Beziehungsarbeit (1)

"Klappentext"

Daniela hatte es nie leicht in ihrem Leben gehabt. Dann trifft sie ihren Traumprinzen. Und dieser hat keine andere Wahl ...

 

Kennenlernen

Markus: Ich hatte Daniela zum ersten Mal bei meinem Aufenthalt in der psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses getroffen. Mein Leben war zu diesem Zeitpunkt ziemlich aus den Fugen geraten. Mein Hauptproblem lag in einer Zwangsstörung. Ich wusch mir, aus Angst vor Keimen, ständig die Hände, so dass diese stets rot und entzündet waren. Auch befürchtete ich, beim Verlassen einer Wohnung oder eines Gebäudes, elektronische Geräte angelassen zu haben, so dass ich viel Zeit darauf verwenden mussten, diese Geräte zu überprüfen. Für jemanden, der noch nie mit so einem Zwang zu tun gehabt hatte, erscheint ein solches Verhalten ziemlich absurd. Auch ich fand das, was ich machte, völlig übertrieben, aber dennoch konnte ich es nicht einfach lassen.

Aufgrund meiner Störung hatte ich leider auch den Kontakt zu meinen Mitstudenten verloren, was mich zu einem sehr einsamen Menschen machte.

Mein Name ist übrigens Markus, 21 Jahre, und ich war für mein Studium der Informatik mit so großen Hoffnungen in die neue Stadt gekommen. Das Studium hasste ich übrigens ebenfalls, da es mich völlig überforderte.

Auch Daniela war als Patientin hier. Ich lernte sie in einer der therapeutischen Gruppen kennen. Sie fiel äußerlich auf, da sie erstens sehr übergewichtig war und zweitens ständig mit einer Kopfbedeckung herumlief. Sie sagte, dass sie aufgrund einer sehr seltenen Stoffwechselstörung, ihre Haare verloren habe und an juckenden Ausschlägen leide. Aus irgendeinem Grund saßen wir sehr häufig zusammen, vielleicht, weil wir zu den wenigen Nichtrauchern gehörten. Als wir einmal unbeobachtet waren, zog sie ihre Mütze ab. Sie trug häufig Mützen; hauptsächlich eine Art eng anliegende Stoffkappe. Sie hatte tatsächlich eine Glatze, die von roten, teilweise verschorften Stellen bedeckt war. Diese stellten auch den Grund dafür dar, dass sie nur selten eine Perücke tragen konnte. Das wären für ihre Ausschläge einfach zu warm gewesen. Es fiel ihr sichtbar schwer, mir dies zu zeigen, aber ich beruhigte sie, indem ich ihr sagte, dass ich es nicht schlimm fände. Ein wenig geehrt fühlte ich mich tatsächlich. Ich konnte eigentlich nicht besonders gut mit Menschen umgehen, aber hier hatte tatsächlich eine Frau Vertrauen zu mir aufgebaut.

Daniela war nach einem Suizidversuch hierhergekommen. Sie hatte Tabletten genommen und sich die Handgelenke aufgeschnitten, dann aber doch noch den Notarzt gerufen. Ihre Geschichte, die ich nach und nach erfuhr, hatte auch nur wenig Anlass zur Hoffnung geboten.

Ihre Eltern waren beide Alkoholiker gewesen. Oft habe sie ihre Mutter völlig weggetreten auf der Couch vorgefunden. Ihr Vater habe nur wenig von ihr gehalten. Wenn er getrunken hatte, habe er sie regelmäßig gedemütigt. Hier war ein Teufelskreis entstanden. Wenn er sie wegen ihres Übergewichts beschimpft hatte, tröstete sie sich mit Essen, was er später wieder gegen sie verwendete. Als sie 13 Jahre alt war, verließ er die Familie. Als sie gerade 14 geworden war, verstarb ihr Bruder, zu dem sie immer einen guten Kontakt gehabt hatte. Mit 15 brach die Erkrankung aus. Sie beendete trotz dieser Belastungen die Schule und begann eine Ausbildung zur Bürokauffrau, die sie nach 2 Jahren abbrach. Mit ihren 24 Jahren hatte sie bereits resigniert und sich die letzten 5 Jahre, von staatlicher Unterstützung lebend, in ihre kleine Wohnung zurückgezogen.

Die Wochen vergingen. Ich selbst machte durch die Maßnahmen, welche in der Klinik angeboten worden waren, deutliche Fortschritte. Zumindest was meine Zwänge anging. Leider blieb mir insgesamt die Aussicht auf ein chaotischen Leben. Für die Probleme des Alltags hatte ich noch keine Lösungen gefunden. Ich würde wieder in mein Studentenappartement zurückkehren und einfach versuchen, etwas zu verändern, auch wenn ich keine Vorstellung davon hatte, wie dies funktionieren sollte.

Daniela dagegen schien nur wenig gegen ihre Traurigkeit ausrichten zu können. An einem der letzten Abende sagte ich ihr, dass mir wegen ihr das Herz blute und ich mir wünschen würde, ich könnte ihr irgendwie helfen. Daniela hatte mich danach nur angelächelt und dann meinen Arm gestreichelt. Mehr war an diesem Abend nicht geschehen.

 

Ein Plan wird umgesetzt

Daniela: Markus wurde nur zwei Tage vor mir entlassen. Ich musste bereits zu diesem Zeitpunkt ständig an ihn denken. Seit dem Tod meines Bruders war er der erste Mensch gewesen, der mich angenommen hatte, und mich so mochte, wie ich war. Sehr schnell hatte ich gemerkt, dass wir seelenverwandt sind. Aber es war noch nicht sicher, ob auch Markus dies bereits so wahrnahm. Mir war klar, dass er dies irgendwann erkennen würde. Wir gehörten zusammen. Und schon während des Klinikaufenthalts reifte in mir ein Plan heran.

Kurz nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus erhielt ich einen Anruf von ihm. Ich freute mich über alle Maße. Zum ersten Mal seit Monaten war meine Stimmung perfekt. Und ich sah darin eine Art von Bestätigung, dass ich den Plan umsetzen sollte. Ich wusste, dass Markus ein Auto hatte. Also bat ich ihn darum, etwas aus einem alten Lagerhaus abzuholen, wozu er sich auch sofort verpflichtete.

Er ist wirklich ein toller Mann und ein bisschen leid tat es mir, dass ich ihn am Anfang vielleicht etwas antun müsste, wozu er erst einmal nicht bereit sein würde. Aber ich selbst wusste, dass dies der richtige Weg sei, und er dies früher oder später auch so sehen würde.

Neben mir auf dem Sofa lag die Schrotflinte meines Vaters. Er hatte sie damals im Keller versteckt und nicht mitgenommen. Wahrscheinlich konnte er sich alkoholbedingt nicht daran erinnern, wo er sie gelassen hatte. Auch über 100 Schuss waren noch übriggeblieben. Ich würde entweder ein neues Leben mit Markus beginnen, oder unser beider Leben mit dieser Waffe beenden. Beim letzten Mal war ich wohl noch nicht bereit gewesen, die Waffe einzusetzen. Aber ich war auch davon überzeugt, dass es eine Art von Schicksal gab, das mir nach all den Problemen meinen Lebensweg in eine gute Richtung lenken würde.

Drei Tage später fuhren wir zu dem Lagerhaus. Es stand vor der Stadt zwischen den Feldern und war seit dem Konkurs der Firma, die es genutzt hatte, nur noch durch meine Mutter betreten worden, die hier ab und an nach dem Rechten sah. Sehr oft hatte ich sie dabei begleitet. Ich mochte die Stille, die in diese Lagerhaus herrschte. Wir hatten die Türen dabei mit Klebestreifen versehen, so dass wir immer genau wussten, ob ein bestimmter Bereich durch eine andere Person vor uns betreten worden war. Im Verlauf von über einem halben Jahr war keiner dieser Streifen je verletzt worden, so dass ich sicher sein konnte, dass die Chance, jemand könnte uns bei meinem Vorhaben überraschen, äußerst gering war. Auch hier vertraute ich auf das Schicksal. Sollte es mir gut gesonnen sein, so würde alles gut gelingen.

Markus ging voran. Ich schloss zwei Türen mit den Schlüsseln auf, die ich mir von meiner Mutter ausgeliehen hatte. Wir betraten einen mittelgroßen Raum. Markus ging nun vor mir ein paar Meter in diesen Raum hinein. Ab jetzt gab es für mich kein Zurück mehr. Aus einer Sporttasche zog ich die Schrotflinte und zielte auf Markus. Er riss erstaunt die Augen auf; ging, ohne ein Wort zu sagen noch etwas zurück. Ich schoss auf ein paar leere Kisten, um zu zeigen, dass meine Waffe keine Attrappe war. Mit trockenem Mund begann ich, so wie ich es unzählige Male durchgegangen war, Markus anzusprechen. „Ich liebe Dich, Markus. Ich weiß, wir sind füreinander bestimmt. Und das mag nun für Dich sehr bedrohlich wirken. Aber schon sehr bald wird alles einen Sinn ergeben. Wir schaffen das hier entweder gemeinsam oder wir kommen nicht mehr hier heraus. Bitte gehe zu dem Tisch dort drüben in der Ecke, schräg hinter Dir. Dort findest Du eine Fußschelle. Bitte lege sie Dir an.“ Markus folgte meinem Wunsch. Er fragte, was ich denn vorhätte und ich konnte die Aufregung in seiner Stimme erkennen.

„Gleich, gleich...“ sprach ich beruhigend auf ihn ein. Ich überzeugte mich, dass er die Schelle ordentlich verschloss. Und nun wirf Deine Jacke hinüber. Er warf seine Jacke mit der Brieftasche, den Schlüsseln und dem Handy in meine Richtung. Dann erst ließ ich die Flinte sinken.

Meiner Meinung nach ist es wichtig, immer genau zu erklären, was man vorhat. „Wir gehören zusammen. Das ist mir klar, seitdem ich Dich das erste Mal gesehen habe. Aber es ist auch wichtig, dass Du Dich auf die Beziehung einlässt. Und deshalb will ich, nur zur Sicherheit, dafür sorgen, dass Du Dich nicht von mir entfernst. Es ist jetzt entscheidend, dass Du Dich bemühst, alles genau so zu machen, wie ich es Dir sagen werde. Wir müssen das schaffen, um eine Zukunft zu haben ... eine gemeinsame Zukunft.“

Markus blickte auf die Schrotflinte in meinen Händen, dann nickte er. Er ist so tapfer.

„Wir werden nun ein paar Materialien produzieren, die besser nicht an die Öffentlichkeit kommen sollten. Diese werde ich in Umschläge packen und in einem Schließfach verstauen. Sollte mir etwas zustoßen, oder ich das Signal geben, so werden diese Umschläge an die richtigen Adressen versendet. Aber all das ist nur zur Vorsicht. Ich weiß, dass Du schon sehr bald erkennen wirst, dass ich die Richtige bin. Und nun los. Das wird übrigens ein festes Ritual werden. Wir werden dies jedes Jahr wiederholen, auch, um unser Kennenlernen zu feiern.“

Und dann begann es auch schon. Ich hatte bewusst die relativ harmlose Aktivität an den Anfang gestellt. Die belastendsten Aufnahmen und Dokumente würden dann zuletzt kommen.

Zunächst wies ich Markus an, sich auszuziehen. Es erschien mir zu gefährlich, ihn wieder loszuketten, daher erhielt er für seine Hose und die Unterhose eine Schere. Ich warf ihm einen knappen Lackslip und ein Brustgeschirr zu, dass er sich anziehen sollte. Man konnte gut erkennen, wie es in ihm arbeitete, aber er entschied sich dazu, auf mich zu hören.

Und mir gefiel, was ich sah. Er hatte noch ein bisschen zu viel auf den Rippen, aber das ließe sich bald ändern. Ich nahm schnell die Kamera und wies ihn an, welche Posen er einzunehmen hatte. „Den Hintern etwas raus strecken...ja, so ist es gut. Und lächle für mich...jetzt streichle Dir über die Brust...“ So schoss ich etwa 30 erotische Fotos, die man wohl kaum seinen Familienmitgliedern oder Arbeitskollegen zeigen könnte.

Und wie bereits gesagt, war dies erst der Anfang. Markus und ich drehten noch ein paar weitere Videos. Er las jeweils einen Kommentar von Zetteln ab, die ich ihm entgegenhielt, so dass es schien, als verträte er seine eigene Meinung. In einigen Videos hielt er hetzerische Reden, welche im schlimmsten Fall mit Gefängnis bestraft werden würden. Dann beleidigte er bekannte kriminelle Persönlichkeiten auf geradezu obszöne Weise. In den letzten Aufnahmen gestand er widerwärtige Verbrechen und Neigungen. Diese letzten Videos erzeugten bei mir einen starken inneren Widerstand, obwohl ich wusste, dass diese nur ausgedacht waren. Zwischen den Aufnahmen und danach gab ich ihm nach und nach Dokumente, die er zu unterschreiben hatte. Bei diesen handelte es sich um einen ganzen Stapel von leeren Blättern, auf denen ich nachträglich alles mögliche würde eintragen können. Aber es gab auch Schuldscheine, in die der Empfänger und die Summe frei blieben und die Zusagen, dass die Videos veröffentlicht werden dürften. Die Unterschriften überprüfte ich anhand seines Ausweises. Ich war dabei erstaunt, wie wenig sich Markus widersetzte. War er durch die Waffe in meiner Hand eingeschüchtert oder hatte er bereits erkannt, dass das, was wir hier machten nur zu seinem Besten war?

Mein Vorhaben hatte bis hierher gut funktioniert. Nun musste ich meinen Freund für eine Weile alleine lassen, aber ich versicherte ihm, dass ich bald wieder zurück sein würde. Hier wäre er erst einmal gut aufgehoben. Ich setzte mich in unser Auto und fuhr zu einer Bank, wobei ich noch auf dem Parkplatz die Aufnahmen auf die Datenträger verteilte und diese zusammen mit den Dokumenten und den bereits vorbereiteten Anschrieben in die Umschläge packte. Ein Notar, den ich mit meinem letzten Geld bezahlt hatte, würde regelmäßig von mir ein Lebenszeichen erhalten. Im Fall der Fälle würde er die Umschläge aus dem Schließfach nehmen und an die Adressaten versenden. Rechtlich konnte ihn niemand davon abhalten. Ein paar der Dokumente würden also einen Geldverleiher erreichen, ein paar Schmähungen das, für seine Ausbrüche gefürchtete, Oberhaupt einer Verbrecherbande; die Videos, auf denen er seine Verbrechen gestand würde an Behörden, Onlineredakteure und seine Eltern gehen und so weiter.

Markus hatte einen sehr entsetzten Gesichtsausdruck gemacht, als ich ihm von diesem Vorhaben erzählt hatte. Aber so war es nun einmal. Nichts und niemand würde unser gemeinsames Leben aufhalten können.

Als ich von der Bank zurückkam, befand ich mich in einer Hochstimmung, wie ich sie nie zuvor gespürt hatte. Heute war der erste Tag meines neuen, besseren Lebens.

 

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Inhalt/Idee

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Erotik/BDSM

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Rechtschreibung/Form

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Kommentar(e)

... wenn auch etwas kurz. Aber ich bin sicher, dass wir bald mehr lesen werden. Vielleicht die nächsten Teile jeweils etwas länger gestalten, damit man nicht immer gleich wieder aufhören muss, wenn es gerade anfängt spannend zu werden. Geschrieben ist es sehr gut!

Ein kleiner Fehler ist mir aufgefallen, wie mir scheint: Markus muss sich Hose und Unterhose vom Körper schneiden, damit er die Fußfessel nicht aufmachen muss. Schön. Und wie zieht er sich dann den Lackslip an? (Okay, einen Slip allein kann man vielleicht zwischen Fessel und Haut durchfädeln. Sollte aber erwähnt werden.)

Freue mich auf die Fortsetzung(en)!

Antwort auf von canis infernalis

Vielen Dank! Ich freue mich über die Rückmeldung.

Ich nehme mir jetzt fest vor, für den zweiten Teil ein größeres "Paket" einzustellen, so dass der Lesefluss nicht gestört wird. 

Und der Slip....war....wahrscheinlich geknöpft...?

Ich hatte bereits in diesem Abschnitt einen dicken Logikfehler entfernt. Leider war es wohl nicht der einzige:-)