Lena: Lebenslänglich - 14. Teil: Samanthas Weg nach Pongwa I

 
 
Samantha hatte ihr Sträflingskleid abgelegt, sie stand nackt im Gefängnishof von Mmaabo. Durch die Gitterstäbe der Fenster zu den überfüllten Zellen sah sie die neugierigen Gesichter der schwarzen Frauen dicht an dicht gepresst. Ein Raunen und Flüstern lag in der Luft: „Die kleine Toubab geht, sie schicken die kleine Toubab fort.“ „Haben Sie sie freigelassen?“ „Ach, Quatsch.“
Die Gefangenen, die das weiße Mädchen gemocht hatten und immer nett zu ihr gewesen waren, riefen Dinge wie: „Salam aleikum, Samantha, lass dich nicht unterkriegen in Pongwa!“ Die anderen, die seit Samanthas frühester Kindheit Spaß daran gehabt hatten, sie zu quälen, feixten eher und sagten Sachen wie: „Jetzt ist das faule Leben vorbei, Toubab! in Pongwa schuftest du von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf dem Acker, recht geschieht dir.“
Samantha streckte die Zunge aus in die Richtung, aus der Bemerkungen wie diese kamen. Die Wärterin Anyawu, die Samantha mit dreizehn zum ersten Mal Stockhiebe auf die Fußsohlen gegeben hatte – Samantha hatte Anyawu eine böse Hexe genannt – reichte der Gefangenen einen schmutzigen Lappen und bedeutete ihr, ihn sich um die Hüfte zu binden.
„Es ist ein langer Weg durch viele Dörfer bis nach Pongwa“, sagte Anyawu. „Viele werden dich schon anglotzen, bloß weil sie nicht glauben können, dass da eine Toubab in Ketten dahergeschlurft kommt. Muss ja nicht sein, dass die dir auch noch zwischen die Beine gucken können.“
Samantha band sich den Stoff um und bedankte sich mit einer demütigen Verbeugung. Anyawu, die stets hart aber gerecht zu ihr gewesen war, stocherte mit ihrem Stock seufzend in Samanthas verfilztem Haar herum.
„Ich werde diesen verlausten Toubab-Kopf vermissen“, sagte die Wärterin.
Die beiden Bäuerinnen auf ihrem Ochsenkarren, der gefüllt war mit Obst und in Käfigen umherflatternden Hühnern, baten um Beeilung. Die Ältere von beiden bemerkte frech, das sei das Mindeste, wo sie sich schon bereit erklärt hatten, den Sträfling von Mmaabo nach Pongwa zu geleiten. Anyawu erwiderte scharf, dass die beiden schließlich dafür bezahlt würden. Dann bedeutete sie einer jungen, ihr unterstellten Wärterin, Samantha in Ketten zu legen.
Mit dicken Schellen fesselte die uniformierte Frau Samanthas Hände auf den Rücken und legte ihr ein Halseisen an, das sie über eine Kette mit dem Ochsenkarren verband. Sie beugte sich hinab zu den bloßen Füßen der Gefangenen, Samantha spürte, wie sich kaltes Eisen um ihre Knöchel schloss. Die Kette zwischen ihren Füßen war sehr lang, wohl um das Laufen zu erleichtern. Das mittlere Glied unterschied sich von den anderen durch Form und Größe. Es war ein dicker runder Eisenring, fast wie ein Armband, an dem die Wärterin mit einem Schloss eine weitere Kette anbrachte, deren anderes Ende sie an Samanthas Halseisen befestigte. Als sie das Schloss daran einrasten ließ, lächelte die junge Wärterin die Gefangene vor sich gehässig an. Samantha hatte ein Lächeln wie dieses in neunzehn Jahren zur Genüge interpretieren gelernt. Es war die unverhohlene Freude darüber, eine Toubab, wie man sie ansonsten wenn überhaupt nur als hochnäsige Touristinnen vor sich hatte, stattdessen als barfüßigen Sträfling stramm stehen zu lassen.
„Meine Güte, ist das heiß“, sagte die Wärterin und blinzelte in die Sonne. Mit gespieltem Bedauern sagte sie zu Samantha: „Jeden Tag bei dem Wetter auf dem Feld schuften, ob das wirklich besser ist als hier in Mmaabo einzusitzen?“
„Du bist fertig hier“, ermahnte Anyawu die junge Frau, die vielleicht, vier, fünf Jahre älter war als Samantha. Während ihre Untergebene davonstapfte und beiläufig ihren Stock auf die Sohlen einer Gefangenen niedergehen ließ, deren bloße Füße in einen hölzernen Fußblock auf dem Gefängnishof geschlossen waren, legte Anyawu die Hände an Samanthas Schultern und sah ihr in die Augen.
„Ich hätte dir gern auch noch was zum Verdecken der Brüste gegeben, aber die Direktorin meinte, das wäre übertrieben“, sagte sie.
„Ist nicht schlimm“, sagte Samantha.
Anyawu nickte. „Ich möchte dir nochmal sagen, wie leid es mir tut wegen deiner Mutter“, sagte sie. „Wir haben es versucht, aber die teuren Malaria-Medikamente können wir uns in Mmaabo wirklich nicht leisten.“
„Ja, ich weiß“, sagte Samantha und sah auf ihre Zehen. Sie hatte längst gelernt, dass Sträflinge ganz unten auf der Prioritätenliste der Regierung standen. In Jahren mit besonders schlechter Ernte gab es in Mmaabo nur alle zwei Tage einen Schlag ranzigen Hirsebreis. An teure Medizin war unter solchen Umständen nicht zu denken.
„Das ist in Pongwa bestimmt anders“, sagte Anyawu aufmunternd. „Da wirst du schließlich für die Feldarbeit gebraucht und musst bei Kräften sein.“
Samantha lächelte, als wäre das wirklich ein Grund, sich auf die Zwangsarbeit zu freuen. Ihre Mama hätte wohl aufgeschrien im Angesicht der Selbstverständlichkeit, mit der ihre Tochter das Sträflingsdasein akzeptierte. „Wie ist das Leben, wenn man nicht im Gefängnis sitzt?“, hatte sie ihre Mutter als Mädchen gefragt. Aus Unterhaltungen der anderen Frauen hatte sie herausgehört, dass nicht jedes kleine Kind auf der Welt so aufwächst wie sie, und dass ihre Mama nicht schon immer eine Gefangene gewesen war.
„Das wirst du eines Tages herausfinden“, hatte Mama gesagt. „Ich wohl nicht mehr, aber du wirst dein Leben nicht in diesem schmutzigen Loch verbringen, dafür bete ich jede Nacht.“ Samantha hatte gesehen, dass ihre Mutter sich Tränen verkniff.
„Stimmt es, dass du gar nicht immer eingesperrt warst?“, hatte sie wissen wollen. „Und dass wir Toubabs sind, weil du eigentlich von ganz weit her kommst?“
Ihre Mutter hatte genickt und ihr über den Kopf gestreichelt.
„Also warst du mal frei und kein Sträfling?“
Wieder Nicken. Samantha hatte sich verständnislos am Kopf gekratzt und die schmutzigen Fußsohlen ihrer Mutter betrachtet, auf denen die Striemen von der letzten Bestrafung noch nicht ganz verheilt waren.
„Hast du da etwa auch Schuhe angehabt?“, hatte sie aufgeregt gefragt. Sie versuchte, sich ihre Mutter nicht barfuß vorzustellen, was ihr einfach nicht recht gelingen wollte. Mama hatte aufgelacht und gesagt: „Das ist nichts Schlimmes, Samantha. Stell dir vor, du trittst auf einen spitzen Stein und es tut überhaupt nicht weh. Kannst du dir das vorstellen?“
„Nicht so richtig, nein.“
„Irgendwann wirst du es dir nicht mehr vorstellen müssen, weil du dann wirklich Schuhe trägst, als freies Mädchen.“ Eine der sechs anderen Frauen in der stickigen Zelle hatte fies gekichert, und Mama hatte gesagt: „Halt gefälligst den Mund, Tusajigwe“, ohne die Spötterin anzusehen. Mama hatte mit den Händen die dicken Fliegen aus der Schüssel in Samanthas Händen gefechert und gesagt: „Jetzt iss deinen Brei, es gibt schon wenig genug diesen Monat, da musst du nicht noch warten, bis die blöden Fliegen dir alles weggegessen haben.“
 
„Salam aleikum, Samantha“, sagte Anyawu. „Ich weiß, dein Leben ist nicht einfach, aber ich glaube, dass Allah dich dafür belohnen wird, dass du es so mutig erträgst.“
„Danke, Anyawu.“
Die alte Frau auf dem Wagen trieb den Ochsen an, Samanthas Blick blieb am Gefangenenfriedhof hängen, auf dem auch ihre Mutter verscharrt lag. Schließlich spannte sich die Kette an ihrem Halseisen und Samantha begann, vorwärts zu schlurfen.
Nachdem sie etwa eine Stunde in der kargen Steppe unterwegs gewesen waren, hielt der Karren an. Die alte Frau kletterte hinab und hockte sich zum Pinkeln an den Wegesrand hinter einen vertrockneten Busch, ihre junge Begleiterin kam um den Wagen herum zu Samantha und gab ihr Wasser aus einem Ziegenfellschlauch zu trinken. Samantha schluckte gierig, das warme Wasser tropfte aus ihren Mundwinkeln auf ihre nackten Brüste.
„Langsam, Toubab“, sagte die junge Frau lachend in gebrochenem Englisch. „Sonst kriegst du Durchfall.“ Sie betrachtete Samantha kopfschüttelnd von oben bis unten. „Was hast du bloß angestellt, Toubab? Woher kommst du?“
„Mmaabo“, antwortete Samantha.
Die junge Frau grinste. „Ich meine, ursprünglich? Bevor sie dich hier ins Gefängnis geschickt haben?“
Samanthas Körper war im Schweiß so gebadet, als wäre sie kurz zuvor in ein Wasserloch gesprungen, die filzigen Haare klebten ihr im Gesicht. Sie brauchte ihre Kräfte für diesen Weg und hatte keine Lust auf ein Gespräch mit einer freien Frau, wenn die es auch gut mit ihr meinte. Sie dachte an die Geschichten, die ihre Mutter ihr immer über das Leben in Freiheit erzählt hatte, und antwortete knapp: „USA.“
Die junge Frau sah Samantha mitleidig an. „Ist hart hier bei uns, eine Gefangene sein, oder? Bestimmt schlimm für dich?“
„Ja“, sagte Samantha. Sie zog in Betracht, die Frage anzufügen, ob sie vielleicht endlich weiter könnten. Die junge Frau wollte wissen, für welches Vergehen Samantha zu wie vielen Jahren Gefängnis verurteilt worden war, doch in diesem Moment war die alte Frau von hinter dem Gebüsch zurückgekehrt und setzte sich wieder auf den Ochsenwagen. „Sie ist bestimmt eine Drogenschmugglerin, Ndapewa“, sagte die Alte. Sie sagte es in der Landessprache, Samantha gab nicht zu erkennen, dass sie verstand.
„Ich wüsste jedenfalls nicht, was sonst“, fuhr die alte Frau fort. „Und wenn sie Drogen geschmuggelt hat, hoffe ich, dass sie nicht die Todesstrafe bekommen hat, sondern zu lebenslanger Haft begnadigt worden ist. Soll sie auf dem Feld schwitzen wie eine Sklavin, bis sie so alt und grau ist wie ich. Das ist eine viel bessere Strafe.“
Ndapewa nahm wieder neben der Fahrerin Platz und sagte: „Du bist gemein, Fanikia. Überleg mal, wie schrecklich das für sie sein muss, als Weiße von so weit her fast nackt und in Ketten hier durchs Land getrieben zu werden. Und du weißt nicht mal, ob sie eine Drogenschmugglerin ist.“
Fanikia winkte ab, sie gab dem Ochsen die Peitsche, so dass er sich wieder in Bewegung setzte. „Es interessiert mich auch nicht“, sagte sie. „Toubab oder nicht, wir bringen einen Sträfling von einem Gefängnis in ein anderes. Dafür bekommen wir unser Geld, und mehr sollte uns auch nicht interessieren.“
Ndapewa drehte sich um, beobachtete durch die Gitterstäbe der Hühnerkäfige Samantha und wie sich die Spuren ihrer nackten Füße im heißen Straßenstaub abzeichneten. Samantha hörte, wie Ndapewa Fanikia fragte: „Tut sie dir denn nicht ein bisschen leid?“
Fanikia seufzte. „Nicht mehr und nicht weniger als jede schwarze Frau, die wir von Mmaabo nach Pongwa und umgekehrt gebracht haben. Nur weil sie eine Toubab ist– “
„Das wollte ich doch gar nicht damit sagen“, unterbrach Ndapewa. Noch einmal drehte sie sich zu Samantha um. „Aber ist sie fast noch ein Kind. Das ist doch schrecklich.“
„Weißt du noch, die vier Mädchen, die wir an den Hälsen zusammengekettet nach Pongwa gebracht haben?“, fragte Fanikia. „Die sich in der Stadt zu einer Diebesbande zusammengeschlossen hatten? Wie alt waren die, fünfzehn? Zwanzig Jahre Gefängnis hatte jede von ihnen gekriegt. Wir mussten auf dem Weg ständig anhalten und ihnen Wasser geben, damit sie nicht austrocknen, weil sie die sechs Stunden Fußweg durchgeweint haben. Um die hast du damals nicht soviel Aufhebens gemacht.“
„Leid getan haben mir die auch.“
Fanikia machte eine ablehnende Geste. „Wenn du nicht ins Gefängnis willst, stiehl eben nichts. Oder glaub, du könntest Drogen schmuggeln, weil du weiß bist und die Regeln der dummen Bauern in Afrika für dich deshalb nicht gelten. Wir können stolz sein auf ein Gericht, dass sich nicht einfach bestechen lässt, nur weil jemand aus Europa oder Amerika kommt. Das hat sie bestimmt versucht.“ Mit dem Daumen zeigte Fanikia über ihre Schultern hinweg auf Samantha. Ndapewa verschränkte die Arme vor der Brust und sagte: „Ich bleibe aber dabei. Mir tut die Toubab leid.“
 
Sie kamen in eine kleine Stadt, eigentlich nicht mehr als ein Dorf, das ein bisschen über sich hinausgewachsen war. Menschen starrten Samantha hinterher, auch sie selbst, zum ersten Mal außerhalb der Mauern von Mmaabo, sah sich neugierig um. Ein kleines Mädchen stupste sie ungläubig mit dem Zeigefinger an und lief davon, als die in Ketten liegende Weiße sich ihr freundlich lächelnd zuwandte. Fanikia löste die Kette am Wagen ohne ein Wort der Erklärung. Samantha sah hilfesuchend zu Ndapewa, die ihr sagte: „Keine Angst, Toubab, wir wollen hier nur ein paar Geschäfte auf dem Markt machen. Wir holen dich nachher wieder ab.“
Abholen von wo?, schoss es Samantha durch den Kopf, aber Fanikia zog sie bereits in Richtung eines Hauses, auf dessen Veranda ein Mann in Polizeiuniform in einen staubigen kleinen Kasten starrte, aus dem Stimmen drangen. Ein Fernseher, dachte Samantha beeindruckt. Mama hatte davon erzählt.
„Könnt ihr die ein oder zwei Stunden unterbringen?“, fragte Fanikia den Polizisten. „Ist auf dem Weg nach Pongwa.“ Sie sprach in der Landessprache, von der Samantha weiterhin vorgab, sie nicht zu verstehen. Sie hoffte, so mehr darüber zu erfahren, was mit ihr geschähe, wenn offen darüber gesprochen wurde in der Annahme, der Sträfling spreche nur Englisch.
Der Polizist musterte misstrauisch die halbnackte Weiße.
„Bin ich betrunken oder ist das eine Toubab?“, fragte er.
„Beides, so wie ich dich kenne“, gab Fanikia zurück.
Der Polizist lachte. „Wo kommt sie denn her, und wie lange bleibt sie hier?“
„Amerika“, sagte Fanikia. „Und ich habe keine Ahnung, wie lange sie sie in Pongwa behalten, aber für mich sieht das nicht aus, als wenn sie dort nur eine Woche einsitzt.“ Sie nahm die Kette, die Samanthas Hals- mit ihren Fußeisen verband und ließ sie klimpern. „20 Jahre, schätze ich“, sagte Fanikia. „Wahrscheinlich mehr. Ist auch egal, kannst du sie nun unterbringen oder nicht?“
Der Polizist nickte. „Na, dann komm mal mit, meine kleine weiße Schönheit“, sagte er und führte Samantha an ihrer Kette in den Bretterverschlag, der wohl das Polizeirevier war. Fanikia bedankte sich und ging.
Drinnen musste Samantha sich vor einen Schreibtisch stellen, der Polizist setzte sich dahinter und legte die Füße, die in schweren schwarzen Stiefeln steckten, über Kreuz auf den Tisch. Er musterte ihr Gesicht und sagte: „Deine Haare sehen fast aus wie die einer Schwarzen, Toubab.“
Er sagte es in der Landessprache, Samantha schüttelte den Kopf. Er wiederholte es in gebrochenem Englisch. Samantha sagte: „Okay.“ Der Polizist grinste und wiederholte: „Okay.“ Er starrte sekundenlang unverhohlen auf ihre Brüste. Ein Instinkt sagte Samantha, sie solle schützend ihre Hände davor halten. Sie zerrte kurz an ihren Handschellen. Dem Polizisten schien das zu gefallen, er lächelte breiter, stand auf und kam auf sie zu, stellte sich dicht vor seine Schutzbefohlene und sagte: „Zeig die mal her, du weiße Stute.“
Mit diesen Worten streckte er eine Hand nach Samanthas rechter Brust aus. Als seine Haut die ihre berührte, fuhr sie mit einem erschrockenen Laut zurück, was den Polizisten zum Lachen brachte und Samanthas Ketten klirren ließ. Es war das erste Mal, dass ein Mann sie so anfasste. Natürlich war es nicht das erste Mal überhaupt, dass ihr Körper wie ein Gegenstand behandelt wurde, den man nach Belieben streicheln, schlagen oder kneifen konnte.
 
Samantha war achtzehn gewesen und wurde bereits seit Jahren nicht mehr mit ihrer Mutter zusammen eingesperrt, als sie in Zelle Sechzehn verlegt wurde. Die Wärterin Marahaba hatte dafür gesorgt, nachdem ihr Freund, der einmal die Woche Marktabfälle für das Gefangenenessen nach Mmaabo brachte, sie bei der Arbeit besucht und gefragt hatte, wer das wunderschöne weiße Mädchen sei, dass da in Mmaabo sein trauriges Sträflingsdasein fristete. Samantha war ihm auf dem Hof aufgefallen, wo eine Mitgefangene ihr Läuse aus den Haaren geknibbelt hatte.
Zelle Sechzehn, ganz am Ende eines Traktes, war selbst in Mmaabo noch ein Verlies, eng, dunkel und feucht, obendrein sanken die Temperaturen aufgrund der besonderen Lage auch nachts selten unter dreißig Grad. Sie war ursprünglich als Einzelzelle zur Bestrafung aufmüpfiger Gefangener gedacht gewesen, doch mittlerweile hatte Mmaabos Überfüllung diese Grundabsicht vergessen gemacht.
Vier Frauen kauerten darin, als Marahaba Samantha hineinstieß und die rostige Eisentür hinter ihr verschloss. Zwei saßen mit angezogenen Knien, auf die sie den Kopf gelegt hatten, zu Samanthas Linken, eine zu ihrer Rechten. Eine der Frauen, groß und gewaltig, die es trotz der Mangelernährung in Mmaabo geschafft hatte, ein deutliches Übergewicht zu halten, saß an der der Tür gegenüberliegenden Wand unter einem kleinen vergitterten Fenster, durch das die Sonne sich in die Zelle brannte. Samantha konnte die Fußsohlen der gewaltigen Frau sehen, sie war die einzige, die so saß, dass sie die Beine ausstrecken konnte. Ihre Position kam damit einer Art Thron in der Zelle gleich.
Tshepiso war ihr Name. Samantha kannte sie, jeder in Mmaabo außer den Neuankömmlingen kannte Tshepiso. Sie war brutal, gnadenlos und nahm sich von anderen Häftlingen, was immer sie wollte. Beim Freigang auf dem Hof waren Samantha und ihre Mutter ihr stets aus dem Weg gegangen, auch wenn Tshepiso immer gern stichelte: „Toubab, Toubab, du bist ja immer noch da, du verpasst noch dein Flugzeug nach Amerika“, während die Frauen um sie herum lachten, einige aus Gehässigkeit, viele aus Angst.
Die Frau rechts an der Wand döste einfach weiter, eine der beiden Frauen links hob kurz den Kopf und begrüßte Samantha lächelnd. Samantha lächelte zurück und hockte sich hin. Der Boden war voller dicker, schwarzer Schaben, viel mehr als in allen anderen Zellen, in denen Samantha bis dahin gesessen hatte. Die Insekten sammelten sich vor allem um den ihr gegenüber stehenden zerbeulten Eimer, der zu etwa drei Vierteln mit Fäkalien und Urin gefüllt war, die in der schweißfeuchten Hitze der Zelle regelrecht zu dampfen schienen.
Samantha wickelte ihr Gefängniskleid dicht um die Beine, wie sie es von ihrer Mutter gelernt hatte. So kam das Ungeziefer nicht so leicht an ihre Scheide oder ihren Hintern, wo es gemein juckende oder auch schmerzende Infektionen verursachen konnte, wie sie sie schon einige Male gehabt hatte. Dann tat Samantha, was alle Frauen in Mmaabo taten, wo sie zwanzig Stunden am Tag in ihren Zellen verbrachten. Sie verrieb den Schweiß in ihrem Gesicht, döste, puhlte in ihren Haaren oder knibbelte an ihren bloßen Füßen herum, pflückte sich Schaben vom Körper und versuchte, den Geruch aus dem Toiletteneimer zu ignorieren.
In Zelle Sechzehn hatte Samantha noch etwas zu ignorieren, nämlich Tshepisos grinsendes Gesicht und die Augen, die sie gierig anstarrten. Zwar sagte Tshepiso nichts und machte keinerlei Anstalten, sich Samantha zu nähern, aber sie ahnte, dass es sich dabei bloß um die Ruhe vor dem Sturm handelte.
Ein kleine Luke in der Mitte der Eisentür wurde geöffnet und nach und nach vier Blechnäpfe hereingereicht, über deren Inhalt sich die Gefangenen schmatzend hermachten. Tshepiso kam nicht auf Knien zur Luke gerutscht. Die Gefangene, die Samantha begrüßt hatte, reichte der Zellenkönigin einen Napf durch. Samantha überraschte das nicht. Für sie als geborene Gefangene gehörte es zu den Selbstverständlichkeiten des Lebens, dass die stärkeren Insassen die schwächeren versklavten.
Es gab gekochten Bananenbrei mit Nüssen und etwas Reis, Samanthas Lieblingsessen, ein Festmahl nach Mmaabo-Maßstäben. Doch es gab keinen fünften Napf. Samantha streckte ihre Hand durch die Luke, als die Wärterin sie gerade schließen wollte.
„Hey!“, sagte sie. „Ich bin doch jetzt auch hier drin!“
„Das ist noch nicht im Zellenplan“, kam es von der anderen Seite. „Tut mir leid. Du kriegst ab morgen was.“
„Aber ich habe Hunger!“
„Samantha, bitte, du bist doch kein Kind mehr.“
Wieder streckte Samantha ihre Hand aus, um zu verhindern, dass die Luke geschlossen wurde. Die Stimme auf der anderen Seite ermahnte sie: „Samantha, lass sofort diesen Blödsinn, sonst kannst du was erleben!“
Samantha verschränkte die Arme vor der Brust, die Luke wurde geschlossen. Jetzt musste sie auch noch das Schmatzen der vier Anderen ignorieren. Die Frau, die sie angelächelt hatte, bedeutete ihr schließlich, mit ihren Händen eine Schüssel zu formen. Zunächst verstand Samantha nicht, doch dann füllte die Zellengenossin etwas von ihrem Brei in Samanthas Hände. Zu den anderen sagte sie: „Los, ihr auch.“ Tshepiso sparte sie mit ihren auffordernden Blicken aus. Die anderen beiden Frauen sahen sich an, als verstünden sie die Sprache nicht, in der ihre Mitgefangene sich an sie gewandt hatte.
„Los jetzt, wir sitzen hier alle gemeinsam“, sagte sie. „Toubab oder nicht, das ist doch völlig egal.“ Seufzend und mit genervtem Gesichtsausdruck teilten auch die anderen beiden Sträflinge ihre Mahlzeiten mit Samantha, die sich bedankte, auch wenn die Großzügigkeit eher erzwungen schien.
Nach dem Essen steckte die freundliche Frau die Blechnäpfe ineinander und stellt sie vor die Zellentür, für Samanthas Empfinden etwas zu nah neben den Toiletteneimer. Eine der anderen beiden begann, leise zu klatschen und meditativ zu singen, bis Tshepiso sie scharf aufforderte, den Mund zu halten.
Samantha hatte gerade begonnen, zu glauben, Tshepiso würde es bei gaffenden Blicken belassen, als die mächtige Schwarze sie aufforderte, ihr die Füße zu massieren. Zwar machte Samantha sich leise klagend an ihre Aufgabe, doch eigentlich war sie bis hierher noch gewohnt, was passierte. Auch in den beiden Zellen, in denen sie zuvor gesessen hatte, hatte sie den Kerkergenossinnen die Füße massieren müssen, sogar denen, die ansonsten nett zu ihr waren und nicht ständig frotzelten, dass ausgerechnet eine Toubab nie in ihrem Leben etwas anderes sehen würde als das Mmaabo-Gefängnis.
Tshepisos Füße waren riesig. So in etwa stellte Samantha sich die eines Mannes vor. Das Massieren gab ihr die Möglichkeit, Tshepisos Blicke zu ignorieren, indem sie sich voll darauf konzentrierte, mit beiden Daumen die Ballen erst des linken, dann des rechten Fußes zu kneten. Tshepiso summte genießerisch. Als eine der anderen Frauen sich auf den Eimer setzen wollte, nachdem ihr ein lauter Wind entfahren war, verbat Tshepiso es ihr, sagte, es würde die Stimmung kaputt machen und sie solle gefälligst die Backen zusammenkneifen.
Schließlich beugte sie sich nach vorn und legte die Hand an Samanthas Kinn, drückte ihren Kopf sanft nach oben.
„Seit zwölf Jahren sitze ich schon ein“, sagte Tshepiso. „Als ich ankam, hat so ziemlich jede der Schlampen hier sich für deine Mutter gehalten. Oh, die süße kleine Toubab. Einige waren fürsorglich, andere gemein, wie Mütter so sein können. Aber jetzt bist du kein Kind mehr, Samantha. Draußen auf dem Hof verschlägt es mir jedesmal fast die Sprache, was für ein feines Stück weißes Fleisch aus dir geworden ist.“
Samantha schluckte und sah zu Boden. „Danke“, sagte sie. Und dachte: Bitte, bitte nicht.
Tshepiso dankte Allah dafür, dass Samantha endlich die Zelle mit ihr teilte. Sie reichte der Weißen in den Ausschnitt und streichelte ihre Brüste. Als Samantha nach ihrem Arm griff, schlug Tshepiso die Hand der Weißen grob weg.
„Schön groß“, lobte sie. „Gar nicht, wie man es bei einer Toubab erwartet.“
„Tshepiso, lass sie doch in Ruhe, wenigstens heute, sie ist gerade erst hier hereingekommen und hat kaum etwas gegessen“, sagte die Frau, die dafür gesorgt hatte, dass Samantha wenigstens ein bisschen was von den gekochten Bananen abbekommen hatte. Tshepiso schoss auf ihren Armen abgestützt nach vorn wie eine fette Spinne und trat Samanthas Beschützerin grob gegen die Schulter. „Hab ich dich nach deiner Meinung gefragt, Sikudhani? Keine Sorge, du kommst auch bald wieder dran. Aber heute möchte ich erstmal mit meinem kleinen weißen Geschenk hier spielen.“
Tshepiso stand auf, die Decke der Zelle war so niedrig, dass sie den Kopf einziehen musste. „Steh auf und zieh das Kleid aus“, forderte sie Samantha auf.
„Warum?“, fragte Samantha leise. Sie hatte einen Kloß im Hals, ihre Augen wurden feucht.
Tshepiso lachte. „Ich mag deine kleinen Toubab-Füßchen zwar, aber das reicht mir nicht, den Rest möchte ich mir auch gern mal anschauen“, sagte sie. „Also runter damit.“
Samantha erhob sich, sah zu Boden und schüttelte den Kopf. Tshepiso gab ihr eine so starke Backpfeife, dass sie zur Seite stolperte und fast auf eine der Frauen gefallen wäre, die sich wenig angetan von ihr gezeigt hatten. Sie zischte, Samantha solle aufpassen, wo sie hintrat. Tränen brannten in Samanthas Augen, ein Schluchzen entfuhr ihrer Kehle. Sie zog sich das Kleid über den Kopf und legte es auf den Boden. Tshepiso betrachtete sie nickend und lächelnd von oben bis unten.
„Dreh dich mal“, sagte sie und untermalte die Aufforderung, indem sie mit ihrem Zeigefinger Kreise in die Luft zu malen schien. Samantha tat, wie ihr geheißen. Als sie mit dem Rücken zu Tshepiso stand, sah sie Sikudhanis Gesicht, das von den einfallenden Sonnenstrahlen engelsgleich beleuchtet wurde. Es war ein sehr schönes Gesicht, Sikudhani mochte etwa Mitte zwanzig sein. Kein Wunder, dass sie bis zu Samanthas Ankunft das Spielzeug für Tshepiso hatte geben müssen. Sikudhani lächelte sie schüchtern an und rieb ihre getretene Schulter, sie schien Samantha sagen zu wollen: Es tut mir leid. Augen zu und durch.
„Oh, bist du frech gewesen, kleine Toubab?“, fragte Tshepiso. Sie musste die Striemen auf Samanthas Rücken meinen. In ihrer Zelle vor der Nummer Sechzehn war ein schlimmer Durchfall ausgebrochen, der Eimer, den sie sich mit elf anderen Frauen hatte teilen müssen, war ständig übergelaufen. Als sie in der Zelle nirgendwo mehr hintreten konnte, ohne barfuß in flüssigem Kot zu stehen, war Samantha schließlich der Kragen geplatzt. Sie hatte an der Gittertür gerüttelt – außer der Nummer Sechzehn und den Untersuchungshaftkerkern im Keller hatten die Zellen in Mmaabo Gittertüren – und geschrien, es solle gefälligst jemand die Sauerei aufwischen. Marahaba war es eine willkommene Gelegenheit gewesen, Samantha draußen auf dem Hof vor aller Augen durchzuprügeln, was die Insassen von Zelle Sechzehn wohl verpasst hatten, weil sie aufgrund der Abgeschiedenheit ihres Kerkers bei Hofgängen häufig vergessen wurden und selten öfter als einmal die Woche nach draußen kamen.
Als zusätzliche Disziplinarmaßnahme hatte Samantha eine besondere Aufgabe erhalten: Das Leeren sämtlicher Toiletteneimer in Mmaabo. Zweimal täglich, da dir die Hygiene so wichtig ist, hatte Marahaba ihr grinsend erklärt. Der Durchfall verbreitete sich, und von ihrer Arbeit waren Samanthas bloße Füße braun von Fäkalien. Später sollte sie schlimme Gewissensbisse bekommen, weil sie mit diesen Füßen in die Zelle ihrer Mutter gegangen war, ihr den Malariaschweiß vom Körper gewischt hatte, während sie zitternd und wirres Zeug brabbelnd an die Decke gstarrt hatte. Es war der Durchfall gewesen, der dem Körper ihrer so geschwächten Mutter schließlich den Rest gegeben hatte, zwar erst Monate später, aber trotzdem war Samantha sicher, dass es ihre Schuld gewesen war.
„Mh“, antwortete Samantha nur auf Tshepisos Frage. Als sie sich einmal um die eigene Achse gedreht hatte, steckte Tshepiso ihr Zeige- und Mittelfinger in die Scheide. Samantha wich zurück, doch Tshepiso hielt sie mit der freien Hand fest.
„Weißt du schon, was du hier alles mit machen kannst?“, fragte Tshepiso. „Außer pinkeln?“
In der Hoffnung, die Finger dann nicht mehr in sich spüren zu müssen, nickte Samantha. Tshepiso grinste.
„Und was stellst dir dabei vor?“, wollte sie wissen. „Schöne große Brüste wie die von Tshepiso?“, fragte Tshepiso, zog ihren Finger zurück und massierte die Berge, die sich unter ihrem schmutzigen Sträflingskleid abzeichneten.
Einige Monate zuvor war die Tochter eines reichen Großgrundbesitzers für eine Woche in Mmaabo gewesen. Sie hatte in einem der Wärterinnenzimmer geschlafen, sie saß in Untersuchungshaft für den Besitz einer Menge Hasch, für die Frauen mit schlechteren Beziehungen zu zwanzig Jahren verurteilt worden wären. Alle, auch Samantha, hatten der jungen Frau neidisch hinterhergeglotzt, wenn sie geduscht und parfümiert in ihrer täglich wechselnden Kleidung und ihren beschuhten Füßen über den Hof stolziert war, um über den Anblick der barfüßigen, verdreckten Gefangenen um sich herum die Nase zu rümpfen.
Kurz, bevor sie wieder verschwand, hatte sie mit ihrem Anwalt an einem Tisch gesessen. Sie und der junge muskulöse Mann hatten kalten Tee getrunken und gelacht, als säßen sie in einem Straßencafé. Der Anwalt hatte sein Teeglas fallen lassen und seine Mandantin hatte gekichert, dann hatte sie Samantha herbeigewunken und gesagt: „Das macht doch nichts. Du, Weiße, wisch das auf.“
Samantha hatte ungläubig zu Marahaba gesehen, aber die hatte nur geflüstert: „Mach schon, Toubab, du hast keine Ahnung, wer das ist!“
Samantha war auf den Tisch zugetippelt und hatte gefragt, womit sie den Tee denn aufwischen solle, und die Tochter des Großgrundbesitzers hatte gesagt: „Nimm halt diesen Lappen, den du da anhast, Toubab. Und komm bitte nicht so nah ran, du riechst fürchterlich.“
Samantha wischte den Tee mit den Ärmeln ihres Sträflingskleides auf und sah dabei immer wieder verstohlen hoch zum Bizeps und der Brustmuskulatur des jungen Anwalts, die sich unter seinem engen Polohemd deutlich abzeichneten. Nachts in der Zelle hatte sie gewartet, bis alle anderen eingeschlafen waren, und sich beim Masturbieren die passenden Bauchmuskeln dazu ausgemahlt.
„Meistens denke ich an gar nichts“, sagte Samantha zu Tshepiso. „Ich suche die Stelle, an der es schön ist, mehr nicht.“
Tshepiso nickte lächelnd und griff sich unter den Rock.
„Zeig mir mal, wie du das machst“, sagte sie.
Samantha sah verlegen auf ihre Zehen. Tshepiso, die sich mittlerweile wieder hingesetzt hatte. schoss nach vorne und schlug der Weißen mit der freien Hand fest auf den Schenkel, so dass es klatschte.
„Wird's bald?“, schimpfte sie.
Samantha steckte sich zwei Finger in die Scheide, ohne irgendetwas anderes dabei zu empfinden als Scham. Tränen vermischten sich mit dem Schweiß, der ihr Gesicht hinabfloss. Mechanisch glitt sie selbst in sich hinein und wieder heraus, Tshepiso masturbierte immer schneller, ihr Atem raste. Zwischendurch schrie sie, eine Wärterin riss die Essensluke auf und rief in die Zelle, sie sollten gefälligst leiser sein. Kurz, bevor Tshepiso kam, hörte sie auf und zeigte mit einem der Finger, mit denen sie es sich gemacht hatte, auf Samantha. „Du jetzt, Toubab“, sagte sie. Sie zeigte auf ihre Scheide. „Los, los, schnell!“
Samantha ging in die Knie, wandte sich ab und streckte zwei Finger nach Tshepisos feucht klaffender Fraulichkeit aus. Tshepiso schlug die Hand weg. „Mit der Zunge natürlich, Toubab!“
Samantha schüttelte den Kopf. „Ich möchte nicht“, sagte sie mit zitternder Stimme. Sie schluchzte.
Tshepiso griff Samantha beim Nacken und zog sie ohne ein weiteres Wort zwischen ihre Beine. Der Fischgeruch nahm Samantha fast den Atem, Tshepiso drückte sie so fest an sich, dass der Saft der Schwarzen durch Samanthas Gesicht geschmiert wurde. Samantha presste die Lippen zusammen, Tshepiso schlug ihr auf den Hinterkopf und schimpfte, sie solle endlich anfangen.
„Samantha, mach es“, hörte sie Sikudhani leise hinter sich sagen. „Umso schneller ist es vorbei.“ Sie sagte es auf Englisch, vermutlich davon ausgehend, dass eine ordinäre Frau wie Tshepiso keine Fremdsprachen beherrschte. Unter Tränen steckte Samantha ihre Zunge in Tshepiso, ließ sich von ihrer Peinigerin anleiten, an welchen Stellen sie zu verweilen hatte. Es verging eine Ewigkeit, bis Tshepiso endlich bebte und es aus ihr herausfloss, sie mit einem lauten Schrei kam, die Luke in der Zellentür erneut aufgerissen wurde und eine Wärterin rief: „Leise, verdammt! Wenn ich es noch einmal sagen muss, gibt's für euch alle Hiebe auf die Fußsohlen!“
Tshepisos Atmung beruhigte sich wieder. Mit den Händen zufrieden auf dem Bauch gefaltet scheuchte sie Samantha weg, bevor sie anfing zu schnarchen. Samantha zog ihr Kleid an und hockte sich gleich neben die Zellentür, die Knie angezogen, die Hände an den Füßen. Ihr Schluchzen schwoll an zu einem lauten Weinen. Sikudhani setzte sich neben sie, legte einen Arm um die Weiße und streichelte ihr mit der anderen den Kopf. „Nicht weinen, Toubab“, flüsterte sie und begann, ein heimisches Kinderlied zu singen. Auf Englisch schluchzte Samantha: „Ich will zu meiner Mama.“
 
Sie wich den Händen des Polizisten zweimal aus. Er lachte, schien das Spiel zu genießen. Beim dritten Mal hatte er Samanthas Brüste gefasst, sie stand mit dem Rücken zur Wand des Polizeireviers, das nur aus diesem einen Raum zu bestehen schien. Verzweifelt biss sie in das schwarze Handgelenk, der Polizist schrie auf und betrachtete ungläubig die Abdrücke von Samanthas Zähnen in seiner Haut. Sein Lächeln verschwand, er gab ihr zwei kräftige Backpfeifen, die zweite schickte Samantha zu Boden. An ihrer Halskette schleifte der Polizist sie raus in den Hof, Samantha stolperte in ihren Fesseln mehr schlecht als recht hinter ihm her. Wenn sie hinfiel, schlug er fluchend mit einem Stock auf sie ein, bis sie aufgestanden war.
Er sperrte Samantha in einen Bretterverschlag, der ihr bis zu den Knien reichte, als sie draußen davorstand, und dessen Grundfläche etwa einen Meter mal einen Meter betrug. Bevor der Polizist wütend die Tür zuschlug und der vor sich hockenden Gefangenen fast die nackten Zehen in der Tür einklemmte, sagte er: „Du hättest noch einmal einen Mann haben können, bevor es nur noch Muschis zu schlecken gibt, Toubab. Aber wenn du beißt, wie ein Hund, kommst du eben in die Hundehütte.“
Er warf die Tür zu, Samantha hörte ein Schloss einrasten. Obwohl es dunkel, stickig und so eng war, dass sie früher oder später Krämpfe bekommen würde, genoss sie die Ruhe und döste in der Hitze schließlich ein. In ihren Träumen kam ihre Mutter im Gefängnishof zu ihr. Sie trug Schuhe, ein zweites Paar hielt sie in den Händen. Sie machte sich daran, es Samantha an die Füße zu ziehen. „Wir haben es weit bis nach Hause“, sagte ihre Mutter. „Das schaffen wir barfuß nicht.“

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Inhalt/Idee

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Erotik/BDSM

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Rechtschreibung/Form

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