Chile Kapitel 17

"Klappentext"

Eine Galeerengeschichte

 

Kapitel 17

 

Carmen saß wie üblich an der Wand des Gefängnishofes und beobachtete ihre Mitgefangenen. Sie wartete darauf, dass Fee wie sie es jeden Tag getan hatte zu ihr kam und sich eine Zeitlang zu ihr setzte und sich mit ihr unterhielt. Carmen hatte eine halbe Packung Zigaretten, der Lohn für ihre Dienste bei Senora Geraldine, in der Tasche. Diese würde sie Fee geben. Aber die Zeit verging und Fee tauchte nicht auf. Carmen hatte mit den Augen mehrmals den Hof abgesucht, aber erfolglos.

Sie sah wieder einmal zu der Ecke hinüber, in der sich Margerita und ihre Gefolgsleute normalerweise aufhielten. Plötzlich erkannte sie, dass Margerita ihr zuwinkte. Carmen erhob sich, ging langsam an den Gebäuden entlang und kam endlich bei Margerita an. Diese zog sie mit sich weiter tief in die Ecke.

„Gott sei Dank, wenigstens du bist noch hier“, flüsterte Margerita und machte einen erleichterten Eindruck.

„Was ist los“, fragte Carmen. „Wo sind Fee und die anderen?“

„Vorgestern wurden zwei von ihnen verlegt und gestern Abend haben sie Fee, Honore und Laura geholt. Jetzt bin ich ganz alleine. Wenigstens du bist noch hier“

„Wieso denn das“, wollte Carmen wissen.

„Keine Ahnung. Vielleicht Zufall, dass es sie alle bei den Verlegungen erwischt hat, aber es kommt mir komisch vor. Als ich heute Morgen an einer Gruppe vorbeigegangen bin, habe ich jemanden sagen hören, dass Estellas Schwestern vor zwei Tagen hierhergebracht wurden. Aber ich kenne sie nicht. Kann sein, dass sie Estella rächen wollen. Pass bloß auf, wenn du duschen gehst.“

„Außer Senora Geraldine weiß niemand, was passiert ist“, meinte Carmen. „Und die vermutet es auch nur und erpresst mich damit.“

„Ich weiß. Fee hat mir das erzählt. Ich kann dir im Moment nur noch nicht helfen, aber ich verspreche dir, dass ich mich darum kümmere. Bleib bitte erstmal hier in meiner Nähe, damit ich wen habe, der mir zur Hilfe kommen kann.“ Margerita brachte Carmen zu einem Vorsprung in der Mauer und zeigte ihr einen losen Stein. „Dahinter findest du zwei Messer und auch was zum Zustechen, so wie das Ding, das du bei Estella benutzt hast.“

Carmen gab Margerita noch die Zigaretten, wofür diese sich bedankte. Dann sagte Margerita Carmen, dass diese sich in der Nähe aufhalten sollte.

Wenige Meter davon entfernt gab es etwas Schatten und so setzte Carmen sich dort hin und beobachtete die Gefangenen. Sie döste etwas ein

Plötzlich trat jemand ihr ans rechte Bein. Carmen riss die Augen auf und wollte aufspringen, um sich zu verteidigen. Als sie sah, dass Senora Geraldine vor ihr stand, erhob sie sich.

„Komm mit“, befahl Senora Geraldine. Dann drehte sie sich um und ging quer über den Hof zu der Tür hinter der es zu ihrem Büro ging. Carmen folgte ihr zwei Schritte dahinter. Sie kamen in das Büro und Carmen zog sich ohne einen Befehl abzuwarten aus. Dann kniete sie sich wie immer vor Senora Geraldine hin, die halb auf ihrem Bürostuhl saß und halb lag und machte sich an die Arbeit.

Diesmal brauchte sie länger, um Senora Geraldine zu befriedigen, die das sichtlich genas. Als sie fertig war, hoffte Carmen auf eine der üblichen Belohnungen. Senora Geraldine zog sich wieder die Hose hoch und erhob sich.

„Ich habe dir gesagt, dass du dich von Margerita fernhalten sollst. Aber du musstest es ja besser wissen. Dein Pech.“ Sie zögerte einen Moment, dann fuhr sie fort. „Vielleicht auch mein Pech. Aber egal. Hol deine Sachen, du wirst verlegt. Und glaub mir, ich tue dir damit einen Gefallen.“

„Senora Geraldine“, Carmen kniete noch immer nackt auf dem Boden, „warum?“

„Warum? Bist du blöd? Hast du nicht gehört, dass Estellas Schwestern angekommen sind? Wenn du nicht verschwindest, bist du in einer Woche tot. Genauso wie Margerita. Der gebe ich nicht mal so lange. Und jetzt mach voran.“

Carmen sah sie entsetzt an. Dann zog sie sich an. „Darf ich wenigstens Margerita warnen“, bat sie.

Senora Geraldine lachte. „Glaub mir, Margerita weiß das längst.“ Damit griff sie Carmen am Arm und zog sie aus dem Büro. Sie brachte sie erst zu ihrer Zelle, wo Carmen sich ihre armseligen Besitztümer holen durfte und brachte sie dann in eine Zelle in der Nähe des Hauptbüros, wo bereits eine andere Gefangen auf ihre Verlegung wartete.

---

Corporal Anne Swikart, nein, nur noch Anne Swikart, dachte sie bei sich, fuhr durch die Hitze in Arizona nach Norden. Vor einer Woche hatte sie ihre zehnjährige Dienstzeit bei der Army beendet. Allzu gerne hätte ihr Kompaniechef es gesehen, wenn sie sich weiter verpflichtet hätte. Er hatte ihr zugesichert, dass sie binnen eines Monats zum Sergant befördert werden würde und sogar angedeutet, dass für Anne eine Offizierslaufbahn höchstwahrscheinlich war.

Aber Anne hatte abgelehnt. Zehn Jahre waren genug. Die meiste Zeit war OK gewesen, sie hatte den Drill und dir Disziplin gemocht. Was nicht OK gewesen war, waren drei Einsätze in Afghanistan und im Irak. Sie hatte genug gesehen, Menschen die sie hassten, obwohl sie sie nicht kannten, Armut und Elend und vor allem Leid. Sie hatte gesehen, wie Kameraden starben, sie hatte ihre Schreie gehört, sie hatte abgetrennte Gliedmaßen auf dem Boden gesehen. Und jede Weiterverpflichtung hätte bedeutet, dass sie an diese Orte zurückkehren musste.

So hatte sie eine Stelle an einem kleinen College in Montana angenommen, wo sie in zwei Wochen als Trainerin des Football-Teams anfangen würde. Sie hatte zunächst ihre Familie besucht und wäre gerne auch noch eine Woche länger geblieben, aber sie und ihre Eltern hatten sich entzweit. Ihre Ansichten und die ihres Vaters waren aufeinandergeprallt und als ihre Mutter sie als undankbar und unvernünftig bezeichnet hatte, hatte es ihr gereicht. Sie hatte im College angerufen und gefragt, ob die Wohnung, die man ihr zugesagt hatte schon frei sei. Man hatte ihr das bestätigt und so hatte sie ihr Elternhaus verlassen.

Am Hooverdamm kam sie nach Nevada und wenige Kilometer dahinter sah sie ein kleines Motel, das anzeigte, dass Zimmer frei waren. Anne überlegte, dass sie noch viel Zeit hatte und einen oder zwei Tage in Las Vegas verbringen konnte. Das Motel war kaum 20 Kilometer von dort entfernt aber die Zimmerpreise hier waren sicher niedriger. Kurzentschlossen bog sie vom Highway ab und buchte sich für zwei Tage im Motel ein. Sie brachte ihre Sachen in ihr Zimmer. Direkt neben dem Motel lag eine kleine Bar. Sie ging dort hin und bestellte sich einen Hamburger und ein Bier. Der Mann an der Rezeption des Motels hatte ihr gesagt, sie solle in der Bar ihren Zimmerschlüssel zeigen, was ihr 15 Prozent Rabatt in der Bar einbrachte.

Der Hamburger war riesig und schmeckte echt gut, das Bier war frisch und kalt, bei der Hitze draußen eine Wohltat. Sie merkte, wie müde sie war. Nachdem sie das Bier ausgetrunken hatte, bezahlte sie und ging zum Motel und in ihr Zimmer. Dort fiel sie fast auf ihr Bett. Für einen Moment kam ihr der Gedanke, dass irgendwer ihr etwas in ihr Bier getan haben könnte.

Anne erwachte in einem dunklen Raum. Sie hatte keinerlei Ahnung, wo sie sich befand. Als sie ihre Arme ausstrecken wollte, gelang ihr das nicht. Sie fühlte mit den Händen an ihren Handgelenken und ertastete Handschellen. Aber sie bemerkte, dass sie zumindest noch angezogen war. Als sie ihre Beine von der harten Pritsche herunterschwang, registrierte sie, dass diese offenbar nicht gefesselt waren. Aber dafür spürte sie einen leichten Zug am Hals. Sie griff sich mit den gefesselten Händen an den Hals und ertastete eine Art Halseisen. Offenbar führte eine schwere Kette von diesem Halseisen zu einem in der Wand befestigten Ring.

Sie sah sich um, aber es war so dunkel, dass sie kaum etwas in diesem Raum erkennen konnte. Ohne viel Hoffnung rief sie um Hilfe, aber es war sinnlos. Sie fragte sich, was passiert war und wo sie hineingeraten war. Das Letzte, an das sie sich erinnerte, war dass sie in der Bar etwas gegessen und getrunken hatte.

Nach einer Ewigkeit hörte sie Stimmen. Plötzlich erleuchtete eine kahle Birne den Raum, der kaum zwei Meter breit und drei Meter lang war. Bis auf die Pritsche und einen Eimer war der Raum leer. Eine eiserne Tür versperrte den Zugang, aber diese wurde offenbar entriegelt und dann geöffnet.

Zwei Männer standen in der Tür, der eine hatte ein Brot in der einen Hand, eine Wasserflasche in der anderen.

„Was soll der Scheiß“, schrie Anne die Männer an.

„Schnauze“ kam als Antwort. Das Brot und die Wasserflasche landeten auf der Pritsche, dann drehten die Männer um und verließen den Raum. Die Türe wurde wieder geschlossen und verriegelt.

„Na herrlich“, dachte Anne. „Trockenes Brot und Wasser. Wie in einem mittelalterlichen Gefängnis. Und ein Eimer.“ Sie wusste, sie war in Schwierigkeiten.

---

Endlich konnte das Training beginnen Eva schloss sich der dritten Gruppe an und ging mit MC und der Gruppe in das Hauptgebäude. Vorher befahl sie aber zwei Aufseherinnen, Sophia von der Fesselung zu befreien und mitzubringen.

Sie gingen dann alle in den Raum, in dem die Sklavinnen für den zukünftigen Dienst vorbereitet wurden. Sophia war nicht in der Lage, sich aufrecht zu halten, was Eva aber sowieso egal war. Die neuen Aufseherinnen lehnten die fast Besinnungslose an die Wand. Dann zeigten Eva und MC, wie sie den Sklavinnen Hand- und Fußeisen anzulegen hatten – am Beispiel von Sophia. Danach wurde Sophia an der Wand angekettet und bekam auch ein Halseisen angelegt. Die Aufseherinnen sahen sich alles ganz genau an und waren begeistert dabei, die Schrauben in die Eisen zu drehen und festzuziehen, bis die Köpfe an den Sollbruchstellen abbrachen.

„So“, verkündete Eva dann, „aus einem euch sicher gleich zu verstehenden Grund soll Helga das Privileg haben, die nächsten Schritte alleine durchzuführen.“ Dabei winkte sie diese zu sich heran. Gemeinsam gingen sie zu der an der Wand hängenden Sophia.

Zuerst musste Helga Sophia mit ein paar Eimern Wasser und einigen Ohrfeigen wieder voll zur Besinnung bringen. Dann griff Eva sich Sophias linke Brust, kniff sie etwas zusammen und stach ihr mit der Piercingnadel an der Basis der Nippel das erste Loch. Sophia schrie laut auf. Anschließend zeigte sie Helga, wie der Halbring durch das Loch geschoben wurde und mit dem zweiten Halbring und den Hülsen komplettiert wurde. Als sie damit fertig war, hatte Sophia wieder das Bewusstsein verloren und musste wieder mit Wasser aufgeweckt werden.

Jetzt kam Helga an die Reihe und musste erst Sophias rechte Brust piercen und Beringen und dann sollte sie ihr auch den Kitzlerring verpassen.

Als Helga dort das Loch stach, schrie Sophia lauter und länger auf als bisher, wenn das denn überhaupt möglich war. Gleich darauf verlor sie wieder das Bewusstsein. Als Helga fertig war, besah sie sich das Resultat genau.

„Helga, im Wesentlichen eine gute Arbeit. Nur ein kleiner Fehler. Eigentlich sollte der Ring nur durch die Kitzlervorhaut gehen, aber du warst etwas übereifrig und hast auch den Kitzler selbst durchlöchert und beringt. Aber das macht nichts. Ausnahmsweise.“

Die anderen Aufseher lachten und applaudierten. Sophia wurde von der Wand genommen und die Ärztin wurde gerufen, um sich diese anzusehen. Die Ärztin besah sich den Rücken und war entsetzt, wie dieser aussah.

„Sie muss sofort aufs Krankenrevier. Für die nächsten Wochen fällt sie als Sklavin auf alle Fälle aus“, meinte die Ärztin.

Eva dachte einen Moment nach. „Kommt nicht in Frage. In drei Tagen kommt sie in die Sklavenzelle. Sie hat versucht, hier einen Aufstand anzuzetteln. Es ist wichtig, dass jeder sieht, dass ich sowas nicht zulasse.“

Die Ärztin war alles Andere als begeistert, aber schließlich stimmte sie zu und vier Aufseherinnen schleppten sie in eine Krankenzelle im ersten Stock.

Eva und die anderen ‚Trainerinnen‘ hatten abgesprochen, dass jede Lektion eine Stunde dauern sollte, gefolgt von einer halben Stunde Pause. Danach ging jede Gruppe zur nächsten ‚Trainerin‘. Unterbrochen wurde das nur vom Mittagessen. Auch Maria und Serafin hatten ihre Apartments bezogen und beteiligten sich an den Trainings.

Nachdem jede Aufseherinnengruppe alle Stationen durchlaufen hatte, gab es noch einmal einen kurzen Lauf, der nur eine halbe Stunde dauerte.

Nachdem der Trainingstag beendet war, wurden die Sklavinnen aus den Zellen gelassen und durften sich auf dem Hof zwei Stunden die Füße vertreten. Danach wurden sie wieder in die Zellen getrieben, wo sie auch ihr Abendessen bekamen.

Erst danach gab es auch für die Aufseherinnen das Abendessen. In der Kantine war ein Buffet aufgebaut. Während sich alle bedienten, setzten sich die Trainerinnen immer wieder zu unterschiedlichen Gruppen und fragten, wie sie den Tag gefunden hatten. Einige Aufseherinnen stöhnten, weil das Training so anstrengend gewesen war. Aber es gab einen allgemeinen Konsens, dass das Training in Art und Umfang gerechtfertigt war und dass sie alle dieses gut gebrauchen konnten.

Auch die Ereignisse mit Sophia wurden besprochen. Zwar fanden einige Aufseherinnen, dass die Strafe zu hart war, aber im Endeffekt wurde Evas Entscheidung akzeptiert.