CoR Kaffeeklatsch II Kapitel 3

"Klappentext"

Martina, Juliette, Johanna+Barbara, Roger+Maren, Bea, Martina

 

 

Vorhergehendes Kapitel 2

Martina

 

Martina lenkte ihr Auto durch den Stadtverkehr Richtung Heimat. Ihr fiel Ismir ein. Zum Glück hatte sie ihn gespeichert.

´Taxi Ismir, Wagen 314`

´Hier ist Martina, die, die du heut Morgen so intensiv durchgebumst hast..`

´Ah, das starke Weib aus der Kniestraße. Soll ich dich wieder abholen?`

Martina lachte. ´Danke, dass du nur stark gesagt hast. Nein, heute noch nicht, aber eine andere aus meinem Umfeld.`

´Auch eine Frau?`

´Sicher. Aber diesmal eine Junge, Knackige… Lass trotzdem noch die Finger von ihr. Wenn du sie wieder abholst, ist’s mir egal, aber bring sie erstmal sauber hin zum Studio. Und auch wenn sie sich während der Fahrt auszieht – das ist nicht wegen dir!`

´Auch nicht ein kleines bisschen?` Er lachte über ihre Vorhaltungen.

´Du und dein ´kleines Bisschen` Sie soll zu Roger. Setz sie also nur ab vor dem Rundbogen und dann lass sie allein.`

´Das klingt alles recht verschwörerisch…`

`Ist es auch. Sie will sich vermutlich unterwerfen`

´Ihr SMer und eure Rituale..`

Marina lachte ´Hast du denn keine? Also, sie wohnt Bielenhof 16. Beate Scheller`

´Hab ich mir notiert. Und ich lass sie in Ruhe. Hab ja dich…wenn du es zulässt.`

´Ach Ismir… Vor ein paar Tagen noch hätte dir deswegen die Augen ausgekratzt, aber jetzt.. Schönen Tag noch`

Ihr Blick  fiel auf den freien Parklatz vor ihrem Wohnhaus. ´Glück muss die`Frau haben!` Also einparken und hoch..

Vor der Tür schon hörte sie den Streit zwischen Stephan und Claudia.

„Kann man euch nicht einen Augenblick alleine lassen?“ Sofort war es wieder still, beide sahen sie verlegen an.

„Na, worum ging es diesmal?“ Beruhigend umarmte sie die zwei Streithähne

„Claudi will sich ein Tattoo stechen lassen und ich finde, dafür ist sie noch viel zu jung,“ versuchte ihr Männe sich zu rechtfertigen.

Tina wandte sich ihrer Tochter zu, die heute nur im kurzen Spagettihemdchen wütend mit geballten Händen im Flur stand. „Ach Mama. Immer werd ich gegängelt und wie ein kleines Kind behandelt..“

„Äußerlich bist du das weiß Gott nicht mehr, stimmt. Was willst du dir denn stechen lassen?“ 

„Nur einen kleinen Vogel auf den Oberarm. Der sieht so toll aus und..“

„Mit dem du dann die ganzes Leben rumlaufen musst. Spontane Tattoos sind leider meistens, wenn der spontane Augenblick vorbei ist, immer recht peinlich. Wie wäre es stattdessen mit einem Piercing? Dann hast du was individuelles und wenn man es nicht mehr mag, kann man es auch wieder rausnehmen.“

„Ein Piercing?“ Grübelnd sah Claudi sie an „Hätte schon was, ja. Aber wo?“

„Mach dich schlau, was deine Freundinnen davon halten. Wir,“ sie sah zu Stephan, “wir würden sogar was dazu geben.“

„Mama du bist die Beste!“

„Schon gut, schon gut.“ Sie sah Stephan an. „Hast du das Bett wieder reparieren können oder wollen wir nun losfahren?“

„Schon, es ist wieder heil, der Tisch auch. Aber…“

„Schatz,“ sie nahm ihn in den Arm, „ich möchte, wenn mir oder uns danach ist, mit die zusammen sein können, ohne das irgendwas unter uns zusammenbricht.“

„Du denkst schon wieder nur ans Pimpern,“ maulte Claudia, wofür sie von ihrer Mutter sofort eine Ohrfeige bekam. „Entschuldige dich dafür!“

„Mama!!!“

Claudia war fassungslos. Noch nie hatte ihre Mutter sie geschlagen, außer mal nen Klaps auf den Po früher. Doch dieser Blick, den die Mutter ihr zuwarf…

„Entschuldige, Mama.“

Für Martina war dieser Fall wieder gestorben, doch Claudia sah sie immer noch unsicher an. „Was ist mit passiert, Mama. Früher hättest du nie...“

„Deine Mutter hat viel gelernt in den letzten Tagen, Schatz. Auch und gerade, wenn es ums Streitschlichten geht.“ Sie wandte sich an Stephan, „deswegen muss ich wahrscheinlich heute Abend noch mal los. Ich muss diesen Professor und den Steingräber ins Gebet nehmen. Die verschweigen mir, besser uns vielleicht was.“

„Wer ist uns?“

„Maren, Jenn, Regine, Roger und mir.“

„Aha?“ Verständnislos starrte Stephan sie an.

„Schatz, du darfst alles essen, aber nicht immer alles wissen. Es wird da um sehr viel Geld gehen.“

„Mehr als das, was du heut Morgen mitbrachtest?“

Martina lachte auf. „Bedeutend mehr, wenn alles klappt. Und deswegen will ich für uns ein neues Bett. Und auch für ein paar kleine zusätzliche Schweinereinen, wenn uns mal danach ist.“

„Mama,“ Claudia hob schützend ihre Hände vors Gesicht, „jetzt denkst du aber wirklich nur ans Pimpern..“

„Jetzt ja.“ Lächelnd nahm sie ihre Mittlere in den Arm, „Wo ist Rolf eigentlich?“

„Der ist beim Training.“ „Dürfen die denn schon wieder?“

Stephan nickte. „Sein Trainer hat ihn angerufen. Zwar nur in 10er Gruppen, aber immerhin.“
“Dieser blöde Virus! Letzte Nacht hat da auch niemand dran gedacht und …“

„Kannst du uns dann nun anstecken, Mama?“

Ernst sah sie ihre Tochter an. „Man muss nicht immer alles glauben, was uns so erzählt wird. Halt die Augen auf und hinterfrage für dich diese ganzen Angaben und sich ständig ändernden Vorgaben. Es ist nicht immer so heiß wie’s gekocht und uns vorgesetzt wird.“

„Aha?“

„Aber ich muss jetzt zwei Gespräche führen: Erst das mit dem Professor und dann mit deinem Vater.“ Unbewusst legte sich eine Hand dabei am seine Hose.

„Mama!“

„Such du dir lieber ein schickes Piercing raus. Nicht grad son ein Kitzlerdingens, aber Bauchnabel, Lippe oder Augenbrauen.“

„Was ist mit einem Nippelpiercing?“

Sie musste schmunzeln. „Soll was Schönes sein, stimmt. Aber wenn du damit mal irgendwo hängen bleibst? Oder wenn das dann ständig am BH scheuert? Und wem willst du das zeigen? Also – ich hab noch keins…“

„Noch?“ Stephan schaut hoch, „du meinst, da kommt noch was?“

„Ach Stephan. „du denkst zuviel. Oder möchtest du, dass ich eins trage? Für dich?“

„Ähhh...“

Aber ich muss nun erstmal…“ Sie ging rüber in die Küche, setzte sich einen Expresso auf und wählte die vom eingespeicherten …  Walther.

 

´Hier ist die Frau deiner angenehmsten Alpträume… `

´Martina… Ich hab wirklich grad an dich gedacht und ..`

„Ich hoffe doch, nicht nur mit dem Kopf sondern auch…`

Er fing an zu lachen. ´Auch, aber nicht nur. Ich sprach grad eben mit meinem Nachbarn…`

`Ich hoffe doch nur mit dem Professor, oder?`

´Sicher. Also bei Siegbert und mir ging es über gestern Nacht und .. es hat sich etwas ergeben…`

´Aha?`

´Wir wollten uns über unser weiteres Vorgehen heute Abend am Kamin abstimmen und …`

´Nur ihr beide?`

„Martina, du bist herzlich eingeladen. Es betrifft ja auch dich und Frau Kruppke..`

´Bleib bei Maren bitte`

´Okay, Maren. Also Siegbert bekam eine Nachricht und er hat, soweit ich unformiert bin, heute nachforschen lassen. Es wäre also sogar sehr gut, wenn du mit zuhören würdest`

 

´Auch Maren oder Roger?`

´Wirst du nicht alles, was du erfährst, denen ebenfalls mitteilen?`

Martina lachte. ´Du hast Recht! Wann?`

´Siegbert kommt gegen Acht. Zieh dir was Bequemes an` `

Sie musste lachen ´Es könnte warm werden`

´Ich könnte meinen Bauchweg-Tittenhebe-Anzug drunter anziehen..`

´Irgendwann werde ich dich einladen, mit mir mal Einkaufen zu gehen. Eine Frau wie du braucht auch mal etwas Abwechslung und …`

´Und du würdest mir gerne dabei zuschauen und auch … beraten..`

Sie kicherte ins Telefon

´Ich kann es mir leisten, ma Belle. Bis heute Abend`

 

Das lief ja schon gut an. Jetzt noch..

 

´Hallo Ismir. Hier ist wieder deine liebste Kundin..`

´Martina! Willst du etwa diese Tour von vorhin absagen?`

´Im Gegenteil. Du sollst mich ebenfalls abholen von mir zuhause. So, dass ich um 20 Uhr im Niemandsweg bin.`

´Bei Steingräber oder bei Bohnsack?`

´Ich bewundere dein Namens- und Adressengedächtnis! Bei Steingräber `

´Gut, dann bin ich um ¾ 8 bei dir vorm Haus.`

´Sehr schön, Ismer`

´Muss ich von dir dann auch die Finger lassen?`

´Auf der Hinfahrt ja. Auf der Rückfahrt … sehen wir dann`

 

Das wäre also geregelt. Und nun.. Sie trank ihren Espresso aus und verließ die Küche, schaute rein in Claudias Zimmer. „Na Claudi. Wieder abgeregt?“

„Ach Mama. Irgendwie ist das alles so stressig jetzt, wo du immer so oft weg bist.“

„Ach Schatz,“ sie setzte sich zu ihr aufs Bett, „gönnst du mir mein neues Leben nicht?“   „Doch, aber… Es ist so ungewohnt. Mal bist so wild mit Papa zusammen dann bist du wieder weg, kommst irgendwann wieder nachhause und musst wie heute heut Abend wieder weg….“
“Das wird sich sicher einspielen, irgendwann.“ Sie strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht, „Für mich ist das auch alles neu. Aber – das Gefühl, etwas bewirken zu können, vielleicht Einfluss nehmen zu können… das ist auch ein sehr irres Gefühl.

„Und musst du dabei immer mit denen …Bumsen?“

„Wer A sagt muss auch B sagen. Manchmal gehört das dazu. Wenn du Schlachter bist, musst du auch ein Tier schlachten können, selbst wenn du diese Tiere magst.“

„Du bist aber kein Schlachter!“

„Ich bin deine Mutter, na und? Ich lieb euch doch alle immer noch genauso wie früher. Die anderen mag ich zwar auch, zumindest meistens, aber das ist wie beim Schach spielen: Wenn du den König schützen willst, musst du du manchmal andere opfern.“

„Ist dein Chef, dieser Roger, dieser König?“

„Ach Schatz…“ Martina seufzte tief, „wenn ich das wüsste..“

 

 

* * *               

Juli

 

Juliette war wieder zuhause in ihrer kleinen Wohnung. Heute Abend Essen gehen. Und dass sogar etwas exklusiver. Was sollte sie anziehen? Justus gab sich nach Außen immer sehr konservativ und auch recht arrogant, aber jetzt, wo sie erstmals hinter seine Fassade schaue durfte?

Erstmal unter die Dusche und dann…

Sie war gerade dabei, sich die Haare auszuspülen, als dieses blöde Handy summerte.

Klatschnass, nur die Haare kurz in ein Handtuch gewickelt, tappte sie barfuss zu ihrem Handy. 

´Kamen..?`

´Du klingst so angestrengt`

´Justus!  Ìch bin doch gerade erst von dir losgefahren. Ist etwas? Willst du für heute Abend absagen?`

´Nein, im Gegenteil. Ich wollte dir nur mitteilen, dass wir einen Tisch im Yachtclub bekommen haben. Nur, damit du weißt, was du anziehen kannst.`

´Also nichts mit offenherzig und verrucht?`

Sie kicherte unbewusst. Der Herr macht sich Gedanken.  Um seinen Ruf oder …?

´Ich werde mich entsprechend dieser Örtlichkeit natürlich stilgerecht kleiden. Wie eine Dame, dir ihren Gatten zum Essen begleitet oder eher wie eine vom Escort, die einen Kunden zum Essen vorher begleitet.`

´Du könntest beides, oder?`

´Mein Herr! Was sie mir alles zutrauen…`

Sie kicherte ins Telefon

´Justus, ich steh hier nackig im Bad und …`

´Was ich dir eigentlich sagen wollte: Kannst du direkt dort hinfahren? Ich muss hinterher noch in die Redaktion. Ein Chef muss sich auch da noch mal sehen lassen`

´Okay ich bin dann gegen 8 Uhr dort. Kuss!`

 

Endlich konnte sie zu Ende duschen. Nachrasieren? Heute wohl nicht mehr nötig.

Nach weiteren 30 Minuten hockte sie mit angezogenen Beinen endlich entspannt auf ihrem Kuschelsofa. Ob sie..?

Instinktiv griff sie nach ihre Handy.

 

´Maren? Hier Juliette. Ich wollt nur mitteilen, dass…`

´Warst du heut Nacht bei  Herrmannich?`

´Ja. Wie kommst du..?`

´Auch ich kann mitdenken` Sie konnte Maren dabei lachen hören.

´War’s schön?´

´War es. Und auch anstrengend`

´Na na. Ein bisschen Anstrengung dabei kann dir doch nichts ausmachen, oder?´

´Ich wollt eigentlich nur sagen, dass ich heute Abend mit ihm essen gehe. Seid ihr so gegen 10-11 noch auf?`

´Sicher. Wir bekommen um 7 auch Besuch. Bea will sich wohl dem Meister unterwerfen. Und ich darf dabei sein`

´Aha? Ist aber doch auch verständlich, dass er seine Top-Dev dabei haben will. Sollte ich mal auf den Gedanken kommen, müsstest du auch dabei sein`

´Ehre der, der Ehre gebührt, oder? Du hast ja schnell die ganzen Beziehungszusammenhänge bei uns analysiert, oder?`

´Wer eins und eins addieren kann, kommt da von selber schnell drauf`

 

`Wolltest du deinen Verleger bei uns vorführen?`

´Eher er mich` sie gluckste. ´Nein, er will hinterher noch in die Redaktion und danach wohl wieder mal nach Hause zu seiner oder einer seiner anderen Frauen..`

´Hat er nach dir noch die Kraft und die Zeit dafür?`

 

Beide kicherten

´Ich soll übrigens für ihn einen Artikel schreiben.

  Verkehren unter Corona-Bedingungen`

´Verkehren?`

´Na zusammen schlafen, ficken halt`

´Aha…?`

´Ach Maren. So ganz korrekt und mit Mundschutz und nur von hinten und…`

´Hast du da schon ne Vorstellung?`

´Sicher. So in etwa zumindest`

´Wir können ja mal ein Brainstorming machen`

Roger hatte sich eingemischt.

´Hi Roger. Hmm, wie meinst du das?`

´Wir entwickeln da was im Studio, stellen alles nach und sehen dann ja, was noch ebenfalls dazu gehören könnte.`

´Nur nachstellen?`

´Warum nicht  gleich parallel dazu aufnehmen?`

´Und dann gleich auf diese Aufnahmen als Anschauungsfilm hinweisen…`

Juliette hatte den Gedanken sofort weitergedacht.

´Und mit wem?`

´Traust du dir das nicht zu?`

Roger war wieder gleich sehr direkt.

´Oder Bea. Sie kommt ja gleich. Und wenn ich ihr das auftrage…`

´Hmm. Oder uns Beiden.. Hast du auch nen passenden Mann dazu? Nichts gegen dich, aber dafür du bist da wohl doch schon zu alt, oder?`

Sie hörte, wie er anfing zu lachen.

´Danke für dieses Kompliment. Nein, ich denke da an einen meiner Schauspielschüler. Kannst dir ja einen Passenden für dich aussuchen…`

´Wirklich? Roger, du setzt ja wirklich viel Vertrauen in mich`

´Nicht nur ich. Auch Maren ist sehr eingenommen von dir. Du würdest gut zu uns passen`

´Wer ist uns?`

Maren mschte sich ein.

´CoR  Cunts of Roger. Dazu gehören jetzt schon ich, Jenn, Martina, Regine und vielleicht auch bald Bea`

´Aber ich muss dafür nicht auf die Knie vor ihn fallen und Roger ewige Treue schwören, oder?`

´Nicht Treue. Gehorsamkeit! Und letzteres zeigst du ja schon, indem du uns anzeigst, was du tust, vor hast und hinterher zu uns möchtest`

Juliette ließ das eben Gehörte kurz bei sich sacken.

´Da dürfte was dran sein. Nun denn, bis nachher`

´Warte. Parke vor dem Studio. Am Rundbogen ist eine Codetastatur. Gib da ein 6969, dann geht die Tür auf. Anschließend runter mit dem Fahrstuhl und dann hinten nach den Separees geht es durch die Stahltür in einen Tunnel. Den dann durchgehen bis zum Ende, dann kommst du vors … Spielzimmer…`

 

* * *

 

Johanna und Barbara

 

Wohlig streckte sich Johanna im großen französischen Bett aus.  Barbara war schon länger auf – sie hatte noch Wolf zu Tür gebracht und bereitete zum schon späten Nachmittag nun ein 2. ´Frühstück` vor. „Kommst du oder möchtest du deinen Tee am Bett haben?“

Statt zu antworten tappte Johanna noch etwas schwerfällig in die Küche, ließ sich auf dem breiten Küchenstuhl nieder. „Wie spät ist es denn schon?“

„Gleich 6.“

„Oh Gott. Was für eine Nacht..“

Barbara lachte, küsste ihrer Frau sanft auf die Wange. „Ich hab gar nicht gewusst, dass du auch so aus dir herausgehen kannst.“

Johanna schlürfte aus ihrer Tasse. „Damit hab ich angefangen. Meinen ersten Freund hatte ich mit 13. Und irgendwann danach kam Wolf..“

„Irgendwann?“

Ich war damals sehr frühreif. Meine Eltern tun mir heute noch leid. Dann wurde ich schwanger, na ja, den Rest kennst du. Die Erste hast du ja kennengelernt.“

„Und deinen Sohn?“

Ich wusste überhaupt nicht, was es geworden ist. Ich hab den nie gesehen.“

„War der auch von Wolf?“

Johanna lachte. „Der war da schon lange wieder weg. Hat glaub ich irgendwo studiert. Ich war damals ein sehr ungezügeltes Kind…“

„Verlernt hast du aber davon nichts, wie ich sehe konnte.“

Beide lachten. „Es war ein Ausrutscher, hoffe ich zumindest!“

„Jedenfalls im Internat haben sie mir die Männer ausgetrieben. Frauen haben halt andere Vorzüge…“

Sie sah Barbara an. „Und wie ist es mit dir?“

Diese schmunzelte. „Es war… interessant. Allerdings ist Wolf ja auch ein exzellenter Liebhaber, trotz seines  Alters.“

„Ja, er hat sogar dazu gelernt. Nur damals hatte er mehr Kondition.“ Ihr fiel etwas ein. „Was hattest du eigentlich zu Roger gesagt, als er dich runterschickte?“

Barbara überlegte kurz… „Das er uns mal besuchen sollte.“

„Das wird er eh machen müssen. Dieser Mistkerl enthält mir meinen Sohn vor!“

Dass sie das nicht wörtlich meinte, konnte Barbara an ihrem Grinsen sehen.

„Ich könnte ja Jenn anrufen und sie fragen. Vielleicht weiß sie mehr? Immerhin muss es für sie ja auch neu sein, dass sie nun neben einer richtigen Mutter auch einen echten Bruder hat. Und dann sogar auch ein Doktor. Sogar ein Richtiger!“

„Ach komm, Frau Dr. nur Juristin Kinderjan, ob der sich dann mit so einer wie dich abgeben würde? Und wer weiß, vielleicht bist du dann ja auch schon Oma….“

Daran hatte Johanna noch gar nicht gedacht.

„Scheiss Roger und seine Maren. Der bringt mein ganzes Leben durcheinander.“

„Weißt du was, meine vielleicht Oma-Gattin? Auf den Schreck gehen wir heute Abend Essen. Ich versuch, einen Platz im Yachtclub zu bekommen. Und vorher ruf ich Jenn an, die, die sowas nicht geschafft hat..“ „Was nicht geschafft?“  „Na, dich zur Oma zu machen..“

„Hast du denn ihre Nummer?“

“Selbstverständlich. Sklavinnen wie wir tauschen sich doch aus!“

„Hattest du denn dein Handy mit? Es hieß doch, ´keine Kameras und Handys`“

Vorwurfsvoll sah Barbara ihre Frau an. „Ich dachte du kennst mich? Ich und Zahlen..“

„Entschuldige bitte.“  Barbara tippte schon…

 

´Dr. Brunner, guten Tag`

´An das Dr. Brunner muss ich mich erst noch gewöhnen. Hier ist deine Stiefmutter!`

´Barbara! Wo hast du meine Nummer. her?`

´Stieftochter! Du hast sie mir als gedemütigte, kurz vor ihrem Verkauf stehende Sklavin nackt an die ebenfalls nackte Leidensgefährtin noch auf der Bühne zugeflüstert. Schon vergessen?`

´Stimmt. Mit Zahlen hast du’s ja als Steuerberaterin. Weswegen kam ich dir aber gerade jetzt  in den Sinn?`

´Deine Mutter und deine Stiefmutter wollen heute Abend Essen gehen. Möchtest du uns begleiten? Wir würden unsere bedürftige Tochter auch gerne dazu einladen.´

Jenn musste laut auflachen. ´

´Wie seid ihr denn grad drauf? …. Aber dann wird’s sicher nur ein kleiner Imbiss oder ein Döner im Stehen sein, wenn ihr oder du als die böse Stiefmutter dich so für mich in Kosten stürzen willst`

´Ich habe deiner Mutter dafür das Taschengeld gestohlen..`

´Schade, ich würd ja gerne, aber .. mein Käufer hat mich schon eingeladen.`

´Ach? Na, gegen den können wir leider nicht gegenan stinken. Wo wollt ihr hin?`

`Ich hab keine Ahnung. Frieder sagte, ich soll mich überraschen lassen`

´Bestimmt führt er dich in so einen Bio-vegetarisch verseuchten Alternativladen`

´Davor hab ich ihn gleich gewarnt. Wenn schon, dann richtig`

´Na gut. Schade zwar, aber wir wünsche dir, besser euch trotzdem auch viel Spaß. Aber wir holen das nach, versprochen?`

´Keine Sorge. So schnell werdet ihr mich nicht wieder los. Cu`

„Sie hat schon eine Verabredung. Mit dem von den Bunten, dem 2. Bürgermeister. „Ob sie das von sich aus macht oder auch von Roger aus…?“

„Seh doch nicht überall gleich  Gespenster. Ich ruf jetzt jedenfalls an im Yachtclub.

8 Uhr? Schaffen wir das?“

 

* * *

Roger + Maren

 

 

„Gleich müsste sie kommen.“ Roger hatte sich eine Zigarette gedreht, sie an Maren befeuchtet und angesteckt. Beide standen an der Ausgangstür zum Garten, direkt neben dem hinteren Ende des Tunnels. „Willst du sie wirklich vereinnahmen? Was ist, wenn sie nicht zu uns passt.“

Er schmunzelte, küsste ihr auf die Stirn. „Dann mach ich euch halt passend.“

Wieder ein tiefer Zug, „Zuerst war’s ja auch ein Reiz, wie sie da auf mich und auch den Augenkontakt reagierte. Aber dann.. Maren, ich bin halt auch nur ein Mann und..“

„Du hast ihr Zeit gegeben. Stimmt. Aber nun fühl ich mal in so ein junges Ding rein. Als was wird sie dich sehen? Als ne Vaterfigur? Wohl kaum. Sie will auch mit dir schlafen. Als  Aufpasser, besserer Zuhälter? Willst du das? Kaum. Die Kleine studiert. Die Jobs, die sie hier schon gemacht hat, haben ihre Phantasie angeregt. Sie möchte auch. Dazu etwas Sicherheit. Gut, die kannst und wirst du ihr geben können. Was  hast du bisher von ihr gehabt? Außer dem kleinen Kick für dein Ego?“

„Du wirst es kaum glauben – Inspiration. Früher mag ich ja härter gewesen sein,  aber seit ich dich habe oder besser du mich, fehlt mir die Verantwortung.“

Sie wollte aufbegehren, doch er stoppte sie, indem er sie einfach in den Arm nahm.

„Ach Roger!“ Sie schmiegte sich an ihn, „hoffentlich vergisst du mich oder uns nicht.“

„Hast du nie selber dran gedacht, auch mal für jemand anderen die führende, inspirative Person zu sein?“

Ein Lächeln schob sich über ihr Gesicht. „Hab ich nicht dich dafür?“

„Manchmal schon,“ gab er unumwunden zu, „gerade erst gestern, mit dieser Juliette.“

Maren nickte. „Ich merke, ich komme auch an meine Grenzen.  Martina lascht mich inzwischen locker ab. Was die in der kurzen Zeit in passendere Bahnen geschoben hat. Selbst unser so teuer ausgearbeiteter Plan mit diesem Baugebiet. Der Architekt hatt erst sogar Skrupel gehabt, mit diesem Hintergrundwissen überhaupt da ran zu gehen. Hat dann wochenlang gefeilt und die kommt,  schaut nur einmal drauf und sagt, das da muss dann weiter nach hin und das da mehr nach hinten. Und in der Mitte kommt das. Und wenn sie das mit Steingräber und Bohnsack in die Reihe bekommt, dann wird das so gemacht, da geb ich dir Brief und Siegel drauf. Was hätte die Frau ohne Kinder alles erreichen können?“

Roger stimmte ihr zu. „Was hat sie denn die ganzen Jahre über gemacht? Die musste auch erst geweckt werden. War’s mit dir anders? Fass dir doch an die eigene Nase! Was hatte ich vorher? Ne kleine Kneipe und ein paar halbseidene Nebenjobs. Und Ute, die auf mich aufpasste. Und dann kamst du. Und schon stellen wir eine feste Größe in diesem Kaff hier dar.“

Maren stupste ihn an der Nase. „Was sagt uns das? Du brauchst somit noch mehr Frauen, die du anschieben oder ´erwecken` kannst. Also, lass uns hochgehen. Die Nächste wartet schon.

 

 * * *

 

Bea

 

„Hast du dir das wirklich genau überlegt?“ Babette hielt die von Zweifeln geplagte Bea fest im Arm, „die aus dieser Szene sollen ja die, die sich drauf einlassen, nie mehr aus ihrem Einfluss entlassen.“

„Aber…“

„Was  findest du denn an diesem Roger? Und das wird ja nicht nur der, sondern auch seine Maren sein. Ich seh ja, wie die meine Mama schon umgekrempelt haben.“

„Bis vorhin fandest du das sogar noch gut.“

„Aber wenn du jetzt Ja sagst, wird der dir alles vorschreiben. Du bist dann kein freier Mensch mehr.“

„Und wenn schon. Wie der mich angeschaut hat und auch behandelt hat. So hab ich noch bei niemanden reagiert.“

„Aber wenn der dich nun zur Nutte machten will oder dich in seinen Filmen ficken lässt…“
“Ich hab ihm gesagt, dass ich das nicht will. Schließlich mach ich  nicht umsonst meinen Master in BWL.“

„Ist er drauf eingegangen?  Und überhaupt: Wozu will er dich dann? Und warum willst du überhaupt?“

Bea löste sich von ihr ud ging unruhig im Zimmer herum. „Wenn ich das nur selber wüsste! Schau mich doch an. Kaum denk ich an diesen Arsch, fang ich an zu Nippeln, lauf schon fast von alleine aus und..“

„Dir ist nicht zu helfen, Bea. Vielleicht ist es ja wirklich ja gut für dich. Komm, wenn um ¼ vor das Taxi kommt, musst du startklar sein. Zieh dir was an…“

„Ich soll mich im Taxi doch schon wieder ausziehen und mich um 7 nackt vor der Eingangstür mit ausgestreckten Armen und Beinen hinlegen. Wie ein, ein … hilfloses Tier.“

„Erkennst du nicht die Symbolik da drin? Du gibst dich ihm hin. Ganz und gar und das sogar Freiwillig. Dein Roger wird sich schon was bei gedacht haben.“

„Ist das was Gutes?“

Bette lachte. Zieh dir ein Kleidchen über. Nackt gehst du jedenfalls du mir nicht raus. Und – nimm dein Handy mit! Wenn was ist, ruf mich an.“

Unten an der Tür klingelte es schon. „Nu mach schon, du arme Sau!“ Bette klatschte ihr auf den Po, „und vergess nicht wo du wohnst. Denk auch dran: du hast Morgen ne Vorlesung.“

 

Unten wartete schon der Taxifahrer, ließ abschätzend seinen Blick über sie gleiten. „Bist du die Beate oder auch Bea, die ich zum Studio fahren sol?“

Sie konnte nur stumm nicken. „Dann steig ein. Kannst auch vorne einsteigen. Macht Martina auch immer.“

„Sie kennen Martina?“

„Sag ruhig du. Ich bin Ismir, jetzt persönlicher Fahrer dank Martinas Gnaden für das Studio und den Frauen von Roger.“

„Den kennen sie äh du auch schon?“

„Natürlich. Er hat ein schönes Haus und ein sehr interessantes Spielzimmer. Das dürftest du heute sicher auch kennen lernen, oder?“

Bea stieg die Röte ins Gesicht. „Ich, ich hoffe es…“

„Na, dann solltest du anfangen und dich ausziehen. Du weißt ja: nackt vor dem Kellereingang. Und ich hab Martina versprochen zu warten, bis jemand aus der Tür kommt und dich im Empfang nimmt.“

„Danke.“ Sie hob ihren Hintern hoch und zog das Kleid nach oben. „Stört es sie, äh dich, wenn ich…“

Ismir lachte nur gutmütig. „Ich hab schon soviel hier erlebt in meinem Taxi, da wirst du mich kaum noch nervös machen können.“

Bea zog nun das Kleid weiter hoch, über ihren Kopf und knüllte es zu einer Rolle zusammen, quetschte es in ihre Handtasche, in der sich auch ihr Handy befand.

„Geht das so?“ Sie setzte sich aufrecht hin.

„Ich stell fest, dass es dir nicht viel ausmacht, nackt in der Öffentlichkeit zu sein, oder?“

„Wenn du zu Roger oder Martina gehörst, wirst du mich vielleicht noch öfter so sehen müssen, oder?“

„Sag nicht müssen, sag dürfen. Du bist eine sehr gut ausehende junge reizvolle Frau. Und Martina hat mich gewarnt, dass ich von dir die Finger lassen soll. Zumindest bis du da vor der Tür liegst…“ Er lachte, strich ihr über die Wange. „Machs gut, Beate!“

 

Diese Zusprache tat ihr sehr gut. Trotzdem hatte sie weiche Knie, als sie Punkt sieben Uhr aus dem Taxi stieg, die 4 Schritte barfuss hin zu diesem Türbogen ging, sich hinkniete, dann auf den Bauch legte, den Kopf mit den Kinn auf dem staubigen Boden ablegte und ihre Arme und Beine seitlich ausstreckte.

Sie hörte, wie das Taxi wieder anfuhr, aber im Hintergrund mit laufendem Motor stehen blieb und dieser Ismir sie beobachtete. Dann plötzlich gab er Gas und fuhr er los. Nun hörte sie im Kies knirschende Schritte auf sich zukommen. ER kommt! Sie schloss eingeschüchtert ihre Augen…

 

* * *

 

 

 

 

Martina

 

„Ich muss los!“ Martina umarmte noch einmal ihre drei, die schon beim Abendbrot saßen und betrachtete sich ein letztes Mal im Spiegel. In Ermangelung einer stilvolleren Garderobe hatte lediglich wieder ihr leichtes Sommerkleid über ihren ´Panzer` gezogen. Stephan hatte zwar anfangs skeptisch geblickt, als er sie beim Anziehen beobachtete, aber er war eh schon ausgiebig ausgelaugt von ihr. Zum Glück hatte das Bett diesmal alles heil überstanden.

„Seh ich dich heut noch?“

„Ich hoffe doch. Schatz, wofür hältst du mich?“

„Gut, dann bis nachher. Machs nicht so doll…“

Aber da war sie schon im Hausflur, huschte auf ihren bisher einzigen Stöckelschuhen nach unten, wo Ismir schon stilgerecht am Taxi stand, ihr die Beifahrertür aufhielt und diese auch wieder schloß, als sie drinnen war.

„Na Madame,“ blinzelte er ihr zu, „hast du bemerkt, dass deine Familie oben aus dem Fenster schaute?“

„Sicher doch. Sie akzeptieren es zwar, aber wissen noch nicht so recht, woran sie jetzt mit mir sind.“

„Ich wäre auch sehr skeptisch, glaub mir!“ Dabei legte er ´unabsichtlich` seine rechte Hand auf ihren Oberschenkel, worauf er ein zischendes „Ismir!“ zu hören bekam.

Er ließ seine Hand trotzden dort liegen und sie … akzeptierte es.

„Hast du Bea abgeliefert?“

„Natürlich und sicher zu auch deiner vollen Befriedigung. Sie hat sich bei mir ausgezogen und hatte eigentlich wenig Schamgefühl, war aber sehr nervös.“

„Sie ist es wohl schon gewöhnt. Gestern auf der Feier war sie die ganze Zeit nackt.“

„Ich hab auch in der Einfahrt gewartet, bis Roger rauskam.“

„Nur Roger?“

„Nein, auch Maren.“

„Sehr gut. Dann wird sie gleich wissen, auf wen sie ebenfalls noch hören muss.“

„Hörst du  auch auf Maren?“

„Sicher. Maren war schon immer die Dominierende von uns. Aber“ sie schmunzelte, „ich kenn bei ihr ein Zauberwort!“

„Aha? Und wie heißt das?“

„Ismir, für wie blöd hältst du mich! Glaubst du, dass ich dir das verrate?“

Er lachte nur. „Wohl kaum. Du bist wirklich eine außergewöhnliche Frau, Martina. Mal lockend, mal fordernd, mal suggestiv, mal beinflussend, mal geil…“

„Welche gefällt dir am Besten?“

„Er legte die rechte Hand wieder an das Lenkrad. Alles an dir. Du … weißt was du willst und bisher jedenfalls weißt du deine Qualitäten auch einzusetzen.“

„Whow! Das hast du jetzt schon erkannt? Aber tröste dich: Bis vor 3 Tagen war ich nur eine kleine unscheinbare brave Hausfrau…“

„Und Roger hat dich so verändert…“

„Hmm. Im Nachhinein glaub ich inzwischen, dass es nicht nur Roger war. Er war der Auslöser, ja. Aber Maren war immer dabei…  Egal.“

Sie sah auf die Straße. „Hier also wohnt die Highsociety der Stadt. Hast du oft Touren von und nach hier?“

Er schmunzelte. „Jetzt kommt auch gleich wieder die Frage, welche alles von oder zu den beiden älteren Herren war oder?“

„Ismir, das ist nicht fair. Du durchschaust mich zu schnell.“ Lachend schlug sie ihm ans Bein. 

„Ich?“ Er grinste frech, „isch nur türkische Taxifahrer, isch nichts wissen oder durch kucken.“ Dabei zeigte er auf zwei große Villen. Die linke ist Steingräber, die rechte gehört dem Professor. Alle Achtung. Du bist schon sehr schnell aufgestiegen.“

„Frau tut was sie kann!“ Dabei schaute sie auf die Uhr  7:55 „Eine Frau, die zu pünktlich ist, wirkt unseriös. Holst du mich nachher ab?“ Dabei sah sie ihn verschwörerisch an, zog ihr Kleid hoch bis an die Hüfte, „vielleicht ….“ Sie lachte und zog es wieder nach unten.

„Und der Hund sieht den Knochen und sabbert gierig.“

Ismir war ebenfalls nicht auf den Mund gefallen. „Seh zu, dass du den reiferen Herren nicht zu sehr den Kreislauf hochjagst. Und jetzt raus mit dir. Cu und trotzdem viel Erfolg und Spaß.“

Lachend stieg sie aus und stöckelte auf das linke Anwesen zu, registrierte anerkennend, dass er wartete, bis ihr die Tür geöffnet wurde.

Ismir passte auch auf sie auf…

 

Eine schon reichlich reifere Haushälterin öffnete ihr, sah etwas missbilligend an ihr herunter.

„Herr Steingräber und Herr Professor Bohnsack erwarten sie bereits im Kaminzimmer. Würden sie mir bitte folgen?“ schnarrte sie nasal herunter.

Martina konnte es nicht lassen. „Wieso glauben sie zu wissen, dass die Herren gerade mich erwarten?“

„Herr Steingräber hat selten Damenbesuch und wenn eine wie sie nun nach dem letzten Abend hier vor der Tür steht…“

„Eine wie ich… Interessant. Ich bewundere ihre Menschenkenntnis, Frau..?“

„Ich bin hier nur die Haushälterin. Herr Steingräber ruft mich Hanna.“

„Weil er sich nicht umgewöhnen wollte und ihre Vorgängerin ebenfalls Hanna hieß?“

„Woher schließen sie das?“

Martina lächelte süffisant. „Weil sie mir nur den Rufnamen, mit dem ihr Herr sie ruft  sagten, nicht ihren eigentlichen. ´Eine wie ich`erkennt sowas sofort. Aber wenn sie mich ankündigen – ich heiße Martina und dieses ist mein richtiger Name.“

Sprachlos öffnete ´Hanna` ihr nun die Tür. „Die Dame .. Martina ist eingetroffen.“

„Danke Hanna. Sie können Feierabend machen.“

Beide standen auf und umarmten nun den Gast, die sich allerdings  lächelnd an den Gastgeber wandte. „Soll ich dich von nun an bedienen? Lass sie doch im Hintergrund warten. Eine gute Dienerin wartet gerne auf die Anweisungen ihres Herren, oder Hanna?“

„Martina, was führst du im Schilde?“

„Eine wie ich möchte sich vielleicht auch einmal bedienen lassen?“

Hanna stand noch immer an der Tür und kochte bereits. „Herr Steingräber ist seit etlichen Jahrzehnten schon mein Arbeitgeber und er sah nie einen Grund oder eine Veranlassung, mich despektierlich zu behandeln.“

„Schade aber auch, oder?“ Lächelnd wandte Martina sich wieder dem Hausherrn zu.

„Ich kam ja eigentlich, weil ich etwas verwirrt war. Mir kam zu Ohren, dass irgendetwas unser Projekt beeinflussen könnte.“

„Martina, anscheinend hörst du sogar schon das Gras wachsen.“ Der Professor  ließ sich in einen der beiden Sessel vor dem Kamin fallen. „Stimmt, mir wurde von einigen kontroversen Planungen berichtet.“

„Sogar schon mehrere, interessant.“ Sie sah sich nach einer Sitzgelegenheit um, weil ihr Walther sich in den zweiten Sessel bequem gemacht hatte. Lediglich das große weiße Eisbärfell vor dem offenen Kamin bot sich ihr noch an. Sie drehte sich zu dem offenem Kamin hin, aus dem die Wärme der knackenden Flammen ihr entgegen strömte. „Und welche dieser kontroversen Planungen könnte für uns relevant sein?“

„Eigentlich alle.“ Steingräber beugte sich etwas vor. „Was möchtest du trinken, meine Liebe.“ Sie drehte sich zu ihm, immer noch nahe an den Flammen und hob hinten ihr Kleid etwas höher, dass die Wärme ihr unter den Rock fahren konnte.

„Darf ich mich an euch anschließen? Ich sehe, ihr habt da einen sehr guten Cognac auf dem Tischchen zwischen euch stehen.“

Hanna trat dazu. „Ich hatte einen Sekt für sie vorbereitet. Ich dachte…“

„Eine wie ich labt sich an der guten Hausmarke? Aber wenn sie mir nun doch lieber ein Glas wie den beiden Herren bringen könnten? Auch ich habe zeitweise Geschmacksanwandlungen und genieße derart exquisite Genüsse.“

Mit versteinerter Miene wurde ein halb gefüllter Schwenker gereicht. „Danke. Ich sehe, sie halten mich für eine sehr trinkfreudige Dame.“ Sie lächelte Walther zu. „Gibst du als der Gastgeber nun das Getränk frei? Ich würde gerne mit euch .. anstossen.“

„Hanna, sie können wirklich gehen. Wir kommen nun schon alleine klar, danke.“

Ihm wurde dieser Zickenkrieg zuviel. „Du magst es manchmal, zu provozieren, oder?“

„Ihr beide nicht?“ Sie stieß lächelnd mit beiden an. „Ihr schürt ja auch Unruhe, lasst uns im Unklaren, wer oder was sich gegen uns stellen will.“

„Aber Martina…“

„Ihr wisst schon, dass inzwischen sich schon einige weit aus dem Fenster gelehnt haben, um mit partizipieren zu können.“

„Sie hört wirklich das Gras wachsen.“ Der Prof erhob sich, stellte sich neben sie.

„Dass die Amerikaner nicht so kampflos aufgeben würden, war Roger oder besser Maren sicher auc schon klar. Dass sie sich nun Hilfe erkauft haben bei zwei Clans aus der Großstadt, sollte uns und auch euch mehr Kopfschmerzen bereiten. Ich habe schon Gegenmaßnahmen angeschoben. Roger sollte sich dringend mit seinen Securityleiter absprechen, bevor Sabotageangriffe ausgeführt werden könnten.“

„Aber die dürften eher das kleinere Problem sein.“ Steingräber hatte sich auch erhoben, sich auf ihre andere Seite gestellt, nippte an seinem Glas, „eher befürchte ich, dass uns die Presse in die Seite fahren könnte.“

„Wenn Publik wird, dass eventuell Altlasten im Boden sein könnten…“

„Wie du schon so schön sagtest: Könnten. Nur – sie sind vorhanden. Ich weiß es. Nicht umsonst lag das Gelände solange brach.“ Steingräber war sehr ernst geworden.

„Und trotzdem hast du uns in unseren Bemühungen so intensiv unterstützt?“

Er gab sich unschuldig. „Es war mir wohl entfallen.“

„Ihr wolltet wohl eher abwarten, bis Maren und auch andere Investoren mit dem Objekt auf die Nase fallen und dann..“

Der Professor seufzte auf. „Was bist du misstrauisch!“

Sie schmunzelte, nippte an ihrem Glas und hockte sich dann auf das Fell.

„Ihr Strategen! Also die Bunten und die Presse werden schweigen. An dem 2. Bürgermeister ist, wie du ja so schon vorgegeben hast, Jenn dran. An Herrmanich ist Juliette involviert. Auch der hätte eigene Interessen an dem Vorhaben. Zudem wird er den Bürgermeister lenken dürfen. Und das etwaige Altlastvorkommen – wer wird darauf kommen? In diesem Bereich werden doch überhaupt keine Baumaßnahmen durchgeführt.  Im Gegenteil: wir wollen der Natur zurückgeben, was ihr schon ewig gehörte.“

Die beiden Alten sahen sich an. „Was habt ihr,  besser du nun ausgeheckt?“

Martina setzte ihr Glas auf dem kleinen Tischchen ab. „Mir wird es allmählich warm hier vor dem Kamin. Darf ich?“ Sie zog ihr dünnes Kleidchen unter ihrem Hintern hoch und versuchte es, sich über den Kopf zu ziehen.. Natürlich waren ihr sofort beide Herren behilflich.

„Danke!“ lächelte sie. „Ihr wisst ja, nichts geht über eine gute Vernebelungstaktik. Euch vernebele ich die Gedanken, indem ich mich etwas freier offenbare, was ich übrigens gerne für euch mache, und den etwaigen Kritikern bieten wir auf dem Gelände großzügige Rückzugsmöglichkeiten für Mensch und Natur.“

„Das heißt?“

„Wir werden das Gelände nach Norden und Süden erweitern. Bisher haben wir zwar schon den Großteil der Freiflächen gesichert durch den Kauf des Studios, aber der im Norden angrenzende Bereich, sogar noch mit den etwas verfallenen Kaianlagen ist noch im Besitz der Stadt. Und vorsorglich hatte Maren schon eine Kaufoption auf den zusätzlichen Erwerb dieser Flächen beantragt. Natürlich würde damit auch der Kapitalaufwand etwas mehr strapaziert, aber wozu hat man potente Herren nicht nur als Geldgeber, sondern auch als Partner an der Seite... Reichst du mir nun bitte mein Glas, Walther? Wird euch eigentlich nicht auch schon etwas heiß unter euren Anzügen?“

 

Es wurde eine sehr anstrengende, zwischendurch von Telefongesprächen unterbrochene Sitzung. Gegen 10:30 zeigte ich bei Beiden die Grenzen der schon ältlichen Konstitution. Martina konnte es sich nicht verkneifen, vor die Tür zu schauen und zufällig die Haushälterin dort vorzufinden und sich vor ihr hinzuhocken.

„Hanna oder wie ist ihr richtiger Name?“ „Beate“ „Gut Beate, der Name gefällt mir schon besser.“ „Warum?“ „Weil das ´sie selbst` sind.

„Darf ich sie um etwas bitten?“

„Ja sicher. Darum bin ich doch wach geblieben..“

„Können sie ihren Walther, den Herrn Steingräber ins Bett bringen? Sie kennen ihn ja schon etliche Jahre und .. er ist wirklich zeitweise ein sturer Bock, aber dahinter..“

Ein Seufzen kam als Antwort.

„Seien sie etwas offener zu ihm. Ich werde ihm gleich mitteilen, dass ´Beate` ihn hoch in sein Zimmer bringt. Seien sie dann Beate, die Frau, die ihn anlächelt, ihn mal mit etwas überrascht und ihm Freude in seinen Alltag bringt. So von Frau zu Frau,“ sie reckte sich an ihr Ohr, “kochen sie ihn sich langsam gar. Ich habe ihn ja leider erst gestern kennen gelernt, aber trotzdem sofort gemerkt, dass ihm etwas fehlt. Geld allein kann es nicht sein. Jetzt wird er zwar die nächsten Wochen wieder so einiges um die Ohren haben vielleicht werde ich ihn ebenfalls noch öfter besuchen kommen, aber – sehen sie mich nie als Konkurrentin. Ich will ihm eine Freundin sein, eine, die ihn unterstützt. An seiner Seite müssen sie stehen. Sie als Beate, nicht als Hanna. Er muss eben noch mal umlernen, erkennen, was er an ihnen hat.“

„Warum sagen sie mir das alles? Sie kennen mich doch gar nicht. Woher wissen sie, dass ich…“

„Wenn er ihnen gleichgültig wäre, hätten sie nicht hier draußen gewartet, bis diese ´eine wie ich`endlich gegangen ist.  Hab ich Unrecht?“

Beate hatte leicht feuchte Augen, als sie nickte. „Danke. Ich, ich werde mich bemühen.“ Sie griff nach Martinas Hand, drückte sie.

„Und wenn etwas sein sollte,“ sie erbat sich Zettel und Schreiber, „rufen sie mich hier unter dieser Nummer an.“

Als Nächstes rief sie an bei Ismir, dann ging sie wieder ins Kaminzimmer zurück.

„Hab ich euch zulange allein gelassen? Ihr habt schon wieder den Cognac am Hals.“ Sie rief nach draussen „Beate, können sie den Kamin noch etwas nachlegen?“

„Wieso Beate? Ich…“

Beruhigend nahm sie Walthers Hand. „Du hast selber Schuld. Warum musstest du mich kaufen. Jetzt hast du mich zusätzlich als deine Plage am Hals. Ich würde ja Sklavin aus deinem Mund akzeptieren, aber nicht Hanna. Und du hast mich ja auch schon kennen lernen dürfen. Ich hab manchmal handfeste Argumente, oder?“

Jetzt musste selbst er lächeln.

Kurze Zeit später läutete die Türglocke. Beate ging nachschauen, dann rief sie ins Zimmer: „Martina, ihr Taxi ist da!“

„Es dauerte nur Sekunden, bis sie nun wieder in ihr Kleid geschlüpft war, sich von beiden verabschiedet und aus der Tür war. Am Eingang umarmte sie die vormals so abweisende Haushälterin. „Nicht wieder unterbuttern lassen. Sagen sie sich einfach nur: ich bin Beate, oder? Und denken sie dran: ich werd immer mal wieder kontrollieren kommen.“

Als die Haustür fast hinter ihr zugefallen war, konnte sie Steingräber aus dem Kaminzimmer rufen hören: „Beate, können sie…“

 

Etwas erschöpft ließ sie sich bei Ismir auf den Vordersitz fallen. „Welch ein Abend! Fährt du mich, uns zu Roger?“

 

* * *

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Inhalt/Idee

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Erotik/BDSM

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Rechtschreibung/Form

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