Die 3 Schlüsselhalterinnen und die Vanilla 09

"Klappentext"

Wir dürfen miterleben, wie es um Karolas Seelenheil bestellt ist. In diesem Fall werden wir ein paar Episoden, die wir schon kennen, doch aus ihrer Sicht erneut erleben dürfen.

 

 

Im „Goldenen Ochsen“

Warum mich Gloria eingeladen hat, verstehe ich nicht wirklich, es geht um eine Überraschung für Tomas, hat sie gesagt.

Seit ich von Tomas geschieden bin, habe ich keinen neuen dauerhaften Freund gefunden, früher als wir noch glücklich waren, da hat er mich auf Händen getragen. Er hat es auch gemocht, dass ich etwas bestimmend zu ihm war, so wie ich eben bin. Er hat dann irgendwann, als Mercedes schon größer war und auf das Internat ging, mich gebeten ihn zu schlagen. Ich konnte es einfach nicht. Ich wusste damals schon, dass er es sich heimlich in London holte. Was soll´s, habe ich damals gedacht. Sehr bald habe ich dann rausgefunden, dass er mit Gloria eine Liaison hatte, dem wollte ich gleich Einhalt gebieten, aber das war einfach zu viel, was wollte ich von dem Mann, der mir auf Befehl dieser Hexe die dreckigen Schuhe ableckte.

Später dann haben wir uns sogar angefreundet, als ich merkte, Tomas braucht sie, ich würde Tomas nie das geben können. Ich weiß auch, dass Gloria dafür gesorgt hat, dass ich einen anständigen Teil unseres Vermögens bekommen habe, ganz ohne Streit über die Anwälte.

Heute verbindet uns mein Enkel Regine, die uns beide Oma nennt und natürlich auch Mercedes, die sehr Tomas nachschlägt, was das Geschäftliche anbelangt, ich denke aber auch in ihrer eigenen Ehe hat sie die Hosen an. Leider (oder doch zu meinem Glück) darf ich immer öfter mich um meine Regine kümmern. Sie wohnt bei mir und hält mich jung.

Jetzt ist sie bei einer Klassenfahrt, sonst wäre ich ja auch gar nicht hergekommen. Komischerweise sind auch die Eltern von zwei, nein drei Klassenkameraden hier. Ich kenne sie nur vom Sehen, an meinem Tisch sitzt eine der Familien.

Es ist recht dunkel im Raum, nur die Kerzen auf den Tischen geben ein stimmungsvolles Licht.

»Sie sind doch die andere Oma von Regine?«, fragt mich die Dame, die von ihrem Mann als Anabelle Koch vorgestellt wurde.

»Ja?« Die andere Oma, was für ein Ausdruck!

»Lena und Luna sind Klassenkameradinnen von Regine, haben sie schon etwas von ihrem Enkel gehört?«

Hm? Die sind doch grade erst gefahren. Bevor ich antworten kann stürmt Tomas herein?

Gloria schreitet neben ihm, in ihrem Businesskostüm wirkt sie sehr elegant.

»Noch 15 Sekunden.«, sagt sie leise zu ihm?

Warum zieht er so hektisch seine Schuhe aus? Tomas reißt sich seinen Anzug vom Körper, waauuu ist der durchtrainiert, ein paar Blessuren sehe ich auch noch! Das kann er doch nicht hier tun!?

Es ist still im Raum, die Gespräche sind verstummt alle schauen auf Gloria und Tomas. Er erwürgt sich fast mit seiner Krawatte, als er sie fahrig öffnet? Nicht mal die Zeit zum Aufknöpfen seines Hemdes nimmt er sich!

»Noch 5 Sekunden!«, sagt Gloria scharf.

Das Hemd fällt und mit ihm die Manschettenknöpfe, die knallend auf den Boden fallen, weil er sich keine Zeit nimmt sie zu öffnen. Einer rutscht auf mich zu. Ich hebe ihn auf, er ist noch aus meiner Zeit. Ein Geburtstagsgeschenk.

 Gloria streift elegant ihre Schuhe ab, schwarze High Heels? Eigentlich zu hohe Absätze für das Kostüm.
Während Tomas Schlüpfer fällt und er nur noch den komischen Käfig trägt.

Jetzt küsst er so ihre Füße. Was ist jetzt? Die meisten Gäste beginnen zu applaudieren?

Das Licht im Saal wird heller, als Gloria befiehlt: »Steh auf! Begrüße unsere Gäste!«

Ich weiß ja, dass Tomas so was braucht und ich hätte es ihm nie geben können, trotzdem ist noch irgendetwas in mir, das ihn so nicht sehen will! Nicht so!

Wie bei den anderen Damen, küsst er mir zur Begrüßung die Schuhe. Irgendwie habe ich mich auch verändert, ich finde es nicht mehr abstoßend wie beim ersten Mal? Ob ich es schön finde? Wenn dann will ich es nicht wahrhaben.

Die Mutter von den Twins wird ebenso wie ich begrüßt, scheint aber nichts dabei zu empfinden. Herr Koch, der in seinem billigen Anzug etwas deplatziert wirkt, wird fast wie ein alter Freund begrüßt.

Tomas verlässt unseren Tisch und ich nutze die Gelegenheit, Achim, so hat mein Ex ihn begrüßt zu fragen: »Herr Koch, sie kennen Tomas anscheinend sehr gut?«

»Nennen sie mich doch bitte Achim. Ja durch unsere Kinder, und ich trage auch so einen ähnlichen Käfig wie er.«

Während er noch erzählt, betritt Gloria erneut den Saal, sie hat sich umgezogen. Auch wenn ich weiß, dass es nicht ausschlaggebend war, sie sieht so verdammt toll aus, in ihrem Outfit, nicht so
nuttig extrem, wie das der beiden Dominas, trotzdem ungeheuer erotisch aber auch streng. Etwas neidisch werde ich schon!

»Was haben Sie – hast du gesagt, ich war abgelenkt?«

»Wir waren bei den beiden zu Besuch, ein für mich schmerzhaftes Erlebnis.«

Wie, ist er auch so wie mein Ex? Dann ist sie wohl seine Herrin? So kalt wie sie sich Tomas gezeigt hat, könnte es sein.

»Dann sind sie seine Herrin?«

»Nein!«

Wie jetzt? Mehr Auskunft bekomme ich nicht? Sie ist aber im Gegensatz zu ihrem Mann gut und hochwertig gekleidet, was dafürsprechen würde.

»Sie ist, Entschuldigung – Anabelle, hast du mitbekommen was Gloria gefragt hat?«

»Ja, die will Tomas brandmarken, ob wir dabei sein möchten. Ich nicht, auf das Essen habe ich mich gefreut, so gut kochst du nicht! Danach kommt doch die neue Quizshow, die möchte ich anschauen.«

Was will Gloria mit Tomas tun? Brandmarken? Anscheinend freut er sich auch noch, ich verstehe es einfach nicht! Dabei zusehen? NIEMALS!

»Und du? Magst du mit?«, frage ich Achim, der gedankenversunken über seine Innenschenkel streichelt. Vielleicht kratzt da ja sein Käfig.

»Ich? Nein! Ich habe genug! Oder doch nicht? Ich mag auf jeden Fall nicht mit!«, antwortet er traurig, während die Vorspeise aufgetragen wird.

Während der Vorspeise führen wir ein, für die Verhältnisse, normales Tischgespräch. Sieht man einmal davon ab, dass ich erfahre, Anabelle ist eine KH, eine Keyholderin.

Das herrliche Boeuf Stroganoff schlingt Anabelle herunter als hätte sie seit Tagen nichts mehr gegessen, dabei hat sie eine normale fast schlanke Figur. Etwas neidisch bin ich schon

Achims Frau verabschiedet sich gleich nach dem Dessert, weil in fünf Minuten ihr Quiz beginnt.

»Du kannst ja noch hierbleiben und einen Espresso trinken, ich nehme den Wagen«, verabschiedet sie sich von ihrem Mann.

Auch ich habe Lust auf einen Espresso, so entwickelt sich ein Gespräch zwischen uns. Wir merken nicht einmal wie Gloria und fast alle der Gäste den Goldenen Ochsen verlassen.

Irgendwann sitzen wir alleine da, während Achim mir sein Herz ausschüttet und ich ihm die Geschichte meiner Ehe erzähle.

Ich weiß nicht warum ich so viel Vertrauen zu Achim habe, selbst das unschöne Erlebnis, als ich versucht habe Tomas zu hauen: »Als Tomas wieder einen Termin in London hatte. Bei einer der Dominas, die vorher auch hier waren«, Achim nickt verstehend.

»Ich wollte es wirklich tun. Sogar eine echte Reitpeitsche habe ich mir gekauft. Hiebe aus Liebe, habe ich gedacht. Ganz vorsichtig habe ich zugehauen. Tomas hat nur gefragt:  ›Hast du schon angefangen?‹, ich wurde wütend, habe richtig zugeschlagen! Zuerst war sie weiß, dann wurde sie rot. Eine Strieme, von mir!? Nein! Das war ich nicht, das konnte ich nicht! Ich habe die Gerte zur Seite geschmissen und bin aus unserem Schlafzimmer gelaufen.«

»Warte bitte, bevor du weitererzählst, ich muss kurz für kleine Jungens.«

Süß, tatsächlich wie ein kleiner Junge bekommt er einen roten Kopf, er hat schon vorher etwas rumgehampelt, hat sich wohl nicht getraut, es zu sagen.

Wie geht das eigentlich mit so einem Käfig? Egal, als er wiederkommt, erzähle ich weiter, es tut gut, mein Herz auszuschütten.

Wir sind noch lange nicht fertig mit unseren Erzählungen, als das Personal unauffällig/auffällig beginnt, die Tische neu einzudecken.

Ich lade Achim ein, mich nach Hause zu begleiten.

Etwas unsicher stimmt er zu, dann lacht er plötzlich auf und erwidert: »Es kann ja nichts passieren!«

Wie? Ich begreife, er trägt ja einen Käfig, daran habe ich längst nicht mehr gedacht. Wenig später sitzen wir in meinem Auto und fahren zu meiner Eigentumswohnung, fasziniert schaut Achim zu, wie sich das Verdeck meines Porsches während der Fahrt öffnet. Was er wohl denkt, er schaut wieder so traurig.

Schade, dass er so jung ist, das wäre ein Mann, der mir gefallen könnte, etwas schüchtern vielleicht und etwas zu füllig, aber das war Tomas damals auch und heute ist er – es wird ja so wie so nichts, der Frau den Mann ausspannen und den Kindern den Vater.

Ich habe ja noch Regine, aber seit Tomas, hatte ich nur Pech mit den Männern! Und Achim ist verschlossen! Warum mach ich mir da Hoffnung!