BDSM - Machtspiele zwischen Frauen

"Klappentext"

Teil 10 der Abenteuer der BDSM-Detektivinnen: „Es ist bedeutungslos. Wenn sich der Stab gelegt hat, wird das einzige, was in der Welt lebt, Stein sein“ (modifiziertes Zitat, „Age of Ultron“, 2015)

„Was willst du mir sagen?“

„Die höchste Dienerin wird bald im Tempel eintreffen.“

„Verstanden.“

Heske schob den Ball zurück in den Mund der Tempelnovizin und zog dieser wieder die Latexmaske über das Gesicht. Die Novizin machte einen Knicks und verließ den Überwachungsraum so lautlos wie dies auf Mörderabsätzen möglich war.

Die Staatsanwältin lehnte sich in den Stuhl zurück und schloss die Augen. Der Skopolamintee nach Danielas Befragung hatte sie etwas entspannt und zur Muße verholfen, sich selbst zu befriedigen. Dass nun die höchste Dienerin eintraf, hieß, dass der Ritus dicht bevorstand. Es hieß aber auch, dass sie nicht mehr das Alphaweibchen im Tempel war.

„Egal.“

Sie blickte auf die Überwachungsbilder, sowohl von den Kameras im Tempel, als auch auf dem umliegenden Gelände. Draußen, auf der Straße, fuhr gerade eine Skaterin vorbei. In Danielas Verlies lag der Tisch leer, da die künftige Gespielin des Gottes nach einem Betäubungseinlauf nun eine Massage erhielt und ihr die Haut eingecremt wurde. Und in der Kammer war die Vorbereitung der vier Weihegeschenke fast abgeschlossen. Die Auswertung der Computersoftware zeigte, dass Jane die Metallspitze von dem Dildo in ihrem Mund fast perfekt mit der Zunge stimulieren konnte. Für Shayennea war der passende Dildo gefunden worden. Margaretes Anus war durch die ständigen Einläufe ausreichend ausgeleiert. Nur an Pia fummelte noch eine der Novizinnen für ein letztes Experiment herum. Das Weiheopfer saß in gewohnter Pose auf dem Stuhl, die Brüste auf das Brett gestützt. Gerade erhielt sie über eine sterile Nadel in jede Brust 500 mL isotonische Infusion, die ihrem Busen mehr Straffe verliehen. Unter dem Stuhl stand auf einer Wage ein Blecheimer. Man würde die Zeit stoppen.

Auf den Überwachungsbildern von der Straße war die Skaterin verschwunden. Stattdessen hielt ein Ford K am Bürgersteig. Die Fahrertüre öffnete sich und eine Person stieg aus. Heske erkannte trotz der lausigen Auflösung der Röhrenbildschirme die höchste Dienerin.

Sie schaltete von den Außenkameras weg, zu den Weihegeschenken. Während Gespielinnen innerhalb der Gefolgschaft des Gottes schnell aufstiegen, war dies den Weihegeschenken bis auf ganz wenige Fälle vorenthalten. Einige wurden Novizinnen in einem der weltweite Tempel – hierfür gab es ein Austauschprogramm – aber die meisten verließen danach den Tempel. In einer Woche würden die jungen Frauen auf dem Bildschirm wieder im Internat sitzen und für das Abitur lernen. Natürlich mit dem Wissen, dass in den Archiven eines Tempels irgendwo auf der Welt Gigabyte von Videomaterial über sie existierten. Dennoch – der Gott wachte über sie und aus vielen Weihegeschenken wurden später Karrierefrauen in großen Konzernen. Auch ein paar Frauen aus der Politik hatten so begonnen.

Heske schauderte bei der Erinnerung daran, dass aus ihr auch fast nur ein Weihegeschenk geworden wäre. Im Spätsommer 1998 waren sie und ihre damals beste Freundin, Anya, auf deren Motorrad losgefahren um Skandinavien zu erkundigen. Beide Frauen waren jung und frei gewesen, bereit für Abenteuer. Die Route hatte über die baltischen Staaten und Finnland geführt, wo sie nachts an Seen campten, am Morgen die Mückenstiche zählten und sich schon am Mittag in Bars von Männern aufreißen ließen. Die Abende waren hell, aufgeladen und drogengeschwängert gewesen.

Anya und Heske hatten es bis dicht vor die schwedische Hauptstadt geschafft, als das Motorrad liegen geblieben war. Sie hatten es am Straßenrand abgestellt, zur Sicherheit die Reifen zusammengekettet und in der nächsten Bar ein Bier getrunken. Heute wusste Heske natürlich, dass sie als die beiden deutschen Frauen auf dem Motorrad zu dem Zeitpunkt längst Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatten. Auf jeden Fall war das Motorrad auch nicht mehr nach der Pause angesprungen und keine von ihnen verstand von Autotechnik mehr, als die Batterie auszutauschen. Schließlich hatte eine Frau in einem weißen Lieferwagen angehalten und angeboten, sowohl die beiden Frauen mitzunehmen, als auch das Motorrad hinten einzuladen. Man unterhielt sich auf Englisch, die Helferin wollte wissen, woher Anya und Heske genau kämen und was sie schon wo unternommen hätten.

„Really. You don’t call at home every day? Sounds dangerous to me.“

„Oh, c’mon“, hatte Anya gemeint.

Wie eine Werkstatt hatte das Haus, vor dem die Frau schließlich angehalten hatte, nicht ausgesehen.

„Are you sure that this is the repair shop?“

In knappen Worten hatte die Frau Anya und Heske erklärt, was von nun an deren Aufgabe als Weihegeschenke – auf Englisch: sacred gifts – sei. Die beiden Deutschen hatten nur gelacht, gemeint, die Frau spinne völlig und waren ausgestiegen. Neben dem Lieferwagen hatte schon eine angemessene Anzahl an Tempelnoviz*innen gewartet.

Mit ihrem Exotenfaktor als Deutsche und den großen Brüsten war Anya als Gespielin ausgewählt worden. Heske hatte die nächsten Tage zusammen mit zwei anderen Frauen und einem Mann in einer Kammer gewartet, so wie jetzt Jane, Pia, Margarete und Shayennea. Die Details des Ritus variierte jeder Tempel ein bisschen. Bei Heske waren es Buttplugs gewesen, der letzte von der Größe einer Birne. Noch heute konnte sie sich problemlos von ihrem Gott von hinten nehmen lassen. Sie war die ganze Zeit über gefesselt gewesen.

Aber dann machte einer der Novizen einen Fehler bei der Dosierung des Betäubungseinlaufes für Anya. Diese war zu früh erwacht und hatte versucht, ihrer Gefangenschaft zu entkommen. Da der Tempel nicht wirklich in der Stadt lag – weltweit waren alle Tempel von breiteren Geländestreifen umgeben – war sie auf offener Heide überwältigt und zurückgebracht worden. Ihre Zukunft als Gespielin des Gottes hatte Anya damit verwirkt und stattdessen war Heske als zweite Deutsche ausgewählt worden. Nach dem Ritus hatte sie sich zwei Jahre ihrem neuen Gott hingegeben, der in dem skandinavischen Tempel aus weißem Marmor gefertigt gewesen war. Während dieser Zeit hatte sie immer mehr verstanden – vor allem wie die Welt funktionierte, weshalb ihr der neue Gott bei allen Problemen im Leben helfen und dass sich ihr nie wieder ein Hindernis in den Weg stellen würde. Als nach zwei Jahren eine neue Gespielin für den Gott ausgewählt wurde, war es Heske schwer gefallen zu gehen. Nach der Rückkehr nach Deutschland hatte sie das Jurastudium begonnen und war nach der ersten Bewerbung bei einer Staatsanwaltschaft nahe eines Tempels angenommen worden. So konnte sie sowohl ihrem Gott dienen, als auch einem Plan nachgehen, bei dem sie – mit der Hilfe ihres Gottes – die Welt verbesserte: Kriminelle auf den richtigen Pfad zu führen.

Und Anya? Heske wusste aus den Akten, dass diese wegen dem Ungehorsam auf die unterste Stufe der Hierarchie verbannt worden war. Als Novizin immer in Latex gekleidet, diente sie in Berlin als Haushaltskraft in einer WG mit männlichen Novizen.

Auf den Überwachungsbildern sah man, dass die höchste Dienerin erst einmal den Weihegeschenken einen kurzen Besuch abstattete und deren Fortschritte begutachtete. Den vier jungen Frauen wurde offenbar erst in dem Moment klar, wo sie wirklich hereingeraten waren. Dann lief die höchste Dienerin im Tempel die Treppen hoch, zum Überwachungsraum.

Heske stand von dem Stuhl auf. Sie war vollkommen unbekleidet. Der Boden fühlte sich unter ihren Füßen kalt an. Innerhalb des Tempels durfte Heske der höchsten Dienerin nur nackt gegenübertreten. Als sich die Türe zu dem Raum öffnete, sank sie mit den Unterschenkeln auf den Boden. Die Hände verschränkte sie hinter dem Rücken.

‚Die gleiche Pose wie Anastasia Steele in diesem blöden Roman“, dachte sie.

Die höchste Dienerin betrat den Raum. Sie trug ein langes grünes Kleid.

Sie trat vor Heske, strich mit der Rückseite einer Hand über deren Wange und fragte dann: „Ist alles für den Ritus vorbereitet?“

„Jawohl. Die Weihegeschenke sind allesamt bereit.“

„Und Daniela?“

Aus irgendeinem Grund störte es Heske, dass die höchste Dienerin die fünf jungen Frauen mit dem Vornamen ansprach. Als sei dies ein Hinweis, dass sie ihnen näherstand als es Heske trotz der letzten Wochen je gelingen würde.

„Sie hat noch ihren rebellischen Geist.“

Die höchste Dienerin lächelte. „Alles andere hätte mich gewundert. Daniela ist ein Wildfang“

„Sie wird es verstehen, wenn sie der Ritus zur Gespielin macht.“, sagte Heske. Sie hatte es auch verstanden.

„Natürlich. Achte so lange darauf, dass keine der Fesseln nachgibt.“

„Jawohl. Zusätzlich werde ich sie bald ölen.“

„Gut.“ Die höchste Dienerin schien zu überlegen. „Unser Gott wird erfreut sein, eine Frau zur Gespielin zu bekommen, die bislang nur Erfahrung mit Frauen hat. Falls er es schafft, Daniela zu bekehren, wird der Lohn für uns umso größer ausfallen. Ich denke sogar, wir könnten bis zum nächsten Ritus mehr als vier Äquinoktien verstreichen lassen.“

Heske war sich nicht sicher, ob sie das wollte. Aber sie sagte: „Jawohl.“

Die höchste Dienerin setzte sich auf den Stuhl, auf dem eben noch Heske gesetzt hatte und schlug die Beine übereinander, wobei der glatte Stoff des Kleides ihrer Körperform folgte. Sie lächelte zu Heske herab und sagte: „Du hast alles brav vorbereitet. Die nächsten 72 Stunden werden lang. Aber ich denke, wie haben bei allen eine gute Wahl getroffen und dass wird unser Gott erkennen.“

„Jawohl.“ Heske blickte auf die Füße der höchsten Dienerin, die in geschlossen High Heels mit sehr langem Absatz steckten. Eine Dominanzgeste. Auch Heske trat den Weihegeschenken, den Gespielinnen und wenn möglich auch den Novizinnen in hoher Haltung entgegen.

„Gehen wir nachher noch ein paar Cocktails trinken?“, fragte die höchste Dienerin. „Ich meine etwas anderes als deinen Tee.“

Es brauchte ein paar Sekunden, bis Heske aufblickte.

„Wir sollten uns noch einmal entspannen, bevor es losgeht“, sagte die höchste Dienerin. „Ich habe uns einen Tisch in der neuen Bar reserviert. Kennst du die? Nahe dem Einkaufszentrum.“

„Jawohl. Ich komme gerne mit“, sagte Heske und atmete tief aus. Ihr Blick ging durch den Raum, zu den Bildschirmen hinter der höchsten Dienerin. Die Kamera für die Außenaufnahmen zeigte schon wieder die Skaterin, die an dem Tempelgrundstück vorbeifuhr.

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