Chile Kapitel 19

"Klappentext"

Eine Galeerengeschichte

 

Kapitel 19

Margerita stand wie immer in der Ecke des Gefängnishofes, wo sich sonst ihre Leute trafen. Sie wartete, dass Carmen aus der Zelle kam. Vergeblich

Sie erkannte, dass sie entweder verlegt worden war oder Estellas Schwestern sie erwischt hatten. Margerita hoffte, dass das Erste der Fall war. Aber sie selber war nun alleine. Und sie hatte keine Chance. Eine der Beiden würde sie heute umbringen. An den vergangenen Tagen hatte sie Estellas Schwestern, Condi und Reza beobachtet, wie sie, immer in Begleitung einer viel größeren Frau über den Hof stolziert waren. Margerita hatte die Frau erkannt. Es war Tara, eine Gefangene, die schon länger hier im Gefängnis gewesen war und die zu Estellas Gruppe gehört hatte. Margerita hielt nicht viel von Tara. Tara war ein Großmaul aber sie verstand es nicht, zu kämpfen. Mit Sicherheit würde sie kneifen, wenn es wirklich ernst wurde.

Trotzdem musste Margerita sich zuerst um sie kümmern, wenn sie überhaupt eine Chance haben wollte. Sie ging zu dem losen Stein, hinter dem die Waffen versteckt waren. Viel war es nicht, nur ein Rasiermesser und ein angespitzter Löffel. Sie steckte das Messer in ihre Hose und verbarg den angespritzten Löffel an ihrem Arm. Ein Blick auf die Uhr unter dem Wachturm zeigte ihr, dass sie noch etwas Zeit hatte. Meist kamen die Schwestern erst gegen 10 Uhr aus der Zelle. Jetzt war es zwanzig Minuten vor 10.

Margerita schlenderte über den Hof und näherte sich scheinbar unbeabsichtigt Tara, die in der Nähe der Türe stand, die zu den Zellen führte. Langsam ging sie auf Tara zu. Dann machte sie zwei Schritte auf Tara zu, bis sie wenige Zentimeter vor ihr stand. Sie streckte die Hand mit dem spitzen Löffel vor, bis die Spitze Taras Bauch berührte. Margerita sprach sehr leise, weil sie wollte, dass Tara genau zuhörte: „Ich glaube, es ist besser für dich, wenn du dich heute da hinten in der Ecke aufhältst.“

Sie sah dabei Tara in die Augen. Diese wich ihrem Blick aus, dann wandte sie den Kopf. Tara nickte, drehte sich um und ging langsam in Richtung der Ecke, auf die Margerita mit dem Kopf gewiesen hatte.

Jetzt ging Margerita langsam zu der Hoftür und nahm das Rasiermesser in die rechte Hand. Den Löffel behielt sie in der linken Hand. Die Türe ging nach außen auf und war weit geöffnet. Das war ihre einzige Chance. Sie stellte sich hinter die Türe und wartete. Einige Gefangene kamen von den Zellen. Sie hörte, dass sich zwei Gefangene unterhielten, während sie durch den Gang zwischen den Zellen zur Türe entlangkamen. Margerita verstand zwar nicht, was sie sagten, aber sie meinte, ihren Namen gehört zu haben. Es war soweit.

Die beiden Schwestern traten durch die Türe auf den Hof und sahen sich um, ohne die hinter der Türe stehende Margerita zu bemerken. Margerita machte einen Schritt nach vorne. Sie streckte den rechten Arm aus und zog den Arm zurück, wobei sie der einen Schwester, Condi, die Kehle durchschnitt. Mit einem röchelnden Laut stürzte Condi zu Boden. Reza sah für einen kurzen Moment entsetzt auf ihre sich im Todeskampf windende Schwester. Es waren nur zwei oder drei Sekunden, aber das reichte Margerita. Sie ließ den Löffel fallen und griff Reza von hinten. Gleichzeitig legte sie ihr ihren Arm von Hinten über die Schulter und hielt das Rasiermesser an die Kehle.

„Ich will hier raus“, schrie sie. „Lasst mich hier raus, oder ich murkse die hier auch noch ab.“

Erst jetzt erkannten die anderen Gefangenen und die Wärterinnen überhaupt, was da grade geschehen war. Instinktiv wichen die Gefangenen, die näher an Margerita standen von ihr zurück, während sich die, die weiter weg gewesen waren, näherkamen, um sich das Schauspiel anzusehen. Die Wärterinnen drängten sich zwischen den Gefangenen durch. Rund um Margerita und ihre Geisel blieben 6 bis 7 Meter frei.

„Lass das Messer fallen“, schrie eine der Wärterinnen. „Du kommst hier nicht raus.“

„Macht den Weg frei“, forderte Margerita.

Auch die anderen Wärterinnen schrien nun, dass Margerita aufgeben sollte. Margerita zog sich bis zur Wand des Gebäudes zurück.

„Helft mir, tut doch was“, rief Reza. Margerita lachte.

Plötzlich gab es einen Knall. Margerita sah eine Qualmwolke auf dem Wachturm. Eine Kugel schlug knapp neben ihrem Kopf in die Hauswand ein.

„Macht den Weg frei“, schrie sie wieder.

Dann spürte sie, wie ein heftiger Ruck durch Rezas Körper ging, gleichzeitig traf ein unglaublich harter Schlag ihren rechten Arm. Sie konnte den Arm nicht mehr hochhalten, das Messer fiel ihr aus der Hand. Dann glitt Reza nach unten und blieb neben dem inzwischen leblosen Körper ihrer Schwester liegen. Blut strömte aus Rezas Brust. Auch Margerita konnte sich nicht länger aufrecht halten. Sie sank auf den Boden und blieb auf dem Boden sitzen.

Zwei der Wärterinnen stürzten sich auf sie und zogen sie auf die Seite. Sie drückten Margerita auf den Boden. Eine andere Wärterin lief zuerst zu Condi und fühlte schnell ihren Puls. Condi war bereits tot. Dann wandte die Wärterin sich Reza zu. Stoßweise sprudelte Blut aus der Wunde. Die Wärterin versuchte, die Wunde zusammen zu drücken und so die Blutung zu stoppen.

Durch die Schüsse alarmiert, kam auch die Krankenschwester des Gefängnisses auf den Hof. Sie hatte instinktiv ihren Erste Hilfe Koffer gegriffen. Das war fast Routine, denn Messerstechereien auf dem Hof gehörten zur Normalität in diesem Gefängnis. Als sie zu Reza kam, riss sie den Koffer auf und nahm Verbandszeug heraus. Sie stopfte einige Mullbinden in das Loch. Aber alles war vergeblich. Reza zuckte ein letztes Mal, dann hörte die Wunde auf, zu bluten.

Jetzt hatte die Krankenschwester Zeit, sich Margerita zuzuwenden. Sie sah, dass eine Kugel deren Arm glatt durchschlagen hatte, ohne den Knochen zu beschädigen. Mit einigen weiteren Mullbinden schaffte sie es, die Blutung schnell zu stoppen. Die Wärterinnen hoben Margerita hoch und brachten sie in eine Isolierzelle, die direkt neben der Krankenstation lag.

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Bereits zwei Wochen später wurde Margerita dem Richter vorgeführt. Der Staatsanwalt warf ihr die Tötung von Estella, Condi und Reza Hernandez vor.

„Was sagen Sie zu den Anschuldigungen“, fragte der Richter Margerita.

„Ich gebe zu, dass ich Condi die Kehle durchschnitten habe.“ Es machte keinen Sinn, etwas zu leugnen, was Dutzende Gefangene gesehen hatten. „Reza habe ich nur festgehalten und bedroht. Das gebe ich auch zu. Aber ich habe sie nicht getötet. Das war eine Wärterin vom Wachturm aus. War wohl eine lausige Schützin. Das können Sie mir nicht anhängen. Und Estella? Keine Ahnung, wer das war. Ist mir auch egal.“

Der Richter sah zum Staatsanwalt. „Welche Beweise haben Sie zum Fall von Estella?“

„Leider nichts“, gab der Staatsanwalt zu.

„Und was ist mit Reza? Wurde die tatsächlich von der Kugel einer Wächterin getötet?“

„Das schon, aber dazu wäre es nicht gekommen, wenn die Angeklagte sie nicht als Geisel genommen hätte.“

„Ich habe keine Lust, mich hier stundenlang mit diesem Fall zu beschäftigen. Die Angeklagte hat ein Geständnis abgelegt. Also, für den Mord an Condi, 15 Jahre. Für die Geiselnahme, die mit dem Tod der Geisel endete, 8 Jahre. Für Estella, mangels Beweisen, Freispruch. Dazu kommen noch fast 4 Jahre aus ihren bisherigen Straftaten. 15 plus 8 plus 4 macht 27 Jahre. Aber das wird zusammengefasst.“ Er rechnete etwas auf einem Blatt Papier. „18 Jahre 7 Monate“, verkündete der Richter.

Bereits zwei Tage danach wurde Margerita wieder in die normale Zelle gebracht und durfte tagsüber auf den Hof gehen. Sie ging wieder in ihre gewohnte Ecke und setzte sich auf den Boden, wobei sie sich an die Mauer anlehnte.

Eine Gefangene, die sie noch nie gesehen hatte, kam auf sie zu. „Hallo, du bist Margerita“, fragte sie.

Margerita nickte.

„Ich habe hier ein paar Zigaretten. 4 neue und eine angerauchte. Willst du die haben?“

„Gerne. Komm, setz dich doch.“

„Wieviel haben sie dir verpasst“, fragte die Frau.

„!8 Jahre und 7 Monate“, antwortete Margerita. „Aber ich werde sicher nicht mehr als 10 Jahre davon absitzen müssen. Irgendeine Amnestie gibt es doch dauernd. Und weißt du, was das Wichtigste ist?

„Nein. Was denn?“

„Egal wann ich rauskomme, diese drei Zicken sind immer noch tot.“ Margerita grinste die Frau an. „Sag mal, wie heißt du?“

„Ich bin Lana“, sagte die junge Frau. „Meine Schwester hat mal von dir erzählt, als sie damals aus dem Gefängnis gekommen ist. Ich glaube, sie ist jetzt wieder im Gefängnis, aber ich weiß nicht, wo.“

„Deine Schwester? Wie heißt sie?“

„Carmen.“

„Carmen“, fragte Margerita erfreut. „Die war bis vor Kurzem hier. Sie wurde verlegt. Eine der Besten meiner Gruppe. Sie hat Estella erledigt.“

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Am Tag, nachdem die Gefangenen in Puerto Montt so brutal auf ihr zukünftiges Sklavendasein vorbereitet worden waren, blieben sie alle in der Zelle eingesperrt. Die meisten konnten kaum etwas essen, aber alle nahmen die Gelegenheit wahr, sich etwas zu waschen, als eine Wärterin verkündete, dass für 30 Minuten die Dusche angestellt wurde.

Nach der Dusche legte sie sich wieder auf den Boden und hofften, dass die Schmerzen endlich nachlassen würden. Viele weinten sich in einen unruhigen und nicht sehr erholsamen Schlaf.

Als die Wärterinnen am nächsten Morgen mit dem Auflauf und den Tellern kamen, standen fast alle auf und holten sich etwas zu essen. Einige Stunden später wurde wieder die Zellentüre geöffnet. „Ihr könnt jetzt zwei Stunden auf den Hof“, rief eine Wärterin in die Zelle. „Macht voran, in zwei Minuten wird die Türe wieder abgeschlossen und wer dann noch hier drin ist, der bleibt.“

Schnell erhoben sich die Gefangenen und verließen bis auf eine alle die Zelle. Die Wärterin verschloss die Türe und die einzelne Gefangene blieb alleine zurück. Sie mussten durch den Gang zwischen den Zellen gehen und kamen auf einen Hof, auf dem ein kleiner Teil durch Stacheldraht vom anderen Teil getrennt war. Sie waren überrascht, dass noch andere Gefangene auf diesem Hof waren. Alle gefangenen waren vollkommen nackt, alle trugen die gleichen Hand- Fuß- und Halseisen und bei allen Gefangenen waren die Brüste und die Scham mit Ringen versehen. Carmen schätzte, dass sich etwa 40 bis 45 Gefangene hier befanden.

Sie ging zu einer Gefangenen, die sie vorher nicht gesehen hatte und fragte diese, was das für ein Gefängnis sei.

„Kann ich dir auch nicht sagen“, meinte diese Gefangene. „Es gibt Gerüchte. Ein paar Gefangene sind wohl schon länger hier, die erzählen ziemlich merkwürdige Sachen. Irgendwas von wegen dass wir als Sklavinnen auf einer Galeere rudern sollte. Aber ich bitte dich, Galeeren gab es bei den alten Römern vor zweitausend Jahren. Ich bin von meiner Herrin hierhergebracht worden. Aber ich war freiwillig ihre Sklavin und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sowas mit mir machen würde.“

„Wer erzählt denn das mit den Galeeren“, erkundigte Carmen sich nun.

Die Gefangene sah sich um, dann wies sie auf eine sehr magere Gefangene, die an einer Wand des Gebäudes saß. „Die Blonde da hinten und dann noch ..“, sie sah sich wieder um, „da hinten die mit dem total vernarbten Rücken.“

Carmen ging zunächst zu der blonden Gefangenen und setzte sich neben sie. „Hi, ich bin Carmen. Man hat mir gesagt, du weißt, was hier los ist? Das ist doch kein normales Gefängnis, oder?“

„Nein, ist es nicht“, erwiderte die Blonde. „Ich bin Kira aus Deutschland. Eine Frau namens Petra hat mich entführt und hat mich zuerst da gefangen gehalten und mich gefoltert. Vor ein paar Monaten ist sie dann hierher geflogen und mich hat man dann auch hier nach Chile gebracht. Zuerst waren wir auf einer Hazienda, diese Petra, dann eine Gwen und noch ein paar Frauen hier aus Chile. Eine Frau Namens Eva hat das große Sagen.“

„Weißt du, wie die weiter heißt“, wollte Carmen wissen.

„Ja, irgendwas wie Caldara oder so ähnlich.“

„Hmm, kann es Caldama sein? Der Name ist neulich mal gefallen.“

„Ja, kann sein. Es gibt hier wohl einen großen Bergbau Konzern nach dem, was ich gehört habe.

„Klar“, fiel es Carmen jetzt wie Schuppen von den Augen. „Umberto de Caldama, der Besitzer ist vor ein paar Monaten bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. War hier ein Riesending.“

„Naja, jedenfalls gibt es da wohl die Ehefrau dieses Mannes und drei Töchter. Die sind alle ziemlich pervers. Es macht ihnen Spaß, uns zu foltern und zu lesbischen Spielen zu zwingen. Ich musste mal die Alte einen ganzen Tag lang verwöhnen, wie sie es nannte. Ich musste ihr die Füße ablecken und noch andere Stellen. Widerlich. Ich hätte kotzen können. Aber wenn ich nicht gemacht hätte, was sie wollte, hätte ich die Peitsche bekommen. Auf der Hazienda haben diese Petra und die Gwen in einem Bungalow gewohnt und ich musste als ihre Dienerin und Sklavin sie bedienen. Es gab auch noch andere Sklavinnen, da hinten, die Zwillinge“, sie wies in eine Ecke, „und noch Nina“, sie wies auf eine Gefangene, die in der Nähe der Zwillinge stand. „Auf alle Fälle haben Petra und Gwen da immer an Plänen gearbeitet. Es waren Baupläne für ein Schiff, das von Ruderern angetrieben wurde. Und wie ich mitbekommen habe, wird das Schiff bald fertig sein und wir sollen dann da als Sklavinnen rudern und nebenbei den Aufseherinnen als Sexsklavinnen dienen.“

„Das klingt echt pervers“, urteilte Carmen. „Bist du da sicher?“

„Ganz sicher. Es wird die Hölle. Aber nicht nur die Sklavinnen, die jetzt schon hier sind. Insgesamt sollen 300 Sklavinnen das Schiff rudern.“

„Ich kann das garnicht glauben. Sowas ist doch verrückt.“

„Frag mal die da hinten“, sie wies auf die Gefangene, deren Rücken voller Narben war. „Die sollte erst hier als Aufseherin arbeiten. Aber sie hat wohl Streit bekommen und nun ist sie Sklavin wie wir. Die Zwillinge und ich sind einmal sogar ausgerissen, aber wir wurden wieder eingefangen und fürchterlich ausgepeitscht.“

„Macht denen das Spaß, uns auszupeitschen?“

Kira lachte. „Auspeitschen ist noch harmlos. Mir hat die Petra mal Dutzende Nägel in die Füße gesteckt und ich musste damit rumlaufen. Und als wir abgehauen sind, also die Zwillinge und ich, da wurde nachher auch diese Gwen ausgepeitscht, weil die für den Ausbruch verantwortlich war. Aber sie hat das vollkommen irre mitgemacht.“

„Wie meinst du das?“

„Du musst dir vorstellen, sie hat sich nackt einfach hingestellt, die Hände in den Nacken gelegt und hat sich auspeitschen lassen, ohne einen Ton von sich zu geben. Ich konnte das kaum glauben. Und das war echt, da floss ihr das Blut den Rücken runter.“

 

 

 

 

 

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