1. Lektion: Du musst sie zähmen (Teil 2)

"Klappentext"

Devon behält Recht und man sieht sich wirklich zweimal im Leben...

 

 

<---- Zu Teil 1

 

1. Lektion: Du musst sie zähmen

 

Teil 2: Das Mäuschen im Café

 

Sophie

 

 

"Oh nein das hast du nicht getan!“ Rebecca schaute mich völlig entsetzt an, während Lizzy lachte und laut an ihrer heißen Schokolade schlürfte. Ich grinste und lehnte mich mit dem Hinterkopf an die Sofakante. Im Schneidersitz saß ich auf meinem Wohnzimmerteppich, während meine besten Freundinnen die Möbel in Beschlag nahmen und meiner Erzählung von Freitagabend lauschten.

            „Du warst nicht dabei Beccs. Du hättest den arroganten Scheißkerl mal erleben sollen. Stand da wie ein Bub mit Morgenlatte und hat sich gefühlt wie der König der Welt. Sack.“

            „Aber du hättest ihn ernsthaft verletzten können.“, gab Lizzy zu bedenken.

            „Ach quatsch. Ich habe ihm nur ein bisschen die Zähne gezeigt, das ist alles. Ich glaube sein Ego hat mehr abgekriegt als sein Schwanz.“ Sie verzog das Gesicht, was glaube ich eine automatische Reaktion ihres Körpers auf vulgäre Wörter war.

            „Ich verstehe sowieso nicht, wieso du bei diesem Wettbewerb mitgemacht hast. Fremden einen blasen? Was wenn du einen abgekriegt hättest, der total hässlich oder ungewaschen gewesen wäre?“ Hm, ungewaschen oder hässlich war Devon garantiert nicht. Ganz im Gegenteil, sein Glied hatte leicht seifig geschmeckt und seine Haut hatte eigentlich ganz angenehm gerochen. Tja, aber selbst wenn er wie ein Bouquet frischer Rosen geduftet hätte, stank sein aufgeblasenes Riesenego trotzdem noch bis zum Himmel.

            „Wenn es so ein Ekel gewesen wäre, hätte ich selbstverständlich nicht mitgemacht. Das hätte Odessa verstanden.“

            „Hm. Ich schätze ich werde sowieso nie verstehen, warum du in diese Clubs gehst. Sorry, nichts gegen dich, aber ich finde das einfach befremdlich, weißt du ja.“

            „Also ich finde den Gedanken eigentlich ganz reizvoll.“, schaltete sich plötzlich Rebecca wieder in das Gespräch ein. Lizzy schaute sie ungläubig an. Ich grinste und musste laut lachen. Aha, ich hatte doch schon immer geahnt, dass unter dieser braven Oberfläche etwas ganz Wildes schlummerte.

            „Nicht du auch noch.“, stöhnte Lizzy theatralisch und warf mein liebstes Sofakissen nach Beccs. Diese hob die Hände um das Geschoss abzuwehren.

            „Reg dich ab. Ich mein ja nur, dass das Ganze bestimmt was hat. Ich habe ein wenig gelesen und –“ „Aber nicht 50 Shades of Grey, oder!?“, fiel ich ihr ins Wort. Ich konnte nicht anders. Sofort wurde die blasse Blondine knallrot.

            „A-auch. Ich meine, wer hat das nicht gelesen?“, stammelte sie und fügte rasch hinzu: „Aber nicht nur. Ich habe ein bisschen…recherchiert und im Internet gibt es wirklich viele Geschichten, aber auch Blogs und Videos und all solches Zeugs.“ Ihr Kopf leuchtete nun heller als meine Stehlampe.

            „Und was von all dem Zeugs reizt dich so? Petplay, Needling, Atemkontrolle, Pipi-Spiele –“ “Nein um Gottes Willen, nicht so was Abgefahrenes. Mehr so das…klassische? Ein Dom hat eine Sub und sie muss machen was er sagt, sowas. Keine Ahnung, so viel habe ich nun auch nicht dazu gelesen, aber es reizt mich einfach mir das mal anzugucken.“

            „Ohje, bald wird es unausstehlich sein, mit euch beiden in einem Raum zu sein. Sophie mit ihren offen zur Schau gestellten Perversionen war ja schon immer schlimm genug zu ertragen, aber zwei von der Sorte? Das erträgt meine zarte unschuldige Seele nicht.“, jammerte Lizzy und machte eine Grimasse.

            „Ja ja. Dafür, dass deine zart besaitete Seele so unschuldig ist, spitzt die aber ganz schön die Ohren wenn ich von meinen Club Abenden erzähle.“, konterte ich und blickte sie herausfordernd an. Sie schnappte nach Luft.

            „Das sind an den Haaren herbei gezogene Gerüchte.“

            „Ach ja? Wie kommt es dann, dass du nie auch mal was erzählst was dir so Spaß macht, hm? Gib es zu, du trägst selbst einen Haufen Geheimnisse wohlbehütet mit dir herum.“, meinte Rebecca und wir feixten uns an. Lizzy verzog keine Miene. Etwas, was sie sich in ihrem Job antrainiert hatte. Fünf Tage die Woche musste sie die knallharte Geschäftsfrau spielen und hatte es perfektioniert, wie man Leute abwimmelte. Ich kannte Lizzy schon viele Jahre, wir waren bereits gemeinsam zur Schule gegangen. Ich wusste, dass sie eigentlich ein sehr harmoniebedürftiger, witziger Mensch war, auch wenn das im Lauf ihrer Karriere mehr und mehr verloren gegangen war. Es waren solche seltenen Mädelsabende, an denen ich die Lizzy von früher aufblühen sah. Das junge Mädchen, das an ihrem Kakao nickte und die Füße angezogen auf dem Sofa ablegte.

            „Jetzt lenk nicht von dir ab, wir haben gerade besprochen wie wir dir einen verstörten Milliardär mit Erziehungskomplexen finden können.“ Prompt kam das Kissen zurückgeflogen.

 

 

 

            Wie fand man als Sub einen Dom? Man konnte schlecht durch die Fußgängerzone spazieren und fremde Männer ansprechen: „Hey, haben Sie Lust mich übers Knie zu legen?“ Zugegebenermaßen gab es wahrscheinlich Anmachsprüche mit geringeren Erfolgsquoten, aber trotzdem. Und sollte ich mir wirklich die Mühe machen, einen netten Kollegen anzusprechen, über Wochen mit ihm zu schreiben, ein bisschen Blümchensex durchzustehen, nur um dann die große Bombe platzen zu lassen? Auch eher schlecht. Natürlich konnte man in Clubs gehen, das war vermutlich der vorzugswürdigste Weg. Aber selbst im Red Canyon hatte ich das Gefühl, alles was Beine und einen Schwanz dazwischen hatte, verfeuert zu haben. Was blieb? Mein guter Freund das Internet.

            So kam es, dass ich mich in der darauffolgenden Woche seit langer Zeit das erste Mal zu einem Date verabredet hatte. Sein Name war Michael. 35, blond und Kaufmann im Einzelhandel. Sein Profil klang gar nicht mal so schlecht und im Chat beherrschte er zumindest Rechtschreibung und Grammatik. Ansonsten hatte es bisher nicht großartig gefunkt zwischen uns, aber ich wusste aus langjähriger Erfahrung, dass die Chat-Chemie im Grunde kaum ein Indikator für ein Treffen von Angesicht zu Angesicht war.

            Er wohnte etwas außerhalb der Stadt und so hatten wir uns für einen Kaffee in der Innenstadt verabredet. Ich trug eine enge Jeans mit braunem Gürtel, Sneakers und ein T-Shirt mit der Aufschrift „Sie hat immer Recht“. Das war eins meiner Standard Date-Shirts. Viel von meiner Meinung über mein Gegenüber hing von seiner Reaktion auf das Shirt ab. Ich musste einfach wissen, ob er das Potenzial hatte, mir gewachsen zu sein und mir auf Augenhöhe begegnen zu können, ohne dabei auszusehen wie ein wütender Hamster.

            Wie immer vor Terminen traf ich zu früh ein, damit ich mich in Ruhe akklimatisieren konnte, bevor es losging. Wie selbstverständlich setzte ich mich an meinen Stammtisch und die Bedienung nickte mir lächelnd zu, was wohl bedeutete dass ich nicht bestellen brauchte.

            Trotzdem blätterte ich ein wenig durch die Karte, einfach aus Gewohnheit. Außer mir waren nicht mehr viele Leute hier. In einer Ecke saß ein sehr alter Herr, den ich öfter hier sah. Am Tresen stand ein junges Mädchen und schnatterte munter mit der Bedienung, während diese meinen Milchkaffee zubereitete. Und am Tisch neben mir saß

            „Ist jetzt nicht wahr, oder!?“, entfuhr es mir. Das großkotzige Arschloch von letztem Freitag hob die Augen von seinem Laptopbildschirm und richtete sie direkt auf mich. Eins musste ich ihm lassen, die Gesichtszüge entgleisten ihm nur für den Bruchteil einer Sekunde. Dann legte sich ein gehässiges Grinsen auf seine Lippen.

            „Zwei.“

            „Was? Hast du seit letzter Woche das sprechen verlernt oder ist dir das Gehirn zu den Ohren rausgelaufen?“ Vielleicht war das ein bisschen übertrieben und unprofessionell. Keine Ahnung was dieser Mann an sich hatte, aber es stachelte mich wahnsinnig an. Es war aufregend, zu schauen wie weit man diesen Mann reizen konnte. Es war neu und spannend und es gefiel mir. Sofort musste ich daran denken, wie er mich gegen die Wand gedrückt hatte. Ja er war grob gewesen, ja es hatte weh getan, aber gleichzeitig hatte ich etwas in meinem Bauch gespürt, dass ich normalerweise nur spürte, wenn ich meine Erotikromane verschlang. Jeder andere Mann hätte mich weggestoßen, hätte mich angeschrien, mich geohrfeigt oder etwas ähnliches. Aber aus irgendeinem Grund nicht dieser Mann. Dieser Mann hatte keine Macht oder Erniedrigung gebraucht um mich klein zu kriegen, er hatte es durch Stärke und seinen Körper geschafft. Tja, schade dass er so ein Egoman war.

            „Es heißt „wie bitte“ und nicht „was“. Bevor du dir um die Größe meines Intellekts Sorgen machst, würde ich erstmal losziehen um deinen wiederzufinden. Zwei. Es ist das zweite Mal dass wir uns treffen, so wie ich es vorhergesagt habe.“ So schneidend seine Worte auch waren, so butterweich war seine Stimme.

            „Was bist du? Deutschlehrer?“ Komm schon Sophie, das kannst du besser. Aus irgendeinem Grund schien ihn die Frage außerordentlich zu amüsieren.

            „So ähnlich.“ Zum ersten Mal musterte ich seine Gesichtszüge im Tageslicht. Ich hatte im Club zwar schon den Eindruck gewonnen, dass er nicht hässlich war, doch jetzt sah ich erst, wie attraktiv er wirklich war. Seine schwarzen Haare waren leicht zerzaust und hingen ihm fransig ein Stück in die Stirn, obwohl sie an den Seiten sehr kurz geschnitten waren. Seine Augen waren strahlend blau, was ich Freitag gar nicht hatte erkennen können in dem gedämpften roten Licht. Der Rest seines Gesichts war markant, mit schmalen Lippen und einem dunklen Bartschatten. Ich schluckte. Okay, dieses Gesicht hatte das Potenzial mich aus der Fassung zu bringen, wenn auch nur für eine Sekunde. Doch das reichte. Für eine Gazelle, die einem hungrigen Löwen gegenüberstand konnte bereits eine Sekunde Unachtsamkeit den Tod bedeuten.

            „Hallo, bist du Sophie?“ Scheiße! Michael hatte ich ja ganz vergessen. Fast ertappt sprang ich auf.

            „Ja, hi. Dann bist du Michael, richtig?“ Die Frage war unnötig, ich erkannte ihn von dem Foto das er mir geschickt hatte, doch ich wusste nicht was ich sonst sagen sollte. Ich wollte gerade die Hand zur Begrüßung ausstrecken, da breitete er die Arme aus. Unangeneeeehm. Peinlich berührt ließ ich die Hände schnell sinken und tat so als hatte ich mir nur die Hose zurechtziehen wollen. Michael nickte zum Nebentisch.

            „Ein Freund von dir?“

            „Eher ein flüchtiger Bekannter.“ Am liebsten hätte ich mich an einen anderen Tisch gesetzt oder wäre direkt gegangen, doch ich wollte nicht direkt unangenehme Fragen aufwerfen. Devon machte sich nicht die Mühe sich vorzustellen, sondern richtete den Blick wieder demonstrativ auf seinen Laptop. Was er da wohl machte? Arbeitete er? Als Deutschlehrer? Nein, er hatte ja nur gesagt, dass es so ähnlich sei. Aber was könnte das sein?  

            "Sophie?“

            „Hm, wie bitte?“ Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Devon mir angesichts meiner Wortwahl einen raschen Blick zuwarf.

            „Ich habe gefragt ob du schon bestellt hast.“, wollte Michael wissen. Ich nickte.

            „Ja, einen Milchkaffe, glaube ich.“

            „Glaubst du? Du bist aber sehr unaufmerksam. Sowas würde bei mir konsequent bestraft werden.“ Ich starrte ihn an. Devons Augen verließen den Bildschirm nicht, doch seine Finger bewegten sich nicht länger auf der Tastatur.

            „Okaaaaay.“, machte ich nur langgezogen. Das war mal ein Eisbrecher. 30 Sekunden war unter Umständen ein neuer Rekord.

            „Und wie, wenn ich fragen darf?“ Der arme Kerl schien mein Nachfragen als aufrichtiges Interesse zu verstehen. Im Grunde war das Date für mich da schon gelaufen.

            „Zum einen dürftest du deinen Kaffee nicht mehr trinken. Außerdem müsstest du dich später auf Knien entschuldigen.“

            „Okaaaaay.“, gab ich wieder geistreich von mir. „Du hast eine Katze, oder? Wie geht es der?“ Egal wie ich es drehte und wendete, ich hatte absolut überhaupt kein Interesse an Michael. Selbst die einigermaßen normalen Gespräche waren zäh und anstrengend. Er erzählte von der Arbeit, ich erzählte von der Arbeit. Wir tranken Kaffee. Nächstes Thema. Kaffee. Politik. Kaffee. Wirtschaft. Kaffee. Katzen. Es war öde. Als die Tassen endlich leer waren, gab er meiner Meinung abschließend Brief und Siegel, indem er sagte: „So ein T-Shirt dürftest du übrigens bei mir nicht anziehen. Verstehe ich ehrlich gesagt auch nicht. So würde ich bestimmt nicht mit dir aus dem Haus gehen. Ich dachte du wärst devot?“

            Und Tschüss! So komisch ich den Vogel auch fand, so wichtig war mir trotzdem Aufrichtigkeit. Allerdings zeigte er größtes Unverständnis, als ich ihm sagte, dass wir uns nicht wiedersehen würden. Es sei doch schön gewesen und überhaupt, wie eine devote Frau einem Mann wie ihm sagen könne, dass man sich nicht wiedersähe, erschließe sich ihm überhaupt nicht. Tja, Pech gehabt.

            Schließlich zog er eingeschnappt von dannen und ich atmete tief durch. Toll, wieder ein Fisch weniger im riesengroßen Ozean.

            Doch wenn ich gedacht hatte, ich würde jetzt meine Ruhe haben, hatte ich mich getäuscht. Es dauerte keine Minute, da ließ sich Devon, der natürlich alles mit angehört hatte, auf den Stuhl mir gegenüber sinken.

            „Na der war ja der absolute Volltreffer, hm?“, kommentierte er sofort mein Leiden der letzten Stunde. Ich funkelte ihn bitterböse an.

            „Ja, ergötz dich ruhig an meinem Unglück. Es kann ja nicht jedes Los der Hauptgewinn sein.“ Genau genommen hatte ich bisher nur Nieten gezogen, aber das musste Mr. Vollarsch ja nicht wissen.

            „Womit du zur Abwechslung mal Recht hast. Soll ich raten, Internet?“

            „100 Punkte. Wobei man auch nicht Sherlock Holmes heißen muss um darauf zu kommen. Und was hast du da drüben gemacht, wenn du nicht gerade Mäuschen gespielt hast?“, fragte ich, eigentlich nur um das Thema von Michael zu wenden.

            „Oh ich habe die ganze Zeit Mäuschen gespielt, keine Angst. Den Spaß hätte ich mir doch nicht entgehen lassen. Bevor du hier aufgekreuzt bist, habe ich allerdings gearbeitet. Oder es zumindest versuchst.“ Ein dunkler Ausdruck huschte über sein Gesicht, der für einen kurzen Moment die trotzigen und angriffslustigen Emotionen verbannte die ich empfand, wenn ich sein Gesicht ansah. Stattdessen fraß sich brennende Neugierde ihren Weg in meine Bauchgegend.

            „Was arbeitest du denn nun? Du hast mitangehört was ich mache, also ist es nur fair, dass du mir sagst was du machst.“ Er lächelte und deutete eine Hut-ab-Geste an.

            „Ich bin Schriftsteller.“

            „Oh.“ Das hatte ich nicht erwartet. Mit seinem Körper und seinem Auftreten hatte ich mit etwas…extrovertierterem gerechnet. Makler oder so. „Bist du gut?“

            „Ich schätze das kommt ganz auf die Betrachtungsweise an.“, lachte er. „Liest du gerne Krimis?“

            „Nein, eigentlich nicht. Die sind mir immer zu vorhersehbar. Oder stumpfsinnig, je nachdem wie man es nennen will.“

            „Dann hast du wohl einfach noch nicht die richtigen Krimis gefunden.“ Ich zuckte mit den Achseln.

            „Das mag sein, aber ich habe auch keine große Lust zu suchen.“ Mir brannten viele Fragen auf der Zunge. Ich wollte wissen was er so schrieb, worum es ging, ob er erfolgreich war, doch ich wollte mir nicht anmerken lassen, dass ich plötzlich Interesse für seine Person entwickeln könnte.

            „Und was macht ein Schriftsteller ein Jahr im Ausland?“, fragte ich deshalb und knüpfte somit an die Unterhaltung zwischen Riley und ihm am Freitag an.

            „Vor einem Jahr bin ich nach Stockholm geflogen um an einem Seminar teilzunehmen. Es hat mir dort so gut gefallen, dass ich einfach dageblieben bin.“ Ich schaute ihn abschätzend an.

            „Ein Seminar…das heißt du bist noch Anfänger?“ Er lachte.

            „Vielleicht solltest du doch mal Sherlock Holmes lesen. Nein, ich bin schon ein oder zwei Jahre länger in dem Business. Nur in den letzten Monaten…sagen wir mal so…eine andere Perspektive war dringend nötig.“ Das klang, als hätte er Ärger mit dem woran er im Moment arbeitete. Was auch immer das war.

            „Und haben sich die Probleme aufgelöst?“ Er neigte den Kopf leicht von links nach rechts.

            „Teils teils. Wie man es sieht. Einige sind verschwunden, dafür sind neue aufgetaucht. Leider läuft es immer noch nicht so rund wie ich mir das wünschen würde.“

            Während ich überlegte welche Frage ich als nächstes stellen sollte, sagte er plötzlich: „Ich weiß genau, warum du dieses T-Shirt trägst.“ Seine Stimme hatte sich verändert. Sie war nun dunkler, melodischer. Auch seine Körperhaltung hatte er angepasst, wenn auch nur minimal. Vorher war er noch entspannt und zum witzeln aufgelegt gewesen, jetzt erinnerte er mich wieder an einen lauernden Löwen.

            „Ach ja? Erleuchten Sie mich, Herr Pseudo-Psychologe.“ Ihn automatisch imitierend, lehnte auch ich mich so weit vor, dass unsere Gesichter nicht weit voneinander entfernt über der Tischmitte schwebten. Er sprach leise und ein rauer Unterton war zu hören, als er antwortete: „Du bist eine verdammte kleine Kratzbürste. Du liebst es zu provozieren, mit deinem gegenüber zu spielen. Du bist wie die Katze, die mit ihrer Maus spielt bevor sie sie frisst. Doch du willst sie nicht fressen, du willst dass die Maus sich in einen Tiger verwandelt und stattdessen dich mit Haut und Haaren verschlingt.“ Er machte eine Sprechpause um mir die Möglichkeit zu geben ihn zu unterbrechen, da war ich mir sicher, doch mein Mund fühlte sich staubtrocken an. Also fuhr er fort: „Du suchst einen Gegner der dir gewachsen ist, der die ebenbürtig begegnet und der dich zähmen kann. Ich glaube dir, was du allen immer wieder versichern musst: du bist devot, sehr. Du willst dich unterwerfen, aber vor allem willst du unterworfen werden und du willst, dass sich dein Partner deine Hingabe verdient, bevor du vor ihm kniest. Du willst, dass er darum kämpfen muss und du bist eine verdammt geschickte Kämpferin.“

            Die Welt schien still zu stehen. Das Klappern von Tassen, die Gespräche der anderen Gäste, alles schien auf stumm geschaltet worden zu sein. Als hätte ich mich in ihnen verloren, starrte ich in diese blauen Augen, völlig sprachlos.

            Niemals, noch nie in meinem ganzen Leben, hatte jemand meine innerste Natur so sehr auf den Punkt gebracht. Nicht mal ich selbst hatte das je geschafft. Wann immer ich Riley oder meinen Freundinnen erklären musste, warum ich mal wieder einen Dom in den Wind geschlagen hatte, rang ich hilflos nach Worten, weil ich einfach nicht ausdrücken konnte was in mir vorging, wonach ich mich wirklich sehnte.

            Devon, dieser Mann, den ich gerade wenige Stunden kannte, hatte es geschafft. Zu meiner Überraschung spürte ich, wie mir Tränen in die Augen stiegen. Oh Himmel, wann hatte ich denn das letzte Mal geweint? In dem Moment fühlte ich mich einfach, als läge meine Seele blank und entblößt vor ihm. Kein schönes Gefühl, ganz und gar nicht.

            Peinlich berührt, sogar eher zutiefst beschämt, griff ich nach meiner Handtasche um zu gehen.

            „Nicht.“, sagte Devon und wieder trug ein mir neuer Klang die Worte zu mir herüber. Jegliche Angriffslust war verschwunden, er sprach in weichem und warmem Tonfall zu mir, versuchte beruhigend zu wirken. „Bitte geh jetzt nicht. Ich wollte dich nicht verletzen und wenn ich etwas Beleidigendes gesagt habe, tut es mir aufrichtig leid.“ Die Aufrichtigkeit hinter seinen Worten, bewegte mich ihm zu widersprechen: „Nein, das ist es nicht. Es ist nur...es…das hat noch nie jemand so ausgedrückt, die Leute fragen mich dauernd: „Worauf stehst du“? als gäbe es darauf eine Ein-Wort-Antwort, aber ich kann es nie erklären. Ich habe noch nie die Worte dafür gefunden wie du gerade. Woher…also wieso…?“

            „Beruhige dich, Sophie. Ich weiß wie das ist, wenn man sich etwas wünscht, aber niemand um einen herum verstehen kann worum es geht. Mit der Zeit baut man dann einen Schutzschild um sich herum auf, glaub mir, ich kenne das. Glaubst du, irgendeine Sub hat jemals verstanden weshalb ich in der einen Sekunde unzufrieden war, wenn sie nicht gehorchte und in der nächsten, wenn sie es doch tat?  Du hast ja keine Ahnung, wie oft ich mich schon als kranker Bastard habe beschimpfen lassen, weil ich es zu weit getrieben habe in dem Versuch meine Gespielin solange zu reizen bis sie sich wehrte.“ Er machte eine Pause und holte tief Luft. Ich fiel ihm nicht ins Wort, viel zu gebannt lauschte ich seiner Erzählung.

            „Als Riley mir am Freitag erzählt hat worüber ihr euch gezankt habt, da habe ich es mir fast gedacht. Ich habe viel von mir darin wiedererkannt. Dann hast du mich gebissen.“ Diese Pause nutzte er, um mich vorwurfsvoll anzublicken. Ich besaß nicht die Höflichkeit, einen entschuldigenden Gesichtsausdruck aufzusetzen. „und hast meine Ahnung damit bestätigt. Und als du dann feucht geworden bist, weil ich dich angepackt habe, hat sie sich endgültig bestätigt.“

            „Ich bin nicht –“ „Spar dir das, man hat es in deinen Augen gesehen du kleines Miststück.“ Er grinste dreckig. Und ich konnte es nicht mal abstreiten. Ja, als er mich am Hals genommen und gegen die Wand gedrückt hatte, hatte mich das auf einen Schlag unglaublich nass gemacht.

            „Das kommt jetzt alles sehr unerwartet…aus deinem Mund.“

            „Ach bitte“, er schnaubte. „hast du wirklich gedacht du kennst mich lange genug um ausschließen zu können, dass ich das Genie bin, dass ich nun mal bin?“ Ich konnte nicht anders und lachte laut. Die Spannung war gebrochen.

            „Nur aus reiner Neugierde - wie hättest du auf das Shirt reagiert?“ Er beugte sich wieder vor und raunte: „Gar nicht. Ich hätte dir gar nicht erst die Genugtuung gegeben, dass ich über den albernen Schriftzug nachdenke. Wie ein braver Gentleman hätte ich deinen Kaffee bezahlt, ich hätte dich artig nach Hause gefahren und ich hätte dir aus der Jacke geholfen, wie sich das gehört. Anschließend hätte ich dich an den Haaren ins Schlafzimmer geschleift und hätte dich übers Knie gelegt. Wenn du dich gewehrt hättest, hätte ich den Gürtel statt der Hand genommen. So wie ich dich einschätze hättest du weiter gestrampelt, also hätte ich den Gürtel gegen den Rohrstock ausgetauscht und so weiter, bis du nicht mehr kannst. Erst wenn du weinend und bettelnd über meinen Knien hängst, würde ich dich nehmen, dich mit diesem grässlichen T-Shirt knebeln und dich ficken.“

 

zu Teil 3 ---->

 

 

 

Kommentar(e)

Ich bin gespannt, wie es mit den beiden weiter geht. Die ersten beiden Teile haben mir schon sehr gut gefallen, ich kann es kaum erwarten, bis der nächste Teil online kommt!

Antwort auf von Ms_Moonlight_Shadow

für die Rückmeldung! Es freut mich sehr, dass die Geschichte gefällt. 😊 Hoffentlich kommt der nächste Teil schon heute Abend. 

 

LG

 

Füschchen 

Antwort auf von O_devot

Motivation! Liebe Ornella, vielen Dank für das Lob. Für einen kleinen Schreiberling wie mich, ist das das beste Resultat das eine Geschichte erzielen kann. :)

LG

Füchschen 

Ich weiß gar nicht so genau, was ich kommentieren soll, eigentlich ist jedes Lob, was mir einfallen würde, bereits irgendwie schon gesagt worden, deswegen kann ich nur sagen: Bitte, schreib genauso weiter!

Du hast wirklich einen schönen unterhaltsamen Schreibstil, deine Sprache ist schön bildlich und fesselt den Leser an jedes von dir geschriebene Wort. Das liest sich wieder alles wunderschön und ich freue mich bereits auf den nächsten Teil von dir. Ich will es ja eigentlich nicht zugeben, doch ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass jemand anderes als du meine Lieblingsautorin hier ist :)

In freudiger Erwartung auf die nächsten Teile, 

Jana

Liebe Jana,

mal wieder ein sehr sehr sehr schmeichelndes und liebes Kommentarilein von dir! vielen Dank! Als super Autorin weißt du natürlich auch selbst, dass solch liebes Lob einfach der beste Anreiz ist, um weiterzumachen. :) Und ich bin dabei ^^ Ich freue mich schon, wenn du den 3. Teil zu lesen kriegt. *grins* ich habe mir was besonderes einfallen lassen und probiere mal etwas ganz anderes aus. Ich bin gespannt wie es ankommen wird. Aber erstmal gehts hier weiter. ;)

LG

Füchschen

 

 

Es ist schon alles gesagt? Stimmt auch.

Eine rundum schöne Idee, die neugierig macht, auch auf die anderen Paare.

Eine Geschichte, wirklich würdig, einmal die gesamte Kommentarspalte rechts einzunehmen und Negatives endlich zu verdrängen.

 

 

...ich werde die nächste Zeit wieder andauernd, suchtartig die BDSM-Bibliothek aufrufen müssen, um zu sehen, ob der nächste Teil endlich online ist.

Für deine absolut tolle Geschichte. Da spring ich doch super gerne über meinen Schatten und widme dir gerne meinen ersten Kommentar ;)

Bin schon extrem gespannt auf die anderen Paare und muss gestehen dass ich mich mit Sophie sehr gut identifizieren kann.

 

Erstklassig, mach weiter so 👌