" … und zum dritten!“ oder: ’das rote Schloss’ 1/4

"Klappentext"

Die Geschichte ist der Versuch, einen möglichen Weg in die Versklavung auszumalen, der die zeitliche Dauer des Wochenend-Seminars: ’Von der Jungfrau zum bereitwilligen Fickobjekt’ bei weitem übersteigt. Einen tristen und hoffnungslosen, zunehmend angstvollen Weg der Protagonistin. In der Hoffnung, die Tristesse ihrer Entwicklung nicht in einen tristen Text übernommen zu haben.

 

 

 

Ich bin Tessa.

In meiner Situation klingt die Bedeutung meines Namens  - die Jägerin -  freilich wie blanker Hohn.

Ich bin zwar keine Prinzessin, aber immerhin eine Adelige, wenn auch von geringem Stand. Ich müsste also eigentlich viel mehr wert sein als die anderen. Wie es scheint, sieht das aber die Allgemeinheit nicht so. Auffallend langsamer als bei Alexandra steigen die Gebote.

Gern schrie ich: ’Leute, seht ihr denn nicht, dass ich was Besseres bin?’ Alle anderen haben mich aber gewarnt, ich müsse meine Herkunft unbedingt verschweigen. Adelige würden besonders gern von den Sklavenschulen oder Bordellen gekauft, es mache eben jedem einen besonderen Spaß, gerade sie zu erniedrigen.

 

So schweige ich. Früher hätte es mich sogar wahnsinnig gedemütigt, dass ich einen geringeren Wert haben soll, als diese arrogante Schnepfe mit ihren dicken Titten, die sie so aufgeblasen vor sich her schiebt. Und nun wirklich allen ungefragt unter der Nase baumeln lässt, fast als fände sie Gefallen an unserer Situation.

Aber vermutlich treibt mich gerade meine eigene Verzweiflung zu dieser ungerechten Unterstellung. In unserer Situation zählen nun mal nur noch Titten. Titten, der Arsch, dessen Loch, und die übrigen Öffnungen des Körpers.

Lange, sehr lange, konnte ich es sehen, sie hat nun mal die prächtigeren Titten und einen überwältigenden Arsch. Dass sie gefragter ist, ist demnach nur folgerichtig und gerechtfertigt.   ….   Es kränkt mich aber trotzdem.

 

Jetzt stehe ich hier auf dem Auktionsblock und weiß ich gar nicht so recht, was in mir in diesem Moment alles vorgeht. Unten werden Hände gehoben, mit Köpfen genickt, meine Zukunft entschieden.

Keine noch so lange Zeit, in der ich versucht habe, mich mit meinem Schicksal abzufinden, kann einen Menschen darauf vorbereiten, was sich jetzt an Phantasien und Ängsten in mir abspielt.

Kaum ein Hirn kann schnell genug sein, das widersprüchlichste Hin und Her von Gedanken, Ängsten und Hoffnungen zu entwirren. Ich weiß, ich muss mich möglichst gut präsentieren, ich muss einen möglichst hohen Preis erzielen.

Denn je teurer ich werde, desto pfleglicher wird mit mir umgegangen werden. Ich müsste also aufrecht und selbstbewusst hier stehen, den Interessenten in die Augen sehen, nicht hochnäsig, sondern bescheiden und demütig.

Bewusst, eine Sklavin zu sein. Würdig, genau ihre Sklavin zu werden. Durch meine gesamte Körperhaltung signalisieren, dass ich stolz sein werde, genau ihnen als ihre Sklavin zu dienen.

Aber diese elenden Gefühle, diese begründeten Ängste und vermutlich unbegründeten Hoffnungen, vor allem aber Ängste und abermals Ängste, untergraben jedes aufrechte Auftreten.

 

Manche eindrückliche Warnungen sind dagegen sehr real und haben sich fest ins Gehirn gebrannt: ’Gib niemals einen Anlass, dass man dich während des Verkaufes oder kurz davor züchtigen muss, Rebellinnen werden kaum von anständigen Häusern gekauft, sind aber ein willkommenes Opfer für Sadisten.’

 

Nun stehe ich hier also, auf wackeligen Beinen, angewidert und angeekelt, noch nicht einmal wissend, ob mehr von meinem erzwungenen Verhalten oder vom Gebaren eines ehrenwerten freien Publikums.

Eines Publikums, von dem mehr als die Hälfte augenscheinlich kaum in der Lage ist, sich je eine Sklavin leisten zu können. Allein die Chance, eventuell bei einer Prüfung mal ihre Grabscher an oder gar in eine zu bekommen, zu verlockend für das Pack.

Dennoch muss ich auch denen gegenüber jede Scham verleugnen, mich allen nicht nur nackt zu offenbaren, sondern anzubieten, ja gar anzubiedern. Den Rest der Scham, den ich beim besten Willen nicht verleugnen kann, versuche ich zittrig und ängstlich zu überspielen. Dem Publikum nicht meinen immensen Schiss zu offenbaren. Trotz ihres freien Blickes auf jede schlotternde Faser meines Körpers.

 

 

Dabei ist es für mich inzwischen fast zur gottgegebenen und natürlichsten Selbstverständlichkeit geworden, mich anderen nackt zu zeigen. Seit sie mich gefangen haben, habe ich keine Kleidung mehr getragen. Den Mitgefangenen gegenüber war es von Anfang an vergleichsweise leicht, sich daran zu gewöhnen, ihnen erging es ja nun nicht anders.

 

Doch schon der Gang unseres Trecks durch das erste kleine Dorf hinter der Grenze, nachdem wir die große Einöde durchlaufen hatten, war schon anders. Wir waren für das kleine Nest eh die Attraktion des Monats, diese Reihe schöner nackter Körper, wie Perlen an einer Kette aufgereiht. Nahezu jeder Mensch des Fleckens stand am Wegesrand und begaffte uns.

Noch war ich peinlichst bemüht, meine intimen Körperstellen mit Armen und Händen möglichst vor allen Blicken zu schützen, versuchte dabei aber gleichzeitig unter Vermeidung des direkten Augenkontaktes zu erkennen, welcher Blick mich ansah.

War es der lüsterne und geile, der sich an der Nacktheit unserer Körper schon jetzt vergnügte, und es später allein im Kämmerlein wohl noch einmal getan hat. Oder gar der hochnäsige Blick, der alles Missfallen portierte, welches eine einzige Miene nur auszudrücken vermag: ’Ja, warum seid ihr denn auch auf der falschen Seite der Grenze geboren? Und wart dann auch noch so blöd gewesen, euch fangen zu lassen? Dann habt ihr es auch nicht besser verdient’.

Manchmal war es auch Mitleid, welches uns aus den Gesichtern entgegenkam, Mitleid über unseren Weg, -nicht dem Gang durch den Ort, sondern den Lebensweg- auf den wir zugingen. Erkannte ich den im Augenwinkel, suchte ich den direkten Augenkontakt, richtete meinen Kopf auf, dass er wieder einmal zu einem Haupt wurde.

Dann versuchte ich, meine Augen laut um Hilfe rufen zu lassen, wollte zum Ausdruck bringen: ’diese nackte Sklavin, die hier in Ketten durch eure Siedlung geführt wird, bin ich nicht, ich bin auch ein ehrenwerter Mensch’, erntete oft nur Resignation im Antlitz, noch öfter aber ein verschämtes ’nach unten sehen’.

 

Bald schon war es jede von uns auch müde geworden, die gierigen Blicke der Bewohner auf unsere Intimitäten mit den Extremitäten zu verbergen zu versuchen. Es war mir bald des Aufwandes nicht wert, meine menschliche Körperlichkeit vor den gierigen und stehlenden Blicken der Bevölkerung zu schützen und sie mir zu bewahren. In letzter Konsequenz wurde ich mir dieses Aufwandes immer weniger wert.

Keine von uns wurde beim durchqueren eines Ortes ernsthaft geschlagen, versuchten wir weiterhin, unseren Körper zu verdecken. Ein kleiner, aber dennoch schmerzender Hieb mit einer Gerte hier und da, mehr als bohrende Erinnerung an meinen Status und Aufforderung denn als qualvolle und abschreckende Strafe, und nach und nach war kein Unterarm mehr quer vor den Brüsten, keine Hand mehr vor dem Dreieck der Lust zu vernehmen.

‚Mein Aussehen zu verbergen ist es nicht wert, den Schlag zu kassieren, so schlecht sehe ich doch gar nicht aus’, rechtfertigte ich meine schleichende Veränderung vor mir, ’die meisten der Gaffer am Wegesrand wären stolz, sähe ihre Frau so aus’. Auch die meisten der Weiber, die mich von oben herab musterten, taten dies nicht ohne Neid.

Peu à peu habe ich mich damit selbst in meiner eigenen Wahrnehmung zu einem ’Aussehen’ gemacht, habe mich selbst zu einem netten Anblick herabgewürdigt, bis letztlich nur noch eine Hülle verblieb.

 

Hilfe suchte ich in den glotzenden Visagen schon lange keine mehr, längst hatte ich resigniert, sie zu bekommen. Denn mit jedem Gang entlang einer neugierigen Menge ging das Empfinden einher, dass sie mir immer und immer wieder auch einen weiteren Teil meiner Seele raubten.

Jede kennt wohl das Gefühl, mit den Augen ausgezogen zu werden, um die Phantasie des Betrachters zu beflügeln. Wenigstens in dessen Vorstellungskraft seine Neugierde zu befriedigen.

Ich war nun schon nackt, sie sahen alles an mir. Sie brauchten nicht mehr neugierig zu sein, doch sie blieben es zum Teil, nämlich  …  gierig. Ich fühlte mich, als könnten sie nicht nur alles an mir sehen, sondern auch alles von und in mir. Alles von und in mir ansehen und bewerten.

Als ob ich durch das Enthüllen meines Körpers auch mein Sein und meine Innenwelt freigelegt hätte, griffbereit für jedermann, und jedermann griff zu, wenn es ihm beliebte. Bediente sich gierig an meinen menschlichen Werten.      

Immer weitere Stücke fleddern so von mir ab und blieben am Wegesrand zurück. Irgendwann drehte ich mich nicht einmal mehr um, um ihnen nachzutrauern, so unbedeutend war mein Menschsein in dieser Realität geworden.

 

So stimmt das aber nicht.

Ja, es war in dieser jetzigen Welt unbedeutend geworden. Ich drehte mich auch nicht mehr danach um. Aber nur, weil ich die Trauer sonst nicht ertragen hätte. Es nicht ertragen hätte, zu sehen, wie das, was mich ausmachte, mir von der Menge entrissen worden ist, um dann in den Staub geworfen zu werden. 

 

Ich hätte es nicht ertragen, beim Versuch, es aufzulesen und doch noch mitzunehmen, den Ruck der Kette am metallenen Ring um den Hals gespürt zu haben. Zum tausendsten Mal zu erleben, was es heißt, nicht mehr frei zu sein.

Zu spüren, dass das, dem ich nachtrauerte, niemandem so viel wert war, den Sklavenzug anzuhalten. Dass es mir nicht wert war, die Hiebe zu fangen, die auf eine jede von uns einprasselten, sollte eine den Zug ins Stocken gebracht haben.

Mich zum tausendsten Mal damit abfinden zu müssen, dass dieses Eisen, seit sie es mir um den Hals gepresst haben, den Rhythmus all meiner Bewegungen bestimmt. Mein restliches Leben beherrschen wird.

Zum tausendsten Mal den grässlichen Ton zu erinnern, der das Ende meiner Freiheit bedeutete. Zum tausendsten Mal die Angst zuzulassen, was mit mir geschehen wird. Unerträglich.

Stattdessen begann ich, den Blick mehr und mehr von mir abzuwenden. Ja, selbst mein eigenes Spiegelbild im Vorbeigehen an einer Fensterscheibe nicht einmal mehr anzusehen. Mein Gegenüber hätte mich mit Augen angeschaut, die zu reinen Sinnesorganen verkommen waren, in denen jedes lebendige Feuer erloschen war.

 

Ich musste versuchen, es zu ignorieren, durfte mich nicht auf die Gedanken einlassen. Zu schnell waren die gleichen Fragen, die immer wieder gleichen Ängste präsent. Werden einer Sklavin in diesem Land, in das wir immer tiefer hineingingen, menschliche Werte zugestanden? Werde ich denn hierzulande überhaupt noch als Mensch betrachtet werden?

Die gleichen Ängste. Immer und immer wieder die gleichen Ängste.

Beschäftigte ich mich mit mir, so überkam mich diese ungeheure Panik unweigerlich. Also hörte ich irgendwann auf, mir Gedanken um mich zu machen. Voller Neid blickte ich, als ein Glied einer Sklaven Kette, im vorbei gehen zuweilen zu den Tieren auf den Weiden, diesen Wesen mit mehr Bewegungsfreiheit als wir.

 

Waren wir soweit, brauchten unsere Fänger dementsprechend gar nicht mehr viel tun, sie brauchten uns nicht ständig auspeitschen, sie mussten uns nicht fortwährend anschreien oder beleidigen. Sie mussten uns nur beständig mit dem Wert ansehen und behandeln, den wir für sie hatten: den Wert einer Ware.

Sie hatten uns gefangen, um durch unseren Verkauf ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Es war ihnen auch völlig gleichgültig, wie sich eine von uns fühlte. Einzig und allein wichtig war, unsere Körper nach Möglichkeit unversehrt zum Markt zu bringen. Je wertvoller die Hülle, desto mehr Augenmerk richteten sie darauf, dass sie dort äußerlich unbeschadet ankam.

 

Mehr und mehr wanderte so das verschämte ’nach unten sehen’ in jedes unserer Gesichter, auch in mein eigenes. Ich sah während des Gehens nach unten, sah nach unten, um den Blicken eines jeden auszuweichen.

Ich wollte nicht mehr sehen, wie sie mich taxierten, wie sie sich fragten, was ich den Händlern wohl einbrächte. ’Was wäre diese Sklavin mir denn wert?’ schrieben sie mit ihren Augen von oben nach unten auf meinen Körper.

’Würde ich die denn überhaupt haben wollen?’ Diese abschätzige Frage, ich hatte sie schon so oft gesehen. Ich wollte nicht mehr dem Weg des Blickes folgen, wie sie mich von oben bis unten musterten.

Von oben bis unten?

Nicht ganz. Beine, Hüften, Möse, Arsch und Brüste wurden immer ausgiebig betrachtet, je nach persönlicher Vorliebe ließ der eine seine Augen zusätzlich hier, der andere dort länger verweilen. Die Aufmerksamkeit auf meinen Kopf rangierte dabei wie naturgegeben als eine unter vielen.

Kopf heißt dabei noch nicht automatisch Augen und Gesicht. Haare sind wichtig, und der Mund, ja vor allem der bekam noch viel Interesse. Ich wollte nicht mehr in ihrem Blick sehen, warum. Meine Augen nahmen den Platz irgendwo kurz hinter dem kleinen Zeh ein.

 

Ich wollte nicht mehr in ihrem Blick sehen, wie sie sich mit der Frage beschäftigten, was ich ihnen wohl wert wäre. Sie plagte nicht die Sorge, ob sie sich mich wohl leisten könnten. Nein, selbst die dicksten Schmerbäuche trieb die Frage um, ob ich es denn wert sei, von ihnen gefickt zu werden.

Gern hätte ich gerufen: ’Guck in den Spiegel, Fettsack’. Ich tat es nicht. Zum Glück tat ich es nicht. Alexandra nuschelte zu solch einem widerlichen Dickwanst im Vorbeigehen: „vergiss deine Träume, mich kannst du dir sowieso nicht leisten.“

Es blieb nicht ungehört. Der Dicke hatte es gehört. Aber nicht nur er. Auch einer der Händler hatte es vernommen. Sofort hagelte eine Tirade von Schlägen auf sie nieder, von vorn, und in der Rückwärtsbewegung von hinten gleich noch mal, und wieder und wieder.

Für eine derartige Lappalie wurde der Treck nicht angehalten, es geschah im wahrsten Wortsinn beiläufig, nämlich beim Laufen. Als er seine Flut von Hieben erst einmal beendet hatte, sagte er nur leise: „so laut, dass er es hören kann, oder ich mache weiter.“

Sie hatte verstanden, drehte ihren Kopf so weit es ging nach hinten und rief so laut sie nur konnte: „Verzeihen Sie mir, verehrter Herr, ich bitte vielmals um Entschuldigung.“ Ob der dicke Sack das noch hören konnte, ich war mir nicht sicher. Aber ein großer Teil unseres Sklavenzuges konnte es hören. Genau so wie ihre Schreie zuvor. Und dort wirkte es.

 

Der Zug ging weiter. Ich ging weiter. Ich sah nach unten, um mein Spiegelbild nicht mehr zu sehen. Nicht mein Spiegelbild in den Scheiben der Fenster, nicht mein Spiegelbild in den Augen dieser Menschen. Ein jedes Antlitz verkündete mir, was ich für sie bin. ’Ficksklavin’, so hätte mein Gehirn ihren Gesichtsausdruck und ihre Blicke übersetzt, wenn ich es denn zugelassen hätte, dass sie meine Augen trafen.

 

Ich sah nach unten, wollte es nicht zum tausendsten Mal sehen. Der schwere Ring um den Hals, die noch schwerere Kette daran ließen mich doch eh schon bei jedem Schritt spüren, dass ich bin nicht mehr frei bin.

Sie machten es allein schon durch ihr Gewicht leicht, den Blick nach unten zu richten. Den freien Bürgern nicht in die Augen zu sehen, sie ließen es zur Selbstverständlichkeit werden, nicht mehr das Recht dazu zu haben.

 

Den verachtenden Blicken konnte ich somit ausweichen, den schmähenden Zurufen nicht, wenn sie denn laut genug waren. Manche sollten laut genug sein, wir sollten sie hören. Manchmal sollten ihre Stimmen zu meinen Ohren vordringen, auffallend viele Frauen taten sich besonders abscheulich hervor.

’Ficksklavin’ war dabei noch einer der freundlicheren Ausdrücke. Er beinhaltete doch wenigstens, dass ich nicht freiwillig hier bin. Ausrufe wie ’Nutte’ waren da weitaus verächtlicher, machten sie mich doch gleichzeitig dreckig. Innerlich dreckig.

Ja, sie hatten mich gefangen und zur Sklavin gemacht; dafür vorgesehen, gefickt zu werden. Zur ’Ficksklavin’. Vielleicht würde ich auch als Hure in einem Bordell enden. Aber ich wollte es nicht mehr in diesen Gesichtern sehen, in diesen tausenden von Glaskugeln.

Ich konnte es nicht mehr ertragen, ständig mit meinem Augenmerk auf meine Zukunft gestoßen zu werden. Ganz im Gegensatz zu den Glaskugeln der Scharlatane auf dem Jahrmarkt verkündeten ihre Augen, die Glaskugeln in ihren Gesichtern, eher die Wahrheit über meine Zukunft.

 

So sah ich nach unten. Ich sah einfach nur noch nach unten. Ich sah nach unten, und sah ständig diesen wunderschönen Pfirsichpopo von Alexandra vor mir. Ich sah auf ihr Hinterteil, von einem Gott geschaffen, der ein echtes ästhetisches Empfinden hat. Ich sah nach unten, begann, sie um ihren Hintern zu beneiden. Nur um die Striemen auf und über ihm, um die beneidete ich sie nicht.

’Sähe meiner doch nur so vollkommen aus’, schlich sich der Neid in meinen Kopf und verdrängte dort jede Erinnerung an eine Zeit, in der es umgekehrt war. Eine Zeit, in der sie mich ob meiner Stellung beneiden durfte.

Ich hatte Zeit, ihren perfekten Hintern zu betrachten. Viel Zeit. Sehr viel Zeit. Schritt für Schritt, Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde, Tag für Tag.

Ich hatte Zeit, ihren perfekten Hintern mit immer mehr Missgunst zu betrachten Ich hatte Zeit, sie um ihren perfekten Hintern zu beneiden. Viel Zeit. Sehr viel Zeit. Schritt für Schritt, Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde, Tag für Tag.

Mit jedem Tag verblassten die roten Streifen auf ihrem Hintern ein wenig mehr, seine Schönheit blieb. Die Erinnerung an ihre Schreie verblasste auch, die Angst vor einer Tirade solcher Schläge blieb trotzdem.

 

’Wie viel wird es sich ein Mann wohl kosten lassen, diesen wohlgeformten Arsch zu ficken?’, diese Frage tauchte irgendwann unweigerlich auf.

Schritt für Schritt, viele hundert mal für einen Kilometer, spannten sich mal die Muskeln der einen, mal die der anderen Arschbacke an, so wunderschön definiert.

’Wie viel wird es sich ein Mann wohl kosten lassen, diesen wohlgeformten Arsch regelmäßig zu ficken?’, änderte sich die Frage leicht. Waren derartige Gedanken erst einmal gekeimt, sie wuchsen und schlängelten sich zu einem undurchsichtigen Geflecht.

’Wird es dem Mann mehr wert sein, diesen Arsch zu besitzen und damit zu prahlen, oder will er seinen Schwanz möglichst oft darin versenken? Was wird ihm wichtiger sein?’

Schritt für Schritt, Kilometer um Kilometer.

’Wird dieser Arsch für so prächtig gehalten werden, dass gar ein Bordellbetreiber glaubt, alle Männer würden ihn ficken wollen und er mache mit ihm das große Geschäft?’

Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde.

’Ist sie wirklich nur zu beneiden, mit einem Arsch, der alle zum Ficken reizt? Wie sieht sie eigentlich von vorn aus? Ist ihre Möse eigentlich genauso wohlgestaltet und erotisch anziehend?’

Stunde um Stunde, Tag für Tag.

’Ihre Lippen sind einfach verführerisch, das weiß ich ja nun’, wenn ich sie hinter ihr trottend auch nicht sehen konnte, das wusste ich aber noch. Ich hatte sie allerdings nie unter diesem Aspekt betrachtet. Jetzt tat ich es in meinen Gedanken.

’Es muss ein Vergnügen für einen Mann sein, wenn diese Lippen sich um sein bestes Stück schließen und ihn langsam zum Orgasmus bringen’.

Langsam, ganz langsam, Schritt für Schritt, brachten diese Lippen in meiner Phantasie den Schwanz eines Mannes zum Abspritzen. Erinnerungen schlichen sich in meinen Kopf, Erinnerungen an meinen Liebsten, Erinnerungen an den salzig herben Geschmack des Mannes.

Schritt für Schritt, Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde, Tag für Tag.

 

Sukzessive wurde aus Alexandra, der Alexandra aus dem Nachbardorf, die ich schon als Kind kannte, der Alexandra, die direkt vor mir in Ketten gelegt wurde, die Sklavin Alexandra.

Die Sklavin  …     Die Sklavin   ….   wer?      Einfach nur eine Sklavin, eine namenlose Sklavin, eine x-beliebige namenlose Sklavin.

Schritt für Schritt, Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde, Tag für Tag,

sehe ich diesen schönen Arsch sich vor mir wiegen.

’Sie wird teuer werden.  Wird sie von einem gekauft werden, der so wohlhabend ist, dass er mehrere Sklavinnen hat und somit eine Auswahl beim Ficken? Oder wird es jemand sein, bei dem sie mehreren zur Verfügung stehen muss?’

Schritt für Schritt, Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde, Tag für Tag.

Und hinter mir? Wie betrachtet sie meinen Arsch? Ist er auch schön?

Dabei ist es doch völlig unerheblich, ob sie meinen Arsch oder mich insgesamt schön findet. Es interessiert auch niemanden, ob sich eine Sklavin selbst schön findet. Wichtig ist nur: wie beurteilen sie die Interessenten. Und letztlich nur: wie sieht sie der, der ihr Besitzer wird.

 

Vor mir so ’ne Zusammenstellung von nutzbaren Öffnungen, hinter mir ebenso. Und dazwischen?  …  Nein!  …  Nein, nicht schon wieder den Teufelskreis der Schwermut und der Ängste beginnen, nicht schon wieder auf das sehen, was mir bevorstehen könnte.

 

Oh, da war und ist es so unendlich viel leichter zu ertragen, sich mit der schrecklichen Wahrheit anderer zu beschäftigen. Elend, welches anderen widerfährt, wirkt unwillkürlich kleiner. Aber immer wieder zwischendurch überkam mich die Panik über meine eigenen düsteren Zukunftsaussichten.

Schritt für Schritt, Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde, Tag für Tag,

kamen wir dem Ort näher, an dem sich unser Schicksal auf grausame Art manifestieren sollte. Die angespannte Unruhe der Händler ob ihrer Einnahmen aus diesem Fang übertrug sich zunehmend auch auf uns.

Ich wollte nicht den Fokus auf meine Alpträume legen, doch je näher der Moment kam  …

’Was wird mit mir passieren? Werde ich von einem gekauft werden, der so wohlhabend ist, dass er mehrere Sklavinnen hat und somit eine Auswahl beim Ficken? Oder wird es jemand sein, bei dem ich mehreren zur Verfügung stehen muss?’

 

Je näher wir an den Marktort kamen, desto mehr waren die Bewohner an den Anblick eines Trotts armer Seelen gewöhnt, immer weniger Beachtung wurde uns zuteil. Von jedweder Anteilnahme einiger an unserem Schicksal, welche uns in manch erstem Gesicht direkt hinter der Grenze entgegenblickte, mal ganz zu schweigen.

Ich hatte mich schon so sehr daran gewöhnt, dass unser Sklavenzug von allen begafft und abschätzig angestarrt wurde, dass ich angestarrt wurde, dass ich die zunehmende Gleichgültigkeit der Bevölkerung schon fast als Beleidigung empfand.

 

Zu sehr hatten alle dieses grausame Geschäft mit dem Leben von Menschen als Normalität akzeptiert, eine grausame Normalität, die auch einen Teil ihres Wohlstandes begründete.

So lockte unser Umweg durch die Stadt, der im Endeffekt ja nur eine Präsentation der zu ersteigenden Ware war, nur noch geile Böcke und Personen mit echtem Kaufinteresse hinter dem Ofen hervor.

 

Oft glaube ich, es wäre für sie billiger und weniger aufwendig und vor allen Dingen schneller gewesen, sie hätten uns auf ein Transportmittel gepackt und zum Marktort gekarrt. Aber dann wären hier noch Menschen angekommen, gefangene Menschen, noch keine Sklaven.

Gefangene Menschen, die sie noch hätten züchtigen und brechen müssen, deren Menschsein noch bewahrt gewesen wäre. Aber so … ?

 

Das, was sie mir an Menschenwürde nicht genommen haben, ich hatte versucht, es zu behüten, aber nach und nach, Stück für Stück ging sie mir verloren. Manchmal kratzten noch die Relikte einer Menschlichkeit in meinem Selbstverständnis, und tief in mir hoffte ich, sie als Keimzellen erhalten zu können.

 

Gefangen, versklavt, der Kleidung und der Persönlichkeit entledigt wurden wir nun in Ketten durch den Ort geführt und den Interessierten zum Kauf vorgeführt; und waren der Allgemeinheit noch nicht einmal mehr eines Blickes würdig   …. ,   niedriger geht’s nicht mehr   …

 

Die Straßen, auf denen wir durch den Ort zum Verkaufsplatz geführt wurden, sie sind gepflastert, nicht der edelste Stein, aber gepflastert. Es hatte vor kurzem geregnet, das Wasser war schnell abgelaufen und durch die Wärme der Steine und der kurz vor Mittag hoch stehenden Sonne waren sie auch schon fast wieder trocken.

In einiger Entfernung konnte ich das Zentrum der kleinen Stadt ausmachen, auch schon Händler sehen. Händler, die Fleisch oder Gemüse, Fisch oder Milchprodukte, Tücher oder Haushaltswaren anboten und Kunden, die sich für diese Sachen interessierten.

Alles, wirklich alles wies darauf hin, dass der Marktplatz sofort erreicht war. Die Gebäude wurden repräsentativer, die Straßen breiter, die Leuchten für den Abend großzügiger und dekorativer. Selbst unter den Füßen spürte ich es. Das Pflaster wurde glatter, aufwendiger verlegt, in schmückenden Mustern, die auf das Zentrum zuweisen.

Auf dem Marktplatz selbst war zwischen dem Gewirr von Beinen zu erkennen, dass dort eindrucksvolle Mosaiken verlegt sind, es herrschte mehr als reger Publikumsverkehr. Mein Herz sackte ob der Fülle dort in die nicht vorhandene Hose, ich versuchte nur noch, nun wirklich jedem Blick auszuweichen.

Marktgeschrei hier, Anpreisungen dort, an unzähligen Stellen ein Feilschen. So viele Stimmen durcheinander, dass bald keine einzige mehr auszumachen war, das Gewirr dieser unzähligen Stimmen verschmolz zu einem einzigen Brei.

 

Und irgendwo in dieser unübersichtlichen Menge befand sich der, der mich gleich ’sein Eigen’ nennen würde. Mir stockte der Atem. Wenn ich jetzt durch diese Menschenmenge geführt werden sollte, bei der Enge würden gefühlt hunderte Hände nach mir greifen, die stinkendsten Penner reckten ihre Pfoten nach mir, fassten mir mit ihren ungewaschenen Fingern an die Brüste und in den Schritt   ….   und ich würde sie nicht weg schlagen dürfen.

’Gib niemals einen Anlass, dass man dich während des Verkaufs oder kurz davor züchtigen muss’, hallte es wieder und wieder durch meinen Kopf, so, als ob ich es mir dauernd vorbeten und ausschließlich darauf konzentrieren musste, um mich daran zu halten. So war es ja nun auch.

Zu der Befürchtung, mich nicht so sehr unter Kontrolle zu haben, der Peitsche aus dem Weg zu gehen, gesellte sich bei der Vorstellung von tausend ekelhaften Klauen blanke Panik. Blanke Panik, einem Einkäufer für die Freudenhäuser in die Hände zu fallen.

Hier in dieser und anderen kleinen Städten nahe der Grenze, so sagten alle, decken sich diese nämlich mit Frischfleisch für ihre Häuser ein und verteilen sie nach Bedarf über das Land.

Auch die Sklavenschulen für die Hauptstadt sollen hier einkaufen, die noch nicht ganz gebrochenen Mädchen kaufen sie hier von den Fängern und übernehmen dann die weitere ’feine und gründliche Erziehung’. Ein ausgeklügeltes Wirtschaftsgeflecht mit dem Unglück von Menschen.

 

Atmen. Atmen, einfach nur ruhig atmen.

Die Panik nicht zulassen.

Wenn ich mir die Chance erhalten wollte, von einer anständigen Familie für die Betreuung der Kinder gekauft zu werden, dann durfte ich gerade in dem Augenblick nicht als hysterisches Weib rüberkommen, das sich nicht unter Kontrolle hat.

 

Zum Glück, die tausend Hände blieben mir erst einmal erspart, wir gingen zunächst am Haupteingang zum Markt vorbei. Das ungemeine Gedränge schien selbst unseren Verkäufern zu dicht zu sein, sie wählten wohl einen anderen Zugang näher an der Verkaufsstelle.

Auch wenn ich des Laufens mehr als müde war, diese kleine Schleife würde ich auch noch überstehen. Und wer weiß, einige von uns würden sich schon heute Abend danach sehnen, dürften sie noch laufen.

Wir waren gefangen, ja;  wir liefen zu Fuß, barfüßig und nackt, auch das;  waren aneinander gekettet, wurden von jeder und jedem angestarrt, wenn ihnen danach war, auch angefasst, das alles, und es war schrecklich.

Aber wir hatten zu essen bekommen; zwar einfache, aber normale Speisen, hatten uns waschen dürfen und wurden nur vereinzelt geschlagen. Und wenn eine von uns geschlagen wurde, dann zur Disziplinierung statt aus reiner Lust.

Paradoxerweise ist über eine von uns Sexsklavinnen auch niemand hergefallen. Fraglos kaum aus Rücksichtnahme, eher die Befürchtung eines Wertverlustes durch Narben oder Schwangerschaft war wohl die Triebfeder ihres Handelns.

 

Dieses alles würde nicht jede von uns am heutigen Abend noch sagen können. Fast automatisch begann ich, das Laufen, dem ich eben schon so überdrüssig war, zu genießen. Immer noch besser, als die Verzweiflung zuzulassen.

Wie schon so viele Stunden und Tage zuvor betrachtete ich also wieder den Arsch von Alexandra, wie er sich im Rhythmus ihrer Schritte wog. Sich wog, wie die Wellen des Meeres, deren Rauschen mich auch schon so viele Kilometer von meinem Elend abgelenkt hatten, und ich begann, mich in eine ferne Welt zu träumen.

Einen Gedanken an meine Heimat konnte ich mir nicht erlauben, ich wäre innerlich zusammengebrochen, und genau das konnte ich mir genau jetzt nicht erlauben. Deswegen träumte ich von einer fernen Welt jenseits des Ozeans, jenseits der Wellen. So ging ich und träumte, und ging   ….   und ging  …. 

Erst durch den schlechter werdenden Belag unter meinen Füßen wurde ich aus meinen Phantasien gerissen. Mir war gar nicht aufgefallen, dass wir nicht nur am städtischen Marktplatz vorbei gegangen waren, sondern fast bis ans andere Ende des Ortes.

Ich begann, mich vorsichtig umzuschauen, suchte nach einer Orientierung, nicht nur räumlich. Nun hatte ich mich irgendwie damit abgefunden, wollte bei aller Angst auch das positive sehen, nämlich endlich eine Klarheit zu haben.

 

Und jetzt? Sollten wir erst in einigen Tagen verkauft werden, oder erst in der nächsten Stadt? Oder waren wir gar schon verkauft, an einen Händler, der etwas gesagt hatte wie: ’Komm, ich mach dir ein Angebot für alle’. Schlagartig pochte mein Herz meine Ängste wieder in den Schädel.

Bitte, bitte lass es keinen Puffbetreiber sein. Wenn ich bei dem Gedanken an tausend unbekannte und ungewaschene Hände schon in blanke Panik verfalle, wie soll ich dort als Hure zum Gebrauch für einen jeden auch nur einen einzigen Tag überstehen.

 

Fast in völliger Leere lief ich weiter, versuchte durch das Zählen der Schritte die Verzweiflung zu übertönen.

 

Gefangen, versklavt, seit Wochen nackt und jeder Menschlichkeit vorenthalten, wurde eine leere Hülle durch den Ort geführt präsentiert, vielleicht völlig umsonst, weil ich schon verkauft war: und der Allgemeinheit noch nicht einmal mehr eines Blickes würdig …. ,   niedriger geht’s nicht mehr  ….

 

…   niedriger geht’s nicht mehr   ???

 

….  und ob das noch geht  …   wenigstens gefühlt!

Ich weiß nicht wirklich, was ich erwartet habe.  Aber irgendwie hatte ich doch ein Bild vor Augen.

Ich weiß, dass meinen Phantasien über den Ort, an dem wir an den Meistbietenden verschachert werden sollen, keinerlei Erfahrung zugrunde liegt.

Aber so etwas?

 

Ich hatte wenigstens eine Art Bühne erwartet, vor Wind und Wetter geschützt, also überdacht, mit einem gemauerten Podest, auf dem wir einer ehrenwerten Kundschaft präsentiert würden.

Käufern, die ebenfalls überdacht sitzen konnten, in mehreren Reihen bequem sitzen, und uns schon erwartungsvoll betrachteten, während wir die Treppe zur Verkaufstribüne hinauf geführt wurden. Schließlich ging es um meine Zukunft, und schließlich war ich, wenn auch in einem anderen Land, eine Adelige.

Innerlich meinte ich mich mit dem Dasein als Gegenstand abgefunden zu haben, aber dann doch wenigstens ein Wertgegenstand. Eine Pretiose, die den Interessenten in einem gebührenden Ambiente dargeboten wird.

 

Aber so etwas?

Nein, das hatte ich nie erwartet.

Wir Sklaven werden nicht auf diesem stilvollen Platz im Zentrum angeboten. Nein, wir sind es nicht einmal wert, dass alle an unserem Schicksal teilhaben.

Wir wechseln, möglichst unbeachtet, fast wieder außerhalb des Ortes den Besitzer. Der fette Speck eines geschlachteten Schweins und das Fell einer stinkenden Ziege, dessen penetranter Geruch seine Herkunft nicht verleugnen kann, werden an einem edleren Ort gehandelt als ich!

 

Dieser Platz, auf den wir zusteuerten, ist noch nicht einmal ein anständiger Platz, er ist eher als Verkaufsstelle zu bezeichnen, und die sprachliche Ähnlichkeit zu ’Ställe’ war bei dem Anblick unvermeidbar.

Ein modriges altes Bretterpodest, davor eine geschotterte Fläche, auf der wohl später die Bieter stehen würden. Hier und da noch Wasser in kleinen Pfützen. Nach rechts und links sind jeweils zwei Fußwege ebenfalls mit Schotter angefüllt und damit ein wenig befestigt.

 

’Haussklavinnen’ wurden hinten links an eine Wand geführt, Männer nach rechts, die anderen Frauen gingen links den ersten Weg und begannen, den Raum zwischen den kleinen Pfaden aufzufüllen.

Erst zu dem Zeitpunkt konnte ich sehen, dass sowohl die Männer, als auch die Frauen, die für die Felder vorgesehen waren, nicht an ihren Halseisen miteinander verbunden waren. Jeweils der linke Fuß liegt in einer Schelle, an der sie alle mit einer Kette verbunden sind.

Als ich die wundgescheuerten Gelenke sah, kam mir die Verbindung zwischen uns von Hals zu Hals wie die reinste Barmherzigkeit vor.

Kein Hängenbleiben der Glieder an einem Stein oder Gestrüpp, kein stetiges Anziehen des nach dem Schritt am Boden ruhig liegenden Eisens, das dann das Metall um die Fesseln scheuern lässt; keine Notwendigkeit, sich mit irgendwem auf einen Gleichschritt einzustellen.

Nein, unsere Verbindungskette hing mal mehr, mal weniger durch, bewegte sich beständig in unserem Tempo mit. Jetzt, da sie gelöst war und wir an der Mauer hinter uns fixiert waren, kam mir die Art, in der wir den Weg laufen mussten, beinahe als der pure Luxus vor.

 

Es stehen heute gottlob nur wenige Sklavinnen zum Verkauf, mir direkt gegenüber standen sie mit dem Rücken zu mir. Erst viel weiter rechts standen sie mit dem Gesicht in unsere Richtung, eine ungemeine Erleichterung für mein wieder einmal aus den Tiefen gewecktes und emporkommendes Mitgefühl.

Ich musste also keiner direkt in die Augen sehen. Entscheidender war: keine konnte mir direkt in die Augen sehen. Keine konnte mich vorwurfsvoll fragen: ’Warum? Ihr seid doch die, die sie ficken wollen und an uns haben sie sich vergangen. Warum? Warum habt ihr es soviel besser als wir?’

 

Ja, sie haben mich zum Ficken vorgesehen und in ein Land verschleppt, in dem es ein weit höheres Gut ist, einen wohlhabenden Mann zu einem Steifen zu reizen, und ihn dann zu entspannen, als produktive Arbeit zu verrichten. Noch weitaus schlimmer: es war ja nun nicht so, dass die einfacheren Sklavinnen nicht gefickt würden.

Die allabendliche Geräuschkulisse zeugte doch unüberhörbar davon, dass auch sie benutzt wurden, dass sie vom einfacheren Volk benutzt wurden. Es wäre naiv zu glauben, dass die Aufseher auf den Feldern ihre Triebe zukünftig nicht an ihnen ausleben würden.

Ich versuchte, die Körper zu betrachten. Wen hatten sie sich abends gegriffen, wessen Schreie hatte ich gehört, wessen Schreie hatte ich mich bemüht, zu überhören, wessen Schreie waren langsam verstummt? Wer würde auch in Zukunft doppelt zu leiden haben?

Ihr direkter Blick blieb mir glücklicherweise erspart, ich hätte ihn nur schwer ertragen.

 

Wie bereits erwähnt, es hatte vor kurzem geregnet. Das Wasser war hier auf diesem zertretenen Rasen natürlich nicht abgeflossen. Im Gegenteil: von den durch Schotter leicht erhöhten Fußwegen war es noch zusätzlich in die bei Trockenheit kaum wahrnehmbare Senke geflossen. Wir standen also mit den Füßen vollends im Matsch.

Diejenigen, die dicke Rippe und Gänseschmalz kaufen wollten, konnten dies trockenen Fußes auf einem mit edlen Mosaiken gepflasterten Platz bewerkstelligen. Nur wir, die Sklavinnen, standen im Schlamm; ebenso die, die sich für uns interessierten, durften sich folglich auch nicht von ein wenig Dreck abschrecken lassen. Fast jeder hier im Ort profitiert auf die ein oder andere Weise vom Sklavenhandel, aber Respekt? Für keinen der Beteiligten.

 

Nun stand ich im Dreck, fühlte mich wie Dreck, aber damit noch nicht genug: es begannen  augenblicklich einige Personen, mich, nach ihren Kriterien zu beurteilen. Schnell kristallisierten sich drei Gruppen heraus:

 

Die professionellen Händler verließen sich bei der Begutachtung für heute auf ihre Erfahrung, sie gingen nicht zu uns in den Schmutz, taxierten uns nur aus der Entfernung, gaben hier und da Direktiven, was sie noch zu sehen wünschten und wie ich mich ihnen zu präsentieren hatte, stellten auch mal eine Frage und machten sich dabei ihre Notizen.

 

Die zweite Fraktion bildeten diejenigen, die überhaupt kein echtes Kaufinteresse hatten. Zum einen gab es da Männergrüppchen, die ihre Lust am Spannen als Freizeitbeschäftigung auslebten, und aus dem Trockenen heraus immer mal wieder trockene und abschätzige Bemerkungen machten.

„Die käme mir nicht ins Haus, die Titten sind nun wirklich viel zu klein“, „und einen anständigen Arsch hat die auch nicht, aber mal sehen.“ „Kleine, zeig uns mal, was du deinem Herrn so bieten wirst.“ So gingen sie lachend von einer zur anderen und fanden selbst an den schönsten Frauen noch etwas zu bemäkeln.    

„Das sieht aber soweit noch schön aus.“ „Die Lippen etwas schmal“ „Welche meinst du?“ *Gelächter* „Hast recht, beide“ „Aber mit der Erziehung wird jemand noch ein gutes Stück Arbeit haben.“ „Hier kommen ja auch immer nur die Frischen an“ „Vielleicht kommt das kleine Ding ja gleich in die Hände von Profis, dann wird ihr Herr später nicht mal mehr den Bruchteil einer Sekunde warten müssen, bis sie macht, was er sagt.“ „Ja, ja, aber die richtig gute Ware wird auch dann wieder nur in der Hauptstadt angeboten“ „Aber dann auch zu ganz anderen Preisen“

 

Zur zweiten Gruppe gehörten auch die wirklich Widerlichen. Die, denen jeder Schmutz egal war. Ich fühlte mich dreckig, sie waren dreckig. Menschen, denen anzusehen war, dass sich im normalen Leben niemals eine vernünftige Frau von ihnen anfassen ließe, genossen es, hier Befehle geben zu können. Befehle, die nicht wie sonst in der Bedeutungslosigkeit ihres eigenen Seins unbeachtet verhallten.

Kommandos, die Arme hinter dem Kopf zu verschränken, um ihnen den Griff an die Brüste zu erleichtern, Anordnungen, die Beine zu spreizen, um ihnen die Möglichkeit zu eröffnen, mit ihren schmierigen Finger an Orte zu gelangen, die ihnen im normalen Leben versagt blieben.

Ihr nervöses und zittriges Abtasten der Möse bekundete, dass sie auch nicht wirklich etwas mit der Weiblichkeit anzufangen wussten. Gott sei Dank waren diese Penner so dermaßen unbeholfen, dass keiner von ihnen bemerkt hatte, dass auch meinem Körper das andere Geschlecht noch fremd war.

 

Die Anweisungen, sich nach vorn zu beugen, dem Pack den Hintereingang zeigend, nachdem sie bei einer ‚Alibibetrachtungen’ meines Gesichtes ihr Desinteresse eben daran nicht überspielen konnten.

Niemals im Leben hätte ich mir vorstellen können, mich unsauberer zu fühlen, nachdem mir jemand mit der Hand durch die Arschspalte gestrichen hatte. Aber so etwas ist tatsächlich möglich. Egal wie schäbig man sich bereits fühlt, es geht immer noch schlimmer.

Und das Ganze mit der größten Selbstverständlichkeit erdulden, die schmierigen Finger auf der Haut, auf meinem ganzen Körper, und angedeutet auch in meinem Körper, ekelhaft.

Diese Gestalten würden sich wohl zu keiner Zeit in ihrem Leben je eine Sklavin leisten können, aber ein Puff Besuch? Das könnte wohl drin sein. Und wenn mich hier die unbeholfenen Berührungen schon fast zum Kotzen brachten?   Ich wollte es mir gar nicht weiter vorstellen.

Atmen, einfach ruhig atmen. Mein Herz schlug dennoch wieder so kräftig, dass es bald den Kopf zum Platzen brachte. Atmen, ruhig atmen. Es gelang mir langsam, alles auszublenden, wie in Trance ließ ich das Getatsche über mich ergehen, überwand den Ekel.

 

Der Letzten in unserer Reihe war eine derartige emotionale Abwesenheit nicht vergönnt, sie zögerte bei der Befolgung der Anordnungen. Viel zu spät bemerkte sie, dass einer der Wächter sich von der Wand, an die er sich gelehnt hatte, abdrückte und in Bewegung setzte.

Da wäre sie besser aufmerksamer gewesen, unvermittelt traf sie der Hieb der Peitsche des Aufsehers. Auch der wollte scheinbar nicht in den Matsch, sonst wäre er eventuell so gnädig gewesen, sein Missfallen mit der Gerte zum Ausdruck zu bringen.

Der gellende Schrei dürfte kaum der letzte ihres Lebens gewesen sein. Selbst mich reizte der rote Striemen, der sich schnell zeigte, forderte nach mehr, schrie förmlich jeden an, nicht so einsam bleiben zu müssen.

’Und gib niemals einen Anlass, dass man dich während des Verkaufs oder kurz davor züchtigen muss’, schoss mir blitzartig wieder in den Kopf, beflügelte augenblicklich die Fähigkeit, mich selbst dem Abschaum gegenüber noch unterwürfiger zu verhalten.

Dieses Gesocks musste ich nun mal über mich ergehen lassen, es blieb mir nur, inständig zu hoffen und zu beten, sie würden mit meinem weiteren Leben nur marginal in Verbindung stehen.

 

Das war bei der dritten Gruppe schon wieder ganz anders, das waren die Privatpersonen, die aus unterschiedlichen Gründen eine Sklavin suchten:

Da waren erst einmal die zwei Frauen, die nicht so sehr am Aussehen interessiert waren, sondern vom Weg aus Fragen stellten. Fragen, die erkennen ließen, dass es ihnen um die anständige Betreuung und Unterrichtung ihres Nachwuchses ging. Das war meine Chance!

Mein Vater hatte immer auf eine breit gefächerte Bildung wert gelegt. Oft hatte ich ihn dafür verflucht, aber jetzt könnte es sich zu meinem Vorteil auszahlen. Meine fundierten und klugen Antworten gefielen. Und das erste Mal im Leben wünschte ich mir, nicht begehrenswert schön für Männer zu sein.

 

Dann war da das Paar, welches uns ebenso nur aus dem Trockenen heraus betrachtete. Bei dem deutlich zu spüren war, dass sie nicht in den Schmutz wollte, aber auch gleichzeitig nicht wollte, dass er Hand an uns legte.

Das Paar ist sich offensichtlich nicht im Klaren und noch weniger darüber einig, was es will? Und von dem ich erst recht nicht weiß, was ich zu erwarten habe. Das würde mehr als schwierig werden.

 

Außerdem begutachtete uns noch die tolle, nicht wenig verrucht aussehende Frau in aufregendem schwarz, bei der mir nicht klar war, ob sie ein Geschenk für ihren unersättlichen Mann sucht? Oder eine Bedienungsdirne für ihre abendlichen Gesellschaften?

So wie die auftrat, nein, die suchte nicht für ihren Mann. Die sucht eine virtuose Zunge für sich selbst. Eine Zunge, die das vollendet, was ihr Liebhaber eventuell begonnen hat. Und vielleicht auch eine Alternative für lästige Verehrer, die sie weder abweisen, noch entzücken will.

 

Des Weiteren zeigte auch ein älterer Mann ein echtes Interesse, auch seine Inaugenscheinnahme fiel etwas aus dem Rahmen. Denn die führte nicht er, sondern eine Sklavin durch, die er dafür mit gebracht hatte. Diese Sklavin zog ihre Schuhe aus, ließ sie am Wegesrand stehen und kam wie naturgesetzlich statt ihres Herrn zu uns in den Matsch.

Eine wunderschöne Frau. Sie strahlte so dermaßen Schönheit und Stolz aus, den beneidenswerten Stolz, eine schöne Frau zu sein, trotz dessen, dass das schwere und rötlich glänzende Metall um ihren Hals sie für Jedermann weithin sichtbar als Sklavin ausweist.

„Sie ist nicht genau das, was wir noch suchen, kommt dem aber bei dem heutigen Angebot am nächsten. Die Körpergröße passt, die Brüste etwas zu klein, aber dafür stramm und fest, genauso wie der knackige Hintern und ihre Beine. Die Haare, nichts besonderes, Straßenköter-farben halt, aber eine schöne Struktur“, berichtete sie ihrem Herrn nach hinten.

Dass ich ihre Worte auch hören konnte, was sie in mir auslösten, es schien weiterhin keinerlei Rolle zu spielen. „Also irgendwie in allem ein wenig durchschnittlich, nicht besonders groß oder klein, weder außergewöhnlich weiblich, noch extrem schlank, und ihre Haut nicht auffallend hell oder dunkel. Aber sie ist rein, das Gebiss symmetrisch und gesund, sie scheint nicht erkennbar unter irgendwelchen Krankheiten zu leiden.

Das Gesicht ist nicht durchschnittlich, das ist wirklich schön.“ Mir kam es so vor, als meinte sie, sie müsse nach der Beschreibung von so viel Alltäglichkeit noch irgendetwas Gutes an mir finden. „Geht doch, mein Kätzchen. Du kannst ruhig öfter lächeln, dann hast du einen gewinnenden Ausdruck, damit wirst du dir noch so manch einen Vorteil einheimsen können. Und wenn du mit dem Mund nicht nur schön lächelst und dein Kätzchen gut trainierst und auch richtig einzusetzen weißt, dann muss dein Leben hier gar nicht so schlecht verlaufen.“

 

Von den kleinen Nettigkeiten oben zu den Intimitäten unten, zur Untersuchung meiner Möse, „oh la la, mein Täubchen, mit dem süßen Geheimnis habe ich bei dir ja überhaupt nicht mehr gerechnet“, scherzte sie überrascht, nachdem sie sich wieder erhoben hatte.

„Sie hat eine schöne kleine Möse, da verspricht das Ficken zum reinen Vergnügen zu werden“, sagte sie unhörbar für Dritte zu ihrem Herrn. Drehte sich wieder zu mir und schmunzelte mich süffisant an.                               

„Auch für dich, Kleine, wird es ein Vergnügen sein können, wenn du das willst. Das wirst auch du schon sehr bald kennen lernen, und wenn du dich nicht sperrst“, sagte sie mir fast stimmlos ins Ohr, „sondern darauf einlässt, wird es auch für dich zu einem echten Wohlgefühl werden können.

 

Eine Bombe platzte schlagartig in meinem Kopf. Nicht nur, weil jemand um meine Intimsphäre wusste, sondern mir auch ganz ungeniert und offen prophezeite, dass das in Kürze Geschichte sein werde.       

Die Einkäufer, die in größerem Stil suchten, haben bei meinem nicht mehr mädchenhaften Alter nicht damit gerechnet, noch eine Jungfrau vor sich zu haben. Ich konnte froh darüber sein, dass nicht die gesamte Bieterschaft um diesen Umstand wusste. Gern hätte ich für ihr Schweigen ‚Danke’ gesagt, ließ es besser, provozierte ich damit nur breite Neugierde.

„Na, na Kleine, dafür brauchst du dich doch nicht schämen, das lernst du ganz, ganz schnell. Das schnell zu lernen liegt in der Natur der Sache, und es ist nun mal unser Leben und unser Schicksal“, flüsterte sie mir zu. Und das war das erste Mal, dass es mir nicht wie das Ende meines Lebens vorkam, wenn ein unbekannter Mann als mein neuer Besitzer mich fickte.

Eine Sklavin lächelte eine andere an, die erste warme Gefühlsregung seit langem, unweigerlich lächelte ich zurück, auch wenn die Situation das eigentlich nicht hergab. ‚Das Ficken meiner Möse wird zum reinen Vergnügen werden’, so hatte sie gerade meine Zukunft beschrieben, und trotzdem war es das Menschlichste seit langer Zeit.

„Ich bleibe dabei, sie hat ein hübsches Gesicht und ein süßes Lachen, und scheint nicht ständig rebellisch nach der Peitsche zu rufen“, sagt sie immer noch freundlich in meine Richtung, obwohl der Adressat hinter ihr steht. Selbst, nachdem sie zur Nächsten weitergegangen sind, schauten beide noch einmal zu mir zurück, unabhängig voneinander. Vielleicht ein gutes Zeichen.

 

Zu guter Letzt gab es da noch den auf den ersten Blick sympathischeren Herrn, den ich vielleicht sogar noch würde umgarnen können? Ich vermutete, er wird sich heute seine erste Sklavin kaufen, er ist noch vergleichsweise jung, steht noch voll im Saft.

Er würde seinen Kauf oft ficken, wahrscheinlich eher sehr oft, und das auch wohl schon direkt nach der Auktion. Aber dennoch, seine Vorliebe galt eher dem Aussehen und der Erscheinung des Gesamtbildes als dem Habitus einzelner Öffnungen.

 

 

Bald kam dann auch niemand mehr, der uns ansehen wollte, das Publikum sortierte sich langsam in lockerer Ordnung auf Platz vor dem kleinen Brettergerüst. Nun ging es los, die erste Sklavin wurde die knarrende Stiege hoch geführt.

Wie immer beginnt eine Versteigerung mit den ’Haussklavinnen’, sollten nicht genügend zur Verfügung stehen, so soll schon manch einer, der etwas zum Ficken suchte, bei denen zugeschlagen haben, die die Fänger eigentlich für die Plantagen vorgesehen hatten. Anatomisch fehlt ihnen ja nichts.

 

Angst, blanke Angst kam wieder in mir hoch, als ich die Stufen zum Abgrund empor ging. Nicht nur Angst, eher schon eine ausgewachsene Panik. ’Bitte, liebe Göttin der Sklavinnen, lass mich die Erziehung der Kinder übernehmen.’ Jetzt muss ich einfach Haltung bewahren.

Die ersten von uns sind verkauft, nun stehe ich hier oben auf dem kleinen Podest, höre die Gebote für mich, voller Ungewissheit, wer mich gleich ’sein Eigen’ nennen wird. Mit weichen Knien, wie lange es nach dem Hammerschlag dauern wird, bis er über mich herfällt, wie lange meine Unschuld noch Bestand haben wird.

Und trotzdem ist irgendwo tief in mir ist mit jedem neuen Gebot ein leichtes Frohlocken und eine freudige Genugtuung zu vernehmen. Nicht nur, weil ich nicht so weit hinter Alexandra zurückstehen möchte.

Nein, es gilt immer noch: ich muss mich gut präsentieren, ich muss möglichst viel Geld kosten. Denn je teurer ich werde, desto reicher wird wohl mein Käufer sein, und je wohlhabender mein Eigentümer ist, desto angenehmer könnte mein weiteres Leben werden.

 

Der Auktionator beschreibt meinen Körper jetzt in allen Einzelheiten auf eine widerliche Art und Weise. Es ist zwar mein Körper, den ich immer gemocht habe, mal ein wenig mehr, auch mal etwas weniger.

Aber tief in mir war ich immer stolz auf ihn. Doch so, wie er jetzt hier angepriesen wird, schaudert es mich bald vor mir selbst. Meine Größe habe ich noch bei vollem Bewusstsein wahrgenommen, fünf Fuß sieben Zoll seien nicht sonderlich groß, aber durchaus ansprechend.

Doch schon bei der Schilderung von Gewicht und Figur dazu versuche ich, jedes Hören und Empfinden auszublenden.    „…  recht schlank  …“, höre ich noch, dann schaffe ich es, meine Wahrnehmung zu ignorieren, nur noch in die Menge zu lächeln.

 

Nach einer unbestimmten Zeit des Dämmerzustands weckt er mich leider wieder aus meiner Lethargie. Es scheint es ihm eine besondere Freude zu bereiten, jede einzelne von uns zu demütigen.

So stellt er sich dicht hinter mich, fasst mit seinen ekeligen feuchten Pranken unter meine Brüste, betont, dass sie nicht allzu groß geraten seien, dennoch gäbe es ja unterschiedliche Geschmäcker, folglich auch Liebhaber, die exakt solche Titten mögen.

„Und, meine Damen und Herren, die Vorteile dieser Größe werden sich im Laufe der Zeit noch deutlich zeigen und sie werden sie schätzen lernen, diese Sklavin hier ist also eher was für den langfristigen Nutzer“, schäkert er zum Publikum.

 

Dass meine Brustwarzen ausgesprochen schön seien, man sie hervorragend zwirbeln könne, was er sofort auch allen mit seinen fettigen Griffeln öffentlich demonstriert: „Sehen sie, verehrte Damen und Herren, im Gegensatz zu den Titten selbst sind ihre Warzen gar nicht so klein. Wenn man sie dann noch ein wenig aus ihrem Versteck gelockt hat? Ja, sie können es bereits erahnen, ein wenig Training, und diese herrlichen Knospen ersetzen ihnen bald ihren Handtuchhalter, wenn sie duschen.“

Mit diesem flachen Witz über meine etwas zu flachen Titten bringt er die gesamten Zuschauer kurzerhand zum Lachen. Widerlich, und nur anstrengend, diese schmierigen Pfoten nicht sofort weg zu schlagen.

„Stellen sie sich doch mal vor, wenn diese Sklavin ihnen nach dem Bad das Essen serviert und diese kleinen Beulen unter einem dünnen Kleidchen fordernd auf und ab wippen. Oh, ich kann ihnen prophezeien, es wird viele Abende geben, an denen sie nicht die Stärke aufbringen werden, sich erst zu stärken.“

Ich bin mit Sicherheit rot im Gesicht, welchen Anteil dabei die Scham einnimmt und was von der Wut initiiert ist, die die Selbstverständlichkeit in mir auslöst, mich öffentlich intim anfassen lassen zu müssen, es gerät zu schnell zur Nebensächlichkeit.

 

„Damit wären wir auch bei den wesentlichen Dingen angelangt.“ Zu dem Satz zwängt er einen seiner Füße zwischen die meinen und tippt sie an „los, Beine auseinander, die Herrschaften wollen und müssen schließlich alles sehen können.“ Viel zu langsam öffne ich für seinen Geschmack meine Beine, „das muss aber schneller gehen“, immerhin hat er schon so viel Spielraum, dass er mit seinem Fuß innen gegen meinen treten kann, was die Prozedur enorm beschleunigt.

„Nun nimm mal deine Hände und öffne für das ehrwürdige Publikum deine Heiligtümer!“ Wenn ich eben von Peinlichkeit gesprochen habe,  …  das war noch nichts gegen den Blick in die Runde der Interessierten, während ich mit meinen Händen meine Möse freilege und der öffentlichen Begutachtung preisgebe. Demütigender geht es nicht!

„Meine Damen und Herren, diese schöne Fotze kann gleich ihnen gehören, wir sind mit den Geboten ja noch lange nicht am Ende“, beschreibt der speckige Auktionator die Situation.

Ich dagegen fühle die Notwendigkeit, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Ich muss die, von denen ich mir ein nicht allzu schweres Leben erhoffe, durch meine Gesten davon überzeugen, dass ich die  richtige Sklavin für sie bin.

So stehe ich da, wage es nicht, mich zu bewegen, nur zu frisch ist die Erinnerung an die Peitsche und den Striemen bei der Leidensgefährtin. Vor allen Dingen aber die Angst vor einer Züchtigung, die an dieser Stelle unmittelbare Auswirkungen auf mein Leben haben würde.

 

Der Auktionator steht inzwischen mit dem Rücken zu mir, den Bietern zugewandt und nimmt deren Offerten entgegen. Auch ich blicke begierig in die Menge, sehe, wer sich für mich interessiert.

Die zwei Frauen bieten mit, der junge Mann, ein Mann mit Glatze, der niemanden von uns je ernsthaft angesehen hat, aber bei jeder bis zu einem gewissen Betrag mit geht. Das Pärchen und die Frau in schwarz sind ebenfalls dabei.

Auch der Herr mit seiner Sklavin, der eben schon Alexandra gekauft hat, bietet auch für mich weiter mit. So unterschiedlich, wie wir sind, scheint es, als wolle er ein Spektrum der Vorlieben abdecken. Ein schlechtes Zeichen, zumal er schon von einer Sklavin begleitet wird.

Also doch ein Zuhälter. ’Da verspricht das Ficken zum reinen Vergnügen zu werden’; ja, für Kunden! Wie konnte ich mich nur so täuschen. Aber wenn ein Mensch nur noch Sache ist und nicht einmal mehr den Wert hat, ein ehrliches Wort zu hören, so verkümmert auf die Dauer jegliches menschliche Gefühl, auch jedes Korrektiv der Wahrnehmung.

Während der Gebote beäuge ich also verstohlen die Schar der Bieter. Jetzt, mit weit geöffneter Möse, gelingt es mir nicht mehr, ihnen in die Augen zu sehen, obwohl ich es gerade bei den beiden Frauen mit aller Kraft versuche. Nur bei dieser Sklavin kann ich den Blick halten, versuche alle Enttäuschung des Lebens auf sie abzuladen.

 

Meine gesamten Hoffnungen lege ich jetzt endgültig in die beiden Frauen, aber gerade für ihre Zwecke ist die Stellung, in der ich mich derzeit präsentiere, nicht unbedingt förderlich.

Um dem noch die Krone aufzusetzen, dreht sich der Auktionator um, „schauen sie sich diese schöne Fotze noch mal genau an …“   Einer auffällig gespielten Überraschung folgt eine aufgesetzte Entschuldigung „verehrte Herrschaften, sie müssen verzeihen, sie können ja kaum was sehen.“

Daraufhin greift er in meine Haare und dreht mich um. „Nach vorn beugen, die Hände hinter den Arsch und die Backen und die Fotze auseinander ziehen!“ Ich schäme mich fast kaum noch, meinen Arsch und meine Möse auf diese Weise bloßzustellen.

In dieser Situation macht sich das Gewicht des metallenen Sklavenzeichens besonders unangenehm bemerkbar. Denn um den Körperschwerpunkt über den Füßen zu behalten, muss ich tiefer in die Knie gehen und den Arsch noch provokanter nach hinten strecken.

 

Für einen jeden Menschen wäre es demütigend, sich so feilzubieten. Das ist es auch für Sklaven, das ist aber nicht das vorrangige Problem. Ich habe in erster Linie andere Sorgen. Als gebildete Betreuerin für Kinder möchte ich von zwei Frauen ersteigert werden, und was biete ich dar? Meine Ficköffnungen für die Lust der Männer.            

Meine ängstlichen Gedanken kreisen daher allein um die Auswirkungen, die meine derzeitige Präsentation auf die beiden Frauen hat. Ich weiß nicht, ob ich mir wünschen soll, dass sie das von vielen früheren Versteigerungen kennen. Das hieße gleichzeitig, dass ihre Sklavinnen nicht lange bei ihnen bleiben.

Oder ob sie so etwas zum ersten Mal erleben. Dann allerdings fühle ich jede Hoffnung schwinden, dass der Arsch, so wie ich jetzt dem Publikum als Anblick zumute, für die Kindererziehung eine tragende Rolle spielen und honoriert werden könnte.

 

Die Gebote kommen schlagartig schneller. Es wird wahrscheinlich nur daran liegen, dass die erfahrenen Händler spüren, dass sich die Preisfindung für mich dem Ende nähert. Das sagt mir die Vernunft.

Das Gefühl sagt was anderes: Jetzt, wo ich dem Publikum meinen Arsch und meine Möse entgegenstrecke, steigt für sie mein Wert? Auf diese Art und Weise wollen sie mir noch einmal nachdrücklich vor Augen führen, dass ich für sie kein echter Mensch mehr bin.

 

Der Auktionator macht das ja nun nicht zum ersten Mal, der kennt das hiesige Publikum, weiß, was ihnen wichtig ist, weiß was wer den Bietern zeigen und betonen muss, um diese zu ködern.

Bei Alexandra hob er eben unter anderem die Titten, ihren Arsch und die schlanke Silhouette dazwischen hervor. Sie musste auch kurz ihre Möse zeigen, ansonsten drehte sie sich und zeigte ihre Rundungen.

 

Mit diesen Attributen kann ich nicht punkten. Das bräuchte ich auch nicht, dürfte ich mich noch auf die Träume einlassen, abends Kinder ins Bett zu bringen, ihnen morgens das Frühstück zu bereiten und des Tags die vielen noch so nervigen Fragen zu beantworten, die eine Kinderseele umtreibt.

Diese Fähigkeiten und mein anmutiges Erscheinungsbild scheinen nicht meine wesentlichen Merkmale zu sein, von denen der Auktionator ausgeht, dass sie ihm den Säckel füllen.

Noch vor wenigen Minuten habe ich mich über jedes Gebot gefreut. Jetzt, da ich mich derart präsentiere, weiß mein Verstand immer noch, dass ich mich freuen muss. Aber ich fühle mich dabei scheiße, wie Scheiße.

 

Schon allein aus dem Grund fühle ich mich kotzübel, weil ich bei der Haltung nicht einmal mehr sehen kann, wer mein zukünftiger Besitzer sein wird.

Ich versuche, die Richtung, in der der Auktionator die Gebote bestätigt, mit meiner Erinnerung abzugleichen, wer in der Richtung steht und schon mal die Hand gehoben hat, als ich noch in die Menge sehen konnte.

 

Die Frau in Schwarz bietet, dann die Glatze, ein Gebot aus der Ecke der professionellen Händler, die beiden Frauen, der Zuhälter, der junge Mann, der Zuhälter, …. schnell klettern jetzt die Beträge, … der junge Mann, das Pärchen, … dann noch ein Gebot, und ich bekomme die Richtung nicht einmal mehr richtig sortiert, … eventuell die Frau in Schwarz, kann aber auch einer der Händler sein, dann vielleicht der junge Mann, oder aber auch der Zuhälter, sie stehen nicht weit auseinander, … ich versuche es weiter, aber innerlich gebe ich auf …

 

Und mit dem Aufgeben gewinnen die übelsten Ängste in mir die Oberhand. Die schrecklichsten Bilder nehmen meine Gedanken gefangen: einer der Einkäufer der lokalen Sklavenschulen?

Einer der Händler, die hier ihren Bedarf für die Freudenhäuser decken? Ein Sadist? Ich will mir keine Gedanken machen, welche der Visionen die Schlimmste sein wird. Ich will mir gar keine Gedanken darüber machen, aber ich mache es natürlich.

 

Ich habe Angst zum in die Hose scheißen, und ein kleines Gefühl der Ironie bringt meine Mundwinkel zitternd leicht nach oben, denn: das kann ich ja gar nicht, denn ich habe nun mal keine an. Dieses bisschen Ironie hilft mir, nicht zusammen zu brechen.

Und so stehe ich hier weiterhin, vornüber gebeugt, meine Arschbacken auseinander ziehend, den Blick auf meine Rosette und die Möse freigebend. Nur noch vereinzelte Gebote, der Auktionator preist noch mal meine Vorzüge, irgendwann fallen ihm auch keine mehr ein, und dann … nur noch Stille  

…  von außen dringt nichts mehr an mein Ohr  …   innen,  innen in mir tobt es  

…  außen  …  Stille  …

 

„ … und zum dritten!“

 

Das war’s!  Ich bin verkauft! 

 

 

 

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