Neue Horizonte Teil 10 - Das Sommerfest

"Klappentext"

Nadine im Bergwerk, Mara fliegt und Vivian läuft weg

 

Wie lange sie bereits hier war wusste Nadine nicht zu sagen. Sie saß auf einer Pritsche die sie mit zwei anderen Frauen teilte und aß ihre Ration Brei mit bloßen Fingern. Längst hatte sie sich damit abgefunden, ebenso wie mit dem Loch im Boden das allen 60 Frauen hier in diesem Stollen für ihre Notdurft diente und an die Tatsache daß sie sich nur mit dem Wasser welches an den grob aus dem Gestein gehauenen Wänden herab floss, notdürftig waschen konnte.

»Im Grunde genommen tun wir der Gesellschaft sogar einen Gefallen wenn wir euch hier her bringen, dann liegt ihr niemandem auf der Tasche und tut sogar noch was nützliches«, hatte die Aufseherin gesagt als man sie zusammen mit neunzehn anderen Frauen in den Aufzug gesteckt und in das Bergwerk gebracht hatte. Seit dem hatte sie kein Tageslicht mehr gesehen.

Man hatte sie aus der Kiste gezerrt in der sie hier her gebracht worden war und sie musste sich zusammen mit mehreren anderen Frauen in einer alten Fabrikhalle in einer Reihe aufstellen. Die meisten Scheiben der Halle waren zerbrochen und einige Scheinwerfer tauchten die ganze Szenerie in ein gespenstisches Licht. Der nackte Betonboden war mit Schmutz und Scherben übersät und die Stahlträger welche die Halle stützten waren mit einer dicken Schicht Rost überzogen.

»Wo bin ich hier? Ich sollte doch entlassen werden«, rief eine der Frauen und wollte weg laufen. Doch die Aufseherinnen packten sie an den Haaren und zerrten sie zu einem der Stahlträger wo sie sie mit Hilfe schwerer Ketten anbanden. Sie schlugen mehrmals mit einer Peitsche auf sie ein bis sie zitternd und wimmernd an dem Träger stand.
»Wenn ihr nicht wollt, daß mit euch das selbe passiert, dann haltet ihr alle den Mund!« hatte eine der Aufseherinnen gesagt.
Sie waren an der Reihe der Frauen vorbei gegangen und nachdem sie sich alle angesehen hatten, wurden zwei von ihnen weg gebracht. Die anderen wurden einzeln in einen kleinen Raum geführt der früher vermutlich einmal eine Umkleide gewesen war.
Als Nadine dort hinein gestoßen wurde, kamen sofort zwei andere Aufseherinnen auf sie zu, zerrten sie unsanft auf eine Liege und hielten sie fest. Eine weitere Aufseherin hatte ihr den Keuschheitsgürtel abgenommen. »Den brauchst du nachher nicht mehr«, sagte sie lachend und warf ihn in eine große Kiste in der bereits mehrere davon lagen. Dann hatte man ihr einen Overall gegeben den sie anziehen musste und ein Paar dicke Wollsocken. Zum Schluss bekam sie noch ein Paar Arbeitsschuhe und wurde durch eine andere Tür in einen weiteren Raum gebracht. Dort legte man ihr eine Eisenschelle um das linke Handgelenk, an der ein Halbring angeschweißt war. Diese Schelle wurde anschließend mit einer Zange vernietet. Als man sie aus diesem Raum heraus stieß wurde sie von zwei Aufseherinnen gepackt und zu einer Reihe Frauen gebracht die an einer Wand standen. Eine der Aufseherinnen nahm das Ende einer Kette und hake es in den Ring an der Schelle ein.

Sie stand nun mit neun anderen Frauen angekettet in einer Reihe die alle die selben Sachen trugen wie sie selbst. An der gegenüberliegenden Wand standen ebenfalls zehn Frauen genauso zusammengekettet an der Wand. Eine Aufseherin ging an der Reihe auf und ab und schlug mit einer Peitsche eine der Frauen die fragte, was das denn alles sollte.
»So, alle zusammen, dann lasst uns mal anfangen«, sagte eine der Aufseherinnen. Sie nahm eine Sprühdose von einem Tisch und ging zu der ersten der angeketteten Frauen. Unsanft fasste sie diese an der Schulter und drehte sie so, das sie mit dem Gesicht zur Wand stand. Mit der Sprühdose sprühte sie eine Nummer auf den Overall. Dies wiederholte sie bei allen Frauen in der Reihe.

0487 stand auf ihrem Overall wie sie mittlerweile wusste. Hier unten machte sich niemand die Mühe, die Frauen irgendwo anzuketten oder einzusperren. »Wenn ihr weglaufen wollt, tut euch keinen Zwang an. Es gibt nur den einen Weg nach oben und der ist gut bewacht. Aber wer nicht arbeitet, bekommt auch kein Essen, es ist also eure Entscheidung«, hatte die Aufseherin gesagt, als man sie in den Stollen gebracht hatte in dem die Betten standen.

Nadine legte sich auf die Pritsche und drehte sich mit dem Gesicht zur Wand. In acht Stunden würden die Aufseherinnen kommen, sie wecken und mit den anderen in den Stollen bringen in dem sie mit schweren Bohrgeräten Löcher in den Felsen bohren mussten. Während sie schliefen wurden die Löcher mit Sprengstoff gefüllt und das Stück Wand wurde weg gesprengt. Während der nächsten Schicht mussten sie das Gestein mit Schaufeln auf flache Transportwagen laden und anschließend weitere Löcher bohren.

Es war ihnen verboten worden miteinander zu reden. Und jede, die sich nicht daran hielt machte Entweder mit der Peitsche oder mit dem Viehtreiber, einem etwa 30 Zentimeter langen Stab der äußerst schmerzhafte Elektroschocks austeilte, Bekanntschaft.
Obwohl sie sich jeden Tag aufs Neue vornahm, sich nicht klein kriegen zu lassen, begann sie leise zu weinen als das Licht ausgeschaltet wurde. Sie wusste nicht, wie lange sie das hier noch durchhalten würde. Doch lange würde sie es wohl nicht mehr schaffen stark genug zu bleiben um das alles zu überstehen. Wenn sie wenigstens mit jemandem reden könnte. Das erzwungene Schweigen war für sie das Schlimmste hier. Die Arbeit in dem Stollen war zwar schwer aber auszuhalten und das Essen war ausreichend und schien auch genug Kraft zu geben. Sie hatte vor zwei Schichten erstaunt festgestellt, daß sie sogar kräftiger geworden war und sich die Muskeln an ihren Armen gefestigt hatten, die früher kaum vorhanden waren. Doch das Schweigen, sich nicht mit anderen unterhalten zu können war es was sie nicht mehr lange aushalten würde. Sie wäre im Moment sogar froh darüber, Claudias schlechte Witze über ihr kaum vorhandenes Sozialleben zu hören.

Nun lag sie weinend auf der Pritsche und wartete darauf endlich einzuschlafen als sich jemand neben sie setzte. Sie hörte ein »Pssst« und jemand fasste sie an die Schulter. Sie zuckte unter der Berührung leicht zusammen. Doch dann begann die Person damit ihren Arm zu streicheln und drehte sie mit sanftem Nachdruck um. Die Person zog sie weiter zu sich bis ihr Gesicht an etwas weichem lag. Sie roch etwas, was sie seit langem nicht mehr gerochen hatte. Seife. Die Person war frisch gewaschen oder trug zumindest saubere Wäsche. Sie wollte sehen wer das war aber die absolute Dunkelheit hier in dem Stollen ließ nicht zu, daß sie etwas erkennen konnte. Doch sie genoss die Berührungen und die Nähe zu einem anderen Menschen.

Nadine war unfähig sich zu bewegen. Sie hatte Angst davor, was nun passieren würde doch die Person legte nun ihre Hand in Nadines Nacken und begann sie sanft dort zu kraulen. So lag sie eine ganze Weile da und wagte es nicht, sich zu bewegen.
»Iss das« flüsterte ihr jemand ins Ohr und drückte ihr etwas vor die Lippen. Nur zögernd öffnete sie den Mund und etwas wurde ihr in diesen hinein gesteckt. Schokolade. Zartbitterschokolade stellte sie erstaunt fest. Mit geschlossenen Augen ließ sie das Stück Schokolade in ihrem Mund zergehen. Sie war dankbar für die Abwechslung und wollte diesen Geschmack auf jeden Fall so lange genießen wie es nur ging. Die Person kraulte weiter ihren Nacken und irgendwann schlief sie erschöpft ein.

Als sie aufwachte weil das Licht eingeschaltet wurde, fühlte sie sich ungewohnt gut. Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen als sie die Papierschüssel mit ihrer Ration Brei von der Aufseherin bekam. Der Geschmack der Schokolade stieg in ihrer Erinnerung hoch und sie stellte sich vor wie es wäre, wenn dieser Brei danach schmecken würde.

- - -

’Nur noch diese paar Bücher einräumen dann sieht das schon viel besser aus.’ dachte Mara und begann die letzten Stapel von den den Tischen zum Regal zu bringen und einzuräumen. Sie hatte versucht die Bücher so gut es ging thematisch zu sortieren. Dazu war sie gestern den halben Tag über in der Unibibliothek und hatte sich dort die Themenbereiche notiert nach denen dort sortiert wurde. Einige konnte sie gleich wieder verwerfen denn Bücher über so wissenschaftliche Themen wie Quantenphysik oder neurolinguistische Programmierung gab es im Antiquitätenladen nicht. Dafür jedoch gab es Bücher über verschiedene esoterische Themen wie Kartenlegen oder Astrologie. Doch auch solche Themenbereiche gab es in der Bibliothek der Uni, welche zum Glück nur wenige Minuten Fußweg von Julias Haus entfernt lag.

Da Sonntag war, befanden sich nur wenige Studenten in der Bibliothek und so nutzte Mara auch die Gelegenheit um ein wenig zu stöbern. Um so mehr wunderte sie sich, daß eine junge Frau sie nach einigen Stunden ansprach. »Sie sehen nicht so aus als wollten Sie ein Buch ausleihen«, sagte die Frau zu Mara die erschrocken zusammen zuckte, da sie gerade in einen der Kataloge der Bücherei vertieft war. Mara drehte sich herum und blickte in die strahlend blauen Augen der jungen Frau. Die blonden Haare hatte sie zu einem streng wirkenden Knoten zusammengebunden. Mara war ein wenig verwirrt denn sie war so in den Katalog vertieft, daß sie nicht einmal bemerkt hatte wie die Frau näher gekommen war.
»Nein, ich bin eigentlich hier weil ich die Bücher im Laden sortieren will«, sagte sie, nachdem sie ihre Fassung wiedererlangt hatte.
»Ich verstehe. Also wollen Sie hier nur kiebitzen«, sagte die Frau.
Mara nickte wortlos und fürchtete bereits daß die Frau sie hinauswerfen würde. Doch diese lachte und sagte »Das kommt öfter vor als Sie denken. Wenn Sie möchten, kann ich ihnen ja eine Liste mit allen Themengebieten geben. Wir haben zwar bei weitem nicht alle hier aber die vereinheitlichte Liste mit allen Erklärungen braucht man doch gelegentlich mal.«
»Gerne, vielen Dank«, sagte Mara schüchtern.
»Kein Problem, Übrigens, ich bin Astrid.«
»Hallo, ich bin Mara.«
»Freut mich, dich kennen zu lernen. Komm, wir gehen ins Büro, da hab ich die Liste.«
Astrid begann damit, Mara die Vor- und Nachteile der verschiedenen Sortierungen zu erklären. Sie erklärte, daß es vor Erfindung des Buchdrucks üblich war, die handgeschriebenen Bücher nach Größen zu sortieren, was es natürlich nur für Eingeweihte überhaupt möglich machte, ein bestimmtes Buch halbwegs schnell zu finden. Später wurden Bücher, alphabetisch nach Titel sortiert und erst später kam eine Sortierung nach Kategorien und Genres auf, die im Laufe der Zeit vereinheitlicht wurden. »Die Gutenbergbibel ist dadurch wahrscheinlich ziemlich oft im Regal hin und her gewandert. Erst stand sie ziemlich weit links weil sie so groß war und heute steht sie in der Kategorie ’Fiktion’«, erklärte sie lachend als sie das Büro erreichten. Astrid holte ein dickes Buch aus einem Regal und gab es Mara.
»Das ist die Liste?« fragte diese erstaunt über das dicke Buch.
»Ja. Da stehen zu allen Themenbereichen, Kategorien und Genres ausführliche Erklärungen. Aber keine Angst,« sie schlug zielstrebig eine Seite auf »hier ist die eigentliche Liste. Die Erklärungen brauchst du wahrscheinlich nur, wenn du ein Buch nicht einordnen kannst.«
Mara nickte verstehend.
»Warte, ich mach uns mal einen Kaffee. Ich interessiere mich sehr für alte Bücher. Das Meiste was je geschrieben wurde ist ja mittlerweile digitalisiert und niemand braucht mehr Papier in die Hand zu nehmen. Aber ein Buch in der Hand zu halten ist, finde ich, viel schöner als es auf einem Pad zu lesen.« Sie machte einen recht verträumten Eindruck bei diesen Worten.

Während Astrid den Kaffee kochte schaute Mara sich die Liste genauer an.
»Was mache ich denn, wenn ich ein Buch habe, das ich nicht lesen kann? Ich habe einige bei denen ich nicht mal die Schrift kenne«, fragte Mara als Astrid ihr den Kaffee hingestellt hatte und sich zu ihr setzte.
»Was ist es denn für eine Schrift?« fragte Astrid interessiert.
»Ich weiß nicht. Sie sieht komisch aus. Zum Teil ganz normale Buchstaben aber auch ganz komische Zeichen.«
»Kannst du mal ein Beispiel aufschreiben?« Astrid schien sehr interessiert und gab Mara einen Zettel und einen Stift.
»Ich kann mich nur noch an dieses eine Wort erinnern«, sagte Mara und schrieb auf : ’Εyένη’
Astrid schaute eine Weile auf die Buchstaben. »Bist du sicher, daß der zweite Buchstabe richtig ist?« fragte sie »Wenn das kein gamma sondern ein lambda wäre, würde es sogar einen Sinn ergeben.«
Mara schaute sie fragend an. »Ich weiß nicht, aber es kann sein, daß es etwas anders aussah.«
Astrid schrieb das Wort noch einmal auf : ’Ελένη’ und Mara schaute es sich an. »Ja, ich glaube, so könnte das sein.«
Astrid lachte. »Das ist Griechisch. Was da steht heißt buchstabengetreu Eleni. Es könnte entweder Ellen heißen oder eher Helénē , vielleicht auch Helena oder Helen.«
»Woher weißt du sowas?« fragte Mara erstaunt.
»Ich habe alte Sprachen studiert«, erklärte Astrid. »Ist das der Titel von einem Buch?« fragte sie interessiert.
»Nein, das steht unter einem Bild. Ganz hinten auf den letzten Seiten.«
»Ich verstehe. Was ist das denn für ein Buch?« irgend etwas schien Astrids Aufmerksamkeit zu erregen.
»Ich glaube, das Format nennt man Foliant. Es ist ziemlich dick und mit Leder eingeschlagen. Es sieht ziemlich alt aus.« Mara meinte ein Funkeln in Astrids Augen zu erkennen.
»Das würde ich mir gerne mal ansehen, wenn ich darf. Wo sagtest du, ist dein Laden?« fragte sie.
»Oh, das ist nicht mein Laden. Er gehört meiner Herrin. Ich bin nur gerade dabei die Bücher zu sortieren weil sie alle vollkommen ungeordnet in den Regalen stehen.« Mara erklärte Astrid, wo der Laden war.

Sie tranken den Kaffee aus und dann musste Astrid wieder an die Arbeit gehen. Sie trug das Buch welches sie Mara gegeben hatte noch auf einem Pad ein und scannte ihren ID-Chip. Dann verließen sie das Büro und Mara ging zurück nach Hause.

-

Die Hälfte der Bücher war eingeräumt und nach der Liste die sie von Astrid bekommen hatte sortiert. Mara hatte sich dazu entschlossen, die Bücher nach den Kategorien zu sortieren und entsprechende Schilder aus dickem Papier angefertigt die sie mit Reißzwecken an die Regale heftete. Sie räumte gerade einen Stapel Bücher ein als sie draußen ein Auto hörte. Ein Blick auf die Uhr ließ sie erstarren. Es war bereits nach 18 Uhr und eigentlich sollte jetzt schon das Essen auf dem Tisch stehen. Sie schaute nach draußen und erkannte daß Julias Auto auf der Straße stand. In diesem Moment hörte sie auch schon die Haustür und kurz darauf die Schritte ihrer Herrin auf der Treppe.

Mara erbleichte als sie ihren Namen hörte der laut ins Treppenhaus gerufen wurde. Sie schloss den Laden ab und ging mit zitternden Knien in den Flur. Als sie die Treppe hinauf ging stand ihre Herrin mit in die Hüften gestemmten Händen und ziemlich wütendem Blick auf dem Absatz.
»Kannst du mir mal sagen, was mit dem Essen ist? Warum ist das noch nicht fertig?« schrie sie Mara an. »Ich habe den ganzen Tag über kaum was gegessen und habe Hunger. Ich habe dir extra gesagt, das ich gegen 18 Uhr zurück bin und dann was essen will.«
Mara schaute sie entsetzt an. So wütend hatte sie Julia noch nie gesehen. »Ent… Entschuldigung Herrin. Ich… ich… ich habe die Zeit vergessen weil ich die Bücher eingeräumt habe«, sagte sie leise und mit gesenktem Blick.
»Stotter hier nicht so rum. Wenn du einen Fehler gemacht hast, steh gefälligst dazu«, schrie Julia mit hochrotem Kopf. »Von irgend welchen Entschuldigungen werde ich auch nicht satt.«
Mara schaute mit Tränen in den Augen zu ihr hoch. »Es tut mir leid Herrin.«
»Ach hör auf dich dauernd zu entschuldigen. Besorg uns lieber was zu essen.« Julias schien sich langsam zu beruhigen. »Geh in den Imbiss an der Ecke. Ich nehme ein großes Schnitzel mit Rahmsauce und Bratkartoffeln und dazu einen gemischten Salat. Was du willst, musst du selber wissen. Und jetzt steh hier nicht so rum sondern beeil dich lieber.«
Mara knickste, drehte sich auf dem Absatz herum und lief knapp 200 Meter bis zu dem Imbiss. Sie bestellte Julias Schnitzel und für sich selbst einen großen Salat und die Bratkartoffeln die hier wirklich sehr gut schmeckten. Nach einer viertel Stunde war sie wieder zurück.

In der Küche nahm sie das Essen von den Plastiktellern und legte es so ordentlich es ging auf richtige Teller. Sie nahm Besteck und Gläser die sie ins Wohnzimmer an den Esstisch brachte und stellte mit zitternden Händen den Teller vor Julia, die die Ellenbogen auf den Tisch gestützt und das Gesicht in die Hände gelegt hatte. Sie stellte sich neben Julia und knickste »Bitte sehr Herrin«, sagte sie leise und mit belegter Stimme.
»Setz dich Mara«, sagte Julia leise. Sie richtete sich auf und wischte sich mit den Händen übers Gesicht. Sie begann zu essen und gab Mara ein Zeichen ebenfalls anzufangen.
Das Essen verlief ungewöhnlich schweigsam und Mara war deutlich anzumerken daß sie Angst hatte.

»Es tut mir leid, daß ich dich vorhin so angeschrien hatte«, sagte Julia nachdem sie fertig gegessen hatte. »Ich hatte heute einen wirklich schlimmen Tag und bin einfach nur fertig. Dauernd haben die mich warten lassen und das für Untersuchungen die immer nur ein paar Minuten gedauert haben. Und dann kamen auch noch laufend irgend welche Notfälle rein die sie vorgezogen hatten. Und das alles auf leeren Magen und ich durfte nicht mal was essen. Dreimal haben die mir Blut abgenommen.«
»Sie waren im Krankenhaus?« fragte Mara mit belegter Stimme und schaute Julia groß an.
»Komm du mal in mein Alter, dann geht dir das auch nicht besser. Wenn man alle Vorsorgeuntersuchungen zusammenlegt, braucht man wenigstens nur einmal im Jahr sowas mitzumachen«, gab Julia zur Antwort.
Mara nickte nur wortlos, worauf hin Julia sich vorbeugte und Mara über die Wange streichelte. »Ich wollte dich nicht so erschrecken, aber ich war wirklich ziemlich sauer. Ich hatte dich deswegen heute Morgen extra gebeten das Essen für 18 Uhr fertig zu machen.
»Entschuldigung Herrin, es tut mir leid«, sagte Mara. Es stimmte, Julia hatte ihr heute Morgen eingeschärft das Essen für 18 Uhr fertig zu machen und sogar noch einmal gesagt, daß das heute wirklich wichtig war, bevor sie weg gefahren war. Sie schluckte bevor sie weiter sprach Ihr war klar, daß sie einen großen Fehler begangen hatte. »Das hätte nicht passieren dürfen.«
Julia sah auf und schaute ihr in die Augen. Mara versuchte dem Blick auszuweichen und senkte den Blick so daß sie auf ihren leeren Teller schaute.
»Auch wenn es mir bei dir nicht leicht fällt«, sagte Julia mehr zu sich selbst und hob die Stimme »Geh bitte in den Keller. Ich komme gleich nach.«

Mara stand auf, knickste wortlos und ging langsam die Treppe hinab. Im Keller ging sie in den Raum den Julia als ihr Spielzimmer bezeichnete. Sie war bisher nur zweimal hier gewesen um zu putzen und Staub zu wischen. Dieser Raum bereitete ihr großes Unbehagen, gerade jetzt wo sie ahnte, was ihr blühte. Sie öffnete mit zitternden Händen die Tür und stellte sich in die Mitte des Raumes, drehte sich zur Tür, kreuzte die Hände im Nacken und wartete.

Julia wartete bis die Tür hinter Mara ins Schloss fiel und legte das Gesicht in die Hände. Sie atmete tief ein und aus und schloss die Augen während sie langsam bis 100 zählte. Danach stand sie langsam auf und ging in den Keller. Bevor sie die Tür zum Spielzimmer öffnete, straffte sie sich und atmete noch einmal tief durch.

Mara stand in der Mitte des Zimmers und wartete auf sie. Sie ging zum um sie herum zu dem Strafbock der im hinteren Teil des Raumes stand und brachte die Platte auf der der Oberkörper zu liegen kam in die Waagerechte und schob die beiden Beinstützen zusammen. So fixierte sie alles und rief Mara zu sich. Diese kam mit zögernden Schritten auf sie zu.
»Zieh dich bitte aus und knie dich hier her.« Julia musste sich sehr bemühen, ihre Stimme fest und energisch klingen zu lassen. Sie beobachtete Mara wie sie die Bluse, den Rock und zum Schluss die Unterwäsche ablegte und übertrieben sorgfältig auf die Querstange des Fesselgestells legte. Zwar war Julia klar, das Mara Zeit Schinden wollte, sagte jedoch nichts und blieb geduldig stehen bis Mara nackt vor ihr stand. Sie deutete auf den Strafbock und Mara kniete sich auf die Beinstützen. Langsam beugte sie sich vor bis ihr Oberkörper auf der mit weichem Schaumstoff und Leder bespannten Platte lag. Julia bewunderte Mara insgeheim dafür wie gefasst sie schien als sie sich auf den Bock legte.

Sie überlegte kurz ob sie Mara mit zählen lassen sollte, entschied sich aber dagegen. Sie wollte es ihr nicht noch schwerer machen, immerhin war es das erste Mal, daß sowas überhaupt nötig war. Mara drehte den Kopf zur Seite und legte ihn auf das Leder der Platte. Nach kurzem überlegen entschied Julia sich dagegen, Mara zu fesseln, statt dessen nahm sie ihre Hände und führte sie zu den eisernen Griffen welche sich an den mittleren Stützen befanden. Dann holte sie eine fingerdicke Rolle aus Gummi und hielt sie Mara vor den Mund. Mara öffnete den Mund und nahm die Rolle zwischen die Zähne. Sie wollte den Kopf zur Wand drehen doch Julia wollte ihr dabei ins Gesicht sehen, also fasste sie sie sanft aber nachdrücklich am Kopf und drehte ihn zurück in die andere Richtung.

Nun ging Julia zum Schrank und suchte nach einem bestimmten Teil. Sie fand es in einer Schublade und rollte den breiten Riemen, den sie sich extra hatte anfertigen lassen, aus. Er war etwas länger als einen Meter und hatte die Breite einer Hand. Er besaß keine Schnallen und bestand nur aus weichem Leder und Polstermaterial. Als sie sich umdrehte fiel ihr Blick auf Maras Kleider. Sie wollte nicht, daß sie diese wieder anziehen musste, aber sie auch nicht nackt durchs Haus laufen lassen, also holte sie noch schnell ein großes Handtuch aus einem anderen Schrank welches sie auf dem Tisch zurecht legte.

Nun stellte sie sich neben Mara und warf ihr einen fragenden Blick zu, den diesen mit einem leichten Nickten beantwortete und dann die Augen fest zusammen kniff. Julia hatte lange geübt um diesen Gürtel so zu halten daß er gerade und flach auftraf. Ohne weiter abzuwarten holte sie aus und schlug, zuerst nicht all zu fest, auf Maras Rücken, knapp unterhalb der Schulterblätter. Diese zuckte zusammen und kniff die Augen noch fester zusammen. Ein leises Stöhnen war von ihr zu hören.

Mara lag angespannt auf dem Bock und erwartete den nächsten Schlag. Langsam spürte sie wie sich ihre Gedanken auflösten und ein wohliges Gefühl durchflutete sie. Sie spürte die nächsten Schläge wie durch Watte gedämpft und ihre Anspannung wich einer tiefen, inneren Ruhe. Sie entspannte sich und ihre Angst löste sich auf und zerfaserte wie Nebel unter der Sonne. Ihr wurde warm und sie hörte auf zu denken, sie spürte nur noch diese Wärme.

Nach dem fünften Schlag, sie hatte bei jedem Male ein wenig fester geschlagen, bemerkte Julia eine Veränderung bei Mara. Die Anspannung die sie eben noch gezeigt hatte war gewichen und es schien ihr als sei Mara nun sehr entspannt. Maras Augen waren nun ebenfalls nicht mehr ängstlich zusammengekniffen sondern sogar leicht geöffnet und ihr Gesicht machte, genau wie der Rest ihres Körpers, einen sehr entspannten Eindruck. Julia schaute einen Moment in Maras Gesicht als ihr klar wurde, was hier vor sich ging.
Der nächste Schlag war scheinbar zu lange ausgeblieben und sie sah, das Mara die Augen langsam öffnete. Dabei bemerkte sie einen verklärten Blick der in weite Ferne zu schweifen schien. Sofort setzte sie zum nächsten Schlag an der Mara eine leises Keuchen entlockte. Sie schlug weiter und wollte nach dem zehnten Schlag aufhören. Sie fand, daß das mehr als genug war, doch offenbar war Mara in eine andere, ganz eigene Welt abgedriftet und ihre Augen sahen glasig ins Leere.

Mara fühlte sich leicht und frei, fast so als ob sie schweben würde. Sie spürte wie das Leder ihren Rücken sanft streichelte und jede dieser Berührungen brachte sie weiter weg von dem was sie umgab. Sie spürte das Leder auf dem sie lag schon eine ganze Weile nicht mehr sondern nur noch das Streicheln des Leders auf ihrem Rücken. Und noch etwas spürte sie. Mit jeder Berührung auf ihrem Rücken floss eine sanfte Welle der Erregung durch ihren ganzen Körper. Diese bisher ungekannte Erregung staute sich um sie herum auf, war so dicht, daß sie sie beinahe greifen konnte doch zu weit entfernt als das sie sie erreichen konnte.

Julia änderte ihr Konzept als sie sah wie Mara auf die Schläge mit dem weichen Lederriemen reagierte. Sie schlug nun nur noch sehr locker zu und verlangsamte den Rhythmus ein wenig. Jedes fünfte Mal schlug sie ein wenig fester zu, was Mara jedes Mal ein leises Stöhnen entlockte. Innerlich grinsend machte Julia weiter. Mittlerweile war sie bei dreißig Schlägen angekommen und machte sich langsam Sorgen, doch Maras stöhnen wurde immer intensiver und fordernder, also machte sie trotz ihrer leichten Bedenken weiter. Nach fünf weiteren Schlägen war sich Julia klar, daß sie das hier langsam zu einem Ende bringen musste. Zwar zeigte Maras Haut nur eine starke Rötung aber sie hatte keine Ahnung, wie oft diese sowas schon erfahren hatte. Sie setzte den nächsten Schlag nun ein wenig fester an und steigerte die eingesetzte Kraft mit jedem weiteren Schlag ein wenig.

Die Welle baute sich immer weiter um sie herum auf, es kam ihr vor als würde sie in einem tiefen Tal liegen und diese glitzernde Welle um sie herum türmte sich immer höher auf. Langsam kroch die Welle immer dichter auf sie zu, schlug über ihr zusammen und senkte sich auf sie herab, nahm sie in sich auf und drang in sie ein, riss das letzte Stück ihrer selbst weit von ihr weg und ließ sie mit ihrer Lust und ihrer Erregung alleine in ihrem Körper zurück, die sie übermannten und auch noch die letzten Gedankenfetzen fort trugen.

Mara reagierte wie Julia es erwartet hatte und stöhnte und keuchte immer lauter. Beim vierzigsten Schlag war es endlich soweit daß sie mit einem lauten, anhaltenden Stöhnen und verdrehten Augen ganz deutlich erkennbar einen Höhepunkt hatte. Julia schlug noch zwei mal fest zu, was Mara zu einem weiteren Höhepunkt trieb und ließ das Leder danach ein paar Mal nur noch ganz leicht auf ihren Rücken klatschen.

Wieder strömte die Welle auf sie ein, schneller und mächtiger als gerade noch, riss sie mit sich und raubte ihr alle Sinne. Sie bestand nur noch aus ihrer eigenen Lust und ihrer Erregung die sich in ihr ausbreiteten und sie übermannten bis ihr schwarz vor Augen wurde und ihre Sinne sie mit sich alleine ließen.
Nur langsam kamen ihre Gedanken zurück. Die glitzernde Welle verebbte und brachte sie langsam zurück, ließ sie auf dem nun nicht mehr kalten Leder liegen. Ihre Sinne kehrten zurück, einer nach dem anderen. Sie spürte das Leder unter sich, die Wärme die von diesem ausging. Sie nahm dessen Geruch in sich auf, hörte das leise Ticken der Uhr an der Wand, das leise Knarzen des Leders unter sich. Sie sah verschwommene Umrisse des Raumes, spürte einen leichten Lufthauch auf ihrem Rücken. Sie spürte wie die feinen Härchen auf ihren Armen sich aufrichteten. Sie schmeckte das Gummi in ihrem Mund und spürte wie etwas an ihrem Kinn entlang lief.

Julia legte den Gürtel bei Seite und zog sich einen Hocker heran. Sie setzte sich neben Mara und beobachtete sie ganz genau. Es dauerte eine ganze Weile bis sie endlich die Augen öffnete und blinzelte. Doch anstatt etwas zu sagen beobachtete Julia sie einfach weiter und wartete. Dann nahm sie ein Tuch aus der Tasche und wischte Mara sanft den Speichel ab, der aus ihrem Mundwinkel lief. Sie fasste die Gummirolle und nahm sie ihr aus dem Mund. Dabei schaute sie in Maras Augen die ein zufriedenes Leuchten ausstrahlten.

»Na, wieder da?« fragte Julia leise. Mara wollte sich aufrichten doch Julia hielt sie an der Schulter und sagte »Bleib noch etwas liegen. Ich hole dir ein Glas Wasser.« Sie stand auf, ging zum Schrank in dem immer eine Flasche Wasser stand und schenkte etwas davon in ein Glas welches sie Mara vorsichtig an die Lippen setzte. Diese trank ein wenig davon, wobei das Meiste jedoch daneben ging. Mit dem Tuch wischte Julia das daneben geflossene Wasser weg.
»Wie geht’s dir?« fragte sie.
Mara sah sie lächelnd an »Gut Herrin«, sagte sie leise.
»Das dachte ich mir«, meinte Julia »Also eine Strafe war das wohl nicht.« Sie holte eine Sprühflasche und begann Maras Rücken einzusprühen. »Das ist gut für die Haut.«
»Danke Herrin«, sagte Mara noch immer sehr leise. Langsam richtete sie sich auf und setzte sich.
Julia holte das Handtuch und legte es ihr vorsichtig um die Schultern. Dann half sie Mara aufzustehen und führte sie langsam nach oben.

Sie setzte sie auf die Couch im Wohnzimmer, legte ihr eine Decke über und setzte sich neben sie. Mit einem leichten Grinsen musterte sie Mara. »Sag mal, war daß das erste Mal?«
Mara schüttelte den Kopf und begann von der Schule zu erzählen wo sie wegen einiger Bilder die sie zusammen mit zwei Mitschülerinnen heruntergeworfen hatte bestraft worden war und etwas ähnliches erlebt hatte. Langsam kehrte sie komplett in die reale Welt zurück und schaute Julia fragend an. »Was war das?« fragte sie.
»Du bist geflogen«, begann Julia zu erklären.

Bis in den späten Abend hinein unterhielte sich die Beiden und Julia versuchte Mara so gut es ging zu erklären, was passiert war und daß sie sich davor nicht zu fürchten brauchte. Sie erkannte, daß Mara eine gewisse Angst davor hatte, was in ihr vorging und versuchte ihr diese zu nehmen. Irgend wann fielen Mara die Augen zu und Julia legte sie auf die Couch, deckte sie zu und ging selbst ins Bett.

- - -

Am Freitag vor dem Fest, kurz nach dem Mittagessen, rief Andrea Rebecca zu sich in den Salon.
»Ich habe hier etwas für dich.« Sie zeigte auf eine Pappschachtel, etwa doppelt so groß wie ein Schuhkarton.
»Vielen Dank Herrin, was ist es denn?«
»Mach doch auf, dann siehst du es«, sagte Andrea schmunzelnd.
Rebecca knickste, kam zum Tisch und öffnete die Schachtel. Sie faltete das Seidenpapier zur Seite und fand eine königsblaue Tunika. Diese war mit weißen Stickereien reich verziert. Staunend betrachtete sie den schönen Stoff.
»Probier sie bitte einmal an«, sagte Andrea.
Dies ließ sich Rebecca nicht zwei mal sagen, entkleidete sich und zog diese Tunika an. Sie besaß vorne eine breite, doppelte Reihe weißer Knöpfe die vom Hals bis zur Hüfte reichte. Die untere Hälfte war weit geschnitten wie ein Abendkleid. Der Kragen lag eng an ihrem Hals und besaß eine weiße, breite Ziernaht. Die Ärmel waren bis zu den Ellenbogen eng geschnitten und weiteten sich bis zu den Handgelenken so daß die Spitzen fast bis zu den Knien reichten. Schmale Bänder, welche an den Handgelenken befestigt wurden, hielten die Ärmel am Platz. Ein ebenfalls reich bestickter Gürtel vervollständigte die Tunika.
»Vielen Dank Herrin, aber wo für denn?« fragte Rebecca erstaunt.
»Morgen ist doch Winternacht. Und da sollst du doch nicht in einer einfachen Tunika herum laufen. Gefällt sie dir?«
»Vielen Dank Herrin, sie ist herrlich.« Sie schaute an sich herab und strich über den weichen Stoff der sich an ihre Haut schmiegte.
»Es freut mich, daß sie dir gefällt. Aber nun zieh sie wieder aus. Sie ist für deine Arbeit hier etwas unpraktisch und außerdem soll sie ja nicht schmutzig werden.«
»Ja Herrin.« Rebecca knickste lächelnd, nahm den Gürtel ab und öffnete bedächtig die beiden Knopfreihen. Sie legte die Tunika sorgfältig zurück in die Schachtel und schloss diese wieder. Dann zog sie die andre Tunika wieder an.
»Bring sie nach oben und komm dann bitte ins Büro, ich habe etwas zu Schreiben.« Obwohl es viel länger dauerte als jemandem Nachrichten zu schicken bevorzugte Andrea Briefe auf Papier. Diese schrieb sie auf einem Pad und Rebecca schrieb sie sauber in ihrer klaren und deutlichen Handschrift auf Papier. Andrea unterschrieb diese und Rebecca faltete sie, steckte sie in Umschläge und verschickte sie.

Nach dem Abendessen, nachdem Rebecca den Tisch abgeräumt hatte, sagte Andrea »An deinen Gürtel scheinst du dich ja bereits sehr gut gewöhnt zu haben.«
Rebecca war ein wenig verwirrt über diese Aussage und drehte sich zu ihr. »Ja Herrin, ich merke ihn kaum noch, aber es ist immer noch sehr unangenehm, dauernd so erregt zu sein und nichts dagegen tun zu können.«
»So unangenehm scheint es dir ja nicht zu sein.« Andrea schmunzelte als sie das sagte.
»Wie meinen Sie das Herrin?«
»Wenn es dir wirklich so unangenehm wäre, wäre dir aufgefallen, daß seit gut zwei Wochen jeden Abend das grüne Licht an dem Kasten leuchtet in dem sich der Schlüssel befindet.« Andrea lachte als sie Rebeccas erstaunten Blick sah. »Räum noch die Küche auf und geh dann auf dein Zimmer. Ich wünsche dir eine gute Nacht.«
»Vielen Dank Herrin, ich wünsche Ihnen auch eine gute Nacht.« Rebecca knickste und ging in die Küche. Es dauerte nicht lange bis diese wieder ordentlich aufgeräumt war. Das Geschirr würde sie morgen früh aus der Maschine nehmen und einräumen. Sie tippte noch die Bestellung für morgen in ein Pad. Sie hatte sich angewöhnt, alle Bestellungen zusammen mit frischen Brötchen für den nächsten Morgen zu ordern, so daß alles zum Frühstück da war. Als sie fertig war ging sie auf ihr Zimmer.

Dort angekommen zog sie sich aus, ging ins Bad und duschte sich ausgiebig. Dann setzte sie sich im Bademantel auf ihre Couch und suchte einen Film aus den sie sich ansehen wollte. Wie jeden Abend in der letzten Zeit begann sie sich zu streicheln, fuhr mit den Händen über ihre Brüste und zwirbelte ihre Knospen. Dabei stöhnte sie leise auf, fuhr mit den Fingern über ihren Bauch nach unten und wurde von dem Stahl des Gürtels daran gehindert sich Befriedigung zu verschaffen. Ihre Erregung war heute stärker als die Tage zuvor. Sie stand auf, ging in ihr Schlafzimmer und tatsächlich leuchtete dort an dem Schlüsselkasten das grüne Licht. Zögernd öffnete sie den Kasten und nahm den Schlüssel heraus. Mit diesem ging sie zurück ins Wohnzimmer. Sie öffnete den Gürtel und legte ihn ab.
Es war ein ungewohntes Gefühl ohne den Gürtel auf der Couch zu sitzen, sonst nahm sie ihn ja nur ab, wenn sie morgens duschte und das war nur für zehn Minuten.
Wieder begann sie sich zu streicheln und stellte fest, daß es zwischen ihren Beinen feucht wurde. Sie rieb sich über die Schamlippen und kostete dieses Gefühl aus, welches ihr nun schon so lange vorenthalten war. Langsam ließ sie ihren Finger zwischen die Schamlippen gleiten und streichelte sich weiter. Mit der anderen Hand streichelte sie abwechselnd ihre Brüste. Es dauerte nicht lange und sie kam laut stöhnend in einem heftigen Höhepunkt, der ihr die Sinne raubte. Sie schrie ihre Lust heraus und rollte den Kopf von einer Seite zur anderen. Doch sie hörte nicht auf sondern streichelte sich weiter und stöhnte laut auf als ein weiterer Höhepunkt sie überrollte den sie laut heraus stöhnte. Erschöpft aber glücklich und entspannt blieb sie noch eine Weile mit geschlossenen Augen liegen bis ihre Beine nicht mehr zitterten.

Dann setzte sie sich wieder auf und schaute sich den Film weiter an von dem sie die erste Hälfte kaum mitbekommen hatte. Doch irgendetwas fehlte ihr. Sie legte den Gürtel wieder an, verschloss ihn und steckte den Schlüssel zurück in den Kasten. Das grüne Licht erlosch und sie fragte sich, wann es das nächste mal wieder leuchten würde.
Erst jetzt wurde ihr bewusst, daß Herrin Andrea vermutlich mit bekommen hatte, daß sie den Schlüssel genommen hatte. Bei dem Gedanken daran daß diese genau wusste, was sie gerade getan hatte spürte sie wie ihr das Blut ins Gesicht schoss.
Sie sah sich den Film zu Ende an und legte sich ins Bett wo sie schnell einschlief.

- - -

Am Samstag Morgen wachte Vivian früher als sonst auf, weil irgend etwas ungewöhnlich war. Es dauerte ein paar Sekunden bis sie bemerkte das sie alleine im Bett lag. Sie schaute auf ihr Comm und sah, daß sie noch eine halbe Stunde Zeit bis zum Aufstehen hatte. Doch sie wurde unruhig und konnte nicht mehr schlafen. Also stand sie auf und verließ das Schlafzimmer. Aus der Küche hörte sie Veras Stimme. Auch eine andere Stimme konnte sie hören, es war die Stimme dieser fremden Frau welche sie schon einmal gehört hatte. Die Beiden unterhielten sich fröhlich und sie hörte, daß an Veras Stimme etwas anders war, konnte sich allerdings nicht erklären, was das war. Sie wollte nicht lauschen doch sie hörte daß die fremde Frau ihre Herrin immer wieder »Süße« nannte. Leise ging sie zurück ins Schlafzimmer und von dort ins Nebenzimmer wo sie sich auf das Ergometer setzte und begann sich wie eine Wilde ab zu strampeln. Ein seltsames Gefühl machte sich in ihrer Brust breit und einige Tränen liefen ihre Wangen hinab. Als sie hörte wie die Schlafzimmertür geöffnet wurde wischte sie schnell ihre Tränen ab und trat in ihrem gewohnten Tempo weiter.
»Du bist schon wach?« fragte Vera sie als sie sie auf dem Ergometer strampeln sah.
»Guten Morgen Herrin«, gestikulierte Vivian, dann schaute sie wieder nach vorne und Biss die Zähne zusammen. Nachdem sie ihre Zeit abgestrampelt hatte ging sie ins Schlafzimmer wo Vera bereits auf sie wartete. Sie nahm Vivian in die Arme und gab ihr einen langen Kuss. »Ich habe etwas für dich mein Schatz«, sagte sie und zeigte aufs Bett. Dort lag eine herrliche Tunika. Sie war lang und schwarz, vorne rot abgesetzt und hatte weite Trompetenärmel. Der Gürtel war auf einer Seite schwarz und auf der anderen rot. Außerdem hatte diese Tunika einen weiten Kragen.
»Für mich Herrin?« fragte Vivian.
»Na, für wen denn sonst? Geh dich duschen und dann ziehst du sie mal an. Ich will doch sehen wie meine Liebste darin aus sieht.« Sie stellte sich hinter Vivian, legte die Arme um sie und küsste ihren Nacken. Vivian schloss die Augen und genoss die Berührungen. Langsam beruhigte sie sich wieder.
»Du sollst doch heute Abend die Schönste sein«, flüsterte Vera ihr ins Ohr. Vivian hielt ihre Hände fest und lehnte ihren Kopf an Veras.
»So mein Schatz, jetzt ab unter die Dusche.« Vera gab Vivian einen leichten Klaps auf den nackten Po als diese ins Bad ging.

- - -

Rebecca war noch ein wenig aufgewühlt von gestern Abend. Sie stellte fest, daß die Erlösung nach so langer Zeit in diesem Gürtel sehr schön war und die Wirkung dessen was sie gestern Abend getan hatte noch immer anhielt.
Nachdem sie einige Briefe für Andrea geschrieben hatte machte sie einige Brote zu Mittag und brachte sie ihrer Herrin ins Büro.
»Leg mir bitte das silberne Kleid und passende Wäsche dazu heraus. Ich würde ja gerne auch die passenden Schuhe an ziehen aber ich glaube mit hohen Absätzen sollte ich besser nicht herum laufen. Ich bin sicher, du findest welche, die zu dem Kleid passen.« sagte Andrea.
Rebecca knickste und ging nach oben um die Sachen heraus zu legen. Es dauerte nicht lange bis Andrea nach oben kam. Rebecca half ihr wie gewohnt beim Anziehen. »Jetzt geh in dein Zimmer und zieh dich um, wir wollen doch nicht zu spät kommen.«
»Ja Herrin« sagte Rebecca, sie war ein wenig aufgeregt als sie sich umzog und ihre Haare kämmte. Sie war schon lange nicht mehr auf irgend einem Fest gewesen. Sorgfältig kämmte sie ihre Haare und prüfte mehrmals im Spiegel ihr Aussehen. Als sie zufrieden mit sich war ging sie in die Halle wo Andrea bereits auf sie wartete. Rebecca öffnete ihr die Tür. Auch die Tür des Elektrowagens hielt sie ihr auf, setzte sich ans Steuer und sie fuhren zum Zentrum. Dort angekommen gingen sie gleich in den großen Festsaal. In dem sich bereits einige Leute versammelt hatten. An der hinteren Wand stand eine große Bühne und in einem kleineren Nebenraum war ein großes Buffet aufgebaut. Auch einige Stehtische standen dort bereit. Alles war sehr liebevoll mit Blumen und bunten Bändern dekoriert und überall leuchteten kleine Lämpchen die Alles in ein gemütliches Licht tauchten.

- - -

»Vivian, geh bitte noch mal nach oben und hol mir meinen blauen Schal«, sagte Vera als sie bereits im Foyer waren. Vivian knickste und lief noch einmal nach oben. Es dauerte eine Weile bis sie den Schal fand. Sie nahm ihn und lief wieder nach unten. Vor dem Haus stand ein Kleinwagen und ihre Herrin unterhielt sich mit der fremden Frau, die sie schon einmal gesehen hatte. Sie gab der Frau einen Blumenstrauß, umarmte sie lange und gab ihr einen Kuss. Dann setzte sich die Frau in ihr Auto und fuhr fort.

Vivian starrte entsetzt zu ihrer Herrin, und spürte heiße Tränen ihre Wangen hinab laufen. Ohne nach zu denken rannte sie los, warf den Schal auf den Boden und lief so schnell sie konnte die Straße entlang. Sie achtete nicht darauf, daß Vera hinter ihr her rief sondern lief einfach weiter. Nachdem die Straße eine Biegung machte bog sie auf die Ringstraße ab und rannte zum nächsten Tor. Als sie dort angekommen war hatte sie es geschafft die Lederbänder zu öffnen die ihr Comm an ihrem Arm hielten. Sie warf es auf den Boden als sie durch das offene Tor rannte. Die Wachen riefen ihr etwas hinter her doch sie lief einfach weiter.

- - -

Während Andrea sich lachend mit einer anderen Frau unterhielt und den schön geschmückten Saal lobte stand Rebecca neben ihr und schaute sich um. In einer kleinen Gruppe sah sie Trish die ihr zuwinkte. Sie winkte zurück und schaute sich weiter um.

Plötzlich spürte sie wie jemand von hinten ihre Schultern fasste und sie schüttelte. Sie drehte sich um und sah Vera an die atemlos vor ihr stand. Ihr Makeup war durch ihre Tränen verlaufen und auch sonst machte sie einen schlimmen Eindruck. »Vera, was ist denn los?« fragte sie besorgt.
»Hast Du Vivian gesehen?« fragte Vera atemlos.
»Nein, bisher noch nicht«, entgegnete Rebecca. Nun sah sie, wie aufgeregt Vera war und sie wusste sofort, daß irgendetwas nicht stimmte. »Was ist denn passiert?« fragte sie.
Auch Andrea hatte nun gemerkt das etwas nicht stimmte und sich um gedreht. Sie fasste Vera an den Schultern, schüttelte sie und fragte energisch »Vera, was ist denn los?«
»Ich habe meiner Schwester den Strauß gegeben und den Ring und dann ist Vivian runter gekommen und weg gelaufen. Und jetzt finde ich sie nirgendwo«, sagte Vera wobei sie immer wieder von lautem Schluchzen unterbrochen wurde. Rebecca holte ein Glas Wasser und gab es Vera.
»Wo war sie denn zuletzt?« fragte Andrea.
»Ich weiß es nicht. Sie ist nach Süden gelaufen, aber dann habe ich sie aus den Augen verloren.« Vera bekam nun kaum noch Luft.
Andrea fuhr Vera mit der Hand übers Gesicht. »Beruhige dich erst mal«, sagte sie. Dann tippte sie auf ihr Comm und sagte »Wo ist Vivian?« Auf dem Comm erschien eine Karte des Geländes und ein Punkt markierte die Stelle wo Vivian sich auf hielt.
»Rebecca, sie ist an Tor zwei. Fahr da hin und schau nach, was los ist.«
»Ja Herrin«, sagte Rebecca, hob den Saum ihrer Tunika und ging so schnell sie konnte nach draußen. Vor dem Eingang standen mehrere Elektrowagen. Sie setzte sich in den erst besten hinein und fuhr zum Tor. Dort war Vivian jedoch nicht zu sehen. »Herrin Andrea«, sagte sie in ihr Comm »Hier ist sie nicht.«
»Sie muss aber da sein. Das System hat ihr Comm genau da geortet.«
Rebecca sah sich um und fand tatsächlich auf der Straße ein Comm liegen. »Hier liegt nur ihr Comm«, sagte sie und beendete das Gespräch. Dann ging sie zu den Wachen am Tor.
»Habt ihr Vivian gesehen?« sie beschrieb sie so gut es ging.
»Hier ist vor einer halben Stunde eine Frau durch gekommen, sie ist da lang gerannt. Schwarze Tunika und sah ziemlich verheult aus«, sagte eine der Wachen.
»Warum habt ihr sie nicht auf gehalten?« schrie Rebecca sie an.
»Entschuldige mal, wir passen auf, das keiner rein kommt und nicht das niemand raus geht.«
Rebecca seufzte, setzte sich in den Wagen und fuhr durchs Tor in die Richtung die die Wache gezeigt hatte.
Sie überlegte wie viel Vorsprung Vivian wohl haben konnte. Sie wusste, daß Vivian ziemlich schnell und ausdauernd laufen konnte und schätzte ihren Vorsprung auf ungefähr vier bis fünf Kilometer. Also sollte sie sie mit dem Elektrowagen in ungefähr sechs bis sieben Minuten eingeholt haben.
Sie tippte auf ihr Comm »Herrin Andrea, Vivian hat ihr Comm weg geworfen und ist durchs Tor raus. Ich fahre ihr hinter her.«

’Sie hat eine Freundin’ diese Worte waren es, die Vivian die ganze Zeit durch den Kopf gingen. Nachdem sie an den Wachen vorbei gelaufen und außer deren Sichtweite war hatte sie sich auf einen Stein am Straßenrand gesetzt, den Kopf in die Hände gelegt und hemmungslos geweint.

Sie fragte sich, wie es nun weiter gehen sollte. Sie war sich sicher, daß Vera sie demnächst wohl verkaufen würde. Wenn sie eine andere Freundin hatte, würde sie wohl nicht bei ihr bleiben dürfen. Außerdem wollte sie das auch nicht. Sie wollte nicht mit ansehen müssen, wie ihre Herrin eine andere Frau küsste und mit ihr ins Bett ging. Nach einer Weile stand sie auf und ging mit zitternden Knien einfach weiter.

Nach gut einem Kilometer kam sie an den Parkplatz. Sie kannte diesen Ort. Hier war sie zusammen mit Vera oft gewesen. Im Sommer waren sie von hier aus wandern gegangen. Sie bog von der Straße ab und ging über den Parkplatz zu dem Wanderweg. Diesen ging sie weinend entlang und kam nach hundert Metern zu der Brücke. Hier hatten sie im Sommer oft zusammen gestanden und hatten das Wasser beobachtet welches unten in der Schlucht über die großen Felsen floss. Langsam setzte sie sich mitten auf der Brücke vor das Geländer und ließ die Füße hindurch hängen, wie sie es jedes Mal getan hatte wenn sie mit Vera hier gewesen war.

Der Fluss war der selbe, der auch durch das Gelände floss hatte Vera damals erklärt. Es war der Selbe Fluss der auch durch den kleinen See floss an dessen Strand sie damals gelegen hatten. Die Erinnerung traf sie wie ein Messer in die Brust. Sie hatten damals am Strand in der Sonne gelegen und sie hatten sich gegenseitig mit Sonnencreme eingecremt. Vera hatte ihr dabei besonders gründlich das Gesicht eingecremt. Mit geschlossenen Augen hatte sie das genossen als sie merkte daß etwas ihr Gesicht mit einem Schatten bedeckte. Als sie die Augen geöffnet hatte, sah sie Veras Gesicht nur wenige Zentimeter vor ihrem eigenen. Sie näherte sich ihr ganz langsam. Als sich ihre Lippen an diesem Tag das erste mal trafen hatte sie vor Aufregung gezittert und nicht gewusst, was sie tun sollte.
Sie hatten sich an diesem Tag noch viele Male geküsst. Als sie dann eng umschlungen im Wasser standen und sich Veras Hand ihren Weg in ihren Bikini gebahnt hatte, hatte sie es einfach zugelassen und die Berührungen und die Gefühle die diese Berührungen bei ihr auslösten mit geschlossenen Augen genossen.

Nun brach ihr diese Erinnerung das Herz. Nie wieder würde sie Veras Lippen auf ihren eigenen spüren, nie wieder ihre Hände auf ihrem Körper fühlen. Sie hielt sich mit zitternden Händen an den Stäben des Geländers fest während ihre Beine in Richtung Wasser hingen. Den Kopf hatte sie an eine der Stangen gelehnt und folgte mit dem Blick ihren Tränen die in Richtung Fluss fielen bis sie so klein waren, das sie sie nicht mehr sehen konnte.

- - -

Rebecca fuhr so schnell es ging die Straße entlang. Selbst wenn Vivian die ganze Zeit über gelaufen wäre, hätte sie sie schon längst eingeholt haben müssen. Als die Straße auf die Landstraße mündete war sie sich sicher, daß Vivian es nicht geschafft haben konnte in dieser Zeit bis hier her zu laufen.
Sie tippte auf ihr Comm und sagte »Herrin Andrea«
»Hallo Rebecca, hast du sie gefunden?« meldete diese sich.
»Nein, ich bin jetzt an der Einmündung zur Landstraße. Aber so weit kann sie gar nicht gekommen sein. Aber ich habe vorhin einen Parkplatz gesehen. Da werde ich mal nachschauen.«
»In Ordnung. Ich habe Emylia Bescheid gesagt. Sie hat schon die halbe Wachmannschaft losgeschickt.« Dann fügte sie ganz leise »Ich hoffe, daß ihr nichts passiert ist.« hinzu.
»Das hoffe ich auch Herrin«, sagte Rebecca. Sie wendete den Wagen und fuhr die Straße zurück bis zu dem Parkplatz. In der Ferne sah sie auf der Straße die Lichter von mehreren Wagen näher kommen. Das musste die Wachmannschaft sein. Doch auf diese wollte sie nicht warten. Also fuhr sie auf den Parkplatz und stieg aus. Sie sah sich um und entdeckte einen Wanderweg der vom Parkplatz aus in Richtung Wald führte. Sie überlegte kurz ob sie nach Vivian rufen sollte. Doch das würde wohl kaum Sinn machen. Zum Einen hätte Vivian sowieso nicht antworten können und zum Anderen wusste Rebecca auch nicht, ob diese das überhaupt wollte.

Nach gut hundert Metern sah sie, daß der Weg über eine lange Brücke führte. Mitten auf der Brücke sah sie eine Gestalt an deren Rand hocken. Sie ging näher und erkannte Vivians blonde Haare sofort wieder. Entsetzt ging sie auf sie zu bis sie erleichtert feststellte, daß sie vor dem Geländer saß und nicht herunter fallen konnte. Langsam ging sie auf Vivian zu die sie nicht zu bemerken schien und kniete sich neben sie.

Sie weinte herzzerreißend, schaute sie an und deutete auf das Wasser welches weit unter ihnen durch die Schlucht floss. Sie wusste sofort, was sie ihr mit dieser Geste sagen wollte und faste sie fest an den Schultern. »Wenn du das machst, werde ich nie wieder ein Wort mit dir reden«, sagte sie energisch. Erleichtert stellte sie fest daß diese Worte offenbar Wirkung zeigten. Vivian drehte sich zu ihr um und fiel ihr schluchzend in die Arme.

»Kannst du mir mal sagen, was eigentlich los ist?« fragte sie so ruhig es ihr möglich war.
Vivian machte einige Gesten, doch diese waren zu schnell und zu undeutlich als das Rebecca sie hätte deuten können.
»Bitte Vivian, langsamer. Ich verstehe kein Wort.«
Vivian wiederholte ihre Gesten doch Rebecca verstand nur »Herrin« und »andere Frau« sowie »Blumen«.
»Sie hat einer anderen Frau Blumen gegeben?« fragte sie, worauf hin Vivian nickte und ein weiterer Weinkrampf sie schüttelte.
»Komm, wir fahren zurück. Dann will ich wissen, was los ist.«
Vivian schüttelte energisch den Kopf und gestikulierte lange. Wieder verstand Rebecca nur die Hälfte aber sie konnte sich ungefähr zusammen reimen was sie ihr sagen wollte.
»Vera hat sich mit einer anderen Frau getroffen?« Vivian nickte »Und sie hat sie umarmt?« Wieder ein Nicken. »Und die Frau hat sie Süße genannt?« Wieder nickte Vivian. »Und heute hat sie ihr Blumen gegeben und sie geküsst?« Wieder ein nicken und ein weiterer Weinkrampf.
Rebecca tippte etwas in ihr Comm. Sie hatte nach dem was Vera und Vivian gesagt hatten eine ungefähre Ahnung, was passiert war.
Die Antwort, die kurze Zeit später auf ihrem Comm erschien bestätigte ihre Vermutung zum größten Teil.

»Du Dussel«, sagte sie zu Vivian, die sie mit großen Augen an sah. »Die Frau ist Veras Schwester.« Sie nahm Vivian in die Arme und streichelte ihr den Rücken. Langsam beruhigte Vivian sich und schaute sie mit großen Augen an. Nur langsam hörte sie auf zu weinen. »Ich sage schnell Bescheid und dann fahren wir wieder zurück. In Ordnung?« daraufhin nickte Vivian nur.

Rebecca stand auf, fasste Vivian an den Händen und half ihr ebenfalls auf. Sie ließ Vivians Hand erst los, als Vivian im Wagen saß und angeschnallt war.

Rebecca ging ein paar Meter vom Wagen weg und tippte auf ihr Comm.
»Vera, wir kommen jetzt zurück. Ich hab ihr nur gesagt, das es deine Schwester war. Den Rest erzählst du ihr am Besten selbst. Und sei ihr bitte nicht böse.«
»Nein, das bin ich sicher nicht.« Veras Stimme war schwach und leise. »Ich bin so froh, das ihr nichts passiert ist.«
»Das sind glaube ich alle. Bis gleich.«
Rebecca ging zurück zum Wagen, setzte sich ans Steuer und fuhr zurück. Während der Fahrt gab sie Vivian ihr Comm, das sie aufgesammelt hatte. »Zieh das lieber wieder an.«
Vivian nickte und legte das Comm wieder an.
Auf dem Rückweg hielt sie neben einem der Wagen der Wachmannschaft und sagte Bescheid, daß sie Vivian gefunden hatte. Die Wache sagte ihren Kolleginnen Bescheid und sie beendeten die Suche.

Als die Beiden zurück ins Zentrum kamen war nur noch Andrea zu sehen. »Vera und ihre Schwester sind da hinten, sie macht sich gerade frisch«, sagte sie.
Rebecca ging zu Andrea und flüsterte ihr etwas ins Ohr. »Entschuldigung Herrin«, sagte sie laut.
Andrea lachte. »Schon in Ordnung, dafür erlaube ich dir das mal. Wir warten da vorne. Sag du Judith noch Bescheid.«
Rebecca ging zu Vera und ihrer Schwester. »Hallo, du bist Judith?« Diese nickte und sah ziemlich erleichtert aus. Auch ihr flüsterte sie etwas ins Ohr. Judith strahlte und nickte aufgeregt.

Danach ging Rebecca auf die Bühne zu einer jungen Frau, sie schätzte sie auf höchstens Anfang 20, welche mit einer Gitarre hantierte. Diese trug eine schwarze Jeans, nieten besetzte, schwere Stiefel, ein schwarzes T-Shirt und darüber ein pinkes Kleidchen. Um ihre Hüfte hatte sie eine eiserne Kette gewunden und trug auch an den Handgelenken eben solche Ketten. Ihre pechschwarzen Haare standen ihr wild vom Kopf. »Du spielst Gitarre?« fragte sie die Frau. Dieses nickte nur und sah sie fragend an.
»Kennst Du Halleluja?«
»Von Händel?« fragte die Frau erstaunt.
Rebecca war überrascht, daß diese Händel überhaupt kannte und musste lachen »Nein, Cohen.«
»Ja, das kenne ich. Wieso?«
»Weil du das gleich spielen wirst. Singen werde ich.«
»Wieso das denn?«
»Das siehst du gleich.« Rebecca zeigte auf Andrea die mit Vivian von der einen Seite vor die Bühne ging und auf Vera die mit ihrer Schwester von der anderen Seite kam. »Darum.«
Die Frau winkte eine zweite Frau herbei und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Diese grinste breit, hüpfte aufgeregt herum, und ging zu einem Koffer aus dem sie eine eine Violine hervor holte.

Vivan ließ sich von Andrea einfach führen. Diese hatte sie fest an den Schultern gefasst und schob sie einfach vor die Bühne. »Hier bleibst du einfach stehen Mädchen.« Vivian nickte nur und gehorchte. Sie sah daß ihre Herrin mit einem Strauß Blumen auf sie zu kam, es waren rote Rosen. Sie trug kein Makeup mehr und hatte offenbar geweint. Die fremde Frau ging hinter ihr her und hielt etwas hinter ihrem Rücken. Dann stand Vera vor ihr, kniete sich vor ihr nieder und sagte »Ich bin dir nicht böse das du weg gelaufen bist. Ich hab einiges falsch gemacht und deshalb hast du geglaubt, ich hätte eine andere Freundin.« Darauf hin nickte Vivian schwach. »Das tut mir so leid. Ich liebe dich doch über alles. Und ich weiß auch nicht, ob ich das jemals wieder gut machen kann.« Vera zitterte und eine Träne lief ihre Wange hinab. »Vivian, ich liebe dich über alles.« sie schluckte und machte eine lange Pause. Bevor sie weiter sprach schluckte sie noch einmal. »Vivian, willst du mich heiraten?« sie schaute ihr in die Augen und sah auf einmal sehr ängstlich aus. Vivian wurde schwindlig und sie schwankte, doch jemand hielt sie an den Schultern fest. Tränen liefen ihr übers Gesicht. Sie wolle etwas sagen doch ihre Arme waren wie gelähmt. Sie sah Vera an und konnte nur nicken.
Die Frau die Vera ebenfalls an den Schultern fest hielt, gab ihr eine kleine Schachtel die sie öffnete und einen Ring heraus nahm. Vera fasste Vivians Linke und schob ihr den Ring auf den Finger.
Die Frau half Vera auf und einen Moment später lagen sich die Beiden weinend in den Armen.
Jemand begann laut zu klatschen, andere fielen ein und einen Moment später klatschten alle umstehenden laut.

Musik begann zu spielen und jemand sang. Vivian erkannte das Lied, es war Halleluja. Die Beiden drehten sich zur Bühne und lauschten Arm in Arm Rebeccas Stimme.
Als das Lied zu Ende war sagte Rebecca »Es gibt vieles, was man auf der Schule lernt, aber auch einiges, was man dort nicht lernt. Und was ich dort nicht gelernt habe ist, ob es sich gehört, daß ich Euch Beiden als Erste gratuliere, aber das ist mir gerade recht egal. Deshalb gratuliere ich Euch Beiden ganz herzlich und wünsche Euch viel Glück und das Eure Ehe nicht so holprig wird, wie Eure Verlobung.
Wieder klatschten alle. Auch Herrin Andrea und Judith gratulierten den Beiden. Diese umarmte Vivian und sagte »Hallo Vivian, ich bin Judith, Veras Schwester. Es tut mir leid, daß wir so geheimnisvoll getan haben, aber Vera wollte dich heute überraschen. Ich glaube ja, das ist ihr trotzdem noch ganz gut gelungen.« Vivian nickte. »Ich hoffe, du bist Vera und mir nicht böse.« Vivian schüttelte den Kopf, sah sie an und umarmte sie noch einmal.

Die Meisten hatten mitbekommen, was passiert war und waren erleichtert, daß alles ein so gutes Ende gefunden hatte. Alle unterhielten sich blendend, Musik spielte und das Buffet wurde eröffnet. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung. Vera und Vivian setzten sich etwas abseits und redeten lange.
Rebecca folgte Andrea und bediente sie. Als sie gerade mit einem Glas Sekt zurück kam sagte Andrea »Jetzt ist mal genug, du musst nicht dauernd um mich herum schwirren wie eine Gouvernante. Geh tanzen oder etwas essen. Du hast genug Freunde hier. Unterhalte dich und werd etwas lockerer.«
Rebecca knickste »Ja Herrin, vielen Dank.« Sie ging zuerst zu zum Buffet und bediente sich dort.
»Du hast vorhin wirklich großartig gesungen«, sagte Judith, die auf einmal neben ihr stand.
»Vielen Dank. Ich wusste, daß Vivian dieses Lied sehr gerne mag. Und die Freude wollte ich den Beiden einfach machen, nach dem, was heute passiert ist.«
»Ich glaube, das ist dir gelungen«, sagte Judith lächelnd. »Die Beiden haben sich wirklich sehr gefreut. Kennst du sie schon länger?«
»Wie man's nimmt. Vivian war nach den Wachen die Erste, die mich begrüßt hat als ich hier angekommen bin« Rebecca sah zu den Beiden die noch immer auf der Bank saßen und sich unterhielten. Sie seufzte leise. »Ein schönes Paar.«
»Ja, das sind sie.« Judith lächelte. »Sag mal, singst du heute noch mehr?«
Rebecca schüttelte den Kopf. »Nein, das vorhin war ja auch nicht geplant.«

»Warum eigentlich nicht? Die Freude könntest du uns ruhig machen. Du hast so toll gesungen, da wollen alle sicher noch mehr hören.«
Rebecca drehte sich zu der Frau um die sich hinter sie gestellt hatte und musterte sie von oben bis unten. Sie trug ein elegantes Abendkleid und ihre braunen Haare waren streng nach hinten und zu einem langen Zopf gebunden Sie grinste Rebecca aus ihren rehbraunen Augen an.
»Wie siehst du denn aus? So ordentlich angezogen erkennt man dich ja fast gar nicht wieder.« Auch Rebecca grinste nun breit und ging um die Frau herum.

Nachdem sich die Beiden eine Weile umrundet hatten ging Rebecca auf die Frau zu und umarmte sie herzlich und fest, was die Frau erwiderte. »Schön dich wiederzusehen«, sagte Rebecca und gab Emylia ungeniert einen Kuss auf den Mund.
»Lass das, ich bin immerhin verheiratet«, sagte Emylia lachend.
Rebecca löste die Umarmung und trat einen Schritt zurück. »Aber Isabella vorschlagen daß wir zusammen ziehen sollen. Was soll deine Frau denn dazu sagen?«
»Das hat sie dir erzählt?«
»Wo ist sie eigentlich?« fragte Rebecca.
Emylia schaute sich kurz um und deutete auf die Tanzfläche wo Isabella mit einer ziemlich jungen Blondine eng umschlungen tanzte.
»Das ist aber nicht ihre Frau, oder?« fragte Rebecca erstaunt.
»Das ist Frida Nyberg, die zukünftige Erbin des Nybergkonzerns. Sie ist Isas Serva«, erklärte Emylia lachend. »Irgendwie scheinen die Drei sich arrangiert zu haben.«
»Ich glaube ich habe sie letztens bei Trish gesehen«, sagte Rebecca nachdenklich.
»Hat sie dich auch überredet, für ihr Kunstwerk Modell zu stehen?«
»Ja, hat sie. Du sollst ja auch irgendwo da verewigt sein.«
»Ich habe ihr angedroht, das ich ihr persönlich den Kopf abreiße wenn jemand erfahren sollte, wo ich da hänge.«
»Ich schau das nächste Mal genauer hin, wenn ich da bin.« Rebecca setzte ein breites Grinsen auf »Vielleicht erkenne ich dich da ja wieder, wer weiß.«
»Wenn du das schaffst, bekommst du von mir eine ganze Kiste 28 Jahre alten Scotch.«
»Ich trinke sowas zwar nur selten aber das Angebot nehme ich an. Hand drauf.«
Emylia schlug grinsend ein.

Das Fest dauerte noch bis in die frühen Morgenstunden und alle tanzten, aßen und tranken und hatten ihren Spaß. Rebecca tanzte sowohl mit Vera als auch Vivian die sich beide herzlich bei ihr bedankten, sowohl dafür daß sie Vivian gefunden hatte als auch für die Gesangseinlage. Erst gegen drei Uhr morgens machte Rebecca sich auf den Weg nach Hause wo sie sich umzog und sofort ins Bett fiel.
 

 

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Erotik/BDSM

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Rechtschreibung/Form

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