Eine ungewöhnliche Hochzeitsfeier Epilog

"Klappentext"

 

Epilog

 

Heute stehe ich hier und bügele seine Hemden, längst habe ich mich an den hellen klaren Klang schon bei der kleinsten Bewegung gewöhnt. Und mich in ihn verliebt, und in das herrliche zarte Pendeln.

Den dezenten Klang und die anregenden Schwingungen der zierlichen Silberglöckchen, die mein Herr mir an verschließbaren Ringen und kurzen Schmuckkettchen in meine großen Schamlippen gehängt hat, recht bald schon, nachdem die Stiche verheilt waren.

’Ubi tu, ibi ego tua ancilla’ ist in das eine, ’sic itur ad astra’ in das andere eingraviert, und das rufen sie auch bei kleinsten Schritten der Welt diskret entgegen.

Für mich hat das zur Folge, dass das Tragen von Hosen generell nicht vorgesehen ist, nur Ausnahmesituationen vorbehalten bleibt, auch in allen Unterhosen durfte ich an den entsprechenden Stellen Durchlässe einarbeiten und besäumen. Es ist mir aber gestattet, um die Erlaubnis zu bitten  -und bei der Gewährung ist der Herr dankenswerterweise recht großzügig-  die kleinen Schreihälse hinter der Slipeinlage ruhig zu stellen. Aber ich denke folglich jederzeit an sie,  ….  und ihn.

 

Auch oben habe ich mir zwischenzeitlich meine Symmetrie ’verdient’. Mein Herr hat den zweiten Ring, den ich mir seinerzeit für die linke Brustwarze gleich mitbestellt hatte, einem Goldschmied zur ’Nachbearbeitung’ gegeben.

Der Juwelier bekam den Auftrag, dem Edelstahlring mit zwei Goldnieten einen gefassten Rubin aufzunieten, den gleichen Stein, der auch meinen Verlobungsring ziert, jenen Edelstein, als den mein Herr mich damals gekauft hatte.

 

Der Ring, der meine Möse verschlossen hatte, konnte nach einigem Aufwand wieder geöffnet werden. Mein erster Gedanke: den schicke ich jetzt an dieses Arschloch Stefan zurück!

Aber nein, wie dämlich wäre das denn gewesen. Dann hätte er ja sofort gewusst, wie lange er noch seinen Einfluss auf mich hatte. Stattdessen habe ich eine schöne, schon etwas ausgeblichene Urlaubskarte mit einem Arsch am Strand genommen, an die entsprechende Stelle ein Loch gestanzt und den Ring darum genäht und wieder ins Fenster gehängt. Irgendeiner unserer gemeinsamen Bekannten würde ihm eventuell irgendwann einmal, ohne den Hintergrund zu kennen, von dieser merkwürdigen Karte berichten.

Ich selber habe davon allerdings nicht durchgängig Vorteile, denn mit meinem Herrn führe ich wieder eine … Wochenendbeziehung, … und bis zur Rente sind es noch ein paar Jahre.

Der Spezialschlüssel zum Öffnen der Ringe liegt selbstverständlich beim Eigentümer.

Eines hat sich für mich doch wesentlich verändert: das Rasieren und damit das Freilegen meiner Narben bereitet mir mittlerweile Freude. Das Wissen um ihre wahre Bedeutung durchtrennte die Ketten zur Vergangenheit. Gleichgültig, ob es auf einen simplen Irrtum oder oder einen bewussten 'Irrtum' eines geilen Bocks zurückgeht, ich präsentiere meinem Herrn gern seinen von allem Störenden befreiten Hügel der Liebe.

 

 

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Auf Kirstens und Jürgens Hochzeitsfeier, als wir einmal mit dem Brautpaar, Rainer und Sigrid und, zu meiner überschwänglichen Freude, auch Beate und ihrem Eigentümer zusammen standen, fragte mein Herr unvermittelt in die Runde: „Wo wir uns hier gerade so nett zwischen Käufer und Verkäufern unterhalten können. Ich habe beschlossen, dass Vera beständig meine Sklavin wird, erhebt jemand dagegen Einwände?“

„Also, über den Preis müssen wir uns dann noch verständigen“, sprang Rainer in die kurz entstandene Stille, die von schnell wechselnden Blickkontakten unter allen Umstehende bestimmt war. Nach dieser Art einer wortlosen Kommunikation bestätigte Jürgen: „Och, ich gehe auch davon aus, dass wir uns mal bei einem gepflegten kühlen Bier darüber schon einig werden, deswegen von uns keine Vorbehalte.“

„Und, mea favea, wie sieht das mit dir aus? Möchtest du etwa erklären, dass du deine Rolle im Leben noch nicht richtig verstanden hast und widersprechen? Oder willst du die Gelegenheit nutzen, allen hier zu sagen, dass es auch dein Wunsch, mir dauerhaft zu dienen?“

 

Natürlich wollte ich!   Aber doch nicht so gefragt werden!  Ich hatte eher davon geträumt, dass der Herr mich bei Kerzenschein und einem edlen Glas Wein fragt, ob ich für immer die Seine sein wollte.

’Denk nicht so oft an das, was dir fehlt, denkt an das, was du hast!’, fiel mir wieder ein.

Ein wahrer Spruch für eine Sklavin, sie muss ihn aber auch existentiell verinnerlichen.

Und es wurde mir bewusst, ich hatte noch viel zu lernen, bevor ich ihn als einen Leitsatz angenommen hatte, bevor ich leibhaftig eine gute Sklavin sein würde, die beste.

„Mein Herr, ich danke für die Ehre, mich äußern zu dürfen und für die Anerkennung, die euer Ansinnen beinhaltet. Natürlich bin ich eure Sklavin, werde es auch zukünftig sein und euch weiterhin dienen, werde immer mehr lernen und damit immer besser werden.“

„Jede andere Antwort einer Sklavin wäre auch nur von theoretischer Natur gewesen, nicht wahr? Ich habe deshalb vorausschauend schon mal einen Termin für dich bei der lieben Laura für Montagabend festmacht.“

 

Seit jenem Montagabend ziert meine linke Fessel ein zartgliedrig tätowiertes Fußkettchen mit einem reizvollen Anhänger, einem leicht gekrümmten Ginkgoblatt, die obere und die untere Begrenzungslinie sind etwas kräftiger ausgearbeitet und der Stängel weist nach rechts unten.

’Es sind zwei, die sich erlesen’, zwei Linien, zwei Leben, zwei Wesen; Männlich und weiblich, gerade und gekrümmt, oben und unten, Herr und Sklavin; sie treffen und vereinen sich auf meinem Fußrücken in einem Punkt. Beide sind von dort an miteinander verbunden und das ist unauslöschlich in die Haut und ins Bewusstsein der Sklavin tätowiert.

Die Wissenden werden verstehen und lächeln. Die Unwissenden werden ein künstlerisch hervorragend gemachtes Tattoo sehen. Und die mit dem Halbwissen? Können zurückgeworfen werden auf die Frage, was sie selbst denn wohl für eine merkwürdige, schmutzige und perverse Fantasie haben.

 

 

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In wenigen Tagen habe ich dann auch den letzten Termin bei Laura, der letzte Stich steht an. Da es sich dieses Mal um eine Analogie zu unseren Eheringen handeln soll, hat mein Herr nicht einfach bestimmt, sondern mir einige ’Vorschläge’ gemacht.

Ich habe mich für ein vertikales Klitorisvorhaut Piercing entschieden, bei dem vorn in einer Öse eine kleine Kopie der Eheringe eingearbeitet wird und hin und her schwingen kann, hinten eine Kugel mit einem Rattle- Ball. Ich werde mich dann nicht nur zuhause, sondern auch ’fertig’ fühlen. Soweit man das sagen kann, einfach vollkommen.

 

Einige Grundgedanken unserer anstehenden Hochzeitsfeier sind ebenfalls bereits festgesetzt. Wir werden auch ein ganzes Wochenende in ’unserem’ Burghotel mit unseren Freunden feiern. Allerdings wird es bei uns die einzige Feier sein, einen Standesbeamten, den eine ’außergewöhnliche Feier’ nicht stört, haben wir bereits gefunden.

Familie haben wir beide nicht, für Kollegen, Nachbarn und andere nicht so nahe Menschen werden wir eine Art Polterabend veranstalten. Einige gute Freunde dürfen an unserem Hochzeitswochenende mal eine für sie neue Welt kennenlernen; es wird ihnen nicht schaden, und wir vertrauen darauf, dass gute Freunde uns nicht schaden.

 

Für den ’Verkauf’ alleinstehender Damen, und diesmal auch einem Mann, diskutieren wir drei Optionen.

Eine Möglichkeit ist die, dass die angebotenen Sklaven solange die Gesellschaft bedienen dürfen, bis sie jemanden von ihren Vorzügen überzeugen können.

Alternativ werden sie sich auf der kleinen Bühne den Gästen präsentieren, aus nah und fern intensiv begutachtet werden, ohne das Podest verlassen zu können (Stahl hilft), bis jemand bereit ist, sie zu kaufen.

Sichergestellt sein muss natürlich in beiden Fällen eine gewisse ’Mindestdauer’ des Angebots.

Das dritte Verfahren ist gut (wir wissen es aus Erfahrung), hat aber den kleinen Nachteil, nicht neu und damit nichts Überraschendes zu sein. Immerhin wurde ich dabei aber von jemandem gekauft, der mich nicht nieder prügelt, sondern vor dem ich einfach ’ich selbst’ sein darf, vor dem ich auf die Knie gehen darf und mich trotzdem sicher fühle. Ich bin definitiv bei mir angekommen.

 

 

Mein Brautkleid habe schon, es ist außen smaragdgrün mit zwei Beinschlitzen unterschiedlicher Breite, das bei allen Bewegungen sichtbare Futter ist burgunderrot, es passt hervorragend zu meinen roten Haaren.

Damit braucht auch kein vorhandenes Hochzeitskleid geändert werden, es sind ja schließlich nicht alle gleich gebaut, und in Bezug auf die Figur nicht völlig auseinander gegangen zu sein, als ich vor längerer Zeit das Rauchen aufgegeben habe, war ohnehin schwer genug.

Weil die Kinder einer Freundin bei einer derartigen Feier natürlich nicht anwesend sein können, haben wir ihnen aber versprochen, als eine der Vorspeisen Brüsseler Spitzen servieren zu lassen, das Gericht, mit dem sie ihre Mutter so gern ’unterstützen’.

Dass ich in den letzten drei Jahren, in denen ich Single war, manch einen Abend in einer Musikkneipe noch mit dem Saxophonspieler versackt bin, muss mein Partner mir einfach verzeihen können, der Mensch an meiner Seite muss einfach wissen: ’niemand ist vollkommen’.

 

 

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Nachtrag zum Epilog

"Eine totale Überraschung, damit hatten wir nicht gerechnet, das hast du viel zu kryptisch ausgedrückt“, war der einhellige Tenor der freundlichen Forumsmitglieder, die ich bat, mir mitzuteilen, ob ich mich deutlich genug geäußert habe.

Dann ziehe ich diesen Teil mal aus den Kommentaren zusätzlich in den Text, damit er nicht untergeht: 

 

Also dann, die letzen elf Zeilen noch einmal lesen, die Zaunpfähle aus dem Text ziehen und dann kräftig schwenken:

 

Brüsseler Spitzen

es sind ja schließlich nicht alle gleich gebaut

Hochzeitskleid geändert werden

zu meinen roten Haaren

das Rauchen

in den letzten drei Jahren mit dem Saxophonspieler

die Kinder

’niemand ist vollkommen’

 

Und noch der Link, hoffentlich zur Heiterkeit:

 

www.youtube.com/watch - ab etwa der Mitte

 

 

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Kommentar(e)

Und wirklich auch noch ein romantischer Ausgang, 

Danke für diese schöne Geschichte 

 

damit hatten wir nicht gerechnet, das hast du viel zu kryptisch ausgedrückt“, war der einhellige Tenor der freundlichen Forumsmitglieder, die ich bat, mir mitzuteilen, ob ich mich deutlich genug geäußert habe.

 

Also dann mal, die letzen elf Zeilen des Epilogs noch mal lesen, die Zaunpfähle aus dem Text ziehen und dann kräftig schwenken:

 

Brüsseler Spitzen

es sind ja schließlich nicht alle gleich gebaut

Hochzeitskleid geändert werden

zu meinen roten Haaren

das Rauchen

in den letzten drei Jahren mit dem Saxophonspieler

die Kinder

’niemand ist vollkommen’

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=q1DhIW0p22Q

 

 

P S: Selbstverständlich habe ich mich bei allen, die einen Kommentar hinterlassen haben, bedankt, meist im chat. MfG