Eine ungewöhnliche Hochzeitsfeier 8/8

"Klappentext"

Eine nicht ganz kleine, stellenweise romantische, Liebesgeschichte für die, die beim Hören das Wortes ‚goreanisch’ nicht zuerst an die Herkunfts- Bezeichnung eines ostasiatischen Staates in sächsischem Dialekt denken. Ein stechender Schmerz markiert das Ende der Metamorphose.

 

Diverse Abschiede

 

Nachdem ich wieder klar aus meinen Augen sehen konnte, mich generell und die Gesichtspigmentierung im Besonderen etwas aufgefrischt hatte, musste ich meinen Herrn erst kurz suchen.

Er stand, sich heiter unterhaltend, in einer Gruppe von Männern. „Lass uns noch einen Augenblick allein, ich habe noch etwas mit den Herren zu besprechen.“

Weggeschickt, einfach wertlos weggeschickt, schlimmer missachtet als ein kleines Kind.

 

Äußerlich schmollend, aber unterschwellig tief zufrieden, sah ich mich also noch ein wenig im Raum um. Der goreanische Fanclub hatte einige Dekorationsobjekte mitgebracht, unter anderem auch die verschiedenen Brandzeichen. Ich nahm das schönste in die Hand, drehte es hin und her und ließ mich auf eine Reise der Phantasie ein, auf eine Phantasie vom süßen Schmerz beim Überschreiten der Schwelle der Ewigkeit.

’Sind es zwei, die sich erlesen, ist es eins, das sich getrennt?’ schrieb der olle Goethe einst zu dem, was ich in diesem Zeichen sehe. Die westliche Sichtweise, von links nach rechts und von oben nach unten, untermauert meine naiv- romantische Betrachtungsweise hervorragend.

Zwei Linien, zwei Leben, zwei Wesen;  Männlich und weiblich, gerade und gekrümmt, oben und unten, Herr und Sklavin; sie treffen und vereinen sich in einem Punkt, in einem Zeitpunkt. Beide sind von dort an untrennbar verbunden und das wird unauslöschlich ins Fleisch und ins Bewusstsein der Sklavin gebrannt. Ein feurig- kalter Schauer überfiel meinen Rücken.

Auch wenn ich eben noch mit Neid auf Kirsten geblickt hatte, sie um ihren herrlichen Schmerz der Freude beneidete, um ihren Moment des reinen Glücks.

Auch wenn mich gerade dieses Eisen in glühender Form in manch glühender nächtlicher Fantasie zu manch glühendem Höhepunkt geführt hatte, aber kein Körper würde je so viele Endorphine produzieren können, dass dabei in der Realität das reine Glück als Empfindung verbliebe.

 

„Dieses Brandeisen hat’s dir wohl besonders angetan?“ Mein Herr war von hinten an mich herangetreten und riss mich unsanft aus meinen intimen Tagträumen. Mit Sicherheit war ich so rot geworden, dass man mich als Ersatz für eine defekte Ampel hätte verwenden können.

„Gerade du weißt ja, dass die neuen Sklaven erst einmal ein Brandzeichen bekommen, damit sie durch das Erleiden der Qualen eindrucksvoll erleben, dass ihr bisheriges Leben soeben geendet hat.

Die dabei unausweichlichen gellenden Schmerzensschreie sind der letzte Akt der Freiheit, der ihnen zynischerweise zugestanden wird. Faszinierend, solche gewachsenen Traditionen, nicht wahr? Aber da du ja schon ein Brandzeichen hast, können wir, glaube ich, bei dir darauf verzichten, oder siehst du das anders?

Ach so, eines musst du ja noch wissen, ich habe mich mit Rainer und Jürgen auf eine Summe geeinigt, ich habe dich noch für länger gekauft, du gehörst mir demnach jetzt erst einmal bis zur richtigen Hochzeitsfeier“, fügte er fast beiläufig an.

„Da sie sowieso schon einen ’Veräußerungsgewinn’ von Sklavin sechs zu verbuchen haben, den sie einer Organisation gegen Genitalverstümmelung in Afrika spenden wollen, haben wir uns darauf verständigt, den Betrag für dich auch dorthin zu geben.

Das ist ein wirklich guter Zweck, deswegen war ich recht freigiebig. Es muss dir allerdings klar sein, dass du wirst den Beweis antreten müssen, dass meine Großzügigkeit in Bezug auf deinen Kaufpreis gerechtfertigt ist.“ Seine Stimme entwickelte sich dabei immer mehr vom sachlich Bestimmten zum bestimmt Unheilvollen.

 

Meine ’Freunde’ hatten mich also einfach über meinen Kopf hinweg verraten und verramscht! Einfach empörend! Wirklich nur empörend, schlichtweg menschenunwürdig,   als ob ich eine willenlose Sache wäre   ….   Und damit   …   unheimlich erregend.

An meiner Möse hatte sich eh schon durch die träumende Betrachtung des Brandeisens Feuchtigkeit gebildet. Das Gefühl, dass ich, genauer mein Körper und die Nutzung desselben, für die nächsten Wochen einfach von meinen ’Freunden’, als seien es Händler auf einem orientalischen Basar, feilgeboten wurde, um dann zwischen Datteln und Tüchern und nach einigem Gefeilsche en passant verschachert wurde, einfach nur berauschend.

Bei jedem kleinen Schritt, und ich machte davon absichtlich sehr viele kleine, genoss ich die schöne, kühlende und klebrige Nässe, die sich langsam an meinen Oberschenkeln herunterarbeitete, begleitet von der prickelnden zunehmenden Rückkehr des Gefühls in meinen Schamlippen.

 

„Auch wenn du kein Brandzeichen mehr brauchst, ganz ohne bleibende Erinnerung an deinen Verkauf an diesem Wochenende wirst du diesen Ort aber dennoch nicht verlassen. Ich habe schon alles mit Laura besprochen, morgen, am frühen Nachmittag, bevor ich dir den Stahl um den Hals abnehmen werde, hast du deinen Termin.“

Mit einer absoluten Selbstverständlichkeit hatte mir soeben mein ’Besitzer’ mitgeteilt, dass er einen Termin ausgemacht hatte, an dem ich eine ’bleibende Erinnerung’ an meinem Körper davontragen sollte.

Ich musste wohl völlig entgeistert und lethargisch geguckt haben.

„Meine liebe Sklavin“, zischte er mich an „meinst du wirklich, dass das Schicksal eine andere Rolle für dich vorgesehen hat, die besser zu dir passt? Dann sag es jetzt!“

 

Nein, das glaubte ich ja gar nicht, ganz im Gegenteil. Das kam mir nur zu plötzlich, ich überlegte kurz: Logisch ist natürlich, dass ich nicht gleichzeitig Sklavin sein und Kontrolle behalten kann. Aber einfach dabei zusehen, wie ein Mensch, den ich kaum 24 Stunden kannte, an meinem Körper Veränderungen durchführen ließ? Das ging gar nicht!

Andererseits zeigte mir eben dieser Körper mit jeder Perle, die er an einer glänzenden Schnur an die Oberschenkel entließ, wie unendlich lüstern und geil mich nun gerade diese Situation machte. Ich entschied mich für einen Kompromiss, der mir hoffentlich mehr Informationen brachte, um dann die Folgen für mich besser einschätzen zu können.

„Mein Herr, ihr habt mir keinen Anlass gegeben, euch zu misstrauen. Aber eure Sklavin kennt euch so wenig, verzeiht ihr daher die Bitte, euch fragen zu dürfen, was ihr mit ihr zu tun gedenkt?“

„Morgen früh oder überhaupt?“

’Hey, diese Antwort lässt aufhorchen, könnte sogar besser laufen als ich gehofft habe’, dachte ich: „Bitte beides, mein Herr“.

„Meinetwegen, mea favea. Dir muss natürlich bewusst sein, dass dich das noch etwas kosten wird. Ist es dir das wert?“

„Ja, mein Herr.“ Die Dämonen, die man kennt, flößen einfach weniger Furcht ein, deshalb war alles, aber wirklich alles, besser als die Ungewissheit.

 

„Gut, dann werd’ ich dir das mal beantworten. Laura ist Tätowiererin, Piercerin und führt auch sonst noch allerlei Body-Modifikationen durch. Die Utensilien zum Tätowieren und für andere Dinge hat sie nicht mit hierher gebracht, demzufolge bleibt für dich ein Piercing. Und ich werde es dir nicht in sichtbaren Bereichen oder an medizinisch oder neurologisch oft bedenklichen Stellen stechen lassen. Ich denke, damit ist dazu alles Nötige gesagt.“

Piercing? Das geht. Mein Branding hatte ich immer und immer wieder bereut und verflucht, aber keines meiner Piercings je ernsthaft. Ich hatte wohl oft bereut, einem Idioten den Schlüssel zu mir gegeben zu haben. Aber nie die Ringe an sich.

Und nach den Einschränkungen blieben auch nur wenige Stellen. Schamlippen? Waren schon ziemlich voll. Bauchnabel? Geht, aber für diesen Anlass eigentlich zu unerotisch. Klitorisvorhaut? Hatte ich mir selbst schon häufiger überlegt, könnte ich also gut mit leben.

Insgeheim hoffte ich aber auf die zweite, die linke Brustwarze. Ich wollte die Symmetrie schon immer; aus dem Grunde hatte ich mir seinerzeit auch gleich zwei Ringe bestellt, falls das Modell auslaufen sollte, den rechten Ring bekam ich ja nun nicht mehr raus. Aber den Stich selbst hatte ich stets hinausgezögert, er sollte, wie ursprünglich naiv romantisch geplant, einem Mann vorbehalten bleiben. Wenn also nicht jetzt, wann dann? Ich war über fünfzig, worauf sollte ich denn noch warten?

„Ja mein Herr, ich danke für diese Antwort“, sagte ich beruhigt und sogar ein bisschen entzückt und freudig aufgeregt.

„Und Grundsätzlich? Soll ich dir etwa aufzählen, was ich mir vorstellen kann und worauf du dich einstellen musst? Ne, ne, ne, das machen wir schön umgekehrt. Es sind fünf Wochen, ich gestatte dir, mir nachher für jede der Wochen zwei Fragen zu stellen. Die werd’ ich wahrheitsgemäß beantworten und mich auch daran halten. Und das kann ich, wie wir beide ja nun wissen, eindeutig besser als du.“

 

 

Langsam begann dann auch der gemütliche Teil des Abends, mit Freunden plaudern und lachen, trinken, essen und tanzen. Tanzen? Wahrlich, er hatte nicht gelogen, er ist weiß Gott kein begnadeter Tänzer. Eine der ersten Belohnungen, die ich mir in meinem eventuell neuen Leben wünschen würde, wäre die gemeinsame Teilnahme an einem Tanzkurs. Aber auch ich war oft nicht ganz präsent, zwischendurch überlegte ich immer wieder, welche Fragen für die nächsten Wochen elementar waren. Dass ich welche vergessen würde, lag in der Natur der Sache, aber ich wollte mir nachher nicht vorwerfen müssen: wie konntest du nur so saumäßig dämlich sein, genau danach nicht zu fragen?

Also, mal ein bisschen Ordnung reinbringen:

Ficken in der Möse, Vibro-Ei oder pfählen? Dazu musste er mich auch erst einmal aufkriegen, hoffentlich!

Ausleihen, Klammern und Klemmen? War ja beides schon beantwortet.

Unterwäsche tragen dürfen? Heute war Sommeranfang, die nächsten Wochen würden warm sein

24/7? Hatte mich früher schon immer geil gemacht, mitten in der Nacht geweckt zu werden, wenn mein Herr mich ficken wollte, für fünf Wochen demnach kaum ein Problem.

Plug? Nicht schön, aber wenn nicht für die ganze Zeit, dann würd’ ich’s überleben.

Pranger, Kreuz, Käfig, kein echtes Problem; eventuell auch Langzeit? Dann gäb’s allerdings ein Problem auf einer anderen Ebene.

Nach den Dingen, mit eventuell einer Ausnahme, lohnte es nicht zu fragen.

 

Zigarettenbrennen, spanisches Pferd oder andere Gewalttätigkeiten wären für mich ein absolutes Ausschlusskriterium. Bei dem, was ich von ihm kennengelernt hatte, glaubte ich aber nicht daran.

Elektrospiele, Collartragen, Vorführung im Vanilla Bekanntenkreis, das kann, je nach Ausgestaltung, extrem erregend sein, aber auch ebenso extrem schmerzhaft oder demütigend. Eine Frage danach war insoweit unpraktikabel, weil sie zu spezifisch gestellt werden müsste.

Einige andere wesentliche Dinge waren bei den Überlegungen auf der imaginären Merkliste notiert, ob es nun genau zehn waren, müsste ich dann später sehen.

Also dann, Abend genießen, feiern, tanzen, lachen, aber selbstverständlich auch den Herrn versorgen und bedienen, eben alles, was von einer gelungenen Feier und einer guten Neuerwerbung erwartet wird.

 

 

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Wir waren nicht die letzten, die sich in der Nacht aus der fröhlichen Runde verabschiedeten. Ernsthaft traurig war ich darüber auch nicht, wusste ich doch um den schweren Gang, den ich noch vor mir hatte, und damit war nicht der auch beschwerliche physische Weg die verwinkelten Treppen in der Burg hinauf gemeint.

Direkt, nachdem wir in unserem Turmzimmer angekommen waren, ’durfte’ ich mich zunächst zur Nachtruhe vorbereiten. Körperhygiene im Bad, dann ausziehen, und so wie Gott mich schuf konnte ich dann meine Fragen stellen. Nackt stehend an einer Wand des Raumes, während der Herr in einiger Entfernung gemütlich im Sessel saß und mich bis in alle verletzlichen körperlichen Einzelheiten beobachten konnte. Und ich kann euch garantieren, mit dreißig fühlt frau sich in der Situation eindeutig sicherer, wenn auch nicht wohl. Noch verletzlicher machte ich mich allerdings durch das Stellen der Fragen selbst, denn mit dem Aussprechen eines jeden einzelnen Aspekts öffnete ich jeweils ein Fenster in die Abgründe meiner Ängste.

 

Und dennoch, ich war am Nachmittag in den Ozean gesprungen, und war nicht enttäuscht, sondern mit herrlichen Wellen belohnt worden. Wenn ich mir die Chance erhalten wollte, meine Wünsche und Sehnsüchte erfüllen zu lassen, dann musste ich jetzt noch einmal springen. Aber bei einem Fremden ist normaler Sex, am besten noch von hinten, ohne dass er einen ansehen kann, trotzdem manchmal so unendlich viel leichter als einen Blick in die die Seele zuzulassen.

„Du darfst mich jetzt die Dinge fragen, die dir wichtig sind.“

So formuliert betonte es noch einmal, dass es meine Ängstlichkeiten waren, die mit jedem Ansprechen thematisiert wurden, aber scheiß auf jede Peinlichkeit, einfach drauf los.

 

„Mein Herr, muss ich mich darauf einstellen, dass ihr meinen Körper oder Teile davon als Nadelkissen gebraucht?“

„Ich mag keine Nadelspiele, demzufolge nein.“

Beruhigend, das zu hören, die erste Angst war beschwichtigt.

 

„Beabsichtigt ihr, mich auszupeitschen oder das an meinen Genitalien zu tun?“ Na gut, streng genommen waren das zwei Fragen, aber wenn sie als eine durchgingen, warum sollte ich es nicht erst einmal versuchen.

„Ich habe nicht vor, dich zu peitschen, ich bin kein Sadist, ich empfände keine echte Freude dabei. Es ist folglich nur dann notwendig, wenn die harmloseren Erinnerungen an deine Pflichten keine Wirkung gezeigt haben.“ Ironisch fügte er noch hinzu: „Und wenn du meinst, es nötig zu haben, es gibt kaum eine Sklavin, die nicht weiß, sich so daneben zu benehmen, dass ihr Herr zur Peitsche greift.“

Ei, wenigstens eine Aussage! Aber ich hatte es dann zumindest auch selbst in meiner Hand, besser gesagt: in meiner Handlung.

 

„Werdet ihr mich knebeln und dafür auch getragene Unterwäsche oder Socken verwenden?“

„Knebeln? Kann passieren. Mit getragenen Socken oder Unterwäsche? Nein. Das könnte höchstens direkt nach dem Duschen mit einem Slip geschehen, den du soeben frisch angezogen hast. Da du aber weder bei mir noch bei dir zuhause jemals eine Unterhose anziehen wirst, ist das eher von theoretischer Natur.“

Keine stinkenden Socken und Unterhosen in den Mund, das gehörte schon zu den elementaren Dingen. Nach dem Gang ins Bad zuhause keinen Slip zu tragen ist für mich dagegen eher zu den Kleinigkeiten zu zählen.

 

„Muss ich damit rechnen, dass ihr mir Körperteile abbindet?“

„Nein. Falls du insbesondere auf deine Brüste anspielst, ich habe dir schon einmal gesagt, dass sie wundervoll sind, und ich erwäge nichts, was mir diesen Anblick verschlechtern könnte.“

Wieder eine Sorge weniger.

 

„Wo und wie wird eure Sklavin was essen dürfen?“

Mein Herr guckte auf seine Hand und tat, als zählte er seine Finger. „Ich pflege am Tisch zu essen, das erwarte ich auch von dir. Des Weiteren wirst auch du mit Besteck essen dürfen, wer dann was  -für uns-  kocht, entscheide ich im Zweifel auch kurzfristig.“

Selbst wenn seine Kochkünste noch ein erhebliches Entwicklungspotential aufweisen sollten, es wäre kein undefinierbarer ekelhafter Fraß aus einem Hundenapf auf dem Fußboden.

 

„Werdet ihr mir in den Mund oder mich sonst anpissen?“

„Nein!“

Noch eine Ekelbefürchtung weg.

 

„Wünscht ihr, dass ich einen Plug trage, und wenn ja, wie muss ich ihn säubern?“

Der Herr begann, ein wenig zu schmunzeln: „Mea favea, das ist nun nicht das erste Mal, dass du eine Doppelfrage stellst. Ein letztes Mal beantworte ich sie: Ja, du darfst dich darauf freuen, auch mal einen Tag, vielleicht sogar mehr, etwas ’bewusster’ zu gehen. Und wie du den Plug reinigst, bleibt dir überlassen, aber gründlich sollte es natürlich sein.“

Gründlich reinigen? Schon im Eigeninteresse. Wenn dazu Wasser, Lappen und Reinigungsmittel Verwendung finden dürfen, kein Problem.

 

Die nächste Frage sollte ich dann wohl ein wenig umformulieren: „Erwartet ihr von mir, dass ich euch den Schwanz sauber lecke, nachdem ihr mich in meinem Arsch gefickt habt?“

Der Herr lächelte augenblicklich deutlich und breit: „Komm her.“

„Mein Herr, ihr habt mir die Fragen zugestanden und habt versprochen, sie zu beantworten. Bitte, dann tut es auch, mir ist das sehr wichtig.“

„Komm jetzt her!“

„Bitte, mei…“

„Komm jetzt sofort hier her!!“

 

Enttäuscht, dass er meine Unklarheit nicht, wie versprochen, beseitigte, ging ich langsam und widerwillig zu ihm. Dort angekommen stand der Herr auf, nahm meinen Kopf in seine Hände und gab mir einen intensiven Kuss. Unsere Zungen begannen auch langsam, miteinander zu tanzen, besser als unsere Beine es des Abends vermochten. Irgendwann vergaß ich jeden Gedanken an meine offene Frage, sämtliche Anspannung fiel von mir ab und ich konnte mich wirklich auf diese Zärtlichkeit einlassen und sie nur genießen.

„Mea favea“, sagte mein Herr, nachdem er den Kuss beendet hatte, „ich werde dir nichts, aber auch absolut gar nichts in den Mund stecken, dass ich das nicht jederzeit mit Lust und Freude tun würde. Und jetzt geh zurück und stell deine letzte Frage.“

 

Im Drehen huschte ein zufriedenes und erleichtertes Lächeln in mein Gesicht. Das zunächst kleine Lächeln wuchs  WWUUUSSSSCCCCHHHH  … überhaupt nicht mehr, sondern verzog sich plötzlich schmerzhaft. Spontan drehte ich mich um, blickte auf meinen Herrn, der noch gerade den Rohrstock wieder zurück in den Blumenkübel steckte.

„Und wenn ich das nächste mal sage: ’komm her’, dann setzt du deinen kleinen geilen Arsch unverzüglich und ohne jeden Anflug eines Zögerns in Bewegung! Habe ich mich klar und deutlich genug ausgedrückt?“

 

Er hatte! Der beißende Striemen auf meinem Arsch würde noch eine ganze Zeit als leuchtende Erinnerung fungieren. Langsam keimte dennoch wieder das leise Lächeln in den Mundwinkeln, erweckt durch die Erkenntnis, dass ich meinen Herrn nicht hätte respektieren können, hätte er meinen Ungehorsam folgenlos auf sich beruhen lassen.

Ich hatte diesen Schlag provoziert, ich hatte ihn bekommen und ich hatte ihn verdient;   so einfach können Naturgesetze sein!

Wieder an der gegenüberliegenden Wand angekommen, konnte ich mir demnach eine Frage, ob ich die Schuhe mit der Zunge reinigen muss oder ähnliches schenken. Schnell was Anderes: „Plant ihr, mir Gewichte an die Brustwarzen oder die Möse zu hängen?“

„Nein, wenn man einmal davon absieht, dass alles, jede Klammer, jeder Ring, eben wirklich alles ein gewisses Eigengewicht hat. Aber du bekommst keine Gegenstände um des Gewichtes willen angehängt. Ich habe auch schon einmal gesagt, dass ich mir deinen Anblick nicht verschlechtern werde. Ich denke, damit sind alle Fragen hinreichend geklärt, dann sollten wir noch auf deinen schönen Termin heute Nachmittag anstoßen.“

„Mein Herr, das waren …“

„ … ein paar Doppelfragen und du wolltest nun deine Dankbarkeit ausdrücken, dass ich sie trotz allem beantwortet habe?“ unterbrach mich mein Besitzer mit spitzem Tonfall in der Frage.

„Äh, ja mein Herr, das wollte ich, mich bedanken“, sagte ich schnell und strich fast automatisch mit einer Hand über die sich entwickelnde Schwellung an meinem Hinterteil.

 

Gleichzeitig resümierte ich: die Grenzen des Ekels, den auch eine Sklavin hat, müsste ich weitestgehend nicht überschreiten. Auch die Bereitung von Schmerzen aus purer Freude am Quälen war ausgeschlossen, ich fasste also den Entschluss, es zu versuchen, beabsichtigte, mich einfach darauf einzulassen.

Und sollte sich das Ganze unerwartet doch in eine miese Richtung entwickeln und der Herr sich nicht an seine eigenen Worte hielt, sollte er gar ein sadistisches Antlitz zeigen, rechtlich bindend war hier nichts, ich schmisse ihn raus und wäre um eine schlechte Erfahrung und ein Piercing reicher.

Mit den Worten: „ja mein Herr, eine Sklavin muss ihr Schicksal und die Zeichen ihres Herrn und Meisters akzeptieren“, erklärte ich verblümt mein Einverständnis.

Daraufhin reichte mein Herr mir eines der Gläser Sekt, die er nebenbei gefüllt hatte „also dann“  -Kling-  „auf nachher.“

Mit einem brennenden Striemen auf dem Arsch und einer brennenden Neugier im Herzen schlief ich, nachdem ich meinen Herrn zufrieden stellen musste und auch mir Befriedigung verschaffen durfte, langsam ein.

 

 

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Ein lautes Zischen, begleitet von der Feststellung der Unbeweglichkeit und dem höhnischen Lachen meines Herrn, riss mich aus dem Schlaf.

Noch völlig schlaftrunken versuchten meine Sinne, die Situation zu erfassen.

Ich lag festgeschnallt auf dem gynäkologischen Stuhl, einen Bite-gag im Mund, die Flamme eines Gasbrenners verursachte das Zischen und brachte ein Brandeisen zum Glühen.

Blitzschnell begannen die Gedanken, die Dinge um mich herum zu sortieren, bald war es mir gelungen, mit einem Schlag war ich hellwach.

 

Meine Stimme wollte noch laut NEIN schreien, versagte jedoch schon kläglich im Ansatz.

Die Synapsen trommelten in meinem Kopf, versuchten, den unweigerlich gleich aufkommenden unerträglichen Schmerz zu übertönen.

Dann war es auch schon passiert!

Er hatte mir das gleißend- glühende Eisen auf den Oberschenkel gedrückt!

 

Damit begann jede Windung meines Gehirns Karussell zu fahren:

’Jetzt bin ich markiert!

Nochmals als Sklavin markiert!

Als Sache!

Diesmal markiert auf meinen schönen Beinen!'

Die Gedanken sind wieder schneller als der Schmerz, ich kenne das ja schon.

 

'Als Sklavin markiert, jetzt für alle sichtbar.

Nie wieder in ein Schwimmbad gehen, jedenfalls nicht ohne diese Blicke und Fragen.

Bei jedem Arztbesuch, nicht mehr nur beim Frauenarzt.

'Auf nachher' hallte es noch einmal durch meinen Kopf, dazu sein heimtückisches Lächeln zum Sekt.

Bei dir können wir ja auf ein Branding verzichten’ klingt im Nachhinein wie blanker Hohn

 

Als Sklavin markiert, offen, nur noch durch lange Kleidung zu verbergen und nicht mehr nur in einem Büschel Haare.

War das nicht aber der Traum meines Lebens?

Habe ich ihm nicht gestern Abend in meinen Tagträumereien selbst dieses Eisen in die Hand gedrückt?

Hatte er mich nicht in meinen geheimsten Wünschen ertappt? ’Sind es zwei, die sich erlesen?

Damit sich durch das glühende Eisen einfach alles ändert?

Die Schwelle der Ewigkeit sich auflöst und unsichtbar hinter mir bleibt, von einem auf den anderen Atemzug einem anderen Menschen sichtbar zu gehören.

Auf ewig.

Aber einem Sadisten, der mich belügt und hintergeht?

Doch ist nicht gerade das das Wesen der Sklaverei, nicht nur Gültigkeit zu haben, wenn sie mich erregt?

Sondern dauernd, also auch dann, und besonders dann, wenn es mir missfällt?

 

Mit dem Eisen als Sache gekennzeichnet, schlimmer noch, als Ware bezeichnet.

Durch das Erleiden der Qualen eindrucksvoll erleben …’, so nannte er es gestern.

Das Eisen ist im Empfinden der Metamorphose zum Objekt wahrhaftiger als der Kauter.

Es ist aber auch wesentlich schmerzhafter, so sagen die, die es wissen müssen.

In Bruchteilen einer Sekunde gehöre ich ja auch dazu.

Kein Besuch im Fitness Studio mehr,

nicht mehr die sehr kurzen Kleider, auch nicht die mit den schönen hohen Beinschlitzen,

kein Sporturlaub mehr ohne die verständnislose Frage nach dem Warum.

Wird es zumindest eine schöne Narbe sein?

Oder wird sie sich entzünden und zur Hässlichkeit werden?

 

Als Sklavin markiert und zum Eigentum degradiert!

Aber hat er nicht gesagt, ein solches Geschenk müsse man achten?

Auch wenn er sich dieses Geschenk einfach genommen hat und mir damit jegliche Achtung.

Werden wir, oder werde wenigstens ich, bei jedem Sex lustvoll darauf blicken?

Werde ich überhaupt noch Sex haben?

Gleich hat sich dieser unerträgliche Schmerz die Nervenbahnen entlang gearbeitet und wird im Kopf angekommen sein.

Die Gedanken haben keine langen Wege, sie sind im Kopf schneller,

hoffentlich übertönen sie die Qualen, die nun unweigerlich gleich kommen, versuchend, mein Hirn in Stücke zu reißen, wenn sie sie nicht übertönen

Hätte ich nicht einen Bite Gag im Mund, ich schrie sofort das ganze Schloss zusammen.

Der ’gellende letzte Akt meiner Freiheit’ würde sich durch die Gänge und Flure winden wie mein Körper in seinen Fesseln.

Aber das Beißen wird wenigstens ein bisschen vom Schmerz ablenken

Eine Zeit nach der Höllenqual werden, als sei es die Hölle selbst, Rauchschwaden verbrannten Fleisches den Raum füllen.

Ein Teil von mir hat sich nicht nur metaphorisch, sondern auch physisch aufgelöst.

Der Teil ist zu einem Nichts im Raum geworden, dokumentierend, dass ich als Nichts in der Welt gebrandmarkt bin.

Werde ich Hohn und Spott der Freunde ernten: Wie konntest du nur? Zeig ihn gefälligst an!

Werden Sigrid, Rainer, Kirsten und Jürgen sagen: Wie konnten wir nur den Rahmen dafür bereitet haben?

Wird unsere Freundschaft dennoch bestehen bleiben?

Oder werde ich es ihnen bald mehr verübeln als ihm?

 

Ein Brandmal auf dem Oberschenkel!

Wenigstens bleibt mir immer, wenn ich es sehe, der kleine Trost, dass es sich um mein von mir gewähltes Sklavenzeichen handelt.

Wird es mein Bewusstsein dennoch soweit verändern, dass es manche Männer, ohne es überhaupt sehen zu können, trotzdem als Schandmal wahrnehmen können und mich als Freiwild betrachten, mehr noch als ohnehin schon?

Werden sie sagen: Eine Sklavin hat verfügbar zu sein.

Wie deutlich muss ich dann machen, dass ich zwar eine Sklavin bin, aber doch nicht die ihre.

Dass ich verfügbar bin, aber doch nicht für jedermann.

Können sie es überhaupt verstehen, und wollen sie es überhaupt?

Die Höllenangst vor diesem elenden unerträglichen höllischen Schmerz lässt in meinem Kopf mehr und mehr nur noch konfuses Wirrwarr entstehen!

???  

Sag mal, wo um Himmels Willen bleibt eigentlich dieser elende unerträgliche höllische Schmerz?’

 

Fast, als ob ich ihn suchen wollte, riss ich die Augen auf und schaute an mir nach unten.

     ….     Da war nichts, gar nichts.

Mein Herr lag ruhig und friedlich neben mir im Bett, ich war aufgewühlt, aufgewühlt wie die Bettdecke um mich herum.

Aufgewühlt von diesem unbändig realistischen Traum.

 

’Ist es nicht schön, diese Endgültigkeit einmal erlebt zu haben? Diesen Augenblick, der alles verändert, das ganze bisherige Leben? Diese schmerzhafte Dokumentation der Sklaverei in Bruchteilen jeder noch so kleinen Zeiteinheit, die dann für alle Ewigkeiten Bestand hat?’ überfielen mich erneut meine jetzt tagträumerischen Gedanken.

Meine Finger glitten dazu über meinen vom intensiven Erleben des Irrealen schweißgebadeten Körper und überfielen nochmals meine verschwitzte feuchte Möse.

 

 

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Auch an diesem Morgen wachte ich nicht wirklich erholt auf, aber im Gegensatz zum gestrigen Morgen tief zufrieden. Mein Traum hatte mir einmal mehr deutlich gezeigt, was und wer ich war und bin, was ich in meinem Innersten wollte. Ich wollte Sklavin sein, mit allem! Dazu gehörte es auch, mich in die Hand meines Herrn zu begeben, nicht unbedingt vorher zu wissen, was mit mir passiert.

Wenn der Herr sich an seine eigenen Worte und seine Versprechen hielt, konnte ich mit der tiefen Überzeugung, dass an diesem Tag nichts mit mir geschähe, was meinen verborgenen Wünschen widerspräche, den Tag gelassen, heiter und erwartungsvoll beginnen. Außerdem begann auch langsam in mein Bewusstsein durchzusickern, dass ich gewissermaßen ja schon ’sein Zeichen’ trug, er demzufolge gar keinen Grund hatte, mir mehr als eine schöne Erinnerung zu hinterlassen.

Nach dem obligatorischen morgendlichen ’Frondienst’ war zunächst Morgenhygiene angesagt. Eine gründliche Körperreinigung ist eine Selbstverständlichkeit, mit der Ungewissheit, wo später Zange und Nadel angesetzt würden, fiel sie stellenweise besonders sorgfältig aus, dabei Unanständigkeiten zu unterlassen war nicht immer leicht.

Ich hatte mich schon so daran gewöhnt, dass ich es jetzt sogar fast vermisste: das Pendeln der Kette. Der zufriedene Blick in den Spiegel und die Enge am Hals bestätigten mir trotzdem: ich war immer noch ich, auch ohne Kette vom Hals war ich eine Sklavin und sofort als solche zu erkennen.

Etwas anderes fiel auch mehr und mehr auf: ein Jucken in meiner Arschspalte.

 

Noch einmal im Burghof brunchen, mit Freunden in der Sonne sitzen, lachen, für einige auch Kater streicheln und füttern. Dieses tierische Problem hatte ich zwar nicht, war aber mit meinen Gedanken oft bei dem, was nachher geschehen sollte; gelassen, aber neugierig. Nach dem Essen schlossen wir uns zunächst auch der kleinen Gruppe an, die noch ein paar Schritte zur Verdauungsförderung machen wollte, suchten aber bald schon nach einer Ausrede, um uns unbemerkt von den Anderen zu Laura zu begeben.

„Du bist die, die sich spontan noch etwas verschönern lassen lassen will?“ begrüßte sie mich. „Weil du den Termin nicht selbst abgemacht hast, muss ich dich fragen, ob du das wirklich willst?“

„Also, mit meinem Herrn ist vereinbart, dass es nicht in sichtbaren Bereichen und nicht an medizinisch kritischen Stellen gestochen wird, wenn dem so ist, und da muss ich dir einmal vertrauen, dann will ich es.“ Das Einverständnis für das Piercing zu erklären fiel mir dabei erschreckender weise genauso einfach, wie es sich mittlerweile natürlich und normal anfühlte, gegenüber einer Dritten ’mein Herr’ auszusprechen. „Was soll ich freimachen?“, fragte ich mit einer gespielten Unschuld in der Stimme, wusste ich doch nach der Antwort, wo der Hase lang läuft.

„Am besten einfach alles, nimm schon mal Platz“, und wies auf die Art gynäkologischem Stuhl, auf dem vor wenigen Stunden schon Kirsten gesessen hatte und dessen Bild mich in der Nacht noch einmal besucht hatte.

Ausziehen ging schnell, des einen Kleidungsstücks hatte ich mich im Nu entledigt, von meiner Neugierde war ich aber noch nicht erlöst. „Ah, ich sehe, du bist bei weitem keine ’Jungfrau’ mehr, dann kann ich mich ja mit Hinweisen auf die Pflege für die nächste Zeit kurz fassen“, äußerte die junge Frau mit einem Lächeln, nachdem ich nun offen vor ihr lag.

 

Laura trug die Betäubungssalbe nun genau dort auf, wo gestern die Klammern saßen, genau dort, wo das Gefühl immer noch nicht normal war, absolut undefinierbar zwischen dem Wechsel und der Gleichzeitigkeit von abklingender Taubheit und einer besonderen Sensibilität.

Große Schamlippen, an die hatte ich gestern gar nicht gedacht. Einmal blitzte kurz die Überlegung auf, ob ich protestieren und gehen sollte. Aber nein, eine gute Sklavin, die ich ja nun mal sein wollte, denkt nicht einmal daran. Außerdem: mein Gebieter hatte sich an seine Ankündigungen gehalten, dass ich überrascht war, lag nicht an ihm, sondern an meiner fehlenden Fantasie.

Dem Herrn ist indes meine kleine Enttäuschung nicht verborgen geblieben. „Den Ring, von dem du träumst, den musst du dir erst verdienen“, sagte er dann mit einem freundlichen Blick auf den auffällig aufrecht- stehenden Ort meiner Begierde.

 

Nach einer gewissen Einwirkzeit setzte die Piercerin die Zange an. Dann: der Stich, ein Schmerz,    und mindestens eine Träne, doch eher ein paar mehr. Vielleicht auch irgendwo ein Endorphinchen, aber auch ein kleines Gefühl von Glück. Unwillkürlich drückte ich die Hand meines Halters.

Es ist nicht das endgültige, unauslöschliche, nicht zu verbergende Sklavenzeichen, welches mir in meinem Traum auf den Oberschenkel gebrannt wurde! Es ist nicht so, dass mein ganzes bisheriges Leben mit einem Wimpernschlag für nichtig erklärt und ein neues Kapitel als Gebrauchsgegenstand begonnen wurde. Aber wer will so etwas denn auch in der Realität?

Ich war als Sklavin verkauft worden, ich war als Sklavin markiert worden! Darauf kommt es doch an. Das fühlte ich, und das fühlte sich, trotz allen Schmerzes, richtig an, es fühlte sich zusammengehörig an, und damit gut.

Ebenso wie Jürgen bei Kirsten gestern, sah der Herr mir beim Stechen des Loches in die Augen. „Die Ringe da unten kann ich mir noch oft genug ansehen, und ich werd’s auch machen, diesen Blick in deinen Augen gibt’s aber nie wieder zu sehen“, erklärte er mir auf meinen verdutzten Gesichtsausdruck hin.

„Ich setze dir jetzt erst einmal einen einfachen Barbell ein. Dein Besitzer hat aber nach dem Abheilen eigene Vorstellungen, welche Schmuckstücke du tragen wirst.“ Die Ringe? Schmuckstücke? Haben die beiden einen Sprachfehler oder habe ich irgendetwas noch nicht mitbekommen?

Nach einer kurzen Erholungszeit, die Laura auch für die Nachbereitung genutzt hatte, wollte ich mich nun langsam aus diesem Stuhl bewegen. „Liegenbleiben! Du bist einverstanden gewesen, dass dich deine Fragerei von gestern was kosten wird. Und diese Rechnung wird jetzt direkt beglichen. Ich hatte eben den Eindruck, du wünscht dir oben eine Symmetrie? Unten bekommst du sie heute schon.“

Ich guckte irritiert, Laura guckte nicht minder irritiert darüber, dass ich offensichtlich die einzige war, der nicht bewusst war, dass das erst die halbe Wahrheit war. Sie begann, ganz gemächlich und überaus langsam zu sprechen, so, als ob sie mir alle Zeit der Welt geben wollte, noch einmal nachzudenken: „Also,   ich   mach   dann   einfach   mal   weiter,   und   wenn   du   nicht   widersprichst,   dann   gehe   ich   davon   aus,   dass   das   alles   in   deinem   Sinne   ist.“

Da war er nun bei mir, der ’schwarze Peter’, wiederum das kurze Gedankenspiel, ob ich das mit mir machen lassen sollte. Und wieder das gleiche Ergebnis: eine gute Sklavin, die ich ja nun mal sein wollte, denkt nicht einmal daran, sich zu verweigern.

Mein Gebieter hatte sich immer noch an seine Ankündigungen gehalten, er hatte mir gesagt, dass mich meine Fragerei etwas kosten würde und ich war damit einverstanden. Und ich überwand mich auch, es auszusprechen, konnte mir aber eine leichte Ironie nicht verkneifen: „Ja, sein Wille geschehe.“

Daraufhin wurde die Zange noch einmal platziert, diesmal wusste ich auch vorher, was auf mich zukam. Die Erinnerung an den Schmerz des Stiches war noch nicht verblasst, ebenso hatte der sensible fleischige Ort bereits mehr als deutlich kundgetan, dass auch er sich noch an die gestrigen Klemmen erinnerte. 

Ich sah meinen Herrn an, diesmal drückte er meine Hand: „Mea favea, du bist stark genug, Augen zu und durch.“ Ich lächelte ein wenig gequält und hatte die Augen noch nicht zu, da stach dieses Luder auch schon wieder zu. Die Augen waren inzwischen richtig zu, zugekniffen, das hatte den Vorteil, dass Tränen kaum raus konnten.

Es war vollbracht!

Und ganz langsam begann ich, eine Wahrheit, meine Wahrheit über mich zu erkennen. Es war genau dieser Stich, dieser zweite Stich, genau dieser Schmerz des zweiten Stiches, der das besiegelte, was ich bin.

Der Schmerz, den der Mann, der mich auf einer Auktion ersteigert hatte, mir zufügen ließ und wie selbstverständlich entschieden hatte, dass ich ihn ertragen müsse.

Der Schmerz, den ich bereit war zu erdulden, nicht aus Liebe wie einst schon einmal, sondern als sei eine solche Verfügung das gottgegebene Recht eines Eigentümers.

Der Schmerz, den anzunehmen mich zu dem machte, was ich bin und in meinen Sehnsüchten schon immer war:    eine Sklavin.

 

„So, du hast es hinter dir“, sagte Laura und reichte mir ein Papiertaschentuch für meine Tränen, für die sie sich schuldig fühlte und bei denen sie wohl kaum gemerkt hatte, dass sie zwischenzeitlich zu Freudentränen mutiert waren. Während sie noch mit der Nachsorge beschäftigt war, schaute ich auf meinen Herrn, sein Blick sagte mir, dass ich mir da nicht so sicher sein konnte, dass ihm diese Veränderung entgangen war.

Nachdem die Piercerin geäußert hatte, es sei wohl besser, die nächste Zeit atmungsaktive saubere Unterhosen zu tragen, reichte er mir einen Slip aus meinem Koffer und bemerkte: „Ich habe vorsorglich schon mal einen mitgebracht, damit du mir zuhause nicht gleich krank wirst.“

 

 

Wir gingen wieder zu den Anderen nach draußen, ich leicht breitbeinig. Mein verschmiertes Augen Make-up konnte niemand übersehen, die Fragen, was denn los sei, beantwortete ich schnell damit, dass es mir nun mal sehr schwer fiel, Abschied zu nehmen. Den ersten Abschied hätte ich eben bereits genommen, das stimmte ja auch, ich verschwieg nur, dass ich nur einer klitzekleinen gänzlich unbedeutenden Kleinigkeit adieu gesagt hatte: meiner Freiheit.

„Dann ist es nun leider an der Zeit, dir deinen Halsschmuck abzunehmen“, erklärte der Herr und wies mit einer Hand auf eine Ecke des Burghofes. „Da hinten ist ein Amboss, dort können wir das erledigen.“

Beim Eisenblock angekommen, musste mich dann so beugen, dass der Fortsatz des Halseisens in meinem Nacken auf dem Schmiedeblock auflag, der Hals selbst aber nicht. Mein Herr nahm einen scharfen Meißel, trennte mit ein paar Hammerschlägen den Kopf des Niets ab und drückte dann mit weinigen leichten Stößen den Rest des Niets aus dem Stahl. Nachdem mein Eigentümer nun sein Eigentum aufgeklappt hatte, konnte ich mich befreit wieder aufrichten.

Befreit?     Ich fühlte mich aber nicht befreit.    Ich fühlte mich  …  nackt!

Obwohl ich nicht weniger Kleidung am Körper hatte, fühlte ich mich plötzlich nackt. Und irgendwie allein gelassen.

 

„Die Handgelenkmanschetten lassen wir heute noch mal dran, hier ist ein Schlüssel dafür. Der passt übrigens auch für das Vorhängeschloss des Collars, mach ihn daher besser sicher an deinen Schlüsselbund.“ Den Verbleib eines Teils des Stahls an meinem Körper hätte ich eigentlich beschämend finden müssen, ich empfand ihn aber nicht negativ.

Auch wenn ich der Peinlichkeit jedes nicht nur flüchtigen Blicks auf mich entgehen musste, ich wickelte einfach ein Halstuch um mein linkes Handgelenk, das rechte war auf der Autofahrt sowieso kaum zu sehen. Für mich stand das beruhigende Gefühl im Vordergrund, dass mein Gebieter genau genommen doch noch mittelbar bei mir war.

 

Apropos mein Gebieter. ’Gebieter’, etymologisch wohl von Geboten, meinetwegen auch umgekehrt, denn ich war noch völlig in melancholischen Gedanken, da hatte er bereits angesetzt, Pflichten für mich zu formulieren:

„Zunächst fangen wir erst einmal mit wenigen ganz einfachen Regeln für die nächste Woche an:

Jedes Mal, wenn du nach Hause kommst, wirst du unverzüglich drei Dinge tun:

Erst einmal legst du direkt nach dem Betreten deiner Wohnung die Handgelenkmanschetten an und lässt die Schlösser einrasten. Des Weiteren wirst du dir das Collar um deinen Hals legen, das Vorhängeschloss durch die Ösen führen und es ebenfalls einrasten lassen. Zu guter Letzt wirst du unter deinen Rock oder das Kleid greifen und deinen Slip in die Wäsche geben.

Ich will aber kein Unmensch sein, wenn du nur kurz zu Hause bist und sofort, sage ich mal in weniger als ca. 20 Minuten, wieder losgehst, z.B. zum Einkaufen, brauchst du das nicht machen, ansonsten bleiben sie bis zum nächsten Morgen, bevor du dich auf den Weg zur Arbeit machst.

Und dass ich wirklich kein Ungeheuer bin wirst du daran sehen können, dass ich dir zunächst sogar gestatte, es dir so oft zu machen, wie du willst. Allerdings unter drei Bedingungen: Frühestens eine Stunde, nachdem du dein Collar angelegt hast, und spätestens eine Stunde, bevor du es wieder ablegen wirst. Weiterhin wirst du mir jedes Mal, und ich meine wirklich JEDES MAL, eine Kurznachricht mit einem ’+’ schicken. Dass du dabei eine Sorgfalt mit deinen neuen Piercings an den Tag legen wirst, versteht sich von selbst.“

 

Ein Danaergeschenk! In schöner Regelmäßigkeit ein ’plus’ versenden? Das würde schnell zu einem ’Minus’ oder zu meinem Kreuz werden, denn ich war überzeugt, ich bezahlte jedes plus einmal ganz teuer. Und trotz dieses Wissens war ich mir gewiss: ich würde es nicht ganz lassen können, dafür war die gesamte Situation einfach zu  …  anregend.

Durch die zeitlichen Beschränkungen sorgte er ganz bewusst dafür, dass sich in meiner Abend- und Morgenplanung meine Lust mehr und mehr in den Vordergrund drängte. Ich sah mich abends schon auf der Uhr die vollendete Stunde herbei beobachten und ahnte bereits, dass ich mich morgens wie ein Raucher verhalten würde, dem man mitteilt, er dürfe zwar noch jetzt, aber dann einige Stunden nicht mehr rauchen. Die Aufgaben der 'Kleiderordnung' zu erfüllen betrachtete ich dagegen nicht als ernsthafte Herausforderung.

 

 

So langsam stand es an, das Abschied nehmen. Abschied vom Brautpaar, Abschied von den Freunden, Abschied von der schönen Burg und von diesem Event. „Dich haben wir ja erst dieses Wochenende kennengelernt, aber wir empfinden es als Gewinn“, sagten meine Freunde zu meinem Herrn. „Hast du dich denn an diesen Tagen auch amüsiert?“

„Ganz und gar, immerhin habe ich mich bei der denkwürdigen Versteigerung ausgesprochen gut unterhalten und einen hervorragenden Kauf gemacht. Da war ich mir von Anfang an sicher, und das hat sich gestern und heute noch einmal bestätigt. Durchgängig also ein voll und ganz gelungenes Fest“, antwortete mein Herr mit einer Begeisterung in der Stimme, die nicht nur aus Höflichkeit vorgetäuscht sein konnte.

Ich, ein ’hervorragenden Kauf’. Es kam ein bisschen Stolz in mir auf, den auch ich bei der Verabschiedung von den Anderen nicht ganz aus den leuchtenden feuchten Augen und den Vibrationen meiner Stimme bekam. Kirsten und Sigrid bemerkten es auch, aber besonders Beate; Gleich und Gleich erkennt sich gern.

 

Als letztes verabschiedete sich der Herr von mir: „Ich erwarte dich am Freitag, 18.00 Uhr bei mir, anständig gekleidet wie es sich für eine Sklavin geziemt.“

Da hatte ich ihn dann, den Salat, gerade noch stolz wie Oskar, jetzt noch just eben wieder den ’schwarzen Peter’ untergeschoben bekommen: ’anständig gekleidet wie es sich für eine Sklavin geziemt’.

Ich würde mich wohl an diesen düsteren Begleiter gewöhnen müssen.

Am Freitag ließ ich den Türklopfer wenigstens pünktlich seine Arbeit verrichten, angespannt seine Beurteilung erwartend, ob ich meine Aufgabe auch zur Zufriedenheit ausgeführt hatte. Nach dem Öffnen begutachtete mich mein Herr sorgfältig. Und ich? Ich begutachtete den Blick ins Haus und war einfach nur erschlagen, einfach erschlagen von den Phantasien, die diese Balken in mir auslösten  ….

 

 

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Kommentar(e)

Eine tolle Geschichte, sehr schön erzählt. Ich konnte sehr schön in die Geschichte eintauchen und mich mitnehmen lassen. Vielen Dank dafür. 

LG Ornella