern, schwere Schritte auf den Fliesen, unflätige Kommentare, Schlüssel klimpern und das vertraute Klacken der Zellentüren.

Und dann erkannte er eine der Stimmen: „Mann, mach nicht so voll, ich verschütte den Fraß ja beim Laufen.“ Es war Tonio, der ihn gestern so zugerichtet hatte.

 

Rico stöhnte leise und vergrub den Kopf in seinen Armen. Er wollte diesem widerlichen Menschen nicht wieder begegnen! Nicht mal, wenn er ihm Essen brachte.

Die Stimmen und Geräusche kamen jetzt immer näher. Rico zwang sich, ruhig zu bleiben, unauffällig da zu sitzen und auf den Boden zu starren. Vielleicht wurde er einfach nicht erkannt und würde Essen bekommen. Er bemühte sich, ruhig zu atmen.

 

Bald wurde ein Servicewagen in sein Sichtfeld geschoben, und neben ihm her lief Ricos Alptraum.

„Ich hasse diese Schicht“, sagte Tonio, „es ist einfach arschlangweilig.“ Er stand mit dem Rücken zu Ricos Zelle und öffnete die Tür der schwangeren Frau. Von außerhalb Ricos Sichtfeld wurden ihm zwei flache Blechschüsseln gereicht, die Tonio auf den Boden in der Zelle stellte. Dann schloss er die Gittertür und drehte sich um.

 

„Na sieh an“, lachte er überrascht. „Guck mal Kalle, deine Lieblingspissnelke von gestern! Irgendwer hat ihn wohl grün und blau angemalt.“ Rico vergaß, dass er hatte unauffällig bleiben wollen, und starrte entgeistert hoch. Nicht das auch noch!

Aber tatsächlich, da schob sich der zweite widerliche Mann von gestern vor Ricos Zelle. Kalle grinste ihn wortlos an.

Tonio klopfte ihm begeistert auf die Schulter. „Da hast du ja doch die richtige Schicht erwischt, herzlichen Glückwunsch. Ich überlasse dir mal den Rest, viel Spaß.“

Damit drehte er sich um, ließ Kalle und den Servicewagen stehen, und ging einfach davon.

 

Rico blickte ihm verdattert nach. Plötzlich war er alleine mit Kalle. Das war nicht gut. Das war gar nicht gut! Nervös drückte er sich gegen die Wand hinter ihm und sah zu Kalle. Was hatte dieser Widerling jetzt vor?

Kalle starrte ihn eine Weile einfach nur an. Dann grinste er plötzlich wieder, und Rico lief ein kalter Schauer über den Rücken.

 

Kalle nahm eine der flachen Schüsseln vom Servicewagen, und schöpfte einen gräulich-braunen Brei hinein. Er stellte sie vor Ricos Zellentür auf den Boden. Dann nahm er eine zweite Schüssel, füllte sie mit Wasser, und stellte sie neben die erste. Als drittes nahm Kalle zwei Kanten Brot vom Wagen und legte die Stücke fein säuberlich auf den Brei in der ersten Schüssel.

 

Rico verfolgte gebannt jede seiner Bewegungen. Der Brei sah nicht besonders appetitlich aus. Aber die Brotstücke und vor allem das klare Wasser machten seinen ausgetrockneten Mund feucht. Er spürte, wie sich Heißhunger in seinem Magen ballte.

 

Er sah wieder hoch zu Kalle, und dieser grinste, als hätte er genau darauf gewartet. Kalle ging langsam vor ihm in die Hocke, ohne den Blickkontakt zu brechen. Er griff gemächlich das Brot, das er gerade erst in die Schüssel gelegt hatte. Interessiert betrachtete Kalle das Brot, an dem jetzt ein bisschen Brei klebte. Dann streckte er die Zunge heraus und leckte genüsslich den Brei ab.

 

Rico verzog angeekelt das Gesicht, was Kalle wieder zum Grinsen brachte. Der widerliche Mensch hörte auch nicht auf, als kein Brei mehr am Brot klebte. Stattdessen gab er sich regelrecht Mühe, jede Seite gründlich abzuschlecken, und kein Eckchen des Brotes auszulassen.

Rico biss die Zähne zusammen. Du hast schon schlimmeres gegessen, ermahnte er sich. Erinnere dich an den Tag, an dem du außer unsauber abgebissenen Apfelgehäusen gar nichts hattest. Das ist nichts im Vergleich zu abgelecktem Brot! Es ist immerhin Brot!

 

Er bemühte sich um einen möglichst stoischen Gesichtsausdruck. Es war vor allem deshalb widerlich, weil es um Kalle ging. Weil Kalle ein Widerling war. Und diese Genugtuung musste er ihm nicht geben.

Kalle hörte auf zu grinsen. Unvermittelt warf er das abgeleckte Brot durch die Gitterstäbe in Ricos Zelle.

 

Rico hob reflexartig die Arme um sich zu schützen, aber das Brot landete ungefährlich vor ihm auf den Fliesen.

Verwirrt blickte er auf, und sah, dass Kalle vor der Zellentür seine Hose öffnete. Er wollte angewidert wegsehen, aber er konnte den Blick nicht lösen. Kalle holte gemächlich seinen schlaffen Penis heraus. Dann trat er ganz ans Gitter heran, und zielte auf Rico.

 

Als Rico endlich dämmerte, was hier gerade passierte, war es schon zu spät. Kalles Pissstrahl traf ihn voll am Kopf, und auch die abwehrend gehobenen Hände nützten nichts. Kalle lachte schnaufend über Ricos nutzlose Abwehrversuche.

Rico bekam aus Versehen etwas davon in den Mund und würgte angeekelt. Endlich hörte Kalle auf, nach einer gefühlten Ewigkeit. Rico zitterte vor Ekel. Es tropfte von seinen Haaren und bildete Lachen auf seiner Gummimatte und auf den Fliesen. Gelbe kleine Lachen, zwischen denen die zwei Brotstücke lagen. Er spuckte mehrmals Richtung Toilettenloch, um den Geschmack aus dem Mund zu kriegen.

 

Kalle wartete, bis Rico wieder zu ihm aufsah. Dann deutete er mit der freien Hand auf die Brotstücke am Boden. „Iss!“

 

Rico schüttelte entsetzt den Kopf. Kalles Augen verengten sich zu wütenden Schlitzen. Er schlug mit der Faust gegen die Gitterstäbe und ließ Rico zusammenzucken. „Iss!“ wiederholte er knurrend.

Kalles andere Hand massierte immer noch seinen Penis, mittlerweile war er nicht mehr schlaff. Rico würgte wieder. Diesen ekligen Mistkerl machte das auch noch an!

Er erinnerte sich mit Grauen daran, wie Kalle ihn gestern mit vollem Körpergewicht zu Boden gerissen und festgehalten hatte. Im Moment war der Mann noch auf der anderen Seite der Gittertür. Aber das konnte sich ändern.

 

Rico sah zu den Brotstücken auf dem Boden. Wie durch ein Wunder lagen sie nicht in einer Pisslache. Rico schluckte. Es war etwas zu essen. Wenn er Pech hatte, nahm ihm Kalle das Essen wieder weg, wenn er nicht gehorchte. Es war nur etwas Spucke. Er biss sich auf die Lippen.

 

Für Kalle dauerte Ricos Denkprozess offenbar zu lange. Klimpernd nahm er die Schlüssel von der Gürtelschlaufe seiner Uniform.

„Nein!“, rief Rico erschrocken und griff nach einem der Brotstücke.

Kalle grinste zufrieden und wichste sich schneller. „Iss!“, forderte er Rico ein drittes Mal auf.

 

Rico schloss angeekelt die Augen und stopfte sich das Stück Brot in den Mund. Es war ekelerregend. Salzig, pappig, angefeuchtet. Rico hatte Mühe, es nicht gleich wieder auszuspucken. Er zwang sich zum kauen und zum schlucken. Endlich war es unten. Rico sah hoffnungsvoll zu Kalle. Sein Bedürfnis nach einem Schluck Wasser war ins Unermessliche gewachsen.

 

Aber Kalle grinste nur, und zeigte auf das zweite Stück Brot. Ricos ganzer Körper schüttelte sich vor Ekel. Aber er griff auch nach dem zweiten Stück Brot und schob es sich gehorsam in den Mund.

Kalle schnaufte erregt und liess keine seiner Bewegungen aus den Augen. Seine Wichsbewegungen wurden schneller.

Rico wandte den Kopf ab.

 

„Nicht wegsehen, Pissnelke!“, fauchte Kalle sofort. Rico sah entsetzt zu wie Kalle sich hinkniete, die Schüssel mit dem Brei griff, und sie vor seinen Penis hielt.

„Bitte nicht..“ hörte Rico seine eigene Stimme flüstern. Aber da spritzte Kalle schon mit heftigem Zucken ab. Er stellte die Schüssel auf den Boden, steckte einen Finger hinein, und rührte ein bisschen darin herum.

Dann wusch er sich den Finger in Ricos Wasserschüssel sauber.

 

Gemächlich machte Kalle seine Hose wieder zu. „Hinlegen!“, befahl er dann, „Gesicht zur Wand!“

Rico wurde es heiß und kalt. Was hatte der Widerling denn jetzt noch vor?!

Erneut schlug Kalle laut dröhnend gegen die Gitterstäbe, und Rico gehorchte schnell. Die Pisslachen auf der Matte waren mittlerweile kalt geworden, er musste sich mitten hinein legen. Zitternd drehte er Kalle den Rücken zu und versuchte gleichzeitig seinen Kopf zu schützen.

Er hörte wie seine Zellentür geöffnet wurde und Kalle hineintrat. Rico hörte sich angstvoll schluchzen, und hasste sich dafür.

Gleich, gleich würde es passieren.

Dann hörte er wieder das Klacken der Zellentür.

 

Verdutzt drehte er sich um. Kalle stand wieder auf dem Gang vor seiner Zelle und grinste ihn durch die Gitterstäbe hindurch an. „Schön essen“, mahnte er. Dann ging er mit dem Servicewagen davon.

 

Rico blinzelte verwirrt. Dann entdeckte er die beiden Blechschüsseln, die jetzt in seiner Zelle standen. Der gräulich-braune Brei hatte jetzt ein weißes Schäumchen auf der Oberfläche, und das Wasser war nicht mehr klar.

Rico stürzte zum Toilettenloch und erbrach die Brotstücke.