Die Miete 7 - Putztag

"Klappentext"

Ich habe vergessen, den Putzdienst zu machen.

 

„Was für ein Tag ist eigentlich heute?“, will er von mir wissen.

„Samstag“, als wenn er das nicht wüsste.

„Und davor?“

Wie davor? „Freitag“, sage ich.

„Und davor?“

„Donnerstag.“ Ich weiß nicht, worauf er hinaus will.

„Ich hab dir gesagt, Donnerstag ist Putztag. Und, hast du geputzt?“

Ich kann mich an nichts erinnern. Sollte ich putzen? Wie hätte ich das tun sollen?

„Dreckstück, ich rede mit dir.“

Ich weiß nicht, was ich sagen soll.

Er ist dabei, sich anzuziehen, zieht sich die Hose rauf, zieht sich ein T-Shirt über. Läuft barfuß aus meinem Zimmer, tapst über den Flur, kommt mit dem Rohrstock zurück.

Vor Schreck rolle ich mich zusammen.

Er stellt seinen nackten Fuß auf meinen Rücken. Zapp – trifft mich der erste Hieb. Das Ende beißt in den Oberschenkel. Zapp, zapp, immer den Oberschenkel.

„Aaaaah. Es tut mir leid“, rufe ich. Zapp, zapp. „Auaaa. Ich geh ja putzen.“ Ich will mit den Fingern dazwischen – dann doch besser nicht.

„Dreckschwein.“ Er setzt den Fuß von meinem Rücken. „Streck den Arsch raus.“ Ein Fußtritt trifft mich in die Fresse, gegen die Nase. Ich drehe meinen Kopf weg und schiebe den Arsch raus.

„Weiter rüber hier.“ Mein Vermieter platziert mich für die Züchtigung.

Eifrig strecke ich meinen Arsch raus, um nicht noch mehr Tritte zu kriegen.

Bam – trifft ich ein Tritt in die Hüfte, in den Bauch.

„Beine breiter!“

Wie soll das gehen, mit den Füßen zusammengekettet? Ich spreize die Knie so weit es geht.

Er holt aus, so weit es in dem engen Zimmer möglich ist – zieht durch – Zapp, voll auf den Arsch.

Ich greife mich im Bettlaken fest. Zapp, auf den Arsch, fast auf die Eier. Ich flüchte mit dem Arsch nach vorne, damit mein Sack geschützt zwischen den Beinen hängt.

Zapp. Ich muss versuchen die Schmerzen durch mich hindurch fließen zu lassen. Zapp. Einfach irgendwo wieder raus.

Er ist wütend. Zapp. „Arrrgh.“ Ich kippe auf die Seite.

„Streck den Arsch raus“, ruft er ungeduldig. Zapp, zapp, zapp. Hiebe auf den anderen Schenkel. „Uaaarrrrggggg.“ Ich schreie ins Kissen und trappel mit den Zehen auf dem Fußboden. Gleich richte ich mich auf und strecke den Arsch wieder vor. Der kann noch am meisten ab.

Zapp. Die Spitze beißt in die Arschbacke.

Zapp. Zapp. Auf dem Arsch bildet sich ein weicher Fleck, weich wie Pudding.

Klappernd legt er den Stock auf den Schreibtisch. Die Prügel sind offenbar durch. Ich falle auf die Seite und reibe mir wild die Striemen aus dem Arsch. Heftig werfe ich mich hin und her, um die Schmerzen abzuschütteln.

Er zieht einen Schlüssel aus der Hosentasche und schließt die Fußschellen auf.

* * *

Verheult, mit rotem Gesicht, tapse ich hinter ihm her durch die Wohnung. Immerhin darf ich gehen. Gekrümmt wie Klingeldraht versuche ich im Gehen meine Striemen von den Schenkeln zu reiben.

Meine Rosette brennt so sehr, dass ich mich nicht traue, sie anzufassen. Ich hab noch nicht geduscht, meine Haare stehen sicher wirr in alle Richtungen. Ich trippel auf Zehenspitzen. Unter den Sohlen sammeln sich die Krümel, aber das bin ich bereits gewohnt.

Mein Vermieter knipst das Licht in der Besenkammer an, ein kleiner Raum, der gleich vom Flur abgeht.

„Da ist der Staubsauger und das sind die Putzmittel. Hier ein Eimer, Lappen und so weiter.“ Stolz präsentiert er seinen Vorrat. „Hörst du überhaupt zu?“ Klatsch – habe ich mir eine Ohrfeige eingefangen. Den Kopf ziehe ich schon lange nicht mehr weg – das gibt nur extra. Meine Fresse muss inzwischen aussehen, wie eine zerknüllte Plastiktüte.

„Bad, Küche, Flur, Wohnzimmer. Dein Zimmer kannst du auch mit machen. Mein Schlafzimmer ist erstmal Tabu. Verstanden?“

„Ja, Herr.“ Ich zucke, aber diesmal kommt keine Schelle.

Ich nehme den Staubsauger und rolle das Kabel ab. Wie ein nackter Haken hänge ich über dem Teil. Ich spüre seinen prüfenden Blick. Mit dem Bad fange ich an. Die Tür klappert – er hat sich ins Wohnzimmer zurückgezogen.

Gebeugt und schwitzend schiebe ich das Ding in jede Ecke. Bald schmerzt mir der Nacken. Ich muss immer noch an mein kaputtes Arschloch denken. Die Rosette brennt bei jedem Schritt.

Vorsichtig rolle ich die Wohnung auf. Bloß nirgends anstoßen, nichts kaputtmachen. Soll ich das Tischchen im Flur wegschieben, oder lasse ich es besser stehen? In der Küche ist viel Dreck. Da hat schon lange keiner mehr bis in die Zwischenräume zwischen den Schränken gesaugt. Irgendwie sieht alles speckig aus.

Mutig klopfe ich an der Wohnzimmertür. Wie gewohnt lässt er mich erstmal warten. Während ich von einem Bein aufs andere trete, beginnt mein Magen zu knurren. Es muss so zwischen Zwölf und Eins sein und ich habe heute noch nichts gegessen. Ich betaste wieder meine Schenkel. Einige Striemen kann ich spüren. Am Arsch scheint eine wunde Stelle zu sein.

„Rein!“

Wie ein nackter Geist schleiche ich mit meinem Staubsauger durch das Wohnzimmer. Trotz des Staubsaugerlärms versuche ich nicht aufzufallen. Er sitzt an seinem Computer und arbeitet irgendwas Wichtiges.

„Bist du fertig mit saugen?“

„Ja, Herr“, stammel ich unsicher.

„Mach dir Putzwasser, ich komm dann.“

Ich räume den Sauger weg und fülle den Putzeimer mit warmem Wasser. Da steht er plötzlich hinter mir.

„Der Boden muss richtig gescheuert werden, nicht nur so mal drüber wischen. Siehst du das?“

„Ja, Herr.“ Man sieht’s. Es ist nur fraglich, ob ich das wirklich sauber kriege.

„Nimm die Scheuerbürste und da ist Scheuerpulver. Ich will sehen, wie du auf allen Vieren scheuerst, haben wir uns verstanden?“

„Ja, Herr.“

„Wie ein altes Waschweib. Geh auf die Knie.“

Ich gehe runter in dem engen Bad.

„Mach mal vor.“

Auf allen Vieren nehme ich die Bürste in die Hand, tunke sie in den Eimer und scheuer damit in weitem Bogen.

„Nicht so! Nicht wie eine Kuh. Wie ein Waschweib. Setz dich auf die Fersen. Oberköper hoch. Knie auseinander. Und jetzt die Bürste mit beiden Händen greifen.“

Ich sitze mit dem Striemenarsch auf meinen Fersen. Auf den harten Fliesen schmerzen die Knie sofort. Dann scheuer ich mit beiden Händen vor und zurück. Das wird anstrengend.

„Schon besser. Und bis in die Ecken. Danach mit dem Lappen sauberwischen. Verstanden?“

„Ja, Herr.“

„Auch hinterm Klo!“

„Ja, Herr.“

„Und die Wände könnten auch mal gewischt werden.“

„Ja, Herr.“

Er geht. Und ich beginne zu schuften.

Schon mit dem ersten Quadratmeter habe ich schwer zu kämpfen. Die Dreckschicht lässt sich kaum runterscheuern. Ich nehme mehr und mehr Scheuermittel, muss mich verbiegen, um auf Knien hinter die Toilette zu kommen. Bald setze ich mich seitlich auf den wunden Arsch, weil das Knien einfach unerträglich wird.

Ich schrubbe und putze. Als ich mit dem Boden durch bin, stehe ich auf. Klar, das Waschbecken muss noch, und die Wanne. Und der Spiegelschrank. Innen auch noch? Das Klo. Ich schrubbe, was das Zeug hält, versuche meinen kaputten Arsch zu vergessen. Die Armaturen. Die Wände. Inzwischen ist der Fußboden wieder nass. Ich hätte oben anfangen sollen. Also nochmal aufwischen.

Meine Arme zittern. Die Kräfte verlassen mich. Schwere Arbeit bin ich nicht gewohnt und ich habe immer noch nichts gegessen. Das kann ich unmöglich durchstehen. Der Flur müsste noch gemacht werden und die ganze Küche. Im Wohnzimmer ist der Boden auch zum Teil ohne Teppich.

„Bist du hier langsam fertig?“

Ich schrecke herum.

„Ja, ich glaube, ich bin fertig.“

„Runter!“ Er zeigt auf seine Füße.

Ich gehe vor ihm auf die Knie. Meine Knie schmerzen, die Beine zittern. Er steht da – barfuß.

„Komm, leck.“ Die Zehen offenbar.

Ich buckel runter und lecke ihm die Zehen, zitternd, mit letzten Kräften, vom Fliesenboden des Badezimmers.

„Nimm sie richtig ins Maul!“

Ich krieche weiter zurück und versuche meine Zunge unter den großen Zeh zu schieben. Er steht wie angewurzelt auf dem Boden. Ich weiß, es ist ein Test. Da darf ich nicht aufgeben. Eifrig dränge ich mit Lippe und Zunge dagegen.

Mit der Zungenspitze taste ich die Kerbe ab und suche eine Stelle, an der sich der Zeh anheben lässt. Es muss bescheuert aussehen, wie ich mich an seinen Zehen abmühe. Ich versuche es an einem kleineren Zeh. Nichts bewegt sich. Gestützt auf die Ellenbogen arbeite ich weiter an den Zehen. Da endlich löst sich einer vom Boden. Mit viel Druck kann ich meine Lippe darunter schieben und bekomme den Zeh ins Maul. Dankbar lecke ich ihn von allen Seiten ab.

Mit dem nächsten Zeh mache ich weiter. Bald bin ich in meiner Routine und lutsche seine Zehen sauber.

Auch den zweiten Fuß schenkt er mir nicht. Als ich endlich die Zehen vom linken Fuß im Maul habe, wage ich einen unerhörten Vorstoß.

„Ich habe Hunger“, nuschel ich.

„Was?“ Er stupst mich mit dem Fuß hoch.

„Ich habe Hunger. Ich kann nicht mehr.“ Automatisch kneife ich die Augen zu – und wie erwartet schlägt eine Ohrfeige ein. Ich taumel auf die Seite, halte mich am Waschbecken fest.

„Du machst den Fußboden in der Küche noch fertig. Den Rest machst du Montag.“

„Danke Herr.“

Noch ein wenig Scheuern also. Ich sammle meine letzten Kräfte. Mein Vermieter verzieht sich in sein Wohnzimmer. Er hat offenbar schon gegessen. Ich mache frisches Wischwasser, sammle meine Bürste auf und tapse nackt in die Küche.

Der Fliesenboden hier sieht auch nicht viel besser aus. Da ich neuerdings die Ehre habe, seine Füße direkt vom Boden zu lecken, sollte ich besser gründlich putzen. Mit wackeligen Beinen sinke ich auf die Knie. Am besten ich fange in der Ecke neben dem Schrank an.

Eifrig scheuer ich mit der Bürste bis in die Ecke hinein. Dann wische ich mit einem Lappen sauber. Trotz Nacktheit schwitze ich. Meine Arme zittern, die Knie schmerzen. Mit der Arschkerbe setze ich mich auf die rechte Ferse, so spare ich Kraft. Bei Druck schmerzt meine Rosette immer noch. Es ist wie ein Stich, wie ein Schnitt längs hinein. Ich mache mir Sorgen, aber es fühlt sich schon nicht mehr so schlimm an.

Nach zehn Minuten habe ich gerade die halbe Küche geschafft. Da höre ich die Wohnzimmertür klappern. Inzwischen überläuft mich eine eisige Furcht, wenn ich ihn kommen höre. Er meint bestimmt, ich müsste schon fertig sein. Ich versuche, ganz natürlich weiter zu scheuern. Nebenbei lausche ich automatisch, ob er sich den Rohrstock holt.

Er kramt hinter mir im Küchenschrank.

„Magst du Ravioli?“

„Ja“, röchel ich. Im Moment würde ich ein Pferd oder einen Hund verspeisen.

Ich höre, wie er eine Dose aus dem Schrank holt. Ravioli aus der Dose. Das Fressen für arme Studenten – wie mich. Ich bin heiß auf Ravioli. Mein Herr klappert mit einem Kochtopf. In wilder Eile scheuer ich unter dem kleinen Küchentisch und rutsche rückwärts zur Küchentür vor.

„Bist du fertig, Bursche?“

„Ja.“ Eigentlich fehlt noch die Ecke, wo er steht und... Aber für jede andere Antwort setzt es bestimmt gleich wieder Schläge.

„Ist das jetzt sauber?“

„Ja.“

Neben mir klatscht heiße Tomatensoße auf die Fliesen und spritzt mir gegen das Bein. „Aaargh.“ Die Tropfen Soße brennen wie glühende Funken. Patsch, palatsch, platsch – klatschen die Ravioli mal einzeln, mal als Klumpen mitten auf den Küchenboden. Die Küche sieht aus, als wäre ein Schwein geschlachtet worden. Die Tisch- und Stuhlbeine sind vollgesaut und Spritzer sind bis auf die Wand geflogen. Zum Glück ist die Küche gefliest.

„Friss. Und nächstes Mal geht das schneller.“

Ich war ihm zu langsam beim Putzen. Ich wusste, dass ich wieder was falsch gemacht habe.

Er versetzt mir einen Tritt in den Arsch und geht.

Ich traue mich nicht, einen Löffel aus der Schublade zu holen. Mit bloßen Fingern grapsche ich nach ein paar schlüpfrigen Teigtaschen. Autsch, die Dinger sind noch heiß. Ich suche ein paar vom Rande, greife sie auf und schiebe sie mir ins Maul. Eifrig fische ich im Matsch nach weiteren Stücken.

Mit bloßen Händen vom Boden zu essen, ist anstrengend und langsam. Mit den Fingerspitzen schiebe ich die matschigen Teigtaschen von den Seiten her zusammen, wie Dreck mit dem Kehrbesen. Die zerreiben sich dabei an den Fugen der Fliesen. Nie hätte ich gedacht, dass ich mal vom Boden fressen muss. Jedes Tier ist dafür besser geeignet. Der Fraß schmeckt gelegentlich nach Putzmittel. Und es knirscht zwischen den Zähnen.

Ich sollte mich beeilen. Er kommt bestimmt bald wieder. Die Ravioli lassen sich kaum greifen, so glitschig sind sie. Beim Anfassen zermatschen sie zu Brei. Ich gehe tief runter, lege das Kinn auf den Boden und schiebe mit den Fingern die zermatschten Klumpen ins Maul. So brauche ich wenigstens nicht zu greifen.

Nun ist auch schon alles egal. Hauptsache schnell. Eine ganze Dose Futter ist echt eine Menge Matsch. Langsam ist mein Bauch voll. Ich muss würgen, um noch mehr reinzukriegen. Gerne würde ich Wasser aus dem Hahn trinken, aber in diesem Zustand würde ich die Küchenschränke einsauen.

Es klappert. Ich höre ihn kommen. Und diesmal hat er den Rohrstock dabei. Inzwischen erkenne ich das Pfeifen. Er steht hinter mir in der Küchentür. Ich höre ihn nicht mehr und weiß doch, er ist da. Eifrig würge ich mir Krümel und Matsch mit den Fingern rein, will ihm zeigen, wie sehr es mir leidtut, dass ich zu langsam war.

Der Matsch scheint mir reingewürgt. Es sind nur noch tausende kleiner Bröckchen da, und der halbe Küchenboden voll roter, kalter, ekeliger Soße. Erschöpft und vollgefressen stütze ich mich mit den Fäusten in der Soße ab. Mühsam unterdrücke ich den Würgereiz, damit ich nicht gleich alles wieder auskotze. Ich hoffe, er sieht ein, dass ich getan hab, was ich konnte.

Schwer atmend warte ich ab. Meine Fresse ist vollgeschmiert, die Nase eingesaut. Meine Knie kleben mit der Soße am Boden. Mit den Händen kann ich mich in dem glitschigen Matsch kaum halten.

„Und?“ Seine Stimme ist ruhig, und doch bedrohlich.

„Was?“, frage ich zurück.

„Soll dass so bleiben?“

„Darf ich saubermachen?“, frage ich hoffnungsfroh.

„Leck es auf.“

„Nein“, jammert es aus mir heraus. „Ich kann nicht mehr. Ehrlich. Es tut mir leid. Ich wollte es doch nur gründlich machen.“

Der Rohrstock tappst an meine Arschbacke. Dann zieht ein Hieb durch, von der Backe bis auf den Oberschenkel. „Aaaarrraaa.“ In dem entkräfteten Zustand kann ich nichts ab. Die Schmerzen sind eine kalte Explosion. Ich werfe mich auf die Seite und strecke mein Bein, um den Schmerz abzuschütteln. Er zieht die Rückhand durch über meinen Rücken. Ich schreie und jammer.

„Leck.“

Verzweifelt wälze ich mich im Matsch und drücke mein Maul in den Boden.

Zapp, ein harter Hieb trifft meinen ausgestreckten Fuß. Die Ferse ist hart getroffen. Verzweifelt ziehe ich ihn ein und verstecke ihn unter meinem Arsch. Mit der Hand versuche ich den Fuß zu heilen, während ich demonstrativ mit der Zunge durch die Soße lecke. Meine Nasenspitze geht wie ein Schneepflug durch den Matsch.

Mit Körpereinsatz schiebe ich mein Maul vor und zurück. Meine Zunge lernt die harte Oberfläche der Fliesen kennen, und die rauen Fugen dazwischen. Eilig lecke ich einen Fleck frei. Das kann ich unmöglich alles auflecken. Der Flatschen ist so riesig. Ich müsste außerdem die dreckigen Stuhlbeine und die Wand ablecken.

Aber was, wenn er das doch will? Systematisch lecke ich eine Fläche frei – die trotzdem immer noch verschmiert aussieht. Die Soße wird zäh und fest. Mir geht die Spucke aus. Meine Zunge schmerzt. Ich lecke weiter.

Lecken und Zeit schinden, denke ich. Mehr kann ich nicht tun. Mehr harte Prügel kann ich jetzt nicht einstecken. Und was hätte das für einen Sinn? Mein Fuß schmerzt immer noch, besonders die äußere Kante. Hoffentlich ist nichts gebrochen. Ich muss mich später darum kümmern.

„Hier, mach sauber.“

Rumpelnd schiebt er mir mit dem Fuß den Putzeimer hin.

Ich möchte fast weinen vor Freude. Vorsichtshalber lecke ich trotzdem weiter. Ich höre, wie er geht.

Ich wälze mich auf die Seite. Meine Knie schmerzen. Mit verschmierten Fingern knete ich meinen getroffenen Fuß und spüre nach der schmerzenden Stelle. Meine Fresse ist vom Hals bis zum Haaransatz vollgeschmiert. Irgendwann habe ich mir mit der Hand durch Haare gestrichen. Mir ist speiübel von dem Zeug. Freiwillig werde ich wohl nie wieder im Leben Ravioli anrühren. Ich strecke mich, um den Fraß in meinem eingeklemmten Magen zu verteilen.

* * *

Vier Eimer Wasser kostet es mich, die Schweinerei wieder wegzuputzen. Wie ein Blöder scheuer ich die Möbel und die Wand. Selbst mit der Scheuerbürste geht die rote Farbe der Tomatensoße nur schwer aus den Fugen raus.

Weil meine Knie mich umbringen, mache ich die Arbeit im Stehen vorn übergebeugt. Ich weiß, ich sollte das nicht und wenn er mich erwischt, setzt es bestimmt wieder Schläge. Aber anders geht es nicht. Dabei muss ich mich beherrschen, dass mir die Ravioli nicht gleich wieder aus der Fresse fallen.

Notdürftig wasche ich mich in der Küche ab. Dann stelle ich die Putzmittel weg und gehe unter die Dusche. Ich kann scheuern wie ich will, die Ravioli mit ihrem ekeligen Beigeschmack verursachen mir immer wieder Brechreiz.

Als ich aus dem Bad komme, sehe ich immer noch Spuren von Soße. Nochmal hole ich den Lappen und wische nach.

Endlich am späten Nachmittag bin ich fertig – vollgefressen, abgeduscht, verprügelt. Ich humpel auf mein Zimmer. Glücklicherweise ist die Zimmertür nicht abgeschlossen – die einzige Freiheit, die mir geblieben ist. Eine Stunde, bis ich ihm Abendbrot machen muss. Entkräftet falle ich auf die Matratze.

* * * Hinweis des Autors: Diese Erzählung ist eine utopische Geschichte. Die Utopie besteht darin, dass jede Person die Erfahrungen macht, die sie mag und braucht. Das gilt auch für devote Personen. Devot bedeutet, dass die Person möchte, dass jemand anderes über ihre Sexualität und ihr Leben entscheidet, auch wenn die devote Person das nicht explizit zum Ausdruck bringt oder sogar das Gegenteil sagt. Volenti non fit iniuria. Der Autor billigt keine Gewalt, also Handlungen gegen die Bedürfnisse der betroffenen Personen. * * *

 

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