Eine ungewöhnliche Hochzeitsfeier 4/8

"Klappentext"

Eine stellenweise romantische Liebesgeschichte für die, die beim Wort ‚goreanisch’ nicht zuerst an die Herkunfts- Bezeichnung eines ostasiatischen Staates in sächsischem Dialekt denken. Die Protagonistin und ihre ‚Leidens’gefährtinnen werden nach guter alter goreanischer Tradition an den Mann gebracht, ein kostspieliges Unterfangen für den Herrn, Kostbarkeiten zu erwerben

 

 

Lebensmotto

„So, dann wollen wir mal hören, was uns die Sklavinnen sagen wollen. Die grauen Aufkleber bitte, grau wie die Mülleimer, wir wissen doch, Sklavinnen haben nichts zu sagen, das gehört auf den Müll“, verkündete er leicht lachend, wissend, welch tosenden Beifall er damit dem Mob entlockte.

 

Wieder wurde jede an einen anderen Platz verfrachtet, zu unseren neuen Eigentümern gerichtet, ich stand ganz links. Etwas änderte sich jedoch und verschaffte uns ein wenig Bewegungsfreiheit.

Waren unsere Pranger bisher immer an Auslegern der Bretterwand befestigt, jetzt ließen sie dünne Ketten von der Decke herab, an denen wir eingehakt wurden.

 

„Wenn ihr schon nichts zu sagen habt, dann soll es doch wenigstens schön klingen“. Mit diesen Worten befreiten sie uns von den Gags. „Entspannt und lockert euch ein bisschen.“

Fast merkwürdig, dass nirgends eine laute Wut über die lange Knebelung zu vernehmen war, sondern den Verursachern des Schmerzes eher eine leise Dankbarkeit über das Ende der Maulsperre begegnete.

 

Also, gleich ein Lebensmotto. Lange genug hatte ich Zeit gehabt, zu überlegen, welches Motto zu mir und auch zu einem Herrn passte, den ich mir wünschte. Ich entschied mich für einen lateinischen Spruch, um wenigstens die größten Vollpfosten von mir fernzuhalten.

Nicht, dass man unbedingt Latein können muss, um kein Pfosten zu sein. Ich selbst kann es auch nicht, aber die, denen man ihre Schuhe zeigen muss, wenn sie sie zuschnüren wollen, haben in der Regel keine lateinische Grundbildung.

 

Bei früheren Überlegungen, ob ich mich tätowieren lassen sollte, und wenn ja, welches Motiv, hatte ich mich mit lateinischen Sprüchen auseinander gesetzt.

Auch wenn es nie zu dem Tattoo gekommen ist, die Beschäftigung damit sollte sich jetzt auszahlen. Ich fühlte mich sicher.

 

‚Ego sum satis, digna amare’

Frei übersetzt: Ich bin genügend, unzureichend aber genügend, und trotz oder wegen meiner Unzulänglichkeiten es wert, geliebt zu werden.

Ich fühlte mich sicher.

 

„Sklavinnen, ihr dürft jetzt einen Satz an euren zukünftigen Herrn richten. Hey, fang an“ und tippte dabei die Leidensgenossin ganz rechts an.

 

„Denk nicht so oft an das, was dir fehlt, denkt an das, was du hast!“

Ein schöner Spruch für eine Sklavin. Die Erinnerung kam auf, welch große Freude mir die kleine Tatsache bereitet hatte, nicht mehr den Blicken des Pöbels ausgesetzt zu sein.

Denkt nicht an die Freiheit, die eine Sklavin nicht hat, wenn sie ihrem Herrn dient.

Denkt an die große Freude, die sie empfinden darf, wenn der Herr ihr eine kleine Geste der Zuneigung entgegenbringt.

Ein schöner Spruch für eine Sklavin, vielleicht sogar ein schönerer als meiner, aber dennoch, ich fühlte mich sicher.

Genoss mit ein paar Bewegungen noch den Meter neu gewonnenen Freiraum.

 

„Lachen, weinen, Lust, und Schmerz sind Geschwister“  sagte die zweite mit einer Stimme, der  die Folgen der langen Knebelung noch anzuhören war.

Schwester, die Peitsche kommt früh genug, du brauchst nicht darum bitten.

Ich lockerte noch ein wenig den Kiefer und fühlte mich sicher.

 

Die Nächste war dran: „Ego sum satis, dignus amare“

Ich fühlte mich ….  SCHEISSE

Verbrannt! Egal, welche Form nun die richtige ist, für mich blieb nichts Gutes.

Einfältig, einfältig und dumm oder oberlehrerhaft war alles, was mir mit diesem Spruch blieb.

Der Spruch ist verbrannt.

 

Was Neues, mein Leben, in nicht einmal einer Minute.

„Glücklich ist allein die Seele die liebt“

„Ich bereue nichts außer dem, was ich nicht getan habe“

Vanillepudding

„Das Leben beginnt am Ende der Komfortzone“

„Ohne Leiden bildet sich kein Charakter“

Da konnte ich ihm die Peitsche gleich selber in die Hand drücken.

Einige Sekunden noch, ich hörte nichts mehr außer meiner schreienden inneren Stille. Über welchen Spruch hatten wir damals im Tattoo Studio noch geredet? Hoffentlich grammatikalisch richtig, es soll Leute geben, die sich mit dem japanischen Zeichen ’ich bin eine Hühnersuppe’ haben ihre Haut verzieren lassen.

 

„Los, du bist jetzt dran“ -Gedanken sortieren- „Wird’s bald, Schlampe. Oder willst du den Herrschaften zeigen, dass du weißt, dass du nichts zu sagen hast?“

Lautes Gebrüll und Gejohle.

 

„Ubi tu, ibi ego tua ancilla“ stotterte ich und vergaß völlig den Gaius.

„Sic itur ad astra, mea favea” antwortete eine fast schon vertraute, warme, schöne, tiefe Stimme.

Ich hatte nichts verstanden. Ich hatte fast nichts verstanden. Ich hatte nur ein Wort verstanden.

Ein Wort wie ein Versprechen, ein Wort wie eine Hoffnung, der Hoffnung auf Erlösung.

Ein Wort wie das Versprechen, ankommen zu dürfen, zuhause angekommen zu dürfen.

Zuhause angekommen zu sein: 'mea' 

Und favea? Ich wusste nicht, was bedeutet, aber es klang nach mir. Es klang, als wusste 'Er', wer hier steht. Es klang, als kannte 'Er' meinen Namen.

Und ich fühlte mich …. sicher.

 

„Nun, verehrte Herrschaften, Sie konnten sich jetzt ein gutes Bild von unserer Ware machen. Bevor gleich der Höhepunkt des Abends, der Verkauf durch die Versteigerung, beginnt, lassen wir den Sklaven die besondere Ehre zuteil werden, sich an den Kosten des eigenen Erwerbs zu beteiligen. Sehr geehrte Herren, wir möchten Sie damit schützen, es soll nachher niemand sagen können, es sei nicht gerecht und fair zugegangen“, teilte Robert den Käufern in süffisantem Ton mit.

Er fuhr fort, Richtung und Ton geändert: „Die Herren werden euch gleich ein für sie passendes Lebensmotto mitteilen, auf das ihr einen Betrag setzen könnte.“

 

Für mich stand fest, jeder Betrag, den ich setzen konnte, alles auf 'sein' Motto. Diese Stimme würde ich unter allen anderen sofort erkennen. Auch, wenn 'Er' sagte, dass es nicht unbedingt Freiheit für mich bedeutet.

Aber, suchte ich denn wirklich nach der Freiheit, ist sie denn wirklich das einzig Erstrebenswerte? Sind nicht auch Liebe, Geborgenheit und Verbindlichkeit ebenso hohe Werte?

Auch wenn ich ihnen in meinem bisherigen Leben ständig so konsequent aus dem Weg gegangen war.

 

„Wir werden also gleich ein Blatt mit den Mottos der Käufer vor euch hängen“, Teilte der Auktionator uns mit.

Scheiße, keine Stimme, nur geschriebenes. Aber er kann Latein, ich konnte also meinen Betrag auf das lateinische Motto platzieren. Und wenn es dann nicht ihn getroffen hatte, blieb immer noch die Tatsache bestehen, die größte Trottellumme kann kein Latein.

Eine gute Sklavin muss jeden Besitzer akzeptieren, sie braucht den Deppen aber nicht noch den Weg ebnen und die Tür aufhalten.

 

„Lest euch das in Ruhe durch, teilt uns dann mit, wie ihr eure 5 Euro aufteilen werdet.“

Verarschung, nichts als Verarschung.

5 Euro!!

Ein Wochenende in diesen edlen Schuppen, Verpflegung, Saalmiete drauf, pro Paar summierte sich das schnell auf einen kleinen vierstelligen Betrag. Und ich durfte als meinen Einfluss 5,00 € geltend machen?

Ich fühlte mich verarscht und verramscht.

Der erste Gedanke: Schiebt euch diese 5,00 € aus der Sonne.

 

Welch kindlicher Rückfall.

Niemand hat gesagt, dass es immer leicht ist, eine gute Sklavin zu sein.

‚Denk nicht so oft an das, was dir fehlt, denkt an das, was du hast!’

Ein schöner Spruch für eine Sklavin, sie muss ihn aber auch verinnerlichen.

Und ich wollte ihn als einen Leitsatz annehmen, ich wollte eine gute Sklavin sein, die beste.

 

So las ich mir also die Liste mit den Mottos der Herren durch, nicht ohne vorher zu zählen, wie viele Bieter es gab und nach dem Lateiner zu suchen. Es waren 18. Sprüche, davon acht lateinische, allein viermal ’carpe diem’ und einmal abgewandelt ’carpe noctem’.

Das half nicht weiter, außerdem durfte eine derartige Phantasielosigkeit nicht auch noch belohnt werden.

’In vino veritas’ flog raus, einen Säufer brauchte ich nicht.

Blieben zwei übrig: ’Veni, vidi, vici et veni’ war mir zu kindlich und ’Alea jacta est’, zu nichts sagend. Dann hat er halt Pech gehabt, sagte ich mir.

Die fünf Euro verteilte ich auf Sprüche, die mir an jenem Abend sehr nahe waren:

’Wenn deine Träume dir keine Angst machen, sind sie nicht groß genug’,  ’Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende’,  ’Life is a journey, not a destination’,  ‘Stars can't shine without darkness’  und  ’Honi soit qui mal y pense’

 

’Alea jacta est’, nachdem Robert sich unsere Beiträge hat mitteilen lassen, machten sein Gehilfe und er sich unverzüglich daran, die Bretterwand vor uns zu demontieren.

Mit jedem demontierten Teil brandeten die Lautstärke und das Gegröle im Saal wieder auf, der Höhepunkt war erreicht, als wir alle sechs offen auf der Bühne standen.

 

Die Auktion  

„So, meine Damen und Herren, es ist so weit, der Höhepunkt des Abends, dass glorreiche Finale steht bevor. Sie können jetzt auch eine unserer wunderschönen Sklavinnen bieten, um sie für dieses Wochenende zu kaufen. Jetzt sind auch wieder alle Damen und Herren zugelassen, nicht nur die mit Bieterkarte. Dass wir heute außergewöhnlich gute Ware anbieten, davon konnten sie sich ausgiebig überzeugen. Wir werden gleich die einzelnen Objekte, oder sollte ich besser sagen“, fügte er in einem herablassenden Ton hinzu, „die Objekte der Begierde, in ihrer ursprünglichen Reihenfolge versteigern. Wir beginnen jeweils mit 500 € und es wird in fünfziger Schritten geboten.“

500 € als Startgebot, das war schon mal eine Ansage für ein Wochenende ohne Anspruch auf Sex, ob sich wohl wirklich alle daran halten würden?

 

„Wir beginnen jetzt mit Sklavin Nummer eins, meine Damen und Herren. Ihnen ist ja nicht entgangen, dass sie noch nicht sehr gut erzogen ist, und noch ein wenig“, Robert hüstelte „wie nenn' ich’s mal, peinlicher Unterstützung bedarf.“

Der Assistent schob sie auf die Mitte der Bühne.

 

Unsere 'Anwältin’, vielleicht zehn Jahre jünger als ich, etwa gleiche Größe, dunkle Haare und insgesamt üppig, sehr üppig an der Grenze zum Übergewicht, nichtsdestoweniger ein hübsches Gesicht und, wie bereits erwähnt, nicht formlos. Manchmal hatte ich mir dennoch gedacht, diese Figur möchtest du in zehn Jahren noch nicht haben.

 

Robert konnte das etwas charmanter ausdrücken, auch wenn Charme uns gegenüber bisher nicht gerade zu seinen charakteristischen Tugenden gehörte. Aber wenn’s dem Preis dient, schien er Kreide fressen zu können. „Verehrte Herrschaften, hier haben wir ein Exemplar im besten Alter für die Freunde der weiblichen Formen, sie sehen: Rundungen, wo Rundungen hingehören, kein Knochen ragt spitz hervor. Wir beginnen jetzt mit den Geboten, höre ich 500?“

 

In der Menge gingen mehrere Arme nach oben, Nickzeichen waren zu erkennen, ich hatte Mühe, den Überblick zu behalten.

Nicht so Robert: „500, fünf50, sechs, sechs fü.. , sieben, fünfz.. , acht, acht 50, neunhundert, ja, schauen sie dieses Prachtweib noch einmal an“, und wies sie, sich auf der Bühne zu drehen, „wusst’ ich’s doch, neunfünfzig, tausend. Ja, damit ist der Höchstbetrag erreicht, möchte noch jemand von den Herren mit Bieterkarte mitgehen? Ja, ich sehe und notiere sieben.“

 

Sie kam zu uns zurück in die Reihe und hatte einen zufriedenen Gesichtsausdruck. Soeben verschachert, noch nicht einmal wissend, an wen, und dennoch überaus zufrieden?

Und ihr Gefühl war bei näherer Betrachtung voll und ganz nachvollziehbar.

Die Behandlung war absolut peinlich und demütigend, aber die Spitze der Verachtung war ihr erspart geblieben: mehreren Männern gefiel, was sie sahen.

 

Ich begann kurz unser uniformes Schönheitsideal, welches uns immer und überall vermittelt wird, in Frage zu stellen. Mehr als ein halbes Dutzend Männer waren bereit, über 1000 € für ein Wochenende mit dieser Frau zu zahlen, die gerade eben nicht diesem allgemeinen Schönheitsideal entsprach.

 

„Gehen wir jetzt weiter zu Nummer zwei, sie wissen ja, der einzige Schmuck, den ein Mann braucht, ist die Frau an seiner Seite. Und hier, meine Herren, haben wir nun leibhaftig einen absoluten Rohdiamanten. Wobei roh gar nicht zutrifft, wir haben doch alle gesehen, sie ist sehr gut erzogen und von einer schnellen Auffassungsgabe für ihre Stellung, wir haben also einen absoluten Diamanten.“

Die 1000 € waren auch sehr schnell erreicht, wobei der erste, der das Gebot machte, wirklich abstoßend aussah und genauso widerlich ein ‚Ich werd dich durchficken wie noch keiner vorher’ in den Raum rief.

Ihre Panik beruhigte Beate mit der Bemerkung, dass nur die Männer mit Bieterkarte, die das Höchstgebot mit boten, zu beachten seien, also nicht dieser Fiesling aus dem Pöbel.

 

„Jetzt haben wir noch ein weiteres wertvolles Stück, wie ein guter Wein mit dem Alter gereift und immer wertvoller geworden, also eine wahrhaftige Zierde für den lebenserfahrenen Mann von Welt.“

Auch bei Beate war das Höchstgebot schnell erreicht, es wurde auch noch neunmal nach geboten. Schöner hätte man kaum ausdrücken können, dass sie auch nicht mehr ganz so jung war, auch sie kam richtig erleichtert zu uns zurück.

 

Jetzt also kam ich an die Reihe und wurde ins Scheinwerferlicht geführt.

„Und gleich noch solch einen schönen reifen Wein, diesmal einen roten, einen echten Rubin.“

Ich wollte, wollte die Beste sein, ich präsentierte mich, auch dem grölenden Bodensatz des gemeinen Volkes.

500

Die Scham über deren beleidigenden und herabwürdigenden Gebrüll schienen zu einem fernen historischen Ereignis geworden zu sein.

550

Selbst neuerliche erniedrigende und verachtende Schmährufe konnte ich an mir abprallen lassen, ich schaffte es sogar, sie anzulächeln.

600

Der Versuch, aus dem hellen Lichtschein in die Reihe der potentiellen Käufer zu sehen, brachte neben dem Sehen vieler grauer oder fehlender Haare keine wesentlichen Erkenntnisse. Nur Wenige waren deutlich jünger.

650

Mein Alter, immerhin knapp über fünfzig, schreckte also nicht unbedingt, außerdem musste ein Herr für ein solches Wochenende ja auch über gewisse finanzielle Ressourcen verfügen.

700

Unbedingt wollte ich den Mega- GAU der Erniedrigung abwenden, die erste zu sein, für die nicht bis zum Ende geboten würde.

750

Um meine recht kleinen Brüste besser zur Geltung zu bringen, drückte den Rücken nach vorn, die ausgebreiteten Arme durch den Pranger erwiesen sich dabei als unauffällig hilfreich.

800

Absolut nuttig drehte ich mich fast nackt im Rampenlicht und konnte sowohl die taxierenden, als auch die bewundernden Blicke angewidert fühlen und gleichzeitig lustvoll genießen.

850

Manchmal schämte ich mich noch dafür, dermaßen dreckig und vulgär zu sein, dabei war und ist es doch in manch einer -wenn auch fantasierten- Welt eine Normalität, dass Sklaven gehandelt werden, ich war und bin eine Sklavin.

900

Ich war einerseits geschmeichelt, andererseits beunruhigt ob der Tatsache, dass jemand so viel Geld für das Wochenende mit mir zahlte, um mich dann noch nicht einmal zu vögeln!?

950

Die Anspannung der Situation unter dem ‚Hammer’ überlagerte jede Erregung, dennoch legten wohl weiße Ränder im Slip ein eindeutiges Zeugnis früherer Empfindungen an dem Abend ab.

„1000 € Noch Mitbieter beim Höchstgebot?“

Es war geschafft, ich war nicht die Erste! Mit einem zufriedenen zehner Lächeln ging ich in die Reihe der anderen zurück.

 

Bevor Nummer fünf in den Lichtkegel geführt wurde, schaffte ich es noch, ihr „Denk daran, Du bist schön und sie sind perfekt“ zuzurufen.

„Wieder ein Beweis, dass wir heute nur erstklassige Ware anbieten, Sie sehen hier ein exquisites Juwel und können es auch erwerben.“

Kein Wunder, dass das Maximalgebot schnell erreicht war, sie kam wieder nach hinten und lächelte mich an. Ein Lächeln der Dankbarkeit einer Leidensgefährtin oder ein arrogantes zwölfer Lächeln eines Models?

 

„Hier haben wir auch schon die letzte Möglichkeit des heutigen Abends, eine wunderschöne Sklavin zu ersteigern.“

Er hatte nicht übertrieben, in ihrer Traurigkeit ging manchmal ein wenig unter, dass sie wirklich sehr schön war. Folglich gingen auch bei ihr die Gebote schnell in die Höhe, mehrmals wurde der Höchstbetrag gehalten.

 

„Meine Damen und Herren, ich wage es kaum, Ihnen die traurige Mitteilung zu machen, aber das war sie, die letzte Gelegenheit, jetzt bleibt nur noch die Übergabe an die neuen Eigentümer.“ Spöttisch fuhr Robert fort: „Damit sich die Sklavinnen in ihrer unendlichen Vorfreude dabei durch nichts ablenken lassen und sich nicht selbst die Überraschung nehmen, werden wir ihnen einfach die Augen verbinden.“

 

Gesagt, getan, es wurde dunkel.

Erneut begann ein entsetzliches Warten, ein dunkles Ausharren ohne jeden Einfluss, noch nicht einmal mehr die Illusion eines Einflusses.

Erst jetzt begann ich, wirklich darüber nachzudenken, wer mich soeben für das Wochenende ersteigert hatte.

War es einer dieser widerlichen Viehtreiber, musste ich direkt zu Kirsten und Jürgen gehen und sagen: ‚Wie konntet ihr nur, mit dem Typen, das geht niemals, nicht einmal für eine Stunde’

Was würde Kirsten antworten? ‚Vera, wir beide wissen doch seit Jugendzeiten genau, wie geil es dich macht, eine Sklavin zu sein! Aber gleichzeitig willst du die Kontrolle behalten? Ohne es ernsthaft anders versucht zu haben? Das kann nicht dein Ernst sein!’

Damit begann ich, überhaupt erstmal darüber nachzudenken, dass ich soeben von Menschen, die ich für Freunde hielt, an einen x-beliebigen Mann verkauft worden war.

Und ließ noch einmal die Empfindungen zu, die das Erlebte in mir ausgelöst hatte. ‚In mir ausgelöst und aus mir geflossen’, dachte ich mit einem Lächeln. Dieses Lächeln, diese Gedanken versöhnten mich mit meinen Freunden und mit der Situation, ich begann, die Erregung zuzulassen, begann, das Warten genießen zu können.

 

Warten auf den, der mir gleich das Eisen um den Hals legen würde.

Warten auf den, mit dem ich die Nacht verbrächte.

Gespenstisch, gespenstisch und schaurig, schaurigschön, und irgendwie auch einfach nur schön.

 

„So, verehrte Herrschaften, es ist zusammengerechnet, alles ist entschieden, wir werden jetzt den erfolgreichen Bietern mitteilen, dass sie nach der Bezahlung Wochenend- Eigentümer einer Sklavin geworden sind.“

 

Hinten brach ein kleiner Tumult aus. „Das können Sie nicht machen, das ist meine Freundin, die können Sie nicht einfach an jemand anderes geben!“

„Warum, bitte sehr, haben Sie sie dann nicht selbst gekauft? Haben Sie sie denn nicht erkannt, als es um die Details ging und sie vor Ihnen stand?“ fragte Robert völlig unverständlich „Oder haben Sie sie etwa erkannt und gar auf eine andere mehr geboten?

Auch für Herren gilt das Motto der einen Sklavin: ‚Denk nicht so oft an das, was dir fehlt, denkt an das, was du hast!’

Mein Herr, es wird immer eine Frau mit schöneren Beinen, einem knackigeren Arsch, makelloserer Haut oder wundervolleren Titten geben. Wenn Sie denen immer hinterher jagen wollen, werden Sie nie zufrieden sein.

Ich mache Ihnen einen Vorschlag: Sklaven sind ja nun eine Ware und können frei gehandelt werden, machen Sie dem Käufer einfach ein attraktives Angebot.“

 

Gerne hätte ich in ihre Empfindungen und ihr Denken gesehen: Nummer sechs, Handelsware. Ihr Freund brachte sie in diese Situation, bezahlte nicht für sie weil er sie gar nicht erkannte?

Oder womöglich eine andere besser fand?

Für das Wochenende überlassen an einen Unbekannten, der jedoch zumindest ihre äußeren Reize mehr zu würdigen wusste?!

In ihrer Gedankenwelt konnten gerade Kontinente auseinandergebrochen sein und sich neue gebildet haben. Ergebnis völlig offen und die Gefühle absolut vielschichtig.

 

Meine eigene Aufregung stieg reziprok zum Abstand des Geschehens. Die kleine Gruppe, die auf der Bühne von der einen zur anderen ging, hatte inzwischen Beate erreicht.

Ich konnte ein Hantieren wahrnehmen, dann war es zu hören: Klack!

Bei Beate konnte ich das Einrasten des Schlosses hören, jenes winzige, unscheinbare Geräusch, welches einfach alles verändert.

„Folge mir, Sklavin“, befahl ihr ein unbekannter Mann, und Beate? Diese toughe Managerin antwortete: „Ja, mein Herr“ und folgte.

‚Klack’, als Ton so dermaßen unbedeutend, für das eigene Bewusstsein ein anderes Universum.

 

Jetzt war ich an der Reihe, mein Herz raste, die Anspannung stieg fast ins Unermessliche. Es war absolut beklemmend, zu merken, dass Leute um mich herum standen, ohne zu wissen wer. „Also Vera“, hörte ich Rainer sagen, der mir durch seine Anwesenheit einen Teil meiner Unruhe nahm.

„Deinem neuen Besitzer scheinst du mehr als lieb und teuer zu sein, der will dich scheinbar gar nicht mehr gehen lassen“, fuhr er mit sanfter Stimme fort, während er den vorderen Halsbügel des Prangers löste. Meine Arme sackten etwas nach unten, wurden aber von zwei Personen rechts und links von mir gehalten.

 

Rainer manövrierte vorsichtig das Halseisen von vorn nach hinten, bis der kalte Stahl die Kehle erreicht hatte. Hinten wurde der Bügel geschlossen, noch ein wenig herum gewerkelt, daraufhin spürte ich einen leichten Ruck an der Rückseite meines neuen Stahlschmucks, zeitgleich mit einem dumpfen Laut.

Ein Klang, den ich nicht einordnen konnte, dann nochmals ein leichter Ruck, der dumpfe Knall war nicht lauter als der vorherige, erzeugte diesmal in meinem Kopf ein Beben, als hätte die Titanic gerade den Eisberg gerammt.

Der dritte Hammerschlag machte es eindeutig: das Zeichen der Sklaverei wurde in meinem Nacken vernietet! ‚Der will dich scheinbar gar nicht mehr gehen lassen’, dröhnte es mit jedem weiteren Schlag durch meinen Kopf.

 

Mir wurden noch die Hände aus dem Pranger befreit, der erste Handgriff führte unweigerlich zum Hals.

Das Eisen saß eng, war schwer und unnachgiebig.

Und trotzdem fühlte es sich beschwingt und leicht an, eine Analogie zur Erleichterung der sonstigen Umstände.

Das Eisen saß eng, aber weit weniger eng als der Pranger; es war schwer, im Vergleich zu jenem jedoch ein Leichtgewicht; und es war unnachgiebig, und dennoch mit weitaus mehr Freiraum für Bewegungen von Kopf und Armen.

Alles fühlte sich nach Verbesserung, ja fast nach Befreiung an, einfach ein Paradoxon.

 

Jemand nahm mir von hinten die Augenbinde ab und sagte mit einer vertrauten, warmen, schönen, tiefen Stimme: „Dreh dich um, mea favea.“